Rotkohl
Rotkohl (Brassica oleracea var. capitata f. rubra, EPPO-Code: BRSOR), im süddeutschen Raum und in Österreich auch als Blaukraut oder Rotkraut bekannt, ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Kopfkohlarten im mitteleuropäischen Feldgemüsebau. Die Kultur zeichnet sich durch ihre charakteristische rötlich-violette Färbung aus, die durch einen hohen Gehalt an Anthocyanen bestimmt wird und je nach pH-Wert des Bodens und der Zubereitung variiert. Der Anbau erstreckt sich von sehr frühen Sorten für den Frischmarkt bis hin zu späten, hochgradig lagerfähigen Sorten für die industrielle Verarbeitung und die Winterbevorratung.
Für einen erfolgreichen Anbau benötigt die Kultur tiefgründige, nährstoffreiche Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da der hohe Blattapparat insbesondere in der Phase der Kopfbildung ab dem BBCH-Stadium 41 erhebliche Wassermengen transpiriert. Aufgrund der langen Standzeit von späten Sorten ist ein strukturiertes Nährstoffmanagement essenziell, das den hohen Stickstoff- und Kaliumbedarf der Kultur deckt. Zudem stellt die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge von mindestens vier bis fünf Jahren eine grundlegende pflanzenbauliche Maßnahme dar, um bodenbürtige Schaderreger effektiv zu unterdrücken.
Im Pflanzenschutz stehen neben tierischen Schädlingen vor allem pilzliche Schaderreger im Fokus. Insbesondere die Erreger der Kohlschwärze (Alternaria brassicae) und der Ringfleckenkrankheit (Neopseudocercosporella brassicae) können bei feucht-warmer Witterung die äußeren Umblätter infizieren und die Qualität der Köpfe mindern. Ein integriertes Management, das auf vorbeugende Maßnahmen, mechanische Unkrautregulierung und den gezielten Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel setzt, sichert marktfähige Erträge und hohe Qualitäten für die Langzeitlagerung.
Bodenmanagement
Rotkohl stellt hohe Ansprüche an den Boden und gedeiht am besten auf tiefgründigen, humosen Lehm- und Tonböden mit guter Wasserhaltekapazität. Da die Kultur sehr empfindlich auf saure Böden reagiert, ist die Aufrechterhaltung eines optimalen pH-Werts von 6,5 bis 7,5 durch regelmäßige Erhaltungskalkung eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Kohlhernie. Eine organische Grunddüngung mit Stallmist oder Kompost im Herbst fördert die Bodenstruktur und das Mikrobiom nachhaltig. Während der Hauptwachstumsphase im Sommer muss die Stickstoffversorgung präzise auf den Bedarf abgestimmt werden, um ein Überdüngen zu vermeiden, welches die Lagerfähigkeit negativ beeinflussen und zu Innenbrand führen kann. Eine tiefe Bodenlockerung vor dem Auspflanzen unterstützt die tiefe Durchwurzelung der Kultur.
Schaderreger-Management
Das Pflanzenschutzmanagement bei Rotkohl erfordert eine kontinuierliche Überwachung ab der Pflanzung, um Schaderreger frühzeitig zu erfassen. Gegen tierische Schädlinge wie die Kohlfliege, den Kohltriebrüssler und Raupen der Kohlschabe haben sich feinmaschige Kulturschutznetze als mechanische Barriere hervorragend bewährt. Bei feuchter Witterung im Spätsommer steigt das Risiko für pilzliche Infektionen durch Alternaria brassicae und Neopseudocercosporella brassicae, weshalb der Einsatz von Fungiziden rechtzeitig vor dem Reihenschluss und unter Beachtung der Wartezeiten erfolgen sollte. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel bei den eingesetzten Pflanzenschutzmitteln zwingend erforderlich. Zudem mindert eine weite Fruchtfolge das Risiko bodenbürtiger Krankheiten wie der Kohlhernie erheblich.
Sorten
Langedijker Dauer
Sehr spätKonstant hohe Erträge bei optimaler Wasserversorgung, ca. 50–70 t/ha.
Anfällig für: Kohlhernie, Innenbrand
Traditionelle, bewährte samenfeste Sorte für die späte Ernte und sehr lange Lagerung. Bildet feste, dunkelrote Köpfe.
Marner Lagerrot
SpätSehr ertragssicher im späten Segment, typischerweise 60–80 t/ha.
Resistent gegen: Platzplatzen
Anfällig für: Kohlhernie, Alternaria-Blattflecken
Bekannte deutsche Züchtung mit hervorragender Eignung für die Winterlagerung. Sehr feste Köpfe mit feiner Innenstruktur.
Rodynda
Mittelfrüh bis spätMäßiger bis guter Ertrag, ca. 40–50 t/ha, dafür sehr hohe Produktqualität.
Anfällig für: Kohlfliege, Kohlhernie
Beliebte samenfeste Sorte im ökologischen Anbau mit exzellentem, aromatischem Geschmack. Gut geeignet für den Frischmarkt und die mittelfristige Lagerung.
Regaro
SpätSehr hohes Ertragspotenzial von bis zu 85 t/ha unter intensiven Anbaubedingungen.
Resistent gegen: Innenbrand
Anfällig für: Kohlhernie
Moderner F1-Hybrid mit extrem hoher Uniformität und exzellenter Feldhaltbarkeit. Ideal für die industrielle Verarbeitung.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Innenbrand (Tipburn) bei Rotkohl pflanzenbaulich minimieren?
Innenbrand entsteht meist durch einen lokalen Calciummangel in den schnell wachsenden inneren Blättern, oft ausgelöst durch unregelmäßige Wasserversorgung oder übermäßige Stickstoffdüngung. Um dies zu verhindern, sollte auf eine gleichmäßige Bewässerung geachtet und die Stickstoffgabe auf mehrere Gaben aufgeteilt werden. Zudem hilft die Vermeidung von Ammonium-betonten Düngern, da Ammonium die Calciumaufnahme blockiert.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen Alternaria brassicae?
Erste Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollten vorbeugend oder bei ersten Symptomen ab dem BBCH-Stadium 39 (Beginn der Kopfbildung) erfolgen, insbesondere wenn feucht-warme Witterungsperioden vorhergesagt sind. Ein späterer Einsatz nach dem Reihenschluss ist oft weniger effektiv, da die Spritzbrühe die unteren, infektionsgefährdeten Blätter nicht mehr optimal erreicht.
Welche Rolle spielt der pH-Wert des Bodens bei der Vermeidung von Kohlhernie im Rotkohlanbau?
Der Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) gedeiht besonders gut in sauren, feuchten Böden. Durch das Anheben des pH-Werts auf über 7,2 mittels einer gezielten Kalkung (z. B. mit Branntkalk vor dem Pflanzen) wird die Keimung der Dauersporen gehemmt. Dies ist eine der effektivsten vorbeugenden Maßnahmen im integrierten Pflanzenschutz.
Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln für Rotkohl suchen?
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Warum ist die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge bei dieser Kultur so kritisch?
Viele Schaderreger von Rotkohl, insbesondere der Pilz Plasmodiophora brassicae (Kohlhernie) und der Erreger der Umfallkrankheit, können als Dauersporen oder Myzel viele Jahre im Boden überdauern. Eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern (Brassicaceae) unterbricht den Vermehrungszyklus und senkt das Infektionspotenzial auf ein kontrollierbares Niveau.