Alle Schaderreger
Schädling

Kleiner Frostspanner

Operophtera brumata
CHEIBR

Der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata, EPPO-Code: CHEIBR) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im europäischen Obstbau. Der zu den Spannern (Geometridae) gehörende Kleinschmetterling zeichnet sich durch eine ausgeprägte Polyphagie aus. Er befällt neben Kernobst wie Apfel (Malus domestica) und Birne (Pyrus communis) auch Steinobst sowie Beerenobst wie Himbeeren (Rubus idaeus) und Brombeeren (Rubus fruticosus).

Die wirtschaftliche Relevanz des Schädlings ergibt sich aus dem massiven Fraßschaden im Frühjahr. Die jungen Larven dringen bereits beim Knospenaufbruch in die Knospen ein und zerstören Blütenanlagen sowie junge Blätter. Bei starkem Auftreten kann es zu Kahlfraß kommen, was erhebliche Ertragseinbußen und eine nachhaltige Schwächung der Kulturen zur Folge hat. Der Schaderreger kommt in ganz Europa flächendeckend vor und besiedelt sowohl Erwerbsanlagen als auch Streuobstwiesen und Laubwälder.

Typ
Schädling
EPPO-Code
CHEIBR
Wirte
4 Kulturen
Generationen
1 Generation pro Jahr
Verbreitung
Der Kleine Frostspanner ist in ganz Europa sowie in Teilen Nordamerikas und Asiens weit verbreitet. In feucht-gemäßigten Klimazonen verursacht er regelmäßig erhebliche wirtschaftliche Schäden im Erwerbsobstbau.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Der Kleine Frostspanner bildet eine Generation pro Jahr aus. Die adulten Falter schlüpfen im Spätherbst (Oktober bis Dezember) nach den ersten Frostnächten aus dem Boden, woraufhin die flugunfähigen Weibchen den Stamm emporlaufen, um sich in der Krone zu paaren und dort ihre Eier abzulegen. Die Überwinterung erfolgt im Eistadium an Zweigen und Knospen. Pünktlich zum Knospenaufbruch der Kulturen im Frühjahr (ca. BBCH 07 bis 10) schlüpfen die jungen Raupen und beginnen sofort mit dem Fraß an Blüten und Blättern. Nach Abschluss ihrer Entwicklung im Mai oder Juni lassen sich die Raupen an einem Spinnfaden zu Boden herab, um sich im Boden zu verpuppen und bis zum Herbst zu ruhen.

Bonitur

Die Überwachung des Befalls beginnt bereits im Herbst (ab Oktober) durch das Anbringen von Leimringen an den Baumstämmen, um die emporkriechenden Weibchen zu erfassen; ein Richtwert liegt bei etwa 10 bis 20 Weibchen pro Baum. Im Frühjahr, zwischen dem Aufbrechen der Knospen (BBCH 53) und der Ballonstufe (BBCH 59), ist eine visuelle Kontrolle der Blütenbüschel und Jungblätter auf geschlüpfte Raupen unerlässlich. Hierbei gilt eine Schadschwelle von etwa 2 bis 5 Raupen pro 100 Blütenbüschel bei Kernobst als Orientierung für eine gezielte Behandlung.

