Vivendi 100
Vivendi 100 ist ein hochselektives Herbizid zur gezielten Bekämpfung hartnäckiger zweikeimblättriger Unkräuter in einer Vielzahl landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturen wie Raps, Mais, Rüben und Erdbeeren. Als flüssige Formulierung lässt sich das Pflanzenschutzmittel hervorragend dosieren und ausbringen. Es zeichnet sich durch eine exzellente Kulturverträglichkeit aus, während es gleichzeitig eine herausragende Tiefenwirkung gegen schwer bekämpfbare Schadpflanzen entfaltet.
Der Schwerpunkt des Wirkungsspektrums liegt auf Problemunkräutern wie der Acker-Kratzdistel sowie verschiedenen Kamille-Arten (einschließlich der Acker-Hundskamille). Durch die systemische Verteilung im Saftstrom der behandelten Unkräuter werden selbst tief reichende Wurzelsysteme nachhaltig erfasst, was einen dauerhaften Bekämpfungserfolg sichert.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Clopyralid gehört zur chemischen Gruppe der Pyridincarbonsäuren und ist als synthetisches Auxin klassifiziert (HRAC-Gruppe 4). Er imitiert das pflanzeneigene Wuchshormon Indol-3-essigsäure (Auxin). Nach der Aufnahme über die Blätter wird der Wirkstoff rasch systemisch akropetal und basipetal in der gesamten Schadpflanze verteilt und reichert sich besonders in den meristematischen Geweben der Spross- und Wurzelspitzen an. Dort führt Clopyralid zu einer unkontrollierten Überstimulation des Zellwachstums und der Zellteilung. Dies stört die normale Gewebeentwicklung empfindlicher Unkräuter massiv, was sich zunächst in typischen Wuchsdeformationen (Epinastien), Stängelkrümmungen und Blasenbildungen äußert. In der Folge bricht der Stoffwechsel der Schadpflanze zusammen, und das Unkraut stirbt innerhalb weniger Wochen vollständig ab.
Resistenzmanagement
Um das Risiko einer Resistenzentwicklung gegen synthetische Auxine (HRAC-Gruppe 4) zu minimieren, solltest du Vivendi 100 stets in eine weite Fruchtfolge integrieren und im Wechsel mit Herbiziden einsetzen, die über andere Wirkungsmechanismen verfügen (z. B. ALS-Inhibitoren oder Photosynthese-Inhibitoren). Vermeide die wiederholte, alleinige Anwendung von Wuchsstoff-Herbiziden auf derselben Fläche. Achte zudem darauf, mechanische Bekämpfungsmaßnahmen zu integrieren und stets die volle registrierte Aufwandmenge zu nutzen, um das Überleben teilresistenter Biotypen zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
Vivendi 100 ist im Allgemeinen gut mit gängigen Graminiziden, Fungiziden und flüssigen Blattdüngern mischbar, die in den zugelassenen Kulturen eingesetzt werden. Bei Mischungen mit sulfonylharnstoffhaltigen Herbiziden in Rüben oder Mais solltest du vorab die Verträglichkeit prüfen, da es unter ungünstigen Witterungsbedingungen zu temporären Wachstumsverzögerungen der Kultur kommen kann. Verwende ausreichend Wasser (mindestens 200–300 l/ha), um eine gleichmäßige Benetzung der Unkrautblätter zu gewährleisten, und vermeide Mischungen bei extremer Hitze oder Frostgefahr.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Vivendi 100 ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, zu tragen. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Zulassungsdokument ausgewiesen ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern die Anwendung nicht in blühende Bestände legen und Abdriften auf blühende Zwischenfrüchte oder Unkräuter in der Umgebung vermeiden; eine Applikation in den späten Abendstunden ist ideal. Achte penibel darauf, dass das Pflanzenschutzmittel oder dessen Reste nicht in Gewässer gelangen, und halte die allgemeinen Abstandsauflagen zum Schutz der aquatischen Umwelt ein.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Mais | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erdbeere | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 28T |
| Ziergehölze | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Futterrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Erdbeere | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
| Baumschulquartiere | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 1.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel | 10–99 | 1.2 LITER_PER_HECTARE | 90T |
Häufige Fragen
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Behandlung der Acker-Kratzdistel mit Vivendi 100?
Der optimale Behandlungszeitpunkt liegt vor, wenn sich die Acker-Kratzdistel im aktiven Wachstum befindet und eine Rosettengröße von etwa 15 bis 20 cm erreicht hat, aber noch vor dem Schossen der Blütenstängel. Zu diesem Zeitpunkt ist die Blattfläche groß genug, um ausreichend Wirkstoff aufzunehmen, und der Saftstrom transportiert das Clopyralid effizient bis in die tiefen Wurzelstrukturen, was ein Wiederaustreiben verhindert.
Wie beeinflusst das Wetter die Wirkung von Vivendi 100 nach der Spritzung?
Für eine optimale Wirkung benötigst du wüchsiges Wetter mit milden Temperaturen zwischen 10 °C und 20 °C. Bei extremer Trockenheit, Frost oder starker Hitze stellen die Unkräuter ihr Wachstum ein, was die Wirkstoffaufnahme und den Transport im Saftstrom stark reduziert. Achte darauf, dass nach der Anwendung mindestens 2 bis 4 Stunden Regenfreiheit herrschen, damit der Wirkstoff vollständig in die Blätter einziehen kann.
Kann ich Vivendi 100 auch in einer Tankmischung mit Gräserherbiziden ausbringen?
Ja, eine Mischung mit vielen Nachauflauf-Graminiziden ist grundsätzlich möglich. Du solltest jedoch beachten, dass manche Mischungspartner die Wachsschicht der Kulturpflanzen angreifen können. Bei empfindlichen Kulturen wie Erdbeeren oder Rüben empfiehlt es sich, im Zweifel eine Splitting-Anwendung durchzuführen oder vorab eine Probemischung auf Verträglichkeit anzulegen, um Blattschäden zu vermeiden.
Was muss ich bei der Nachfolgeplanung beachten, wenn ich Vivendi 100 eingesetzt habe?
Da der Wirkstoff Clopyralid im Boden und in Pflanzenresten relativ stabil sein kann, musst du bei der Fruchtfolgeplanung vorsichtig sein. Empfindliche Nachfolgekulturen wie Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Linsen), Umbelliferen (Möhren) oder Solanaceen (Kartoffeln) sollten erst im folgenden Frühjahr nach einer tiefen, wendenden Bodenbearbeitung (Pflügen) angebaut werden, um Schäden durch Wirkstoffrückstände im Boden zu verhindern.
Wie verhält sich Vivendi 100 bei der Anwendung in Erdbeeren?
In Erdbeeren wird das Pflanzenschutzmittel vor allem nach der Ernte zur Bekämpfung von Disteln und Kamille eingesetzt. Du solltest darauf achten, die Erdbeerpflanzen während der Hauptblüte und Fruchtentwicklung nicht direkt zu behandeln, um Verformungen der Früchte zu vermeiden. Eine Anwendung nach dem späten Ausläufer- oder Blattschnitt im Spätsommer ist besonders verträglich.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech weitere zugelassene Produkte gegen Kamille-Arten?
Du kannst auf unserer Plattform direkt nach dem Schaderreger „Kamille-Arten“ oder „Acker-Hundskamille“ suchen. Nutze die Filterfunktionen im Hub, um die Suche auf deine spezifische Kultur (z. B. Winterraps oder Mais) und die in Deutschland (BVL) registrierten Pflanzenschutzmittel einzugrenzen, um passende Alternativen oder Mischungspartner zu finden.