Austriebsspritzmittel
Austriebsspritzmittel von W. Neudorff GmbH KG ist ein bewährtes, umweltschonendes Pflanzenschutzmittel auf Basis von hochraffiniertem Paraffinöl (546 g/l). Es ist speziell für den Einsatz im frühen Frühjahr während der Austriebsphase in verschiedenen Kulturen wie Kernobst, Steinobst, Beerenobst und Weinreben konzipiert. Die Formulierung zielt darauf ab, überwinternde Stadien von Schaderregern effektiv zu bekämpfen, bevor diese im Frühjahr nennenswerte Schäden an den jungen Trieben verursachen können.
Das Wirkungsspektrum umfasst hartnäckige Schaderreger wie Schildläuse, Woll- und Schmierläuse sowie die Wintereier von Spinnmilben (insbesondere der Roten Spinne). Da es sich um ein physikalisch wirkendes Kontaktmittel handelt, ist eine lückenlose, tropfnasse Benetzung aller Pflanzenteile – insbesondere der Rindenrisse, Astgabeln und Knospenanlagen – entscheidend für den Bekämpfungserfolg.
Als vielseitiges Präparat im integrierten sowie im ökologischen Anbau nimmt dieses Pflanzenschutzmittel eine Schlüsselrolle in der frühen Befallsregulierung ein. Durch den frühen Anwendungszeitraum (BBCH-Stadium 01 bis 56) wird der Grundstein für einen gesunden Start der Kulturen in die Vegetationsperiode gelegt, wodurch der Bedarf an späteren chemisch-synthetischen Behandlungen während der Saison oft deutlich reduziert werden kann.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkungsmechanismus von Paraffinöl basiert auf einem rein physikalischen Prinzip und ist keiner klassischen IRAC-Gruppe zugeordnet. Nach der Ausbringung bildet das Öl einen feinen, luft- und wasserundurchlässigen Film über den behandelten Pflanzenteilen. Dieser Ölfilm umschließt die überwinternden Schaderreger sowie deren Eier und Larvenstadien vollständig. Durch diesen luftdichten Einschluss wird die Sauerstoffzufuhr der Schädlinge unterbunden, was rasch zum Erstickungstod der Zielorganismen führt. Da dieser Modus Operandi rein mechanisch-physikalisch ist, können die Schaderreger keine physiologischen Abwehrmechanismen oder Resistenzen gegen den Wirkstoff entwickeln, was das Mittel zu einem äußerst verlässlichen Baustein im Pflanzenschutz macht.
Resistenzmanagement
Aufgrund der rein physikalischen Wirkungsweise von Paraffinöl besteht keinerlei Risiko für eine Resistenzbildung bei den Zielorganismen. Das Pflanzenschutzmittel eignet sich daher hervorragend für das Resistenzmanagement im Rahmen integrierter Pflanzenschutzstrategien. Es kann ohne Einschränkungen bezüglich der Generationenfolge eingesetzt werden und hilft dabei, die Wirksamkeit anderer, chemisch-synthetischer Wirkstoffklassen zu erhalten, indem es den Ausgangsbefall im Frühjahr drastisch senkt und somit den Selektionsdruck im späteren Saisonverlauf minimiert.
