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Pilz

Sphacelotheca

Sphacelotheca
1SPHTG

Die Pilzgattung Sphacelotheca (EPPO-Code: 1SPHTG) umfasst hochspezialisierte Schaderreger aus der Klasse der Brandpilze. Obwohl die Gattung historisch vor allem mit Süßgräsern assoziiert wird, gewinnen spezifische Pathotypen zunehmend an Bedeutung im intensiven Anbau von Fruchtgemüsekulturen wie Tomaten (Solanum lycopersicum), Paprika (Capsicum annuum), Auberginen (Solanum melongena) und Gurken (Cucumis sativus). Der Erreger dringt systemisch in das Leitgewebe der Kulturen ein und beeinträchtigt die physiologische Entwicklung nachhaltig.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ist erheblich, da ein Befall meist direkt die generativen Organe schädigt und somit zu totalem Ernteausfall an den betroffenen Trieben führt. Neben Ertragsverlusten im Freiland- und Gewächshausanbau führt das Auftreten von Sporenlagern zu einer starken Qualitätsminderung, wodurch die Früchte vollständig unverkäuflich werden. Ein konsequentes Hygienemanagement ist daher für betroffene Betriebe unerlässlich.

Typ
Pilz
EPPO-Code
1SPHTG
Wirte
4 Kulturen
Generationen
Eine primäre Generation pro Anbauzyklus mit kontinuierlicher sekundärer Sporenverbreitung.
Verbreitung
Der Schaderreger ist weltweit verbreitet, tritt jedoch besonders in warm-gemäßigten Klimazonen sowie im geschützten Unterglasanbau Mitteleuropas ertragsmindernd auf.

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus beginnt mit der Keimung von im Boden oder an Pflanzenresten überdauernden Teliosporen. Unter feucht-warmen Bedingungen dringen die Keimschläuche direkt in das junge Gewebe von Keimlingen oder Jungpflanzen ein. Der Pilz breitet sich anschließend systemisch und interzellulär in der Kultur aus, ohne zunächst sichtbare Schäden zu verursachen. Erst mit dem Eintritt in die generative Phase (Blütenbildung) besiedelt das Myzel die Blütenanlagen und transformiert das Wirtsgewebe in Sporenlager. Nach dem Aufplatzen dieser Lager werden Millionen von Sporen durch Wind, Arbeitsgeräte oder Spritzwasser verbreitet, die zu Sekundärinfektionen an benachbarten Kulturen führen können.

Bonitur

Das Monitoring beginnt bereits in der Jungpflanzenphase (BBCH 12–19), um untypische Wuchshemmungen frühzeitig zu erkennen. Eine intensive Bonitur ist ab dem Erscheinen der ersten Blütenknospen (BBCH 51) bis zum Ende der Hauptblüte (BBCH 69) erforderlich. Da bereits geringer Befall zu einem Totalverlust der betroffenen Fruchtstände führt, liegt die Schadschwelle bei Erstnachweis im Bestand. Es wird empfohlen, wöchentlich mindestens 50 Pflanzen stichprobenartig, insbesondere in feuchten Senken oder schlecht belüfteten Bereichen des Bestandes, auf Deformationen der Knospen zu kontrollieren.

Symptome

Die auffälligsten Symptome zeigen sich an den Blüten und Fruchtansätzen der Kulturen. Anstelle normaler Blütenorgane entwickeln sich deformierte, gallenartige Schwellungen, die anfangs von einer silbrigen Membran umgeben sind. Bei Reife reißt diese Membran auf und legt eine rußartige, dunkelbraune bis schwarze Sporenmasse frei. Befallene Kulturen zeigen zudem oft ein gestauchtes Wachstum, lokale Triebdeformationen und vorzeitigen Blütenabfall. An Gurken können zudem nekrotische Flecken an den Triebspitzen und verkrümmte, verkümmerte Fruchtansätze beobachtet werden.

Integriertes Management

Die Bekämpfung basiert auf einer integrierten Strategie, bei der vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund stehen. Dazu gehören eine konsequente Feldhygiene, der Anbau resistenter Sorten und eine weite Fruchtfolge, um das Inokulum im Boden zu reduzieren. Im geschützten Anbau ist eine optimierte Klimaführung zur Vermeidung von Kondenswasser essenziell. Biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis von Bacillus-Arten können zur Stärkung der Wurzelzone beigetragen. Chemische Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln sollten präventiv ab den ersten BBCH-Stadien der Blütenbildung erfolgen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein strikter Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Vorgaben einzuhalten.

Wirtspflanzen

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich ein Befall durch Sphacelotheca optisch von Grauschimmel (Botrytis)?

Während Botrytis einen grauen, oberflächlichen Schimmelrasen auf Blättern und Früchten bildet, wächst Sphacelotheca systemisch im Inneren der Kultur. Die Symptome zeigen sich erst bei der Sporenbildung durch charakteristische, geschlossene Gallen an den Blütenorganen, die bei Reife aufplatzen und eine tiefschwarze, rußartige Sporenmasse freisetzen.

Welchen Einfluss hat die Bodentemperatur auf die Erstinfektion der Kulturen?

Die Keimung der bodenbürtigen Überdauerungssporen wird stark von der Bodentemperatur beeinflusst. Optimale Infektionsbedingungen liegen bei Temperaturen zwischen 18 °C und 24 °C in feuchten Böden vor. Ein zügiges Auflaufen und schnelles Jugendwachstum der Kulturen verkürzt das kritische Zeitfenster, in dem die Keimlinge hochgradig anfällig für das Eindringen des Pilzes sind.

Können infizierte Pflanzenreste über die normale Kompostierung entsorgt werden?

Nein, infizierte Kulturen und Pflanzenreste dürfen keinesfalls auf dem Feld verbleiben oder normal kompostiert werden. Die Teliosporen von Sphacelotheca sind extrem widerstandsfähig gegen Trockenheit und Kälte und überleben im Boden oder in unvollständig sterilisiertem Kompost viele Jahre. Befallenes Material muss sicher verbrannt oder tief vergraben werden.

Wie finde ich im Portal registrierte Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub, wählen Sie Ihre spezifische Kultur (z. B. Gurke oder Tomate) aus und filtern Sie nach dem Schaderreger-Code '1SPHTG'. Prüfen Sie stets die aktuellen Zulassungsbestimmungen, die maximalen Anwendungen pro Saison sowie die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.

Welche FRAC-Klassen sollten zur Vermeidung von Resistenzen kombiniert werden?

Da systemische Fungizide aus den FRAC-Gruppen 3 (DMI-Fungizide) und 11 (Strobilurine) ein mittleres bis hohes Risiko für Resistenzbildungen aufweisen, müssen diese im Wechsel mit Kontaktfungiziden (z. B. FRAC-Gruppe M) oder biologischen Präparaten angewendet werden. Ein wiederholter Einsatz desselben Wirkstoffmechanismus ist unbedingt zu vermeiden.

Hilft eine Anpassung der Bewässerungsmethode, um Sekundärinfektionen einzudämmen?

Ja, der Verzicht auf Überkopfberegnung zugunsten einer gezielten Tröpfchenbewässerung minimiert das Risiko drastisch. Da die sekundäre Verbreitung der Sporen über Wasserspritzer und eine hohe relative Luftfeuchtigkeit im Pflanzenbestand gefördert wird, hält eine trockene Laubwand das Infektionsrisiko auf einem Minimum.