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Kultur

Sauerampfer

Rumex acetosa
RUMAC

Der Sauerampfer (Rumex acetosa, EPPO-Code: RUMAC), auch als Großer Sauerampfer bekannt, ist eine mehrjährige Kultur aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). In Mitteleuropa wird er sowohl als Wildgemüse geschätzt als auch erwerbsmäßig für den Frischmarkt und die verarbeitende Industrie – beispielsweise für Suppen oder Kräutermischungen wie die Frankfurter Grüne Soße – angebaut. Die Kultur zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Oxalsäure, Vitamin C und Eisen aus, was ihr den charakteristisch säuerlichen Geschmack verleiht.

Im professionellen Anbau wird Sauerampfer meist als mehrjährige Kultur über zwei bis drei Jahre geführt. Da die Blätter fortlaufend geerntet werden können, erfordert die Kultur eine gleichmäßige Wasserversorgung und eine gut abgestimmte Nährstoffnachlieferung. Nach dem dritten Standjahr nimmt die Vitalität der Bestände meist ab, und das Risiko für Verunkrautung sowie den Befall mit spezifischen Schaderregern steigt deutlich an, weshalb die Flächen dann meist umgebrochen werden.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April oder August
Erntefenster
April bis Oktober (fortlaufende Schnitte)
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1200–1450 °C
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Sauerampfer bevorzugt mittelschwere, tiefgründige und humusreiche Böden mit einer gleichmäßigen Feuchtigkeitsführung, da Staunässe ebenso wie extreme Trockenheit vermieden werden muss. Ein optimaler pH-Wert liegt im schwach sauren bis neutralen Bereich, wobei die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert. Vor der Aussaat oder Pflanzung ist eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung notwendig, um ein feinkrümeliges Saatbett herzustellen und Wurzelunkräuter konsequent zu dezimieren. Aufgrund des hohen Blattzuwachses und der mehrfachen Schnitte pro Jahr ist der Stickstoffbedarf moderat, aber kontinuierlich; eine organische Grunddüngung im Herbst oder zeitigen Frühjahr hat sich hierbei besonders bewährt. Nach jedem Schnitt fördert eine leichte, schnell wirksame Stickstoffgabe den raschen Wiederaustrieb der Kultur.

Schaderreger-Management

Im Bereich des Pflanzenschutzes stellt die Regulierung von Unkräutern, insbesondere der Gemeinen Quecke (Elymus repens), eine der größten Herausforderungen im mehrjährigen Anbau dar. Da nur wenige selektive Herbizide für diese Kultur zugelassen sind, müssen mechanische Maßnahmen wie das Hacken zwischen den Reihen präzise und frühzeitig durchgeführt werden. Zu den bedeutenden tierischen Schaderregern gehören der Ampfer-Blattkäfer (Gastrophysa viridula) und verschiedene Blattlausarten, die durch Fraßschäden oder als Vektoren die Marktqualität der Blätter mindern. Pilzliche Schaderreger wie Ampferrost (Uromyces rumicis) oder Echter Mehltau treten besonders bei feucht-warmer Witterung auf und erfordern eine weite Reihenweite zur besseren Abtrocknung des Bestandes. Die Anwendung zugelassener Pflanzenschutzmittel muss streng auf die Wartezeiten vor den jeweiligen Schnittterminen abgestimmt werden.

Sorten

Belleville

Mittelfrüh

Hoch und gleichmäßig über mehrere Schnitte.

Anfällig für: Ampferrost, Blattläuse

Sehr bewährte, starkwüchsige Sorte mit großen, hellgrünen Blättern und gutem Ertragspotenzial.

Lyoner

Mittelfrüh

Sehr ertragreich bei ausreichender Wasserversorgung.

Anfällig für: Schoßen, Ampfer-Blattkäfer

Traditionelle Sorte mit breiten, pfeilförmigen Blättern und mild-säuerlichem Aroma, ideal für den Erwerbsanbau.

Profusion

Spät

Sehr hoher Blattertrag durch extrem lange Ernteperiode.

Resistent gegen: Schoßen

Anfällig für: Echter Mehltau

Spezialsorte, die fast keine Blüten bildet (steril) und daher über die gesamte Saison hinweg zarte Blätter liefert.

Verona

Früh

Mittel, dafür sehr hohe Blattqualität für den Frischmarkt.

Anfällig für: Trockenstress

Feinblättrige Sorte mit kompakter Rosette, besonders für den Anbau von Baby-Leaf-Mischungen geeignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Schoßen (Blütenbildung) bei Sauerampfer im Erwerbsanbau verzögern?

Das Schoßen mindert die Blattqualität erheblich, da die Blätter bitter und zäh werden. Neben der Sortenwahl (z. B. sterile Sorten wie 'Profusion') hilft ein konsequenter, tiefer Rückschnitt der Blütenansätze im BBCH-Stadium 51 bis 55. Zudem verzögert eine kontinuierliche Stickstoff- und Wasserversorgung nach jedem Schnitt den Übergang in die generative Phase.

Welche mechanischen Maßnahmen sind bei der Bekämpfung der Gemeinen Quecke (Elymus repens) im Sauerampferbestand wirksam?

Da die Gemeine Quecke (Elymus repens) ein hartnäckiges Wurzelunkraut ist, muss die Regulierung bereits vor der Etablierung der Kultur durch intensive Bodenbearbeitung, wie Pflügen und wiederholtes Eggen zur Austrocknung der Rhizome, erfolgen. Im stehenden, mehrjährigen Bestand ist die mechanische Regulierung extrem schwierig; hier hilft nur das präzise Hacken zwischen den Reihen im frühen BBCH-Stadium der Quecke, um ein Überwachsen der Kultur zu verhindern.

Wie wird der optimale Erntezeitpunkt für die industrielle Verarbeitung bestimmt?

Für die industrielle Verarbeitung wird geerntet, wenn die Blätter voll entwickelt, aber noch zart sind, was meist im BBCH-Stadium 39 bis 45 der Fall ist. Der Nitratgehalt sollte vor dem Schnitt im Labor überprüft werden, da Sauerampfer unter Stress oder bei Überdüngung zur Nitratakkumulation neigt. Zudem sollte der Schnitt idealerweise in den kühlen Morgenstunden erfolgen, um Welkeerscheinungen zu minimieren.

Welche Rolle spielt die Wartezeit bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Sauerampfer?

Da Sauerampfer eine Mehrschnittkultur mit sehr kurzen Abständen zwischen den Ernteterminen ist, ist die Einhaltung der gesetzlichen Wartezeit von überragender Bedeutung. Beim Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Schaderreger wie Blattläuse oder Pilze muss die Applikation unmittelbar nach einem Schnitt erfolgen, um das Zeitfenster bis zum nächsten Schnitt optimal auszunutzen und Rückstände im Erntegut sicher auszuschließen.

Wie kann man dem Befall mit dem Ampfer-Blattkäfer (Gastrophysa viridula) vorbeugend begegnen?

Der Ampfer-Blattkäfer kann durch Skelettierfraß ganze Bestände vernichten. Vorbeugend sollten Wildampferbestände im direkten Umfeld der Kulturflächen konsequent gemäht werden, um das Einwandern der Käfer zu verhindern. Zudem fördert ein weiter Reihenabstand das schnelle Abtrocknen des Bestandes, was die Eiablage und Larvenentwicklung des Käfers erschwert. Bei akutem Befall im frühen BBCH-Stadium können biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis von Pyrethrinen oder Neem-Präparaten eingesetzt werden.