Symptome

Die ersten Symptome zeigen sich beim Knospenaufbruch durch feine Einbohrlöcher an den Knospenspitzen. Später sind junge Blätter und Blütenknospen oft locker zusammengesponnen und weisen unregelmäßigen Loch- und Fensterfraß auf. Bei starkem Befall werden Blütenorgane komplett ausgefressen, was zum Ausbleiben des Fruchtansatzes führt. An den heranwachsenden Früchten von Kern- und Steinobst entstehen durch den Fraß der älteren Raupen tiefe, später verholzende Narben (sogenannter „Löffelfraß“). Im Extremfall sind die Kulturen völlig kahlgefressen, wobei nur noch die stärkeren Blattnerven übrig bleiben.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Mechanisch ist das rechtzeitige Anbringen von unbeschädigten Leimringen im September/Oktober hochwirksam, um die Eiablage in der Krone zu verhindern. Biologisch wird der Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten empfohlen, der idealerweise gegen die jungen Larvenstadien (L1 bis L2) bei Temperaturen über 15 °C erfolgt, um die Nützlingsfauna zu schonen. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Pyrethroide oder spezifische Fraßgifte) sollten nur bei Überschreitung der Schadschwellen und unter Berücksichtigung des IRAC-Resistenzmanagements eingesetzt werden, wobei ein regelmäßiger Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen IRAC-Klassen zwingend einzuhalten ist.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-63
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan AZ
Trifolio-M GmbH
024436-67
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan Gießmittel AZ
Trifolio-M GmbH
024436-66
Bi 58
Trifolio-M GmbH
024436-96
Buchsbaumzünslerfrei
Trifolio-M GmbH
024436-75
BUCHSBAUMZÜNSLER-FREI ORGANIC
Trifolio-M GmbH
024436-81
CELAFLOR Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-74
COMPO BIO Insekten-frei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-65
COMPO Buchsbaumzünsler K.O.
Trifolio-M GmbH
024436-76
COMPO Trauermücken-frei
Trifolio-M GmbH
024436-87
COMPO Triathlon Insekten-frei Plus AF
Trifolio-M GmbH
024436-97
DiPel DF
SUMITOMO CHEMICAL
00A304-00
ETISSO Schädlings-frei EC
Trifolio-M GmbH
024436-77
Lizetan AZ Schädlingsfrei
Trifolio-M GmbH
024436-69
Lizetan AZ Schädlingsfrei Gießmittel
Trifolio-M GmbH
024436-70
Lizetan AZ Trauermückenfrei
Trifolio-M GmbH
024436-93
Naturen Bio Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-64
NeemAzal-T/S
Trifolio-M GmbH
024436-00
Neem Bio-Schädlingsfrei
Trifolio-M GmbH
024436-68
Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-84
SCHÄDLINGSFREI ORGANIC
Trifolio-M GmbH
024436-79
Schädlingsfrei Rose
Trifolio-M GmbH
024436-88
Schädlings-Stopp Plus
Trifolio-M GmbH
024436-78
Spruzit NEEM GemüseSchädlingsfrei
Trifolio-M GmbH
024436-82
Spruzit Neem ZierpflanzenSchädlingsfrei
Trifolio-M GmbH
024436-89
Spruzit TrauermückenFrei
Trifolio-M GmbH
024436-83
Substral Universal Schädlingsfrei
Trifolio-M GmbH
024436-91
Substral Zierpflanzen Schädlingsfrei
Trifolio-M GmbH
024436-92
TrauermückenEX
Trifolio-M GmbH
024436-86
Trauermückenfrei
Trifolio-M GmbH
024436-95
Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie unterscheidest du die Raupen des Kleinen Frostspanners von anderen Schmetterlingsraupen im Frühjahr?

Die Raupen des Kleinen Frostspanners besitzen neben den drei Brustbeinpaaren nur ein einziges Bauchbeinpaar und den Nachschieber am Hinterleib. Aufgrund dieser Anatomie bewegen sie sich in der typischen, „spannenden“ Schleifenbewegung fort, bei der der Körper bogenartig angehoben wird. Zudem sind sie hellgrün mit drei feinen, weißen Längsstreifen an den Seiten.

Wann ist der optimale Zeitpunkt, um Leimringe an den Obstbäumen anzubringen?

Du solltest die Leimringe unbedingt vor dem ersten Frost, spätestens jedoch Mitte bis Ende September, anbringen. Die flugunfähigen Weibchen beginnen ihren Aufstieg am Stamm meist nach den ersten kalten Herbstnächten im Oktober. Achte darauf, dass der Leimring eng am Stamm anliegt und keine Lücken entstehen, unter denen die Weibchen hindurchkriechen könnten.

Warum wirken Behandlungen mit Bacillus thuringiensis im frühen Frühjahr manchmal unzureichend?

Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis (Bt) wirken als Fraßgift und müssen von den Raupen aktiv aufgenommen werden. Da die Raupen bei kühlen Frühjahrstemperaturen träge sind und wenig fressen, ist die Wirkung dann reduziert. Für einen optimalen Bekämpfungserfolg benötigst du Temperaturen von konstant über 15 °C während und kurz nach der Anwendung.

Wie kannst du im Pflanzenschutz-Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen den Kleinen Frostspanner finden?

Nutze im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und suche gezielt nach dem EPPO-Code „CHEIBR“ oder dem deutschen Namen „Kleiner Frostspanner“. Filtere anschließend nach deiner spezifischen Kultur, um die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der einzuhaltenden Wartezeiten und maximalen Anwendungen pro Saison angezeigt zu bekommen.

Welche Rolle spielen natürliche Gegenspieler bei der Regulierung des Frostspanners?

Natürliche Gegenspieler wie Schlupfwespen, Raubwanzen, Laufkäfer und Vögel (insbesondere Meisen während der Brutzeit) spielen eine erhebliche Rolle bei der Dezimierung der Population. Durch die Förderung der Biodiversität in deiner Anlage, beispielsweise durch das Aufhängen von Nistkästen und das Belassen von Blühstreifen, kannst du den biologischen Druck auf den Schaderreger auf natürliche Weise erhöhen.

Kann der Kleine Frostspanner auch durch Wind verbreitet werden, obwohl die Weibchen flugunfähig sind?

Ja, eine Ausbreitung findet trotz der flugunfähigen Weibchen statt. Die frisch geschlüpften Jungraupen spinnen im Frühjahr feine Seidenfäden und lassen sich vom Wind über teils beachtliche Strecken in benachbarte Kulturen oder Baumkronen wehen. Diesen Vorgang nennt man „Ballooning“, weshalb ein Befall auch trotz perfekt funktionierender Leimringe auftreten kann.