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Kultur

Rhabarber

Rheum rhabarbarum
RHERH

Der Gartenrhabarber (Rheum rhabarbarum, EPPO-Code: RHERH) ist eine mehrjährige, winterharte Kultur aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Im professionellen Erwerbsanbau in Mitteleuropa wird die Kultur besonders für ihre frühen Erträge im Frühjahr geschätzt. Genutzt werden ausschließlich die fleischigen, säuerlich schmeckenden Blattstiele, während die Blattspreiten aufgrund ihres hohen Oxalsäuregehalts nicht für den Verzehr geeignet sind.

Die Kultur stellt hohe Ansprüche an den Standort, da sie über viele Jahre (meist sechs bis acht Jahre) auf derselben Fläche verbleibt. Ein erfolgreicher Anbau erfordert tiefgründige, humose Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da das ausgeprägte Rhizomsystem empfindlich auf Staunässe reagiert. Durch den Einsatz von Verfrühungstechniken wie Vlies- oder Folienabdeckungen lässt sich der Erntebeginn im Freiland gezielt steuern, um frühe Marktfenster optimal zu nutzen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April oder Oktober bis November
Erntefenster
April bis Juni
Reihenabstand
100–150 cm x 75–100 cm
Typischer Ertrag
20–40 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2200
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Rhabarber ist eine extrem starkzehrende Dauerkultur, die eine hervorragende Nährstoffversorgung verlangt. Vor der Pflanzung solltest du eine großzügige Grunddüngung mit organischem Material wie Stallmist oder Kompost (ca. 30–50 t/ha) tief in den Boden einarbeiten. Während der Standzeit benötigt die Kultur jährlich hohe Stickstoffgaben, aufgeteilt in eine Gabe vor dem Austrieb im zeitigen Frühjahr und eine zweite Gabe direkt nach dem Ernteende Ende Juni, um die Reservestoffeinlagerung für das Folgejahr zu sichern. Da die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, ist eine tiefe Lockerung vor der Anlage des Feldes essenziell. Eine regelmäßige mechanische Unkrautregulierung zwischen den weiten Reihen schont die Bodenstruktur und hält den Konkurrenzdruck niedrig.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz stehen die Gesunderhaltung des Rhizoms und die Vermeidung von Blattflecken im Vordergrund. Gegen pilzliche Schaderreger wie Botrytis cinerea, der vor allem bei feucht-warmer Witterung die Stiele und Blätter befällt, hilft eine weite Pflanzung zur schnellen Abtrocknung des Bestandes. Unkräuter wie das Gemeine Greiskraut (Senecio vulgaris) und das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris) müssen frühzeitig reguliert werden, da sie als Wirtspflanzen für Viren dienen können und die Ernte erschweren. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt und unter Beachtung der Wartezeiten eingesetzt werden, wobei der Fokus auf vorbeugenden Maßnahmen und mechanischer Feldhygiene liegt. Nach dem Ernteende im Juni ist die Entfernung von Blütenständen wichtig, um die Kraft der Kultur im Rhizom zu bündeln.

Sorten

Holsteiner Blut

Mittelfrüh

Hoher, verlässlicher Ertrag mit dicken Stielen.

Resistent gegen: Wurzelfäule

Anfällig für: Blattfleckenkrankheit

Der absolute Klassiker im deutschen Anbau mit rot gefärbter Stielbasis und grünem Fleisch, sehr ertragreich und robust.

Frambozen Rood

Spät

Mittlerer Ertrag, erzielt aber hohe Marktpreise durch hervorragende Qualität.

Anfällig für: Trockenstress, Botrytis

Feine, durchgefärbte rote Stiele mit mildem, himbeerartigem Aroma, besonders für den Premiummarkt geeignet.

Mikado

Sehr früh

Hoher Ertrag im frühen Segment.

Anfällig für: Spätfrost

Schnellwüchsige Sorte für die früheste Vermarktung, gut geeignet für die Verfrühung unter Vlies.

Sutton's Seedling

Mittel

Konstant hohe Erträge über viele Standjahre.

Resistent gegen: Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Staunässe

Wüchsige, traditionelle Sorte mit grün-roten Stielen, sehr langlebig und regenerationsstark.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum darf Rhabarber traditionell nur bis zum 24. Juni (Johannistag) geerntet werden?

Das Ernteende am 24. Juni hat zwei wichtige Gründe: Zum einen steigt im Sommer der Gehalt an gesundheitsschädlicher Oxalsäure in den Stielen deutlich an. Zum anderen benötigt die Kultur die verbleibende Vegetationszeit bis zum Herbst, um über die Blätter ausreichend Reservestoffe zu assimilieren und im Rhizom für den Austrieb im nächsten Frühjahr einzulagern.

Wie kannst du den Erntebeginn im Freiland aktiv verfrühen?

Du kannst den Austrieb um bis zu zwei bis drei Wochen beschleunigen, indem du die Reihen im Spätwinter (Januar/Februar) mit schwarzer Schlitzfolie oder speziellem Thermovlies abdeckst. Dies erhöht die Bodentemperatur im Wurzelbereich und schützt die jungen Triebe vor strengen Spätfrösten.

Welche Strategie hilft gegen die Ausbreitung von Viren im Rhabarberbestand?

Da Rhabarber vegetativ über Rhizomteilung vermehrt wird, übertragen sich Viren leicht auf neue Generationen. Verwende für Neuanlagen ausschließlich zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut aus Gewebekultur (Meristemvermehrung) und halte Blattläuse als Vektoren im Frühjahr konsequent unter der Schadschwelle.

Wie reagierst du am besten auf das Auftreten von Blütenständen im Frühjahr?

Du solltest die entstehenden Blütenstiele so früh wie möglich tief an der Basis ausbrechen oder herausschneiden. Das Ausblühen kostet die Kultur enorm viel Energie, die stattdessen in das Wachstum der vermarktungsfähigen Blattstiele und den Aufbau des Rhizoms fließen sollte.

Wie lässt sich das Risiko von Botrytis-Befall an den Stielen minimieren?

Achte auf eine ausgewogene Stickstoffdüngung, da überdüngtes, weiches Gewebe besonders anfällig für Botrytis cinerea ist. Zudem solltest du beim Ernten die Stiele nicht abschneiden, sondern mit einem kräftigen Ruck nach unten herausdrehen, damit keine Stummel zurückbleiben, die als Eintrittspforte für den Pilz dienen.

Wo findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel für Rhabarber in der App?

Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere gezielt nach der Kultur "Rhabarber". Da Rhabarber als Sonderkultur gilt, sind viele Pflanzenschutzmittel über Indikationszulassungen oder Notfallzulassungen nach Artikel 51 der EU-Verordnung geregelt – prüfe daher stets die aktuellen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten.