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Kultur

Melisse

Melissa officinalis
MLSOF

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis, EPPO-Code: MLSOF) ist eine mehrjährige, krautige Kultur aus der Familie der Lamiaceae, die im mitteleuropäischen Arznei- und Gewürzpflanzenanbau eine bedeutende Rolle einnimmt. Hauptsächlich wegen ihres Gehalts an ätherischen Ölen (insbesondere Citral und Citronellal) sowie Rosmarinsäure kultiviert, stellt sie hohe Ansprüche an den Standort und die Kulturführung. Die Kultur kann im Erwerbsanbau drei bis fünf Jahre auf derselben Fläche verbleiben, wobei der Ertrag an Krautdroge (Melissae folium) ab dem zweiten Standjahr sein Maximum erreicht.

Für einen erfolgreichen Anbau sind warme, windgeschützte Lagen auf nährstoffreichen, tiefgründigen Böden mit guter Wasserführung entscheidend. Da die Samen Lichtkeimer sind, erfolgt die Etablierung im professionellen Anbau meist über die Pflanzung vorkultivierter Jungpflanzen im Frühjahr oder Spätsommer, um einen gleichmäßigen Bestand zu garantieren und den Unkrautdruck in der kritischen Anfangsphase zu minimieren.

Die Ernte erfolgt in der Regel kurz vor der Blüte (BBCH 51–59), da zu diesem Zeitpunkt der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten ist und das Aroma bei späterer Ernte ins Heuige umschlägt. Je nach Witterung und Nährstoffversorgung sind in Mitteleuropa zwei bis drei Schnitte pro Jahr möglich, wobei der erste Hauptschnitt im Juni und der Folgeschnitt im Spätsommer durchgeführt wird.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Aussaat unter Glas für Pflanzgut) oder Mai (Direktsaat); Pflanzung Ende April bis Mai sowie August
Erntefenster
Juni bis September (meist zwei Schnitte: 1. Schnitt vor der Blüte im Juni, 2. Schnitt im Spätsommer)
Reihenabstand
45–50 cm Reihenabstand, 25–30 cm in der Reihe
Typischer Ertrag
15–25 dt/ha Trockenblattdroge (entspricht ca. 80–120 dt/ha Frischmasse pro Jahr ab dem 2. Standjahr)
Wärmesumme (GDD)
1600 °C
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Die Zitronenmelisse bevorzugt tiefgründige, humose und gut durchlüftete Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da sie empfindlich auf Staunässe sowie extreme Trockenheit reagiert. Vor der Neuanlage der Kultur ist eine gründliche Grundbodenbearbeitung und die Beseitigung ausdauernder Unkräuter unerlässlich, da mechanische Pflegemaßnahmen im etablierten Bestand erschwert sind. Eine organische Grunddüngung mit gut verrottetem Mist oder Kompost im Herbst vor der Pflanzung fördert das Bodenleben und die Bodenstruktur nachhaltig. Der Stickstoffbedarf ist moderat, sollte jedoch aufgeteilt nach den Schnitten verabreicht werden, um das vegetative Wachstum für den Folgeschnitt rasch wieder anzuregen. Eine regelmäßige flache mechanische Bodenbearbeitung (Hacken) zwischen den Reihen hält den Boden offen, fördert die Erwärmung und unterdrückt auflaufende Unkräuter.

Schaderreger-Management

Im professionellen Melissenanbau stellt die Unkrautregulierung die größte Herausforderung dar, da nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel für diese Kultur zugelassen sind. Schaderreger wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) und der Gemeine Windhalm (Apera spica-venti) müssen daher primär durch eine saubere Fruchtfolge, mechanisches Hacken und gegebenenfalls thermische Verfahren (Abflammen vor dem Auflaufen) kontrolliert werden. Unter den Pilzkrankheiten treten insbesondere der Melissenrost (Puccinia menthae) und die Septoria-Blattfleckenkrankheit (Septoria melissae) ertragsmindernd auf, weshalb auf eine weite Pflanzung zur schnellen Abtrocknung des Bestandes zu achten ist. Bei akutem Befall mit Blattfleckenpilzen ist ein vorzeitiger Schnitt oft die wirtschaftlichste Maßnahme, um die Qualität der Droge zu sichern und den Infektionsdruck für den Wiederaustrieb zu senken. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln muss stets streng nach den aktuellen BVL-Zulassungen und unter Beachtung der Wartezeiten erfolgen, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden.

Sorten

Citronella

mittelfrüh

Hoher Ertrag an Blattdroge mit exzellenter Aromaqualität.

Resistent gegen: Trockenheit

Anfällig für: Melissenrost

Sehr wüchsige Sorte mit aufrechtem Wuchs, die sich hervorragend für die mechanische Ernte eignet. Zeichnet sich durch einen besonders hohen Gehalt an ätherischem Öl (Citral) aus.

