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Kultur

Oelrettich

Raphanus sativus subsp. oleiferus
RAPSO

Der Ölrettich (Raphanus sativus subsp. oleiferus, EPPO-Code: RAPSO) ist eine äußerst vielseitige Kultur, die in Mitteleuropa vor allem als hocheffiziente Zwischenfrucht, Gründüngung und zur biologischen Nematodenbekämpfung angebaut wird. Dank seines tiefreichenden, kräftigen Pfahlwurzelsystems vermag er Bodenverdichtungen hervorragend aufzubrechen und Nährstoffe, insbesondere Stickstoff, aus tieferen Bodenschichten vor der Auswaschung über Winter zu bewahren.

Als Kreuzblütler zeichnet sich diese Kultur durch ein extrem rasches Jugendwachstum aus, wodurch eine schnelle Bodenbedeckung erzielt und Unkraut effektiv unterdrückt wird. Zudem besitzen spezielle, resistente Zuchtsorten die Fähigkeit, den Rübenzystennematoden aktiv zu dezimieren, was den Ölrettich zu einem unverzichtbaren Glied in engen Zuckerrübenfruchtfolgen macht.

Obwohl er meist nicht zur Körnernutzung, sondern zur Biomasseproduktion und Bodenverbesserung ausgesät wird, erfordert die Führung der Kultur pflanzenbauliches Geschick. Bei der Integration in die Fruchtfolge musst du jedoch das Risiko der Übertragung von typischen Kruziferen-Krankheiten auf nachfolgende Kulturen wie Raps genau abwägen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Anfang Juli bis Anfang September
Erntefenster
Oktober bis Dezember (Umbruch oder Abfrostung)
Reihenabstand
12–25 cm
Typischer Ertrag
20–40 dt/ha Trockenmasse
Wärmesumme (GDD)
1150
Boden-pH
5,5–7,5

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Etablierung der Kultur ist ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett entscheidend, um den feinen Samen optimalen Bodenschluss zu garantieren. Ölrettich stellt keine hohen Ansprüche an die Bodenart, reagiert aber empfindlich auf extreme Staunässe und sehr saure Standorte. Eine gezielte Grunddüngung ist meist nicht erforderlich, da die Kultur hervorragend verbliebene Stickstoffdepots der Vorkultur aufnimmt und konserviert; bei sehr strohreichen Vorfrüchten kann eine moderate Stickstoffgabe von 30–50 kg N/ha die Jugendentwicklung jedoch erheblich beschleunigen. Durch das tiefe Einwurzeln wird das Bodengefüge nachhaltig gelockert, was die Wasserinfiltration und die biologische Aktivität im Oberboden spürbar verbessert. Im Winter friert die Kultur bei Temperaturen unter -8 °C meist zuverlässig ab, sodass die Pflanzenreste als schützende Mulchauflage auf der Bodenoberfläche verbleiben und im Frühjahr eine mulchsaatgerechte Folgebearbeitung ermöglichen.

Schaderreger-Management

Da Ölrettich meist als Zwischenfrucht angebaut wird, ist der direkte Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel streng reglementiert und wirtschaftlich selten sinnvoll. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Vermeidung von Fruchtfolgekonflikten, insbesondere wenn Raps in der Rotation steht, da Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum oder Alternaria brassicae auf beiden Kulturen überdauern können. Gegen auflaufende Unkräuter und Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) hilft vor allem eine dichte, konkurrenzstarke Bestandesetablierung durch angepasste Saatstärken. Sollte ein starker Befall mit Schadinsekten wie dem Erdfloh oder der Kohlfliege im frühen BBCH-Stadium auftreten, musst du die Schadschwellen genau überwachen, um gegebenenfalls mechanische oder zugelassene biologische Maßnahmen einzuleiten. Die gezielte Auswahl nematodenresistenter Sorten ist zudem die effektivste präventive Maßnahme, um den Vermehrungszyklus von Rübennematoden ohne chemische Hilfsmittel zu unterbrechen.