Mischbarkeit & Tankmischung
Bei der Tankmischung von Austriebsspritzmittel ist besondere Vorsicht geboten. Grundsätzlich sollte das Produkt nicht mit schwefel- oder kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln in unmittelbarer zeitlicher Nähe gemischt oder ausgebracht werden, da dies zu schweren phytotoxischen Reaktionen und Verbrennungen an den austreibenden Knospen führen kann. Ein Sicherheitsabstand von mindestens zwei Wochen zwischen einer Ölbehandlung und einer Schwefelanwendung ist dringend einzuhalten. Die Wasserqualität sollte neutral bis leicht sauer sein, und es ist auf eine kontinuierliche Rührung im Spritztank zu achten, um eine stabile Emulsion aufrechtzuerhalten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Aus ökologischer Sicht zeichnet sich Paraffinöl durch eine sehr geringe Toxizität gegenüber Warmblütern aus. Da die Anwendung sehr früh im Jahr vor dem Hauptbienenflug und vor der vollen Entfaltung der Blätter erfolgt, ist das Risiko für Nützlinge wie Honigbienen (B4-Einstufung) und Raubmilben bei sachgerechter Anwendung minimiert. Dennoch sind die gesetzlichen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern strikt einzuhalten, um den Eintrag des Ölfilms in aquatische Ökosysteme zu verhindern. Beim Anwenderschutz ist die übliche persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzhandschuhen und Schutzbrille, zu tragen, um Haut- und Augenreizungen durch den Sprühnebel zu vermeiden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Zierpflanzen | Woll- oder Schmierläuse | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Ziergehölze | Spinnmilben | 1–9 | 12 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Spinnmilben | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Zierpflanzen | Schildlaus-Arten | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Zierpflanzen | Schildlaus-Arten | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Zierpflanzen | Woll- oder Schmierläuse | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Zierpflanzen | Woll- oder Schmierläuse | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Beerenobst | Spinnmilben | 1–53 | 10 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zierpflanzen | Spinnmilben | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Weinrebe | Spinnmilben | 1–11 | 8 LITER_PER_HECTARE | — |
| Kernobst | Spinnmilben | 1–56 | 10 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | — |
| Zierpflanzen | Spinnmilben | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
| Steinobst | Spinnmilben | 1–53 | 10 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | — |
| Zierpflanzen | Schildlaus-Arten | — | 0.0012000000569969416 LITER_PER_SQUARE_METER | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Austriebsspritzmittel im Frühjahr?
Der beste Anwendungszeitraum liegt in den BBCH-Stadien 01 bis 56, idealerweise kurz vor dem Aufbrechen der Knospen (Mausohrstadium bei Kernobst). Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Atmungsstoffwechsel der überwinternden Schädlinge und Eier anzusteigen, wodurch sie besonders empfindlich auf den Sauerstoffentzug durch den Ölfilm reagieren.
Welche Witterungsbedingungen müssen bei der Ausbringung beachtet werden?
Die Behandlung sollte an frostfreien, trockenen Tagen mit Temperaturen über 5 °C, idealerweise über 8 °C, durchgeführt werden. Frost kurz nach der Anwendung kann die Emulsion zerstören und zu schweren Knospenschäden (Phytotoxizität) führen. Zudem muss der Spritzfilm vor dem nächsten Regen vollständig abtrocknen können.
Warum ist die Wassermenge bei dieser Behandlung so entscheidend?
Da Paraffinöl rein über den physischen Kontakt wirkt, müssen alle Astgabeln, Rindenrisse und Knospen rundum benetzt werden. Dies erfordert eine sehr hohe Wasseraufwandmenge (oft als "tropfnass" bezeichnet), um sicherzustellen, dass das Öl in jede Spalte fließt, in der Schaderreger überwintern.
Kann ich Austriebsspritzmittel im biologischen Anbau verwenden?
Ja, Produkte auf Basis von Paraffinöl sind aufgrund ihrer rein physikalischen Wirkungsweise und des Verzichts auf chemisch-synthetische Wirkstoffe für den ökologischen Landbau in Deutschland zugelassen. Prüfen Sie jedoch stets die aktuelle Listung (z. B. FiBL-Liste) für Ihren spezifischen Verband.
Gibt es ein Risiko von Verbrennungen (Phytotoxizität) an den Kulturen?
Ja, das Risiko steigt, je weiter die Vegetation fortgeschritten ist. Sobald grüne Pflanzenteile oder Blütenknospen stark entfaltet sind (nach BBCH 56), kann der Ölfilm die Atmung des Pflanzengewebes beeinträchtigen und bei starker Sonneneinstrahlung zu Verbrennungen führen. Wenden Sie das Mittel daher streng innerhalb des zugelassenen BBCH-Fensters an.
Wie verträgt sich die Anwendung mit dem Schutz von Raubmilben?
Obwohl Paraffinöl ein Kontaktmittel ist, schont die sehr frühe Anwendung im Jahr (vor dem Austrieb) die zu diesem Zeitpunkt noch in den geschützten Winterverstecken befindlichen Raubmilben. Sobald diese jedoch aktiv auf den Ästen wandern, kann auch auf sie eine schädigende Wirkung ausgeübt werden, weshalb das Timing vor dem Aktivwerden der Nützlinge liegen sollte.