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Kultur

Taube Trespe

Bromus sterilis
BROST

Die Taube Trespe (Bromus sterilis, EPPO-Code: BROST), auch als Hafertrespe oder Ruderaltrespe bekannt, ist ein einjähriges, winterannuelles Süßgras, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der problematischsten Ungräser im europäischen Ackerbau entwickelt hat. Ursprünglich vor allem auf Ruderalflächen und an Wegrändern heimisch, dringt dieser Schaderreger zunehmend in landwirtschaftliche Nutzflächen ein. Besonders in intensiv geführten Getreidefruchtfolgen mit hohem Wintergetreideanteil und reduzierter Bodenbearbeitung verzeichnet die Art starke Populationszuwächse.

Die wirtschaftliche Relevanz von Bromus sterilis ist erheblich. Aufgrund ihrer raschen Jugendentwicklung im Herbst konkurriert die Taube Trespe stark mit den Kulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe. Bereits geringe Dichten von 10 bis 20 Pflanzen pro Quadratmeter können erhebliche Ertragseinbußen bei Winterweizen, Winterroggen oder Triticale verursachen. Zudem erschwert die zähe Biomasse die Ernte und verunreinigt das Erntegut, was zu zusätzlichen Reinigungskosten und Qualitätsverlusten führt.

Typ
Kultur
EPPO-Code
BROST
Wirte
4 Kulturen
Generationen
1 Generation pro Jahr
Verbreitung
Die Taube Trespe ist in ganz Europa, Westasien und Nordafrika weit verbreitet und hat sich zudem in Nordamerika und Australien etabliert. In den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas verursacht sie insbesondere auf flachgründig oder pfluglos bestellten Standorten erhebliche ökonomische Schäden im Wintergetreideanbau.

Biologie / Lebenszyklus

Die Keimung der Tauben Trespe erfolgt primär im Herbst (September bis November) aus flach im Boden liegenden Samen, wobei bereits geringe Niederschläge die Keimruhe brechen. Nach dem Auflaufen überwintert das Ungras als Jungpflanze im Bestockungsstadium und zeigt eine ausgeprägte Frosthärte. Im folgenden Frühjahr setzt ab März ein rasches Längenwachstum ein, das meist zeitgleich oder kurz vor dem Schossen der Wintergetreidekulturen stattfindet. Die Blüte erfolgt von Mai bis Juni, gefolgt von einer schnellen Samenreife im Hochsommer. Die reifen, mit Grannen versehenen Karyopsen fallen vor oder während der Getreideernte aus und verbleiben an der Bodenoberfläche, wo sie eine kurze Keimruhe durchlaufen, bevor der Zyklus im Spätsommer erneut beginnt.

Bonitur

Eine systematische Feldbegehung zur Erfassung der Tauben Trespe sollte primär im Herbst im BBCH-Stadium 10 bis 13 der Getreidekulturen sowie im zeitigen Frühjahr (BBCH 21 bis 29) erfolgen. Da die Samen der Tauben Trespe lichtbedürftig sind und flach keimen, konzentriert sich das Auftreten häufig auf die Feldränder (Verschleppung durch Erntemaschinen oder Einwanderung aus Gräben). Ein kritischer Bekämpfungsrichtwert liegt bei etwa 5 bis 10 Trespenpflanzen pro Quadratmeter im Herbst. Im Frühjahr ist eine chemische Regulierung aufgrund der fortgeschrittenen Bestockung und der physiologischen Abhärtung des Ungrases deutlich erschwert, weshalb die Bonitur im Herbst die entscheidende Grundlage für Pflanzenschutzmaßnahmen darstellt.

Integriertes Management

Die erfolgreiche Regulierung von Bromus sterilis erfordert ein konsequentes, integriertes Management, da chemische Maßnahmen allein oft an Grenzen stoßen. Eine zentrale pflanzenbauliche Maßnahme ist die Durchführung eines falschen Saatbetts direkt nach der Ernte, um die flach liegenden Samen zur Keimung anzuregen, gefolgt von einer mechanischen Zerstörung der Keimlinge. Ein tiefer, sauberer Pflugschacht (mindestens 15–20 cm) vergräbt die Samen in tiefere Bodenschichten, wo sie aufgrund mangelnder Langlebigkeit (meist nur 1–3 Jahre überlebensfähig) verrotten. Fruchtfolgeerweiterungen mit Sommerungen unterbrechen den Lebenszyklus des winterannuellen Ungrases effektiv. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Herbst oder zeitigen Frühjahr ist strikt auf das HRAC-Resistenzmanagement zu achten. Um Wirkstoffresistenzen (insbesondere gegen ALS-Inhibitoren, HRAC-Gruppe 2 / B) vorzubeugen, müssen Wirkmechanismen konsequent abgewechselt und chemische Anwendungen stets mit mechanischen und kulturtechnischen Methoden kombiniert werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Keimbiologie der Tauben Trespe von anderen Trespenarten wie der Acker-Trespe?

Im Gegensatz zur Acker-Trespe, deren Samen eine ausgeprägte Keimruhe besitzen und oft erst nach Monaten keimen, besitzt die Taube Trespe eine sehr kurze Keimruhe. Ihre Samen keimen bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit extrem schnell innerhalb weniger Wochen nach dem Ausfall, sofern sie flach (0–2 cm) im Boden liegen. Dunkelheit in tieferen Bodenschichten induziert hingegen eine sekundäre Keimruhe, was für die mechanische Regulierung genutzt werden kann.

Warum ist die pfluglose Bodenbearbeitung (Mulchsaat) ein Treiber für die Ausbreitung von Bromus sterilis?

Da die Samen der Tauben Trespe für eine erfolgreiche Keimung Lichtreize und eine flache Ablage benötigen, bietet die reduzierte Bodenbearbeitung ideale Bedingungen. Die Samen verbleiben in den obersten Zentimetern des Bodens, wo sie im Herbst massenhaft auflaufen. Ohne den wendenden Pflugeinsatz, der die Samen in tiefe, keimhemmende Schichten vergräbt, baut sich das Samenpotenzial im Oberboden rasant auf.

Welche Rolle spielen Feldränder bei der Einschleppung und wie lassen sie sich managen?

Feldränder und Wegraine sind die primären Rückzugs- und Ausbreitungsorte der Tauben Trespe. Von dort wandern die Samen durch Wind, Wildtiere oder Erntemaschinen in die Kulturflächen ein. Ein gezieltes Mähen oder Mulchen der Feldränder vor der Samenreife der Trespe (meist bis Ende Mai) verhindert das Aussamen und stoppt die kontinuierliche Einwanderung in die Schläge.

Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Taube Trespe suchen?

Nutzen Sie im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und wählen Sie gezielt "Taube Trespe" (Bromus sterilis) oder den EPPO-Code BROST aus. Filtern Sie anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Winterweizen) und dem gewünschten Anwendungszeitraum (Herbst oder Frühjahr), um alle aktuell beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten übersichtlich anzuzeigen.

Bis zu welchem BBCH-Stadium der Kultur ist eine chemische Behandlung im Frühjahr noch erfolgversprechend?

Eine chemische Behandlung im Frühjahr sollte so früh wie möglich erfolgen, idealerweise vor dem Schossen der Kultur (bis BBCH 29). Sobald das Wintergetreide das Schossen (BBCH 30/31) erreicht, ist die Taube Trespe meist schon zu stark bestockt und physiologisch verholzt. Die herbizide Wirkung lässt dann drastisch nach, und es besteht das Risiko von Minderwirkungen und der Selektion resistenter Biotypen.