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Kultur

Rotkohl

Brassica oleracea var. capitata f. rubra
BRSOR

Rotkohl (Brassica oleracea var. capitata f. rubra, EPPO-Code: BRSOR) ist eine traditionelle und wirtschaftlich bedeutende zweijährige Kultur im mitteleuropäischen Feldgemüsebau. Charakteristisch für diese Kultur ist die intensive rote bis violette Färbung der festen Kopfbildung, die maßgeblich durch den Gehalt an Anthocyanen und den pH-Wert des Bodens beeinflusst wird. Im Erwerbsanbau wird Rotkohl meist einjährig kultiviert und stellt aufgrund seiner langen Standzeit hohe Ansprüche an Bodenstruktur, Wasserversorgung und Nährstoffdynamik.

Die Kultur zeichnet sich durch eine ausgeprägte Frosthärte aus, was insbesondere für den Anbau von Spätsorten zur Wintereinlagerung von großem Vorteil ist. Für einen erfolgreichen Anbau sind eine präzise Steuerung der Stickstoffgabe sowie ein integriertes Pflanzenschutzkonzept unerlässlich. Da Rotkohl über viele Monate auf dem Feld verbleibt, ist er über einen langen Zeitraum potenziellen Schaderregern ausgesetzt, was eine sorgfältige Feldhygiene und regelmäßige Bonituren erfordert.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Februar bis Juni
Erntefenster
Juni bis November
Reihenabstand
50–70 cm
Typischer Ertrag
40–80 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1950 °C
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Rotkohl benötigt tiefgründige, mittelschwere bis schwere Böden mit hoher Wasserhaltekapazität und einem stabilen Humusgehalt, um ein gleichmäßiges Wachstum zu gewährleisten. Eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung im Herbst, idealerweise als tiefe Furche oder intensive Lockerung, fördert die Durchwurzelung und das Wasseraufnahmevermögen im Frühjahr. Aufgrund des hohen Nährstoffbedarfs dieser Kultur ist eine ausgewogene Düngung auf Basis aktueller Bodenanalysen zwingend erforderlich, wobei insbesondere auf eine ausreichende Versorgung mit Kalium und Bor zu achten ist. Zur Vermeidung von bodenbürtigen Schaderregern wie der Kohlhernie musst du eine strikte Fruchtfolge von mindestens vier, besser fünf Jahren Anbaupause zu anderen Kreuzblütlern einhalten. Eine gezielte Bewässerung in den kritischen Phasen der Kopfbildung sichert nicht nur den Ertrag, sondern verhindert auch das gefürchtete Platzen der Köpfe bei unregelmäßiger Wasserzufuhr.

Schaderreger-Management

Das Pflanzenschutzmanagement bei Rotkohl erfordert eine kontinuierliche Überwachung, da die Kultur über die gesamte Vegetationsperiode von zahlreichen Schaderregern bedroht wird. Gegen pilzliche Erreger wie Alternaria brassicae (Schwärzepilz) und Neopseudocercosporella brassicae (Weißfleckigkeit) solltest du vorbeugende Maßnahmen wie weite Pflanzabstände zur schnelleren Abtrocknung des Bestandes ergreifen und bei Bedarf zugelassene Pflanzenschutzmittel einsetzen. Tierische Schädlinge wie die Kohlmotte, der Große Kohlweißling und die Mehlige Kohlblattlaus müssen durch den gezielten Einsatz von Kulturschutznetzen oder nützlingsschonenden Insektiziden unter der Schadschwelle gehalten werden. Ein besonderes Augenmerk gilt der Bekämpfung von Unkräutern in der Jugendentwicklung, was mechanisch durch Hacken oder chemisch durch gezielte Herbizidanwendungen im Vor- und Nachauflauf erfolgt. Achte bei jeder Anwendung auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeit und wechsle die Wirkstoffklassen systematisch ab, um der Entstehung von Resistenzen wirksam vorzubeugen.

