Alle Schaderreger
Schädling

Mehlige Kohlblattlaus

Brevicoryne brassicae
BRVCBR

Die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae, EPPO-Code: BRVCBR) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im professionellen Kohlanbau in Mitteleuropa. Dieser hochspezialisierte Schädling befällt nahezu alle Kulturen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), wobei insbesondere Kopfkohl, Wirsing, Rosenkohl und Blumenkohl stark gefährdet sind. Ein unkontrollierter Befall führt nicht nur zu direkten Saugschäden, sondern kann durch die Übertragung von Pflanzenviren zu massiven Ernteverlusten führen.

Charakteristisch für diesen Schädling ist der dichte, weißlich-graue Wachsstaub, der die Kolonien überzieht und ihnen ihr namensgebendes mehliges Aussehen verleiht. Die wirtschaftliche Relevanz ist im Gemüsebau extrem hoch, da bereits ein geringer Besatz an den Ernteorganen die Ware unverkäuflich macht. Zudem führt die Ausscheidung von Honigtau zur Ansiedlung von Rußtaupilzen, was die Qualität der betroffenen Kulturen weiter drastisch mindert.

Typ
Schädling
EPPO-Code
BRVCBR
Wirte
4 Kulturen
Generationen
Bis zu 15 Generationen pro Saison (stark witterungsabhängig)
Verbreitung
Die Mehlige Kohlblattlaus ist weltweit in allen gemäßigten Klimazonen verbreitet und verursacht insbesondere in Europa, Nordamerika und Asien erhebliche ökonomische Schäden im professionellen Gemüsebau.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung erfolgt als Ei an den Stängeln und Ernterückständen von Winterraps oder winterharten Kohlkulturen. Im Frühjahr schlüpfen daraus die Stammmütter (Fundatrices), die sich parthenogenetisch vermehren und rasch dichte Kolonien aufbauen. Ab dem Frühsommer (oft zeitgleich mit dem BBCH-Stadium 15 bis 19 der Hauptkulturen) entwickeln sich geflügelte Morphen, die neue Kulturen besiedeln. Unter optimalen, warm-trockenen Bedingungen im Sommer folgen bis zu 15 Generationen in extrem kurzen Abständen aufeinander. Im Herbst entstehen schließlich geflügelte Männchen und ungeflügelte Weibchen, die sich geschlechtlich paaren, woraufhin die Eiablage für die nächste Überwinterung erfolgt.

Bonitur

Eine regelmäßige Befallskontrolle ist ab dem Pflanzenauflauf bzw. dem Auspflanzen (BBCH 12–14) bis kurz vor der Ernte unerlässlich. Dabei sollten wöchentlich mindestens 50 Pflanzen diagonal im Feld begutachtet werden, insbesondere an den jüngsten Herzblättern und Blattunterseiten. Die Schadensschwelle im professionellen Anbau liegt je nach Kultur und Entwicklungsstadium sehr niedrig: Bei Kopfkohl gilt ein Richtwert von 5 bis 10 % befallenen Pflanzen im BBCH-Stadium 19 bis 39 (Vor-Kopfbildung) als kritisch. Sobald die Kopfbildung (BBCH 41) einsetzt, toleriert der Markt praktisch keinen Befall mehr, weshalb hier bereits bei ersten Kolonienbildungen eingegriffen werden muss.

Symptome

Typisch sind stark gekräuselte, deformierte und oft chlorotisch verfärbte Blätter im Herzbereich der Kulturen. An den Befallsstellen bilden sich dichte, graumehlige Kolonien aus ungeflügelten Läusen, die von klebrigem Honigtau umgeben sind. Bei starkem Befall kommt es zu Wachstumshemmungen, die Kopfbildung unterbleibt oder die Köpfe verkrüppeln vollständig. Sekundär siedeln sich auf dem Honigtau dunkle Rußtaupilze an, die das Erntegut verschmutzen. Zudem können Symptome von Viruserkrankungen wie dem Blumenkohlmosaikvirus (CaMV) auftreten, die durch die Saugtätigkeit übertragen werden.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus vorbeugenden Kulturmaßnahmen, biologischer Regulierung und gezieltem chemischen Pflanzenschutz. Kulturseitig sind eine weite Fruchtfolge, das gründliche Unterpflügen von Ernterückständen zur Vernichtung der Wintereier sowie der Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung hochwirksam. Die Förderung von natürlichen Gegenspielern wie Schwebfliegenlarven, Marienkäfern und Schlupfwespen (z. B. *Diaeretiella rapae*) kann den Befallsdruck im Frühsommer biologisch begrenzen. Wenn chemische Pflanzenschutzmittel unumgänglich sind, sollten nützlingsschonende, systemische oder tiefenwirksame Präparate bevorzugt werden, um die Läuse auch in den geschützten Herzblättern zu erreichen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffwechsel-Management gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei Wirkstoffe aus unterschiedlichen IRAC-Klassen abwechselnd zum Einsatz kommen müssen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Warum ist die Bekämpfung der Mehligen Kohlblattlaus im fortgeschrittenen BBCH-Stadium der Kopfbildung so schwierig?

