Rhabarber
Der Gartenrhabarber (Rheum rhabarbarum, EPPO-Code: RHERH) ist eine ausdauernde, mehrjährige Kultur, die im professionellen Erwerbsanbau in Mitteleuropa eine bedeutende Rolle als frühes Freilandgemüse einnimmt. Botanisch gehört die Kultur zu den Knöterichgewächsen (Polygonaceae), genutzt werden jedoch ausschließlich die fleischigen, säuerlich schmeckenden Blattstiele. Da die Kultur über ein tiefreichendes Rhizomsystem verfügt, verbleibt eine Anlage typischerweise zwischen 6 und 10 Jahren auf derselben Fläche, was eine vorausschauende Standortwahl und sorgfältige Bodenvorbereitung erfordert.
Der Wachstumszyklus beginnt im zeitigen Frühjahr durch den Austrieb aus den Überdauerungsorganen des Rhizoms, wobei die Kultur stark von den im Vorjahr eingelagerten Reservestoffen zehrt. Um eine Erschöpfung der Bestände zu verhindern und die Regeneration für das Folgejahr zu sichern, endet die Erntezeit traditionell Ende Juni. Rhabarber bevorzugt ein kühl-feuchtes Klima und benötigt für einen gleichmäßigen Austrieb im Frühjahr eine ausreichende Kältephase (Froststunden) während der winterlichen Ruhephase.
Bodenmanagement
Als starkzehrende Dauerkultur stellt der Rhabarber hohe Ansprüche an den Boden und die Nährstoffversorgung. Ideal sind tiefgründige, humose und gut wasserführende Lehmböden, die keine Staunässe aufweisen, da diese rasch zu Rhizomfäule führt. Vor der Pflanzung ist eine intensive organische Grunddüngung mit Stallmist (ca. 30–50 t/ha) oder reifem Kompost dringend zu empfehlen. Während der Standzeit von bis zu zehn Jahren muss jährlich im zeitigen Frühjahr sowie direkt nach Ernteende im Juni eine mineralische oder organische Stickstoffgabe erfolgen. Ein optimaler pH-Wert im schwach sauren Bereich sichert die Nährstoffverfügbarkeit und beugt physiologischen Störungen vor.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz im Rhabarberanbau konzentriert sich primär auf die Gesunderhaltung des Rhizoms und der Blattstiele. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehört Botrytis cinerea, der insbesondere bei feucht-warmer Witterung Grauschimmel an den Stielbasen verursacht. Eine sorgfältige Unkrautregulierung ist in der Etablierungsphase essenziell, da Begleitflora wie Senecio vulgaris und Capsella bursa-pastoris stark mit der Kultur konkurrieren und als Wirtspflanzen für Viren dienen können. Chemische Pflanzenschutzmittel müssen aufgrund der Einstufung als Gemüse sehr gezielt und unter strikter Beachtung der Wartezeiten eingesetzt werden. Nach dem Ernteende im Juni hilft das Entfernen von Blütenständen, die Kraft der Kultur in die Reservestoffeinlagerung des Rhizoms für das Folgejahr zu lenken.
Sorten
Holsteiner Blut
MittelfrühMittelhoher Ertrag, sehr beliebt im Erwerbsanbau und in der Direktvermarktung.
Anfällig für: Rhizomfäule, Blattfleckenkrankheit
Der absolute Klassiker im deutschen Anbau. Zeichnet sich durch rotfleischige Stiele mit grünem Ende und ein mild-säuerliches Aroma aus.
Frambozen Rood
SpätMittlerer Ertrag, aber exzellente Qualitätseigenschaften.
Anfällig für: Trockenstress
Sehr feines, himbeerartiges Aroma mit durchgehend roten Stielen. Hervorragend für die industrielle Verarbeitung und den Frischmarkt geeignet.
Goliath
SpätSehr hoher Ertrag, ideal für die Saft- und Konservenindustrie.
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Wurzelfäule
Enorm wüchsige Kultur mit sehr dicken, grünen Stielen, die an der Basis rötlich gefärbt sind. Sehr hoher Säuregehalt.
Mikado
FrühHoher Ertrag bei früher Ernte.
Anfällig für: Spätfröste
Sehr frühe Sorte mit aufrechtem Wuchs und roten Stielen. Ermöglicht einen zeitigen Erntebeginn im Freiland.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum muss die Ernte von Rhabarber traditionell am 24. Juni (Johannistag) beendet werden?
Das Ernteende am 24. Juni hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen steigt im Laufe des Sommers der Gehalt an gesundheitsschädlicher Oxalsäure in den Blattstielen stark an. Zum anderen benötigt die mehrjährige Kultur die verbleibende Vegetationsperiode bis zum Herbst, um über die Blätter ausreichend Reservestoffe zu assimilieren und im Rhizom für den Austrieb im nächsten Frühjahr zu speichern.
Wie lässt sich die Ernte im Freiland verfrühen und welche BBCH-Stadien sind dabei kritisch?
Durch das Auflegen von Vliesen oder Lochfolien im Spätwinter (ab BBCH 01 bis 09) kann die Bodentemperatur erhöht und der Austrieb um bis zu zwei bis drei Wochen verfrüht werden. Wichtig ist, die Abdeckung rechtzeitig bei Erreichen des BBCH-Stadiums 13 bis 15 (Blattentfaltung) zu entfernen oder zu lüften, um Hitzeschäden und Pilzinfektionen durch Kondenswasser zu vermeiden.
Welche Rolle spielen Unkräuter wie das Gemeine Greiskraut (Senecio vulgaris) im Rhabarberanbau?
Unkräuter wie Senecio vulgaris konkurrieren vor allem im Pflanzjahr und im zeitigen Frühjahr stark um Licht, Wasser und Nährstoffe. Da Rhabarber eine Dauerkultur ist, ist eine mechanische oder chemische Unkrautregulierung vor dem Reihenschluss essenziell. Zudem können Unkräuter als Vektoren für Viren fungieren, welche die Vitalität des Rhizoms dauerhaft schwächen.
Wie wird die Rhizomfäule (Phytophthora-Arten) im professionellen Anbau kontrolliert?
Da gegen die Rhizomfäule nach dem Pflanzen kaum wirksame chemische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen, ist die Prävention entscheidend. Dies umfasst die Auswahl absolut staunässefreier Standorte, das Aufhügeln der Pflanzreihen zur Verbesserung des Wasserabflusses und die konsequente Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut. Befallene Kulturen müssen umgehend gerodet und vernichtet werden.
Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis cinerea bei Rhabarber?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Rhabarber' und dem Schaderreger 'Botrytis cinerea' (Grauschimmel). Achten Sie bei den gelisteten Pflanzenschutzmitteln besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximalen Spritzfolgen sowie die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit vor der Ernte.