Sorten

Marner Lagerrot

Spät (ca. 140–150 Tage)

Sehr hoher Ertrag bei optimaler Lagerfähigkeit.

Anfällig für: Kohlhernie, Innenbrand

Bewährte, traditionelle deutsche Sorte für die späte Ernte und langfristige Wintereinlagerung. Bildet sehr feste, dunkelrote Köpfe mit feiner Innenstruktur.

Rodynda

Mittelsortierung (ca. 120–130 Tage)

Mittlerer bis hoher Ertrag mit sehr gleichmäßiger Kopfentwicklung.

Anfällig für: Kohlhernie, Echter Mehltau

Samenfeste Sorte mit hervorragendem, aromatisch-süßlichem Geschmack. Besonders beliebt im ökologischen Anbau und für die Direktvermarktung.

Regaro

Spät (ca. 145–155 Tage)

Sehr hoher und homogener Ertrag.

Resistent gegen: Xanthomonas campestris

Anfällig für: Kohlmotte

Moderne F1-Hybride mit exzellenter Feldhaltbarkeit und hervorragenden Lagereigenschaften. Die Köpfe sind hochrund und weisen einen kurzen Innenstrunk auf.

Resima

Mittelfrüh (ca. 110–120 Tage)

Hoher Ertrag bei sehr gleichmäßiger Sortierung.

Resistent gegen: Fusarium-Welke

Anfällig für: Alternaria-Blattfleckenkrankheit

Vielseitige F1-Hybride für den Frischmarkt und die frühe industrielle Verarbeitung. Zeichnet sich durch eine schnelle Kopfbildung und eine schöne Innenfärbung aus.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kannst du das Risiko von Innenbrand bei Rotkohl minimieren?

Innenbrand entsteht meist durch einen lokalen Kalziummangel in den inneren Blättern, oft ausgelöst durch unregelmäßige Wasserversorgung oder zu schnelles Wachstum. Du solltest auf eine gleichmäßige Bewässerung achten, übermäßige Stickstoffgaben vermeiden und bei Bedarf eine gezielte Blattdüngung mit Kalzium in der Phase der intensiven Kopfbildung durchführen.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen den Schwärzepilz (Alternaria brassicae)?

Eine Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel ist besonders bei feucht-warmer Witterung ab dem BBCH-Stadium 41 (Beginn der Kopfbildung) ratsam. Kontrolliere die älteren, bodennahen Blätter regelmäßig auf typische konzentrische, dunkle Flecken und reagiere frühzeitig, um eine Ausbreitung auf die Kopfhüllblätter zu verhindern.

Welche Rolle spielt der Boden-pH-Wert speziell beim Anbau dieser Kultur?

Rotkohl reagiert empfindlich auf saure Böden, da diese das Auftreten der gefürchteten Kohlhernie begünstigen. Du solltest den pH-Wert durch gezielte Kalkung (z. B. mit Branntkalk vor dem Pflanzen) im Bereich von mindestens 6,8 bis 7,5 stabilisieren, um die Sporenkeimung des Erregers im Boden effektiv zu unterdrücken.

Wie unterscheidest du die Symptome von Neopseudocercosporella brassicae von anderen Blattflecken?

Die Weißfleckigkeit (Neopseudocercosporella brassicae) äußert sich durch papierartige, fast weiße bis hellgraue Flecken mit einem dunklen Rand, oft auf den älteren Blättern. Im Gegensatz zu Alternaria fehlen die typischen konzentrischen Ringe; bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich auf den Flecken ein feiner, weißlicher Sporenbelag.

Wie findest du auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für eine spezifische Anwendung?

Nutze die Suchfunktion auf unserem Portal und filtere nach der Kultur Rotkohl sowie dem spezifischen Schaderreger. Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel stets auf die aktuell zugelassene Aufwandmenge, die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison und die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.