Sobald die Kopfbildung (ab BBCH 41) einsetzt, wandern die Blattläuse tief in das Innere des Kopfes oder der Röschen ein. Dort sind sie vor Kontaktinsektiziden mechanisch geschützt. Zudem erschwert die dicke, wasserabweisende Wachsschicht der Läuse selbst die Benetzung. In diesem Stadium können meist nur noch systemische Pflanzenschutzmittel mit hoher Tiefenwirkung eine ausreichende Wirkung erzielen, wobei stets die gesetzlichen Wartezeiten bis zur Ernte strikt beachtet werden müssen.

Welche Rolle spielen Wildkräuter und Raps bei der Übertragung und Ausbreitung dieses Schaderregers?

Wildwachsende Kreuzblütler (wie Hirtentäschelkraut oder Acker-Senf) sowie Winterraps dienen der Mehligen Kohlblattlaus als wichtige Zwischenwirte und Überwinterungsstätten. Von diesen Flächen fliegen die geflügelten Generationen im Frühjahr direkt in die frisch gepflanzten Gemüsekulturen ein. Eine konsequente Unkrautbekämpfung im Umfeld der Kohlfelder und ein ausreichender räumlicher Abstand zu Rapsfeldern reduzieren den frühen Befallsdruck erheblich.

Wie kann ich im Online-Portal gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schädling suchen?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub auf agronomy.farmable.tech und filtern Sie gezielt nach der jeweiligen Kultur (z. B. Blumenkohl oder Rosenkohl) und dem Schaderreger "Mehlige Kohlblattlaus" (*Brevicoryne brassicae*). Achten Sie bei den Suchergebnissen besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die zugelassene Aufwandmenge, die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison sowie die für die jeweilige Kultur festgesetzte Wartezeit.

Wie beeinflusst die Witterung das Schadpotenzial und die Vermehrungsrate von Brevicoryne brassicae?

Warme und trockene Sommerwitterung beschleunigt die Entwicklung extrem; bei Temperaturen um 20–25 °C kann sich eine Generation innerhalb von nur 8 bis 10 Tagen entwickeln. Regen und kühle Temperaturen hingegen hemmen die Vermehrung stark und waschen zudem den schützenden Wachsstaub von den Kolonien ab, wodurch die Läuse anfälliger für natürliche Feinde und mechanische Einflüsse werden.

Warum ist der Einsatz von Netzmitteln bei der chemischen Behandlung gegen diesen Schaderreger oft ratsam?

Sowohl die Blattoberfläche von Kohlkulturen als auch die Körper der Mehligen Kohlblattlaus sind mit einer stark wasserabweisenden Wachsschicht überzogen. Ohne den Zusatz eines zugelassenen Netzmittels perlt die Spritzbrühe oft wirkungslos ab. Ein Netzmittel reduziert die Oberflächenspannung des Wassers, sorgt für eine gleichmäßige Benetzung der Kolonien und verbessert das Eindringen systemischer Wirkstoffe in die Kultur.

Welche IRAC-Klassen stehen für das Resistenzmanagement bei der Mehligen Kohlblattlaus zur Verfügung?

Für ein effektives Resistenzmanagement sollten Wirkstoffe aus unterschiedlichen IRAC-Klassen alternierend eingesetzt werden. Häufig genutzt werden Wirkstoffe der Gruppe 4 (z. B. Flupyradifuron, Acetamiprid), der Gruppe 23 (Ketoenole wie Spirotetramat) oder der Gruppe 29 (Flonicamid). Ein wiederholter, monokultureller Einsatz derselben Wirkstoffklasse ist unbedingt zu vermeiden, um die Selektion resistenter Populationen zu verhindern.