Taube Trespe
Die Taube Trespe (Bromus sterilis, EPPO-Code: BROST), auch als Hafertrespe oder Ruderaltrespe bekannt, ist ein einjähriges, meist winterannuelles Süßgras, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der problematischsten Ungräser im europäischen Ackerbau entwickelt hat. Ursprünglich eher an Wegrändern und auf Ruderalflächen heimisch, dringt dieser Schaderreger zunehmend in die Kulturflächen ein. Besonders betroffen sind intensiv geführte Getreidefruchtfolgen mit hohem Wintergetreideanteil und reduzierter Bodenbearbeitung.
Die wirtschaftliche Relevanz der Tauben Trespe ist enorm. Durch ihre schnelle Jugendentwicklung und die ausgeprägte Konkurrenzkraft um Licht, Wasser und Nährstoffe kann sie bereits bei mäßigem Besatz erhebliche Ertragseinbußen in Kulturen wie Winterweizen, Winterroggen oder Triticale verursachen. Zudem erschwert die starke Biomassebildung den Drusch und verunreinigt das Erntegut, was zu zusätzlichen Reinigungskosten und Qualitätsminderungen führt.
Biologie / Lebenszyklus
Die Taube Trespe keimt vorwiegend im Herbst bei kühlen Temperaturen und ausreichender Bodenfeuchtigkeit, wobei die Keimung bevorzugt aus flachen Bodenschichten (0–2 cm) erfolgt. Nach dem Auflaufen überwintert das Gras im Bestockungsstadium und beginnt im zeitigen Frühjahr mit dem intensiven Längenwachstum. Die Blüte erfolgt meist von Mai bis Juni, gefolgt von einer raschen Samenreife im Hochsommer. Ein einzelnes Exemplar kann mehrere tausend Samen produzieren, die eine nur kurze Keimruhe besitzen und oft direkt nach dem Ausfall bei den ersten Herbstniederschlägen keimen, was zu einer schnellen Populationsdynamik führt.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits im Herbst direkt nach dem Auflaufen der Kultur (BBCH 10 bis 13) erfolgen, da die Taube Trespe in diesem frühen Stadium noch relativ leicht kontrolliert werden kann. Achte besonders auf die Feldränder, von denen die Einwanderung meist ausgeht, sowie auf Fahrgassen und Vorgewende. Eine Schadensschwelle von etwa 10 bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter im Herbst gilt im Wintergetreide als Richtwert für eine gezielte Behandlung. Im Frühjahr, ab dem Schossen der Kultur (BBCH 30), ist eine chemische Regulierung aufgrund der fortgeschrittenen Bestockung der Trespe und mangelnder Herbizidwirkung oft nur noch eingeschränkt erfolgreich.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management der Tauben Trespe erfordert ein konsequentes, integriertes Konzept, das pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Da die Samen im Boden nur eine kurze Lebensdauer von meist zwei bis drei Jahren aufweisen, ist eine gezielte Fruchtfolgegestaltung mit dem Anbau von Sommerungen (z. B. Sommergerste, Hafer, Mais) eine der effektivsten Methoden, um den Samenvorrat im Boden drastisch zu reduzieren. Eine wendende Bodenbearbeitung mit dem Pflug vergräbt die Samen tief, wodurch sie nicht mehr keimen können und verrotten, während bei der Mulchsaat ein falsches Saatbett im Spätsommer zur Keimungsauslösung und anschließenden mechanischen Beseitigung genutzt werden sollte. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmittel ist ein striktes HRAC-Resistenzmanagement unerlässlich: Da bereits Resistenzen gegen ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2) und ACCase-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 1) bekannt sind, müssen Wirkstoffe konsequent abgewechselt und vorzugsweise Bodenherbizide im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf im Herbst eingesetzt werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum breitet sich die Taube Trespe besonders bei pflugloser Bodenbearbeitung so stark aus?
Die Samen der Tauben Trespe sind Lichtkeimer und besitzen eine sehr kurze Keimruhe. Bei einer pfluglosen, konservierenden Bodenbearbeitung verbleiben die ausgefallenen Samen in der obersten Bodenschicht (0–2 cm), wo sie optimale Keimbedingungen vorfinden. Ohne das tiefe Vergraben durch den Pflug baut sich das Samenpotenzial im Oberboden innerhalb kürzester Zeit massiv auf.
Wie kann ich die Taube Trespe im Keimblattstadium von anderen Ungräsern wie dem Ackerfuchsschwanz unterscheiden?
Achte auf die Behaarung: Die Blattscheiden und Blattspreiten der jungen Tauben Trespe sind weich und deutlich sichtbar behaart. Zudem sind die Blattscheiden meist geschlossen und oft rötlich bis violett gestreift. Dem Ackerfuchsschwanz fehlen diese typischen Haare völlig, und seine Blätter wirken eher bläulich-grün.
Welche Rolle spielt das "falsche Saatbett" bei der Regulierung dieses Schaderregers?
Das falsche Saatbett ist eine hochwirksame mechanische Maßnahme. Durch eine sehr flache Bodenbearbeitung direkt nach der Ernte regst du die ausgefallenen Trespensamen zur Keimung an. Sobald die Trespen aufgelaufen sind, kannst du sie mechanisch (z. B. mit dem Flachgrubber) oder thermisch vernichten, bevor du die eigentliche Kultur einsäst.
Gibt es bereits bekannte Herbizidresistenzen bei der Tauben Trespe in Deutschland?
Ja, in Europa und auch in Deutschland wurden bereits Biotypen der Tauben Trespe nachgewiesen, die Resistenzen gegen wichtige Herbizidklassen aufweisen. Betroffen sind vor allem ALS-Inhibitoren (wie Sulfonylharnstoffe, HRAC-Gruppe 2) und vereinzelt ACCase-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 1). Ein Wirkstoffwechsel und die Kombination mit mechanischen Maßnahmen sind daher zwingend erforderlich.
Wie finde ich im Agronomy-Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen die Taube Trespe?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger "Taube Trespe" oder dem EPPO-Code "BROST". Du erhältst eine aktuelle Liste aller für deine Kultur zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Angaben zu Aufwandmengen, optimalen BBCH-Anwendungsstadien und einzuhaltenden Wartezeiten.
Kann ich die Taube Trespe auch noch im späten Frühjahr wirksam bekämpfen?
Im späten Frühjahr (ab BBCH 30 der Kultur) ist eine chemische Behandlung meist nicht mehr wirtschaftlich oder wirksam, da die Trespe bereits zu gut bestockt und verholzt ist. Zu diesem Zeitpunkt zeigen die meisten zugelassenen Pflanzenschutzmittel nur noch eine unzureichende Wirkung. Konzentriere dich stattdessen darauf, das Aussamen durch mechanische Nesterbehandlung oder das Mähen von Feldrändern zu verhindern.