Weiße Lupine
Die Weiße Lupine (Lupinus albus, EPPO-Code: LUPAL) gewinnt als heimische Eiweißpflanze im mitteleuropäischen Raum zunehmend an Bedeutung. Dank ihres hohen Rohproteingehalts und der Fähigkeit zur symbiotischen Stickstofffixierung stellt diese Kultur ein wertvolles Glied in anspruchsvollen Fruchtfolgen dar. Im Vergleich zu anderen Lupinenarten zeichnet sich die Weiße Lupine durch ein hohes Ertragspotenzial und eine hervorragende Eignung sowohl für die Tierfütterung als auch für die menschliche Ernährung aus.
Allerdings stellt die Kultur hohe Ansprüche an den Standort und die Anbautechnik. Insbesondere die Empfindlichkeit gegenüber Spätfrösten in der Jugendphase sowie das Risiko von Pilzinfektionen erfordern eine präzise Führung des Bestandes. Durch die erfolgreiche Züchtung anthraknosetoleranter Sorten hat sich die Anbausicherheit in den letzten Jahren jedoch deutlich verbessert, was die Kultur auch für trockenheitsgefährdete Standorte in Deutschland attraktiver macht.
Bodenmanagement
Die Weiße Lupine bevorzugt tiefgründige, mittelschwere Böden mit guter Wasserführung, da sie ein tiefreichendes Pfahlwurzelsystem ausbildet. Staunässe und starke Bodenverdichtungen musst du unbedingt vermeiden, da sie die Wurzelentwicklung hemmen und die Aktivität der Knöllchenbakterien stark einschränken. Ein gut rückverfestigtes, feinkrümeliges Saatbett ist entscheidend, um einen gleichmäßigen Feldaufgang bei einer Saattiefe von 3–4 cm zu gewährleisten. Achte besonders auf den pH-Wert des Bodens; Werte über 7,0 können zu Kalkchlorose führen, da die Kultur empfindlich auf freien Kalk reagiert. Eine gezielte Impfung des Saatguts mit passenden Rhizobien-Präparaten ist auf Flächen ohne vorherigen Lupinenanbau zwingend erforderlich, um die Stickstofffixierung abzusichern.
Schaderreger-Management
Der Fokus im Pflanzenschutz liegt bei der Weißen Lupine auf der vorbeugenden Gesunderhaltung und einer konsequenten Unkrautregulierung. Die Anthraknose (Brennfleckenkrankheit, verursacht durch Colletotrichum lupini) stellt die größte Bedrohung dar und erfordert den Einsatz zertifizierten, infektionsfreien Saatguts sowie den Anbau toleranter Kultivare. Gegen auflaufende Unkräuter wie den Weißen Gänsefuß (Chenopodium album) oder den Windhalm (Apera spica-venti) stehen im Vorauflauf wirksame Herbizide zur Verfügung, während im Nachauflauf die mechanische Regulierung durch Striegeln und Hacken dominiert. Schadinsekten wie der Blattrandkäfer können in der frühen Jugendphase Fraßschäden verursachen, die du durch regelmäßige Bonituren überwachen solltest. Bei feucht-warmer Witterung zur Blütezeit ist zudem auf Grauschimmel (Botrytis cinerea) zu achten, um Ertrags- und Qualitätsverluste in den Hülsen zu minimieren.
Sorten
Celina
mittelfrühSehr hohes Ertragspotenzial bei gleichzeitig gutem Proteingehalt.
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Spätfröste
Eine der führenden Sorten in Deutschland mit verbesserter Anthraknosetoleranz und aufrechtem Wuchs.
Frieda
mittelfrüh bis mittelspätStabiler, hoher Kornertrag mit sehr hohem Rohproteinertrag.
Resistent gegen: Anthraknose, Lagerung
Anfällig für: Kalkchlorose
Verzweigungstyp mit sehr guter Standfestigkeit und gleichmäßiger Abreife der Hülsen.
Victor
spätHoher Kornertrag, benötigt jedoch eine sichere Vegetationszeit für die Ausreife.
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Spätfröste, Grauschimmel
Wüchsige Sorte, die sich besonders für mildere Lagen und gut wasserführende Böden eignet.
Sulimo
mittelfrühGute Ertragsstabilität auch unter wechselnden Witterungsbedingungen.
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Kalkchlorose
Kompakter Wuchs, eignet sich hervorragend für den Einstieg in den Lupinenanbau auf mittleren Standorten.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkennst du eine beginnende Kalkchlorose und welche Gegenmaßnahmen kannst du ergreifen?
Eine Kalkchlorose äußert sich durch eine charakteristische Gelbfärbung der jüngeren Blätter, während die Blattadern meist dunkelgrün bleiben. Dies tritt auf Böden mit einem pH-Wert über 7,0 oder hohem Gehalt an freiem Kalk auf, da die Eisenaufnahme blockiert wird. Vorbeugend solltest du solche Standorte meiden; akut kann eine Blattdüngung mit eisenchelathaltigen Düngemitteln im frühen BBCH-Stadium helfen, die Symptome abzumildern.
Warum ist die Saatgutimpfung bei der Weißen Lupine zwingend erforderlich, selbst wenn zuvor andere Leguminosen auf der Fläche standen?
Die für Lupinen spezifischen Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium lupini) sind in mitteleuropäischen Böden von Natur aus meist nicht vorhanden. Andere Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen oder Klee nutzen völlig andere Rhizobien-Stämme, die mit der Lupine keine Symbiose eingehen können. Ohne eine gezielte Impfung des Saatguts direkt vor der Aussaat bleibt die Stickstofffixierung aus, was zu Kümmerwuchs und massiven Ertragseinbußen führt.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den mechanischen Pflanzenschutz mit dem Striegel?
Der Blindstriegel kann etwa 5 bis 9 Tage nach der Saat eingesetzt werden, solange die Keimlinge noch mindestens 1 cm unter der Erdoberfläche liegen. Nach dem Auflaufen darfst du erst wieder ab dem 2-Laubblatt-Stadium (BBCH 12) striegeln, wenn die Kultur ausreichend eingewurzelt ist. Führe diese Arbeiten idealerweise an einem sonnigen Nachmittag durch, da die Lupinen dann flexibler sind und weniger leicht brechen.
Wie unterscheidet sich das Schadbild der Anthraknose von anderen Pilzkrankheiten im Feld?
Anthraknose zeigt sich durch charakteristisch eingesunkene, braune bis schwarze Brennflecken an Stängeln und Blättern, die sich oft bananenförmig krümmen. Bei feuchter Witterung bildet sich in den Befallsstellen ein lachsfarbener Sporenbelag. Im Gegensatz zu Grauschimmel, der eher einen grauen, staubigen Rasen auf den Hülsen bildet, führt Anthraknose rasch zum Abknicken von Pflanzenteilen und zum Totalausfall der betroffenen Hülsen.
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