Gemeines Hirtentäschel
Das Gemeine Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris, EPPO-Code: CAPBP) ist ein weltweit verbreitetes, ein- bis zweijähriges Unkraut aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Es zeichnet sich durch eine enorme Anpassungsfähigkeit aus und tritt als Pionierpflanze auf nahezu allen Böden auf. Besonders in lückigen Beständen von Wintergetreide, Winterraps, Kartoffeln sowie im Gemüse- und Obstbau kann sich der Schaderreger rasch etablieren und mit den Kulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren.
Die wirtschaftliche Relevanz von Capsella bursa-pastoris ergibt sich nicht nur aus der direkten Konkurrenzwirkung, sondern auch aus seiner Rolle als Brückenwirt für diverse Pflanzenkrankheiten und Schädlinge. So dient das Hirtentäschel beispielsweise dem Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) oder verschiedenen Viruserkrankungen als Überwinterungsquelle. Ein starker Besatz erschwert zudem die Ernte und mindert die Qualität des Ernteguts in Kulturen wie Druschfrüchten oder Feldgemüse.
Biologie / Lebenszyklus
Das Gemeine Hirtentäschel ist extrem flexibel und kann sowohl als sommer- als auch als winterannuelle Pflanze auflaufen. Nach der Keimung, die bereits bei niedrigen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt einsetzt, bildet sich zunächst eine flach am Boden anliegende Blattrosette aus. Die Blütezeit erstreckt sich fast über das gesamte Jahr, wobei eine einzige Pflanze bis zu 60.000 langlebige Samen produzieren kann, die im Boden jahrzehntelang keimfähig bleiben. Die herz- bis hirtentäschchenförmigen Schötchen reifen nacheinander von unten nach oben am Blütenstand ab, wodurch kontinuierlich neue Samen in den Samenvorrat des Bodens gelangen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte vor allem im zeitigen Frühjahr bei Vegetationsbeginn sowie im Herbst direkt nach dem Auflaufen der Kulturen erfolgen. Achte in Kulturen wie Winterraps oder Wintergetreide im BBCH-Stadium 10 bis 13 besonders auf die typischen Blattrosetten im Keimblatt- bis frühen Laubblattstadium. Eine Schadensschwelle von etwa 5 bis 10 Pflanzen pro Quadratmeter im Herbst gilt in Raps und Getreide als Richtwert für eine gezielte Herbizidbehandlung, da ältere, gut etablierte Rosetten im Frühjahr deutlich schwerer zu bekämpfen sind.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management von *Capsella bursa-pastoris* basiert auf einer weiten Fruchtfolge und mechanischen Maßnahmen wie dem falschen Saatbett, um den Samenvorrat im Boden gezielt zu reduzieren. Durch flache Stoppelbearbeitung direkt nach der Ernte regst du die Keimung der im Boden liegenden Samen an, um die aufgelaufenen Pflanzen anschließend mechanisch zu vernichten. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten bevorzugt im frühen Nachauflauf (BBCH 10–12 des Unkrauts) eingesetzt werden, da die Wirkung auf voll entwickelte Rosetten stark abfällt. Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach dem HRAC-Klassifizierungssystem (z. B. Wechsel zwischen ALS-Hemmern und synthetischen Auxinen) zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Produkten gegen das Hirtentäschel suchen?
Nutze im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und gib dort den EPPO-Code "CAPBP" oder den deutschen Namen "Gemeines Hirtentäschel" ein. Filtere anschließend nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Winterraps oder Kartoffeln) und dem gewünschten Anwendungszeitraum (Vor- oder Nachauflauf), um alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit ihren spezifischen Auflagen und Aufwandmengen angezeigt zu bekommen.
Warum ist die Bekämpfung des Hirtentäschels im Herbst in Winterkulturen so entscheidend?
Hirtentäschel ist extrem frosthart und wächst auch bei milden Wintertemperaturen weiter. Wenn du die Behandlung ins Frühjahr verschiebst, haben die Pflanzen oft schon eine tiefe Pfahlwurzel und eine dichte Rosette gebildet, gegen die viele Herbizide nur noch eine unzureichende Wirkung zeigen. Eine frühzeitige Ausschaltung im BBCH-Stadium 10–12 des Unkrauts sichert den besten Bekämpfungserfolg.
Welche Rolle spielt das Hirtentäschel bei der Verschleppung von Kohlhernie in der Fruchtfolge?
Als Kreuzblütler ist das Hirtentäschel ein hervorragender Zwischenwirt für den Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae). Wenn du das Unkraut in Rapsfruchtfolgen oder im Kohlanbau nicht konsequent bekämpfst, bleibt der Infektionsdruck im Boden trotz anbaufreier Jahre hoch, da der Pilz in den Wurzeln des Hirtentäschels überleben und sich vermehren kann.
Wie unterscheidet sich die Keimbiologie des Hirtentäschels von anderen Kreuzblütlern wie dem Ackerhellerkraut?
Im Gegensatz zu vielen anderen Unkräutern ist das Hirtentäschel ein extrem flexibler Lichtkeimer, der bereits bei Temperaturen ab 2 bis 5 °C keimt. Seine Samen können im Boden bis zu 30 Jahre überdauern. Das Ackerhellerkraut hingegen keimt bevorzugt im Frühjahr und benötigt meist höhere Bodentemperaturen, weshalb das Hirtentäschel im Spätherbst und Winter oft die dominierende Art darstellt.
Kann ich das Hirtentäschel im ökologischen Landbau rein mechanisch regulieren?
Ja, das ist gut möglich. Im Keimblattstadium reagiert das Hirtentäschel sehr empfindlich auf Blindstriegeln oder den Einsatz des Zinkenstriegels. Sobald die Pflanze jedoch das Rosettenstadium überschritten und eine Pfahlwurzel ausgebildet hat, ist das Striegeln kaum noch effektiv; in diesem Fall musst du auf die Hacktechnik zwischen den Reihen zurückgreifen.
Welche HRAC-Wirkstoffklassen sind besonders anfällig für Resistenzbildung beim Hirtentäschel?
Weltweit wurden bereits Resistenzen des Hirtentäschels gegenüber ALS-Hemmern (HRAC-Gruppe 2 / ehemals B) nachgewiesen. Achte bei der chemischen Unkrautbekämpfung darauf, diese Wirkstoffe nicht solo in aufeinanderfolgenden Jahren einzusetzen, sondern sie mit Bodenherbiziden (z. B. HRAC-Gruppe 15 / K3) oder Wuchsstoffen (HRAC-Gruppe 4 / O) zu kombinieren oder abzuwechseln.