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Kohlgemüse

Brassica oleracea
BRSOX

Brassica oleracea (EPPO-Code: BRSOX) umfasst als eine der vielseitigsten Arten aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) eine breite Palette wirtschaftlich bedeutender Kohlgemüse-Kulturen wie Kopfkohl (Weiß- und Rotkohl), Wirsing, Blumenkohl und Brokkoli. Diese zweijährigen, im Erwerbsanbau jedoch meist einjährig kultivierten Kulturen besitzen eine herausragende Bedeutung im mitteleuropäischen Gemüsebau. Sie zeichnen sich durch einen hohen Nährstoffbedarf und eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an kühl-gemäßigte Klimabedingungen aus.

Die morphologische Variabilität innerhalb der Art ist enorm, was sich in den verschiedenen Varietäten widerspiegelt, die entweder Blätter, gestauchte Sprossachsen oder Blütenstände als Ernteorgan ausbilden. Für einen erfolgreichen Anbau sind eine präzise Steuerung der Nährstoffversorgung sowie ein integriertes Pflanzenschutzmanagement unerlässlich, da die Kulturen während ihrer gesamten Vegetationsperiode von zahlreichen spezialisierten Schaderregern bedroht werden.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Juni (Jungpflanzenanzucht ab Februar)
Erntefenster
Juni bis November
Reihenabstand
50–70 cm x 45–60 cm
Typischer Ertrag
40–90 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1600 °C
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Kohlgemüse stellt extrem hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und die Nährstoffverfügbarkeit, weshalb tiefgründige, humusreiche Lehmböden mit guter Wasserführung ideal sind. Eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung im Herbst fördert das tiefe Einwurzeln der Kulturen und sichert den Anschluss an das Kapillarwasser. Da Brassica oleracea zu den Starkzehrern gehört, ist eine organische Grunddüngung mit Stallmist oder Kompost im Vorfeld der Pflanzung sehr vorteilhaft. Der pH-Wert muss streng im neutralen bis schwach alkalischen Bereich gehalten werden, um das Auftreten von Kohlhernie effektiv zu unterdrücken. Eine bedarfsgerechte, meist mehrteilige Stickstoffdüngung sichert das zügige Wachstum, wobei Spurenelemente wie Bor und Molybdän zur Vermeidung von Herzlosigkeit und Blattdeformationen gezielt appliziert werden müssen.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei Brassica oleracea erfordert eine enge Verzahnung von vorbeugenden Kulturmaßnahmen und gezielten chemisch-biologischen Anwendungen. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Rhizoctonia solani, Sclerotinia sclerotiorum und Alternaria brassicae, die durch weite Fruchtfolgen (mindestens 4–5 Jahre Anbaupause zu anderen Kreuzblütlern) reguliert werden. Gegen tierische Schädlinge wie die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) und die Weiße Fliege (Bemisia tabaci) ist ein kontinuierliches Monitoring ab dem BBCH-Stadium 12 entscheidend, um Schadschwellen rechtzeitig zu erkennen. Der Einsatz von Kulturschutznetzen stellt im professionellen Anbau eine hochwirksame mechanische Barriere gegen Eiablagen dar. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist streng auf den Wirkstoffwechsel zur Vermeidung von Resistenzen sowie auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeiten vor der Ernte zu achten.

Sorten

Kilaton (F1)

Spät (ca. 130–140 Tage)

Sehr hoher, stabiler Ertrag (80–100 t/ha)

Resistent gegen: Kohlhernie, Thripse

Anfällig für: Alternaria-Blattbräune

Sehr bewährter, lagerfähiger Weißkohl mit hervorragender Feldhaltbarkeit.

Lennox (F1)

Spät (ca. 140 Tage)

Hoher Ertrag mit sehr gleichmäßiger Kopfbildung

Resistent gegen: Innenbrand

Anfällig für: Kohlhernie, Mehlige Kohlblattlaus

Der absolute Standard für die Langzeitlagerung in Mitteleuropa.

Marcello (F1)

Mittelfrüh (ca. 80–85 Tage)

Mittelhoher bis hoher Ertrag bei hoher Homogenität

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Kohlhernie, Sclerotinia-Fäule

Flexibel nutzbare Sorte für den Frischmarkt und die frühe Industrie.

