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Kultur

Melisse

Melissa officinalis
MLSOF

Zitronenmelisse (Melissa officinalis, EPPO-Code: MLSOF) ist eine mehrjährige, krautige Kultur aus der Familie der Lamiaceae, die im mitteleuropäischen Raum sowohl für die pharmazeutische Industrie als auch für den Frischmarkt und die Teeproduktion angebaut wird. Die Kultur zeichnet sich durch ihren charakteristischen zitronenartigen Duft aus, der primär auf den Gehalt an ätherischen Ölen wie Citral und Citronellal zurückzuführen ist. Im Erwerbsanbau wird sie meist als mehrjährige Kultur mit einer Nutzungsdauer von drei bis fünf Jahren geführt, wobei im ersten Standjahr meist ein Schnitt, in den Folgejahren zwei bis drei Schnitte pro Saison erfolgen.

Für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau sind ein hoher Blattanteil sowie ein optimaler Wirkstoffgehalt entscheidend. Da die wertvollen Inhaltsstoffe flüchtig sind, spielt der Erntezeitpunkt relativ zum BBCH-Stadium eine kritische Rolle; der höchste Gehalt an ätherischen Ölen wird kurz vor der Vollblüte erreicht. Spätere Ernten führen oft zu einer Qualitätsminderung durch einen steigenden Stängelanteil und Verfärbungen der Blätter.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Mai
Erntefenster
Juni bis Oktober
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1600
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Zitronenmelisse bevorzugt tiefgründige, humose und gut durchlässige Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da Staunässe zwingend vermieden werden muss. Vor der Neuanlage der Kultur ist eine gründliche Grundbodenbearbeitung sowie eine organische Grunddüngung ratsam, um die Bodenstruktur für die mehrjährige Standzeit zu optimieren. Der Stickstoffbedarf ist moderat, sollte jedoch aufgeteilt nach den Schnitten verabreicht werden, um das vegetative Wachstum anzuregen und Nitratakkumulationen im Erntegut zu verhindern. Eine mechanische Unkrautregulierung durch Hacken zwischen den Reihen ist besonders in der Etablierungsphase essenziell, da die Kultur anfangs konkurrenzschwach ist. Im Herbst schützt ein leichtes Anhäufeln oder das Belassen von Ernterückständen den Wurzelkopf vor extremen Frostereignissen.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz der Zitronenmelisse stehen pilzliche Schaderreger wie die Blattfleckenkrankheit (Septoria melissae) und Echter Mehltau im Vordergrund, welche die Blattqualität und somit den Marktwert massiv mindern können. Da es sich um eine Arznei- und Gewürzkultur handelt, sind gesetzliche Wartezeiten und Rückstandshöchstmengen extrem streng einzuhalten, weshalb vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen oberste Priorität haben. Hierzu gehören eine weite Reihenweite für eine schnelle Abtrocknung des Bestandes sowie eine gezielte Sortenwahl. Gegen monokotyle Schaderreger wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) und den Gemeinen Windhalm (Apera spica-venti) müssen mechanische Maßnahmen frühzeitig im BBCH-Stadium 12 bis 19 durchgeführt werden, um eine Überwachsung zu verhindern. Chemische Pflanzenschutzmittel dürfen nur bei expliziter Zulassung oder über Sondergenehmigungen angewendet werden.

Sorten

Citronella

mittelfrüh

Hoher Ertrag an Blattdroge

Resistent gegen: Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Echter Mehltau

Sehr bewährte Sorte für den Erwerbsanbau mit intensivem Zitronenaroma und aufrechtem Wuchs.

Quedlinburger Niederliegende

mittelspät

Gute Blattqualität, aber aufwendigere mechanische Ernte

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Blattfleckenkrankheit

Flachwachsende, stark verzweigte Sorte, die sich durch eine hervorragende Winterhärte auszeichnet.

Erfurter Aufrechte

früh bis mittelfrüh

Sehr hoher Frischmasseertrag im ersten Schnitt

Anfällig für: Rostpilze

Aufrechter Wuchs erleichtert die maschinelle Ernte im Erwerbsanbau erheblich und mindert Bodenverschmutzung.

Limoncella

mittelfrüh

Konstant hohe Erträge über mehrere Standjahre

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Staunässe

Moderne Selektion mit besonders feinem Aroma und hoher Homogenität im Bestand.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie erkennst du den optimalen Zeitpunkt für den ersten Jahresschnitt?

Der beste Zeitpunkt liegt kurz vor dem Aufblühen der Kultur im BBCH-Stadium 51 bis 55. Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an ätherischen Ölen in den Blättern am höchsten. Sobald die Blüte voll einsetzt, sinkt der Wirkstoffgehalt spürbar und die Blätter können im Geschmack herber werden.

Welche mechanischen Strategien helfen dir bei starkem Druck durch Einjähriges Rispengras?

Da Poa annua besonders in feuchten Frühjahren aufläuft, solltest du frühzeitig eine flache Maschinenhacke zwischen den Reihen einsetzen. Eine präzise Fingerhacke kann zudem Unkräuter direkt in der Reihe erfassen, solange die Kultur gut etabliert ist. Vermeide jedoch zu tiefes Arbeiten, um das flache Wurzelsystem der Melisse nicht zu beschädigen.

Wie reagierst du am besten auf einen Befall mit der Blattfleckenkrankheit?

Bei ersten Symptomen im Unterbestand solltest du den Schnitttermin vorziehen, um eine weitere Ausbreitung auf die oberen Blattegerüste zu verhindern. Nach dem Schnitt ist das infizierte Erntegut komplett von der Fläche zu entfernen. Achte bei der Folgepflege darauf, die Stickstoffdüngung moderat zu halten, da üppige Bestände schlechter abtrocknen.

Wie kannst du die Winterhärte deiner Bestände im zweiten Standjahr sichern?

Führe den letzten Schnitt nicht zu spät im Herbst durch (spätestens Ende August), damit die Kultur ausreichend Reservestoffe in den Wurzelstock einlagern kann. Ein leichtes Anhäufeln der Reihen im Spätherbst schützt die empfindlichen Knospen des Wurzelkopfs vor Kahlfrösten.

Wo findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Zitronenmelisse?

Da Zitronenmelisse als Sonderkultur gilt, sind reguläre Zulassungen rar. Du kannst im Online-Portal des BVL gezielt nach Indikationszulassungen oder Genehmigungen für lückenhafte Anwendungen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 suchen, um rechtlich abgesichert zu sein.