Ziergehölze
Die BVL-Kulturgruppe „Ziergehölze“ (Code: NNNZG) ist eine wichtige regulatorische Kategorie im deutschen Pflanzenschutzrecht. Sie bündelt eine enorme botanische Vielfalt holziger Zierpflanzen und unterteilt sich im Wesentlichen in die zwei Untergruppen „Zierkoniferen“ (NNNZC) und „Zierlaubgehölze“ (NNNZE). Diese Gruppierung ist besonders für Baumschulen, den Garten- und Landschaftsbau sowie für die Pflege von öffentlichem Grün von zentraler Bedeutung, da sie die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für eine Vielzahl von Gehölzarten wirtschaftlich und praktisch überhaupt erst ermöglicht.
Da es ökonomisch unrealistisch ist, für jede einzelne der hunderten im Handel befindlichen Gehölzarten eigene Zulassungsverfahren zu durchlaufen, schafft die Zusammenfassung zu einer Kulturgruppe Rechtssicherheit. Zu den repräsentierten Kulturen gehören sowohl immergrüne Nadelgehölze als auch laubabwerfende Sträucher und Bäume. Trotz der gemeinsamen Einordnung weisen die Kulturen dieser Gruppe stark variierende Ansprüche an Boden, Klima und Pflege auf, was bei der praktischen Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen stets berücksichtigt werden muss.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der Pflanzenschutz bei Ziergehölzen erfordert aufgrund der langen Standzeiten der Kulturen im Freiland oder in Containerstellflächen ein vorausschauendes Management. Ein dominierendes Problem im Unterboden- und Reihenbereich ist der Unkrautdruck. Hartnäckige einkeimblättrige Schaderreger wie die Gemeine Quecke (Elymus repens), das Einjährige Rispengras (Poa annua) und der Gemeine Windhalm (Apera spica-venti) sowie zweikeimblättrige Arten wie das Gewöhnliche Greiskraut (Senecio vulgaris) und das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris) konkurrieren intensiv um Nährstoffe und Wasser. Zudem stellen schwer bekämpfbare Arten wie der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) sowie Moose (Bryophyta) und Algen auf Containerflächen erhebliche Herausforderungen dar. Im Bereich der Pilzkrankheiten sind insbesondere Monilinia-Arten (wie Monilinia laxa und Monilinia fructigena) an blühenden Ziergehölzen von Bedeutung, da sie zu Trieb- und Spitzendürre führen können. Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus mechanischen Maßnahmen (z. B. Mulchen, Hacken, präzise Substratführung) und dem gezielten Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel. Um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach den Vorgaben von HRAC (für Herbizide) und FRAC (für Fungizide) zwingend erforderlich. Da die Kulturgruppe eine enorme botanische Bandbreite umfasst, ist die Verträglichkeit (Phytotoxizität) von Herbiziden und Fungiziden vor einer großflächigen Anwendung unbedingt an einzelnen Testpflanzen zu prüfen, da Zierlaubgehölze und Zierkoniferen sehr unterschiedlich auf Wirkstoffe und Formulierungshilfsstoffe reagieren können.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Verträglichkeitsprüfung bei Ziergehölzen wichtiger als in anderen Kulturen?
Weil die Kulturgruppe „Ziergehölze“ eine extrem breite Palette botanischer Familien umfasst. Ein Pflanzenschutzmittel, das für die gesamte Gruppe zugelassen ist, wurde vom Hersteller oft nur an ausgewählten Referenzkulturen auf Phytotoxizität getestet. Bevor du eine neue Anwendung auf deinem gesamten Bestand durchführst, solltest du das Mittel immer an einigen Testpflanzen ausprobieren und die Reaktion über 10 bis 14 Tage beobachten.
Wie gehst du im Containerquartier am besten gegen Moose und Algen vor?
Moose (Bryophyta) und Algen gedeihen besonders gut auf dauerfeuchten Substratoberflächen. Neben dem Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel solltest du kulturtechnische Maßnahmen priorisieren: Optimiere deine Bewässerungssteuerung, um die Substratoberfläche schnell abtrocknen zu lassen, verwende grobe Abdeckmaterialien (wie Reisspelzen oder Holzfaser) und sorge für einen guten Wasserabzug, um Staunässe konsequent zu vermeiden.
Wann ist der optimale Zeitpunkt, um Monilinia-Infektionen an Ziergehölzen zu bekämpfen?
Die kritische Infektionsphase für Monilinia laxa und Monilinia fructigena liegt während der Blütezeit (BBCH-Stadien 61 bis 69), insbesondere wenn feucht-warme Witterung herrscht. Eine vorbeugende Behandlung mit zugelassenen Fungiziden schützt die empfindlichen Blütenorgane vor dem Eindringen des Pilzes, der andernfalls über den Blütenstiel in das Holz einwandert und zum Absterben ganzer Zweige führt.
Wie vermeidest du Herbizidresistenzen bei der Bekämpfung von einjährigen Unkräutern?
In Baumschulen und Containerflächen ist der Selektionsdruck hoch. Setze auf einen konsequenten Wechsel der HRAC-Wirkstoffklassen. Kombiniere den Einsatz von Vorauflauf-Herbiziden im zeitigen Frühjahr mit gezielten mechanischen Maßnahmen und dem selektiven Einsatz von Nachauflauf-Graminiziden gegen Gräser wie Poa annua oder Elymus repens im Sommer, um die Bildung resistenter Biotypen zu verhindern.
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