Tarek (F1)

Mittelfrüh bis spät (ca. 110–120 Tage)

Zuverlässiger Ertrag auch unter kühlen Bedingungen

Resistent gegen: Frost, Xanthomonas

Anfällig für: Kohlhernie, Weißrost

Sehr frostharter Wirsing für den Herbstanbau mit feiner Kraushaupt-Struktur.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

AFEPASA GREENHOUSE SULPHUR TABLETS
AFEPASA GLOBAL SAU
00A990-00
BACTOSPEINE ES
SUMITOMO CHEMICAL
024080-60
BELOUKHA
Certis Belchim B.V.
008528-00
Boccacio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
024560-73
Boccarcio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
034560-73
Celaflor Schädlingsfrei Zierpflanzen Konzentrat
Evergreen Garden Care
043743-68
Chrysal Blattläuse Stop Pumpspray
W. NEUDORFF GMBH KG
034210-61
COM 107 03 AI EC
COMPO GmbH
008628-00
COM 107 04 AI AL
COMPO GmbH
008629-00
COMPO Blattlaus-frei Nativert
COMPO GmbH
008628-61
COMPO Blattlaus-frei Nativert AF
COMPO GmbH
008629-64
COMPO Grün- und Blühpflanzen Schädlings-frei AF
COMPO GmbH
008629-62
COMPO Kräuter & Gemüse Blattlaus-frei Nativert AF
COMPO GmbH
008629-65
COMPO Nativert Blattlaus-frei
COMPO GmbH
008628-60
COMPO Nativert Blattlaus-frei AF
COMPO GmbH
008629-60
COMPO Nativert Kräuter & Gemüse Blattlaus-frei AF
COMPO GmbH
008629-61
COMPO- Obst & Gemüse Insekten- und Pilz-frei
Oro Agri Europe S.A.
008883-61
COMPO Orchideen Schädlings-frei AF
COMPO GmbH
008629-63
COMPO Ortiva Rosen Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-67
COMPO Ortiva Rosen-Pilzschutz
Syngenta Agro GmbH
024560-65
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
034560-72
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-72
COMPO Ortiva Universal Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-68
COMPO Universal Pilz-frei Duaxo
Syngenta Agro GmbH
034560-87
COMPO Universal Pilz-frei Duaxo N
Syngenta Agro GmbH
034560-88
Curamat AZ Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-85
Curamat AZ Rosen-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-85
Curamat AZ Universal-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
034560-86
Curamat AZ Universal-Pilzfrei
Syngenta Agro GmbH
024560-86
Dagonis
BASF SE
008647-00
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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Rhizoctonia solani bei der Jungpflanzenanzucht minimieren?

Die Umfallkrankheit (verursacht durch Rhizoctonia solani) tritt besonders bei kühlen, feuchten Bedingungen im frühen BBCH-Stadium 10 bis 12 auf. Neben der Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut ist eine präzise Steuerung der Substratfeuchte und Belüftung im Gewächshaus entscheidend. Vermeiden Sie stehendes Wasser und zu tiefe Temperaturen, um das Auflaufen der Jungpflanzen zu beschleunigen und dem Pilz die Angriffsfläche zu entziehen.

Ab welchem BBCH-Stadium ist die Bekämpfung der Mehligen Kohlblattlaus besonders kritisch?

Ein Befall mit Brevicoryne brassicae muss zwingend vor Beginn der Kopfbildung (ab BBCH-Stadium 41) kontrolliert werden. Sobald sich die Blätter zu schließen beginnen, sitzen die Läuse geschützt im Inneren des Kopfes und sind für kontaktwirksame Pflanzenschutzmittel nicht mehr erreichbar. Ein systematisches Monitoring sollte daher bereits ab BBCH 15 etabliert werden, um Behandlungen rechtzeitig zu platzieren.

Welche Rolle spielt der pH-Wert des Bodens bei der Vermeidung von Kohlhernie?

Der Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) gedeiht besonders gut in sauren Böden. Durch eine gezielte Kalkung (z. B. mit Branntkalk vor dem Pflanzen) auf einen pH-Wert von über 7,2 kann die Keimung der Dauersporen im Boden signifikant gehemmt werden. Dies ist eine der wichtigsten pflanzenbaulichen Maßnahmen, da einmal infizierte Flächen über Jahrzehnte hinweg kontaminiert bleiben.

Wie unterscheidet man Schadbilder von Sclerotinia sclerotiorum und Botrytis cinerea am reifenden Kohl?

Während Sclerotinia sclerotiorum ein schneeweißes, watteartiges Myzel mit großen, schwarzen Dauerkörpern (Sklerotien) bildet, zeigt Botrytis cinerea den typischen mausgrauen, staubenden Sporenträgerbelag. Sclerotinia führt meist zu einer raschen Nassfäule des gesamten Kopfes, oft ausgehend vom Strunk, während Botrytis häufig als Sekundärparasit über mechanische Wunden oder Frostschäden eindringt.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Alternaria brassicae für meine spezifische Kohl-Varietät?

Da die Zulassungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oft spezifisch nach Kultur (z. B. Blumenkohl, Weißkohl oder Rosenkohl) differenzieren, sollten Sie im Suchfilter unseres Portals stets die genaue Untervarietät auswählen. Achten Sie bei der Indikationssuche auf den Erreger Alternaria brassicae (Alternaria-Blattbräune) und prüfen Sie die spezifischen Auflagen zu Aufwandmenge und maximaler Anzahl der Anwendungen je Saison.