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Vivendi 100

BVL Zul.-Nr. 006988-00

Vivendi 100 ist ein hochselektives, systemisches Herbizid zur gezielten Bekämpfung schwer bekämpfbarer zweikeimblättriger Unkräuter in einer Vielzahl landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturen. Als flüssige Formulierung (lösliches Konzentrat, SL) lässt sich das Pflanzenschutzmittel hervorragend handhaben und applizieren. Es hat sich als Standardlösung etabliert, um hartnäckige unkrautige Schaderreger wie die Acker-Kratzdistel sowie verschiedene Kamille-Arten effektiv zu kontrollieren.

Die Stärke von Vivendi 100 liegt in seiner hervorragenden Kulturverträglichkeit in sensiblen Phasen sowie seiner flexiblen Einsetzbarkeit. Ob im Raps, in Rüben, im Mais oder in Sonderkulturen wie Erdbeeren – das Mittel schont die Kultur und entfaltet seine Wirkung primär über das Blattwerk der Schaderreger. Durch die systemische Verteilung im Saftstrom der Unkräuter werden selbst tief reichende Wurzelsysteme nachhaltig geschädigt.

Dank der schnellen Wirkstoffaufnahme bietet Vivendi 100 eine hohe Regenfestigkeit schon kurze Zeit nach der Anwendung. Dies macht es zu einem verlässlichen Baustein im modernen Integrierten Pflanzenschutz, insbesondere dort, wo Wurzelunkräuter die Ertragsleistung und Erntequalität der Kulturen bedrohen.

Wirkstoffe

Clopyralid
100 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in Vivendi 100 enthaltene Wirkstoff Clopyralid gehört zur chemischen Gruppe der Pyridincarbonsäuren und ist im HRAC-System in die Gruppe 4 als synthetisches Auxin (Wuchsstoff) klassifiziert. Nach der Aufnahme über die Blätter und in geringem Maße über die Wurzeln wird der Wirkstoff akropetal und basipetal in der Pflanze transportiert. Er sammelt sich bevorzugt im meristematischen Gewebe der Schaderreger an. Clopyralid imitiert das pflanzeneigene Phytohormon Auxin (Indol-3-essigsäure), was zu einer unkontrollierten Zellteilung und einem unkoordinierten Streckungswachstum führt. Die betroffenen Unkräuter zeigen typische Wuchsstoff-Symptome wie epinastische Krümmungen der Stängel und Blätter, gefolgt von einer Chlorosierung des Gewebes und dem schrittweisen Absterben der gesamten Pflanze inklusive des empfindlichen Wurzelsystems.

Resistenzmanagement

Zur Vermeidung von Resistenzbildungen gegenüber synthetischen Auxinen (HRAC-Gruppe 4) sollte Vivendi 100 stets in ein vorausschauendes Fruchtfolge- und Herbizidmanagement integriert werden. Ein wiederholter, alleiniger Einsatz von Wirkstoffen mit demselben Wirkungsmechanismus auf derselben Fläche ist zu vermeiden. Stattdessen empfiehlt sich der jährliche Wechsel oder die Kombination mit Herbiziden anderer HRAC-Klassen, um den Selektionsdruck auf unkrautige Schaderreger wie Kamille-Arten konsequent zu minimieren.