Quedlinburger Niederliegende

mittelspät

Sehr hoher Gesamtertrag, erfordert jedoch sorgfältige mechanische Ernteführung aufgrund des Wuchshabitus.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Traditionelle deutsche Züchtung mit eher niederliegendem bis halbaufrechtem Wuchs. Sehr gute Winterhärte und hohe Ausdauer über mehrere Standjahre.

Erfurter Aufrechte

früh bis mittelfrüh

Stabiler, mittlerer bis hoher Ertrag mit sehr gutem Blatt-Stängel-Verhältnis.

Resistent gegen: Melissenrost

Anfällig für: Spätfröste

Selektion mit streng aufrechtem Wuchs, was die Verschmutzung der bodennahen Blätter minimiert und die Trocknung erleichtert.

Limoncella

mittelfrüh

Gute Erträge im ersten Schnitt, rascher Wiederaustrieb.

Resistent gegen: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Staunässe

Moderne Sorte mit ausgeprägtem Zitronen-Aroma und kompakterem Wuchs. Wird sowohl für die Frischmarkt- als auch für die Trockenproduktion geschätzt.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt für die Zitronenmelisse im Feld bestimmen?

Der optimale Erntezeitpunkt liegt kurz vor dem Erscheinen der ersten Blütenknospen (BBCH-Stadium 51 bis 55). Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Konzentration des ätherischen Öls in den Blättern ihr Maximum. Sobald die Blüte voll einsetzt (BBCH 65), sinkt der Ölgehalt drastisch und das Aroma verändert sich hin zu einer krautigen, heuartigen Note, was den Marktwert der Droge erheblich mindert.

Welche mechanischen Maßnahmen sind bei starkem Druck durch einkeimblättrige Unkräuter wie Poa annua zu empfehlen?

Da chemische Herbizide in dieser Sonderkultur extrem limitiert sind, ist das falsche Saatbett vor der Pflanzung essenziell. Im etablierten Bestand muss im frühen Frühjahr vor dem Austrieb der Melisse flach gestriegelt oder gehackt werden. Gegen Poa annua hilft zudem ein präzises, mechanisches Hacken zwischen den Reihen, kombiniert mit einer rechtzeitigen Mahd vor der Samenreife des Ungrases, um die Samenbank im Boden nicht weiter anzureichern.

Wie reagiert die Kultur auf den Schnittzeitpunkt bezüglich des Wiederaustriebs für den zweiten Schnitt?

Der erste Schnitt sollte nicht zu tief erfolgen (Schnitthöhe ca. 8–10 cm über dem Boden), um die basalen Knospen und Blätter für den Wiederaustrieb zu schonen. Erfolgt der Schnitt zu tief oder bei extremer Hitze, verzögert sich der Wiederaustrieb erheblich, was den Ertrag des zweiten Schnitts im Spätsommer gefährdet. Nach dem ersten Schnitt fördert eine moderate Stickstoffgabe die schnelle Regeneration.

Warum ist die Fruchtfolgegestaltung bei Melissa officinalis von so großer Bedeutung?

Da Zitronenmelisse als mehrjährige Kultur drei bis fünf Jahre auf der Fläche verbleibt, reichern sich bodenbürtige Schaderreger und Wurzelunkräuter leicht an. Als Vorfrüchte eignen sich tiefwurzelnde, unkrautunterdrückende Kulturen wie Getreide oder Leguminosen. Nach dem Umbruch der Melisse sollte eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren eingehalten werden, um bodenbürtigen Pilzen (z. B. Verticillium) und Nematoden vorzubeugen.

Wie finde ich im Portal aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für die Bekämpfung von Pilzkrankheiten in Melisse?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie gezielt nach der Kultur 'Zitronenmelisse' (oder der übergeordneten Gruppe der Küchenkräuter) sowie dem Schaderreger (z. B. Rostpilze). Achten Sie darauf, dass viele Zulassungen über das sogenannte 'Lückenindikationsverfahren' nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 geregelt sind, weshalb die genauen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten vor dem Einsatz zwingend geprüft werden müssen.

Welchen Einfluss hat die Trocknungstemperatur auf die Qualität der geernteten Droge?

Zitronenmelisse ist extrem thermolabil. Die Trocknung muss unmittelbar nach der Ernte einsetzen und darf eine Temperatur von 35 °C bis maximal 40 °C nicht überschreiten, da sich die flüchtigen Monoterpene (Citral, Citronellal) sonst verflüchtigen. Eine zu langsame Trocknung führt zudem zu einer enzymatischen Braunfärbung der Blätter, was die Ware für den Tee- und Arzneibuchmarkt unverkäuflich macht.