Mehlige Kohlblattlaus
Die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae, EPPO-Code: BRVCBR) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schädlinge im professionellen Anbau von Kreuzblütlern (Brassicaceae). Dieser spezialisierte Schaderreger befällt vor allem Kopfkohl, Wirsing, Rosenkohl und Kohlrabi. Durch ihre Saugtätigkeit und die enorme Vermehrungskapazität kann die Laus innerhalb kürzester Zeit ganze Bestände massiv schädigen und die Vermarktungsfähigkeit der Ernteprodukte vollständig zerstören.
Neben dem direkten Saugschaden, der zu starken Deformationen führt, ist dieser Schädling als Vektor für pflanzenpathogene Viren gefürchtet, darunter das Blumenkohlmosaikvirus (CaMV) und das Turnip-Mosaikvirus (TuMV). Die mehlige, wachsartige Bepuderung der Kolonien schützt die Tiere nicht nur vor Witterungseinflüssen, sondern erschwert auch die Benetzung bei der Applikation von Pflanzenschutzmitteln, was die Regulierung im Freiland zu einer agronomischen Herausforderung macht.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung erfolgt als widerstandsfähiges Ei an verbliebenen Strunkresten oder Winterraps im Feld. Im Frühjahr schlüpfen daraus die ungeflügelten Stammmütter (Fundatrices), die sich parthenogenetisch vermehren und rasch erste Kolonien bilden. Ab dem Frühsommer entstehen geflügelte Morphen, die neue Kulturen besiedeln und dort dichte, von Wachsausscheidungen bedeckte Kolonien etablieren. Im Herbst entwickeln sich schließlich geschlechtliche Formen, die nach der Paarung die Wintereier an winterharten Kreuzblütlern ablegen.
Bonitur
Eine regelmäßige Befallskontrolle ist ab dem Auflaufen bzw. dem Pflanzen der Kulturen (BBCH 12–19) unerlässlich, wobei besonders die Herzblätter und Blattunterseiten inspiziert werden sollten. Die Schadensschwelle im professionellen Kohlanbau liegt je nach Nutzungsrichtung und BBCH-Stadium meist sehr niedrig; im sensiblen Bereich der Kopfbildung (ab BBCH 41) wird oft schon bei einem Befall von 1–5 % der kontrollierten Kulturen eine gezielte Behandlung empfohlen. Gelbschalen können im Frühjahr helfen, den Zuflug der geflügelten Alaten frühzeitig zu erfassen und den optimalen Startpunkt für intensivere Feldbegehungen zu bestimmen.
Symptome
Typisch ist das Auftreten von dichten, graublau bemehlten Lauskolonien, vorzugsweise an den jüngeren Blättern und im Herz der Kultur. Die Saugtätigkeit führt zu charakteristischen Blatteinrollungen, Kräuselungen und gelblichen Verfärbungen der betroffenen Gewebebereiche. Bei starkem Befall kommt es zu Wachstumshemmungen, Herzlosigkeit der Kohlpflanzen und einer starken Verschmutzung durch klebrigen Honigtau, auf dem sich sekundär Rußtaupilze ansiedeln.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches integriertes Management basiert auf einer konsequenten Feldhygiene, insbesondere dem zügigen Unterpflügen von Ernterückständen zur Unterbrechung der Infektionskette. Die Förderung natürlicher Gegenspieler wie Schwebfliegenlarven, Schlupfwespen (z. B. Diaeretiella rapae) und Marienkäfern kann den Populationsaufbau im Freiland effektiv verzögern. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist auf eine hervorragende Benetzung der Blattunterseiten und des Herzbereichs zu achten (hohe Wasseraufwandmenge, ggf. Netzmittelzusatz). Um Resistenzen vorzubeugen, müssen Wirkstoffe aus unterschiedlichen IRAC-Klassen im Rahmen einer klugen Spritzfolge abgewechselt werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Mehlige Kohlblattlaus?
Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub, indem du nach dem Schaderreger "Brevicoryne brassicae" oder dem deutschen Namen filterst. Du kannst die Ergebnisse gezielt nach deiner spezifischen Kultur und dem aktuellen BBCH-Stadium eingrenzen, um nur die für dich rechtlich zulässigen Anwendungen mit den korrekten Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.
Warum ist die Regulierung der Mehligen Kohlblattlaus bei trocken-warmer Witterung besonders schwierig?
Unter trocken-warmen Bedingungen vermehrt sich der Schädling extrem schnell, da sich die Entwicklungszeit einer Generation auf wenige Tage verkürzt. Zudem bilden die Läuse dann eine besonders dicke, wasserabweisende Wachsschicht aus. Achte bei solchen Wetterlagen auf eine ausreichend hohe Wasseraufwandmenge von mindestens 600 l/ha und den Einsatz zugelassener Netzmittel, um die Wachsschicht zu durchdringen.
Welche Rolle spielen Winterzwischenfrüchte und Raps für den Befallsdruck im Frühjahr?
Da der Schaderreger als Ei an winterharten Kreuzblütlern überwintert, dienen Winterraps, Senf-Zwischenfrüchte oder wildwachsender Ackersenf als perfektes Winterquartier. Wenn du Kohl in der Fruchtfolge anbaust, solltest du auf ausreichenden räumlichen Abstand zu solchen Flächen achten und Kreuzblütler-Zwischenfrüchte vor dem Winter gründlich einarbeiten.
Wie kann ich Nützlinge gezielt in meine Pflanzenschutzstrategie integrieren?
Schwebfliegen, Schlupfwespen und Marienkäfer können kleine Lauskolonien im Frühsommer komplett unterdrücken. Wenn du eine chemische Behandlung planst, wähle bevorzugt nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel aus. Blühstreifen in der Nähe deiner Kulturen fördern zudem die Ansiedlung dieser wichtigen Gegenspieler und helfen dir, den chemischen Aufwand zu minimieren.
Ab welchem BBCH-Stadium ist eine Behandlung absolut kritisch für die Vermarktung?
Besonders kritisch ist die Phase ab dem Beginn der Kopfbildung (BBCH 41 bis 49). Sobald sich die Blätter über dem Vegetationspunkt schließen, wandern die Läuse ins Innere des Kohls. Dort sind sie für Kontaktinsektizide praktisch nicht mehr erreichbar und führen zu direktem Ausschuss bei der Ernte. Eine Behandlung muss daher zwingend vor dem Schließen der Köpfe erfolgen.
Wie vermeide ich Wirkstoffresistenzen bei der chemischen Regulierung?
Du solltest niemals mehrmals hintereinander Pflanzenschutzmittel aus derselben IRAC-Wirkstoffklasse einsetzen. Wechsle systematisch zwischen systemischen Wirkstoffen (wie systemischen Neonicotinoiden oder Ketoenolen) und Kontaktgiften ab. Beachte stets die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison für die jeweilige Wirkstoffgruppe.