Alternaria brassicae
Alternaria brassicae (EPPO-Code: ALTEBA) ist ein wirtschaftlich bedeutender pilzlicher Schaderreger, der vor allem Kreuzblütler (Brassicaceae) befällt. Die durch diesen Pilz verursachte Krankheit ist im Rapsanbau als Rapsschwärze und im Gemüsebau als Schwärze oder Dürrfleckenkrankheit an Kohl bekannt. Sie tritt weltweit in fast allen Anbauregionen auf, in denen Brassicaceen-Kulturen intensiv bewirtschaftet werden, und kann erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen.
Besonders im Winterraps führt der Befall der Schoten zu vorzeitiger Reife und Aufplatzen, was hohe Ernteverluste durch Ausfallgetreide nach sich zieht. Im Kohlanbau mindern die dunklen Flecken auf den Blättern, Blumen oder Röschen direkt den Marktwert der Ware und machen sie oft unverkäuflich. Feucht-warme Witterungsperioden im Sommer begünstigen die epidemische Ausbreitung des Erregers massiv.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als Myzel oder Konidien auf infizierten Ernterückständen im Boden, an Wildkräutern oder als samenbürtige Infektion auf dem Saatgut. Im Frühjahr bilden sich bei steigenden Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit Primärkonidien, die durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der Kulturen übertragen werden. Nach der Keimung dringt der Pilz direkt durch die Kutikula, über Spaltöffnungen oder Wunden in das Pflanzengewebe ein. Innerhalb der entstandenen Läsionen werden rasch neue Konidien gebildet, die während der gesamten Vegetationsperiode für mehrere sekundäre Infektionszyklen sorgen. Zum Ende der Saison wandert der Pilz auf die Schoten bzw. Ernteorgane ab, wodurch der Infektionskreislauf geschlossen wird.
Bonitur
Die regelmäßige Überwachung der Bestände sollte im Raps ab dem Knospenstadium (BBCH 51) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) intensiviert werden, da Infektionen der Schoten den größten Schaden verursachen. Im Kohlanbau beginnt das Monitoring bereits kurz nach dem Anwachsen der Jungpflanzen im Feld. Eine gezielte Bonitur erfolgt durch die wöchentliche Kontrolle von mindestens 50 Pflanzen an verschiedenen Stellen im Schlag. Als orientierender Bekämpfungsrichtwert im Raps gilt ein Befall von 5 bis 10 % der oberen Blätter im Zeitraum der Blüte, insbesondere wenn warme, regnerische Witterung vorhergesagt ist. Im Gemüsebau existieren oft strengere Toleranzgrenzen, da bereits geringer Befall an den Vermarktungsorganen (z. B. Blumenkohlkopf) zur Unverkäuflichkeit führt.
Symptome
Auf den Blättern zeigen sich zunächst kleine, graubraune bis schwarze, kreisrunde Flecken, die sich im weiteren Verlauf vergrößern und oft typische, konzentrische Ringe (Zielscheibenmuster) aufweisen. Häufig sind diese Flecken von einem gelblichen Hof (Chlorose) umgeben. An den Stängeln und insbesondere an den Schoten des Rapses bilden sich längliche, scharf abgegrenzte, tiefschwarze Flecken. Bei starkem Schotenbefall schrumpfen die Hülsen, reifen vorzeitig und platzen auf, wodurch die Samen vor der Ernte ausfallen. Auf Blumenkohl und Brokkoli führt der Befall zu einer braun-schwarzen Verfärbung der Blütenknospen (Blumenfäule), während an Rosenkohl dunkle, eingesunkene Flecken auf den Röschen entstehen.
Integriertes Management
Ein integriertes Management basiert auf einer weiten Fruchtfolge (mindestens 3 bis 4 Jahre Pause zu anderen Brassicaceen) und dem konsequenten Unterpflügen von Ernterückständen, um das Primärinokulum zu reduzieren. Die Verwendung von zertifiziertem, gesundem oder warmwasserbehandeltem Saatgut verhindert die Einschleppung des Erregers. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt und vorbeugend bei Infektionsgefahr eingesetzt werden, insbesondere im Raps zur Vollblüte (BBCH 65), um die Schoten zu schützen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien erforderlich; dies umfasst den konsequenten Wechsel von Wirkstoffklassen (z. B. Kombinationen oder Wechsel von SDHI, Strobilurinen und Triazolen) und die Einhaltung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Befall durch Alternaria brassicae von anderen Blattfleckenkrankheiten wie Phoma lingam?
Während Phoma lingam (Wurzelhals- und Stängelfäule) meist hellgraue, unregelmäßige Flecken mit winzigen, schwarzen Fruchtkörpern (Pyknidien) im Zentrum bildet, zeichnet sich Alternaria brassicae durch dunkle, konzentrisch zonierte Flecken ohne sichtbare Pyknidien aus. Zudem führt Alternaria im späteren Stadium zu einem samtigen, dunklen Sporenbelag auf den Flecken.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung bei der Anfälligkeit der Kultur für die Rapsschwärze?
Eine übermäßige oder sehr späte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weichen Pflanzengewebe und verlängert die vegetative Phase. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima im Bestand und macht die Zellwände anfälliger für das Eindringen des Pilzes, was die Ausbreitung von Alternaria brassicae begünstigt.
Wie kann ich im Online-Portal gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutzmittel-Hub und filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Winterraps oder Blumenkohl) und dem Schaderreger-Code "ALTEBA" oder dem deutschen Namen "Alternaria-Schwärze". Achten Sie bei der Auswahl auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die zugelassene Aufwandmenge und die Wartezeit.
Warum ist die Bekämpfung von Unkräutern für die Befallsminderung von Alternaria brassicae wichtig?
Viele kreuzblütige Unkräuter wie Hirtentäschelkraut, Acker-Senf oder Hederich dienen dem Pilz als Zwischenwirte. Wenn diese im oder am Rand des Schlages wachsen, fungieren sie als permanente Infektionsquelle, von der aus Konidien in die Hauptkultur getragen werden.
Welchen Einfluss hat die Erntetechnik auf den Ertragsverlust bei bereits infizierten Rapsbeständen?
Da infizierte Schoten extrem brüchig sind und vorzeitig aufplatzen, sollte die Ernte bei starkem Befall mit äußerster Sorgfalt und idealerweise in den kühleren Morgenstunden erfolgen, wenn die Schoten elastischer sind. Eine falsche Einstellung der Mähwerkshöhe oder zu hohe Fahrgeschwindigkeiten erhöhen den Druschverlust durch ausfallende Samen drastisch.
Gibt es biologische oder physikalische Maßnahmen zur Saatgutbehandlung gegen samenbürtige Alternaria-Infektionen?
Ja, im ökologischen Landbau wird häufig eine Heißwasserbehandlung (z. B. 50 °C für 20 Minuten) des Saatguts durchgeführt, um den Erreger im Inneren der Samenschale abzutöten, ohne die Keimfähigkeit zu beeinträchtigen. Zudem können biologische Präparate auf Basis von nützlichen Bakterien (z. B. Bacillus amyloliquefaciens) zur Saatgutbeizung eingesetzt werden.