Weiße Lupine
Die Weiße Lupine (Lupinus albus, EPPO-Code: LUPAL) gewinnt im mitteleuropäischen Raum als heimische Eiweißpflanze zunehmend an Bedeutung. Als Leguminose zeichnet sie sich durch eine hervorragende Stickstofffixierungsleistung aus, die nachfolgenden Kulturen in der Fruchtfolge zugutekommt. Im Vergleich zu anderen Lupinenarten stellt sie jedoch höhere Ansprüche an den Boden und die Wasserversorgung, liefert dafür aber auch die höchsten Korn- und Proteinerträge.
Botanisch gehört die Kultur zu den Schmetterlingsblütlern. Sie bildet tiefreichende Pfahlwurzeln aus, die den Boden hervorragend erschließen und die Bodenstruktur nachhaltig verbessern. Durch die Züchtung moderner, anthraknosetoleranter Sorten hat der Anbau in Deutschland eine Renaissance erfahren, da die gefürchtete Brennfleckenkrankheit zuvor oft zu Totalausfällen führte.
Bodenmanagement
Die Weiße Lupine bevorzugt tiefgründige, mittelschwere Böden mit guter Wasserführung, da sie empfindlich auf Staunässe und Bodenverdichtungen reagiert. Ein optimaler pH-Wert liegt im schwach sauren bis neutralen Bereich; auf kalkreichen Böden mit freiem Calciumcarbonat neigt die Kultur zu Kalkchlorose. Die Saatbettbereitung sollte sorgfältig und möglichst bodenschonend erfolgen, um ein rasches und gleichmäßiges Auflaufen zu sichern. Da Lupinen in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium lupini) leben, ist bei Erst- oder seltenem Anbau auf der Fläche eine Impfung des Saatguts zwingend erforderlich. Eine Stickstoffdüngung ist nicht notwendig und mindert die biologische Fixierungsleistung, während eine Grunddüngung mit Phosphor und Kalium je nach Bodenversorgung eingeplant werden sollte.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei der Weißen Lupine konzentriert sich primär auf die Vorbeugung und Bekämpfung der Anthraknose (Brennfleckenkrankheit), die durch den Pilz Colletotrichum lupini verursacht wird. Neben der Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut und toleranten Sorten ist die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge von mindestens vier Jahren entscheidend. Gegen auflaufende Unkräuter wie den Weißen Gänsefuß (Chenopodium album) oder die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum) stehen mechanische Verfahren wie Striegeln und Hacken sowie zugelassene Herbizide im Vorauflauf zur Verfügung. Schädlinge wie der Blattrandkäfer oder die Lupinenblattlaus müssen ab den kritischen BBCH-Stadien regelmäßig überwacht werden, um bei Überschreitung der Schadschwellen gezielte Behandlungen einzuleiten. Bei feuchter Witterung zur Erntezeit kann zudem eine Infektion mit Grauschimmel (Botrytis cinerea) auftreten, was eine rechtzeitige Ernte und gegebenenfalls Trocknung erfordert.
Sorten
Celina
mittelfrühSehr hohes Ertragspotenzial bei Korn- und Rohproteinertrag.
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Spätfröste
Eine der führenden Sorten in Deutschland mit verbesserter Toleranz gegenüber Colletotrichum.
Frieda
mittelspätKonstant hohe Erträge, besonders auf besseren Standorten.
Resistent gegen: Anthraknose, Lagerung
Anfällig für: Kalkchlorose
Wuchskräftige Sorte mit guter Standfestigkeit und hohem Tausendkorngewicht.
Victor
mittelfrühGute, stabile Kornerträge auch unter trockeneren Bedingungen.
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Botrytis
Zeigt eine zügige Jugendentwicklung und eignet sich gut für den ökologischen Anbau.
Amiga
mittelfrühMittel bis hoch, sehr ausgeglichene Ertragsstruktur.
Anfällig für: Anthraknose
Ältere, bewährte Sorte mit sehr niedrigem Alkaloidgehalt, benötigt aber absolut gesundes Saatgut.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Saatgutimpfung bei der Weißen Lupine so wichtig und wie wird sie durchgeführt?
Da die für Lupinen spezifischen Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium lupini) in den meisten mitteleuropäischen Böden nicht natürlich vorkommen, ist eine Impfung des Saatguts unmittelbar vor der Aussaat essenziell. Ohne diese Symbiose kann die Kultur keinen Luftstickstoff fixieren, was zu extremem Stickstoffmangel, Kümmerwuchs und drastischen Ertragseinbußen führt. Das Impfmittel wird feucht auf das Saatgut aufgetragen und muss bis zur Aussaat vor direkter UV-Strahlung geschützt werden.
Wie reagiert die Weiße Lupine auf kalkhaltige Böden und welche Grenzwerte gelten?
Die Weiße Lupine ist extrem empfindlich gegenüber freiem Kalk im Boden. Ab einem Gehalt von über 2–3 % freiem Calciumcarbonat oder einem pH-Wert über 7,0 kommt es zu einer Blockade der Eisenaufnahme, der sogenannten Kalkchlorose. Die Blätter färben sich gelb, das Wachstum stockt und die Pflanzen können absterben. Für kalkreiche Standorte ist diese Kultur daher ungeeignet.
Welche mechanischen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen sind in der Kultur möglich?
Die Weiße Lupine eignet sich gut für den mechanischen Pflanzenschutz. Ein Blindstriegeln vor dem Auflaufen ist sehr effektiv. Nach dem Auflaufen kann ab dem 2-Blatt-Stadium (BBCH 12) bis zum Reihenschluss vorsichtig gestriegelt werden, idealerweise in den Nachmittagsstunden bei nachlassendem Turgordruck der Pflanzen. Bei größeren Reihenabständen ist der Einsatz von Hackgeräten bis zum Beginn des Längenwachstums sehr erfolgreich.
Wie lässt sich das Risiko einer Anthraknose-Infektion im praktischen Anbau minimieren?
Die wichtigste Maßnahme ist die Verwendung von zertifiziertem, auf Colletotrichum getestetem Z-Saatgut, da der Erreger hauptsächlich über den Samen übertragen wird. Zudem sollten tolerante Sorten gewählt und eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren eingehalten werden. Da der Pilz durch Regentropfen im Bestand weiterverbreitet wird, sollten mechanische Arbeiten im Feld nur bei absolut trockener Witterung durchgeführt werden.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt und worauf ist beim Mähdrusch zu achten?
Die Ernte erfolgt, wenn die Hülsen braun-schwarz gefärbt sind, die Blätter komplett abgefallen sind und die Körner beim Draufbeißen hart sind, was einer Kornfeuchte von ca. 14–16 % entspricht. Da die Samen sehr groß und bruchempfindlich sind, muss die Trommeldrehzahl des Mähdreschers auf ein Minimum (ca. 300–400 U/min) reduziert und der Dreschspalt weit geöffnet werden, um mechanische Beschädigungen des Keimlings zu verhindern.
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