Oelrettich
Ölrettich (Raphanus sativus subsp. oleiferus, EPPO-Code: RAPSO) ist eine äußerst anpassungsfähige, tiefwurzelnde Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). In der mitteleuropäischen Landwirtschaft wird er primär als hocheffiziente Zwischenfrucht zur Gründüngung, zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur biologischen Bekämpfung von Rübennematoden eingesetzt. Dank seines schnellen Jugendwachstums unterdrückt er Unkräuter effektiv und schützt den Boden vor Erosion.
Neben der Strukturverbesserung durch das tiefreichende Pfahlwurzelsystem zeichnet sich die Kultur durch ein hohes Stickstoffaneignungsvermögen aus. Sie konserviert verbleibende Nährstoffe über den Winter im organischen Material und schützt das Grundwasser vor Nitratauswaschung. Für den Rübenanbau sind nematodenresistente Sorten von herausragender Bedeutung, da sie den Besatz mit Heterodera schachtii im Boden aktiv reduzieren.
Bodenmanagement
Ölrettich stellt geringe Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch tiefgründige, mittelschwere Böden mit guter Wasserführung. Das tiefreichende Pfahlwurzelsystem bricht verdichtete Bodenschichten auf und hinterlässt eine hervorragende Gare für die Folgekultur. Für eine erfolgreiche Etablierung ist ein feinkrümeliges Saatbett entscheidend, um den feinen Samen optimalen Bodenschluss zu gewährleisten. Eine moderate Stickstoffdüngung von 40 bis 60 kg N/ha im Herbst fördert die schnelle Blattentwicklung und Biomassebildung, ist jedoch an die Vorgaben der Düngevorschriften anzupassen. Nach dem Abfrosten im Winter bildet die Pflanzenmasse eine schützende Mulchauflage, die im Frühjahr flach eingearbeitet werden kann.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz steht die Regulierung von Schaderregern durch weite Fruchtfolgen und die gezielte Sortenwahl im Vordergrund. Da Ölrettich als Kreuzblütler eng mit Raps verwandt ist, müssen Krankheiten wie Sclerotinia sclerotiorum und Alternaria brassicae genau überwacht werden, um eine Übertragung in Rapsfruchtfolgen zu vermeiden. Gegen tierische Schädlinge wie den Erdfloh oder die Kohlfliege ist im Zwischenfruchtanbau meist keine chemische Behandlung wirtschaftlich oder zugelassen, weshalb ein schnelles Auflaufen durch optimalen Saattermin entscheidend ist. Bei starkem Druck durch Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) kann im Bedarfsfall ein zugelassenes Herbizid eingesetzt werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolgt streng nach Schadschwellen und unter Beachtung der lokalen Zulassungsbestimmungen.
Sorten
Defender
mittel bis spätSehr hohe Biomassebildung
Resistent gegen: Rübenzystennematoden, Wurzelgallennematoden
Anfällig für: Kohlhernie
Hervorragende Nematodenreduktion (Resistenznote 1) und schnelle Bodenbedeckung. Ideal für Rübenfruchtfolgen.
Pegletta
mittelHohe Frischmasseerträge
Resistent gegen: Rübenzystennematoden
Anfällig für: Kohlhernie, Dürrfleckenkrankheit
Sehr rasche Anfangsentwicklung und gute Unkrautunterdrückung. Bewährte Sorte zur Gründüngung.
Colonel
spätMittlere bis hohe Trockenmasse
Resistent gegen: Rübenzystennematoden, Tabakratelvirus
Anfällig für: Kohlhernie
Spätblühende Sorte mit exzellenter Nematodenresistenz. Verhindert zuverlässig die Samenbildung vor dem Winter.
Doublet
mittelSehr gute Durchwurzelungsleistung
Resistent gegen: Rübenzystennematoden, Wurzelgallennematoden
Anfällig für: Kohlhernie
Doppelresistente Sorte gegen Heterodera schachtii und Meloidogyne chitwoodi. Besonders wertvoll in Kartoffel- und Gemüsefruchtfolgen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflusst die Wahl einer nematodenresistenten Ölrettichsorte die Fruchtfolge mit Zuckerrüben?
Nematodenresistente Sorten (Resistenzklasse 1 oder 2) stimulieren die Larven des Rübennematoden (Heterodera schachtii) zum Schlüpfen, verhindern aber deren Weiterentwicklung in der Wurzel. Dies führt zu einer aktiven Dezimierung des Bodenvorrats um bis zu 70 %, was den Ertrag der nachfolgenden Zuckerrüben direkt sichert und den Infektionsdruck nachhaltig senkt.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Umbruch von Ölrettich im Frühjahr?
Der Umbruch sollte so spät wie möglich, idealerweise kurz vor der Saat der Folgekultur (z. B. Zuckerrüben oder Mais), erfolgen. Dadurch bleibt der Erosionsschutz über den Winter maximal erhalten, und die Nährstoffe werden erst freigesetzt, wenn die Folgekultur sie aufnehmen kann. Bei abgefrorenen Beständen reicht oft eine flache Scheibeneggen- oder Grubberpassage.
Warum sollte Ölrettich in engen Rapsfruchtfolgen nur mit Vorsicht angebaut werden?
Da Ölrettich wie Raps zur Familie der Brassicaceae gehört, teilt er dieselben Schaderreger. Ein Anbau erhöht das Risiko für die Vermehrung von Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) sowie Pilzkrankheiten wie Sclerotinia sclerotiorum und Alternaria brassicae, was den Pflanzenschutzaufwand im nachfolgenden Raps drastisch erhöhen kann.
Wie lässt sich das unerwünschte Aussamen von Ölrettich im Herbst verhindern?
Um eine Selbstaussaat und das Auftreten von Ölrettich als Unkraut in der Folgekultur zu verhindern, sollten spätblühende Sorten gewählt werden. Falls die Kultur dennoch frühzeitig blüht, empfiehlt sich ein mechanisches Schlegeln oder Walzen im BBCH-Stadium 65 (Vollblüte), bevor die Schoten keimfähige Samen ausbilden.
Wie finde ich im Agronomy-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger im Ölrettich?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur „Ölrettich“ (oder der übergeordneten Kategorie für Zwischenfrüchte) und dem spezifischen Schaderreger, wie z. B. Alternaria oder einkeimblättrigen Unkräutern. Achten Sie darauf, ob die Zulassung für den Bereich „Ackerbau“ oder speziell für den „Zwischenfruchtanbau zur Gründüngung“ gilt, da hier oft abweichende Wartezeiten und Auflagen bestehen.