Mischbarkeit & Tankmischung

Vivendi 100 zeichnet sich durch eine breite physikalische und chemische Mischbarkeit mit vielen gängigen Herbiziden, Fungiziden und flüssigen Blattdüngern aus. Bei Tankmischungen ist darauf zu achten, dass die Mischungspartner nacheinander im Tank vollständig gelöst werden, wobei Vivendi 100 in der Regel zuerst zugegeben wird. Die Zugabe von geeigneten Netzmitteln kann die Benetzung und Wirkstoffaufnahme unter trockenen Bedingungen optimieren. Es wird empfohlen, stets weiches bis mittelschweres Spritzwasser zu verwenden und extreme pH-Werte der Spritzbrühe zu vermeiden.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit Vivendi 100 ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzhandschuhen und Schutzanzug bei der Ausbringung, strikt einzuhalten. Zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielpflanzen sind die in der Zulassung definierten Abstandsauflagen und driftmindernde Technik zu berücksichtigen. Der Wirkstoff Clopyralid ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte ein direkter Kontakt mit blühenden Kulturen oder Unkräutern während des Bienenflugs vermieden werden, um Risiken für Bestäuber absolut zu minimieren.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
MaisAcker-Kratzdistel10–991.2 LITER_PER_HECTARE
ErdbeereAcker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille1.2 LITER_PER_HECTARE28T
ZiergehölzeAcker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille1.2 LITER_PER_HECTARE
WinterrapsKamille-Arten, Acker-Hundskamille10–991.2 LITER_PER_HECTARE
ZuckerrübeKamille-Arten, Acker-Hundskamille10–991.2 LITER_PER_HECTARE90T
FutterrübeKamille-Arten, Acker-Hundskamille10–991.2 LITER_PER_HECTARE90T
FutterrübeAcker-Kratzdistel10–991.2 LITER_PER_HECTARE90T
ErdbeereAcker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille1.2 LITER_PER_HECTARE
ZuckerrübeAcker-Kratzdistel10–991.2 LITER_PER_HECTARE90T
ZuckerrübeAcker-Kratzdistel10–991.2 LITER_PER_HECTARE90T
BaumschulquartiereAcker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille1.2 LITER_PER_HECTARE
FutterrübeAcker-Kratzdistel10–991.2 LITER_PER_HECTARE90T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen die Acker-Kratzdistel mit Vivendi 100?

Der beste Bekämpfungserfolg gegen die Acker-Kratzdistel wird erzielt, wenn sich die Disteln im aktiven Wachstum befinden und eine Wuchshöhe von etwa 15 bis 20 cm (Rosettenstadium bis kurz vor dem Schossen) erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt ist die Blattfläche groß genug für eine maximale Wirkstoffaufnahme, und der Saftstrom transportiert das Herbizid effektiv bis in die Wurzeln.

Wie beeinflusst die Witterung die Wirkung von Vivendi 100 nach der Applikation?

Für eine optimale Wirkung sind wüchsige Wetterbedingungen mit Temperaturen zwischen 10 °C und 25 °C ideal, da der systemische Transport in der Pflanze dann am aktivsten ist. Nach der Anwendung sollte eine regenfreie Zeit von mindestens 2 bis 4 Stunden folgen, damit der Wirkstoff Clopyralid vollständig von den Blättern der Schaderreger aufgenommen werden kann.

Kann Vivendi 100 auch in Mischung mit Gräserherbiziden (Graminiziden) ausgebracht werden?

Ja, eine Mischung mit vielen gängigen Graminiziden ist möglich. Allerdings kann es bei extremen Witterungsbedingungen (z. B. starker Sonneneinstrahlung oder Frostgefahr) zu temporären Verträglichkeitsproblemen an der Kultur kommen. Im Zweifel sollte vorab eine Verträglichkeitsprobe durchgeführt oder die Anwendungen um wenige Tage versetzt durchgeführt werden.

Was muss beim Nachbau von Folgekulturen nach dem Einsatz von Vivendi 100 beachtet werden?

Da Clopyralid im Boden relativ stabil sein kann, ist beim Nachbau empfindlicher Kulturen Vorsicht geboten. Nach dem Einsatz von Vivendi 100 sollten im selben Kalenderjahr vorzugsweise unempfindliche Kulturen wie Getreide oder Mais folgen. Vor dem Anbau von Leguminosen (wie Erbsen oder Bohnen) oder Umbruch im Frühjahr ist eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen) dringend zu empfehlen, um Wirkstoffrückstände im Oberboden zu verdünnen.

Warum ist die Wirkung von Vivendi 100 bei kühler Witterung verzögert?

Da es sich bei Clopyralid um einen Wuchsstoff handelt, basiert die Wirkung auf den aktiven Stoffwechselprozessen der Unkräuter. Bei kühlen Temperaturen verlangsamt sich das Pflanzenwachstum, wodurch auch die typischen Symptome wie Verkrümmungen und das Absterben verzögert eintreten. Die Endwirkung wird dadurch jedoch in der Regel nicht beeinträchtigt, solange die Aufnahme stattgefunden hat.

Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Kamille-Arten in meiner spezifischen Kultur?

Nutzen Sie hierzu die Filterfunktion in unserer Datenbank. Wählen Sie zuerst Ihre spezifische Kultur (z. B. Winterraps oder Zuckerrübe) und filtern Sie anschließend in der Schaderreger-Auswahl nach 'Kamille-Arten'. Das System listet Ihnen daraufhin alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Anwendungsbestimmungen auf.