Sorten

Defender

spät blühend

Sehr hohe Biomassebildung

Resistent gegen: Rübenzystennematoden

Anfällig für: Kohlhernie

Hervorragende Sorte zur biologischen Bekämpfung von Rübennematoden (Resistenznote 1). Liefert viel organische Masse und friert im Winter gut ab.

Pegletta

mittelfrüh bis spät blühend

Hohe Trockenmasseerträge

Resistent gegen: Rübenzystennematoden

Anfällig für: Kohlhernie

Sehr bewährte Sorte mit starker Unkrautunterdrückung und exzellenter Tiefenerschließung des Bodens.

Colonel

sehr spät blühend

Sehr hohe Wurzelbiomasse

Resistent gegen: Rübenzystennematoden, Meloidogyne chitwoodi

Anfällig für: Kohlhernie

Spitzenreiter in der Nematodenbekämpfung (Note 1) mit sehr hoher Standfestigkeit im Herbst und spätem Blühbeginn.

Siletina

früh blühend

Schnelle oberirdische Biomasse

Anfällig für: Rübenzystennematoden, Kohlhernie

Traditionelle, nicht-resistente Sorte. Hauptsächlich zur schnellen Gründüngung, Bienenweide und Futtergewinnung genutzt.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wählst du die passende Ölrettichsorte für eine Zuckerrübenfruchtfolge aus?

Achte unbedingt auf die offizielle Einstufung des Bundessortenamtes bezüglich der Nematodenresistenz. Für eine effektive Reduzierung des Rübenzystennematoden (Heterodera schachtii) solltest du ausschließlich Sorten der Resistenzklasse 1 (über 90 % Reduktion) oder Klasse 2 (70–90 % Reduktion) wie 'Defender' oder 'Colonel' wählen. Nicht-resistente Sorten vermehren den Schaderreger stattdessen und gefährden deine Rübenerträge.

Warum ist das späte Blühen einer Sorte bei der Zwischenfruchtnutzung von Vorteil?

Spät blühende Sorten bleiben länger in der vegetativen Phase. Dadurch bilden sie mehr Blatt- und Wurzelbiomasse, verholzen nicht so schnell und verhindern eine unerwünschte Selbstaussaat. Wenn die Kultur zu früh Samen bildet, kann der Ölrettich in den Folgejahren selbst als hartnäckiges Unkraut in deinen Hauptkulturen auftreten.

Wie verhält sich Ölrettich bei der Integration in Rapsfruchtfolgen?

Hier ist große Vorsicht geboten. Da beide Kulturen zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) gehören, teilen sie dieselben Schaderreger. Der Anbau von Ölrettich kann das Risiko für Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) sowie Pilzkrankheiten wie Sclerotinia und Alternaria im Raps drastisch erhöhen. In engen Rapsfruchtfolgen solltest du daher eher auf kreuzblütlerfreie Zwischenfrüchte ausweichen.

Welche mechanischen Maßnahmen unterstützen das Abfrieren im Winter?

Wenn im Winter keine ausreichend tiefen Frostperioden (unter -8 °C) vorhergesagt sind, kannst du den Bestand im Spätherbst mechanisch bearbeiten. Ein Einsatz der Messerwalze, des Mulchers oder ein flacher Scheibeneggen-Durchgang bricht die Stängel auf. Dies fördert das rasche Absterben und die Rotte der Kultur, sodass dein nachfolgendes Saatbett im Frühjahr sauberer ist.

Wie findest du im Pflanzenschutz-Hub zugelassene Mittel gegen Schaderreger im Ölrettich?

Da Ölrettich oft als Zwischenfrucht oder zur Futtergewinnung deklariert ist, musst du im Hub gezielt nach der genauen Nutzungsrichtung filtern. Achte darauf, ob ein Pflanzenschutzmittel explizit für 'Ölrettich als Gründüngung' oder zur 'Samenbereitung' zugelassen ist, da sich die Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen je nach Verwendungszweck massiv unterscheiden.