Alternaria alternata
Alternaria alternata (EPPO-Code: ALTEAL) ist ein weit verbreiteter, opportunistischer Schlauchpilz, der als Erreger der Dürrfleckenkrankheit sowie verschiedener Frucht- und Lagerfäulen an einer Vielzahl wirtschaftlich bedeutender Kulturen auftritt. Besonders im Kartoffel-, Tomaten- und Paprikaanbau führt der Schaderreger bei warmer, wechselfeuchter Witterung zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten. Da der Pilz vor allem geschwächtes oder alterndes Gewebe besiedelt, wird er oft als Schwächeparasit eingestuft, kann jedoch unter optimalen Bedingungen auch gesunde Bestände rasch infizieren.
Die ökonomische Relevanz von Alternaria alternata ist in den letzten Jahren aufgrund veränderter klimatischer Bedingungen und des Trends zu längeren Vegetationsperioden gestiegen. Neben direkten Ertragseinbußen durch vorzeitige Defoliation in Kartoffeln (Solanum tuberosum) verursacht der Pilz erhebliche Schäden im Nacherntebereich, beispielsweise als Erreger der Lagerfäule bei Kernobst oder der Fruchtfäule bei Fruchtgemüse. Die Bekämpfung erfordert ein vorausschauendes, integriertes Management, da der Erreger ein hohes Anpassungspotenzial besitzt.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als Myzel oder Konidien auf Pflanzenrückständen im Boden, an infiziertem Saatgut oder auf alternativen Wirtspflanzen. Im Frühjahr und Sommer dienen diese Überwinterungsstrukturen als Quelle für die Primärinfektion, wobei die Sporenverbreitung hauptsächlich durch Wind und Regenspritzer erfolgt. Für die Keimung der Konidien ist freies Wasser auf der Oberfläche der Kultur über einen Zeitraum von mindestens zwei bis vier Stunden bei Temperaturen zwischen 15 °C und 28 °C erforderlich. Nach dem Eindringen in das Wirtsgewebe über Spaltöffnungen, Wunden oder direkt durch die Kutikula bildet der Pilz nekrotische Flecken, auf denen rasch neue Konidienträger entstehen. Dieser polyzyklische Zyklus ermöglicht bei warmer, feuchter Witterung mehrere aufeinanderfolgende Infektionswellen innerhalb einer einzigen Anbausaison.
Bonitur
Das Monitoring sollte ab dem Reihenschluss der Kulturen (bei Kartoffeln ca. BBCH 39–41) intensiviert werden, da das feuchtere Mikroklima im Bestand die Infektion begünstigt. Besondere Aufmerksamkeit gilt den älteren, bodennahen Blättern, auf denen erste Symptome meist ab der Blüte (BBCH 61) auftreten. Eine gezielte Bonitur von wöchentlich 50 bis 100 Blättern pro Schlag hilft, den Befallsbeginn rechtzeitig zu erfassen. Da es für Alternaria alternata keine starren Schadschwellen gibt, dienen computergestützte Prognosemodelle, die Temperatur- und Blattnässeverläufe analysieren, als wichtigste Entscheidungshilfe für den optimalen Termin einer Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln.
Symptome
Auf den Blättern der betroffenen Kulturen zeigen sich charakteristische, meist kreisrunde bis unregelmäßige, braune bis schwarzbraune Flecken, die oft von einem hellgelben (chlorotischen) Hof umgeben sind. Typisch für das Schadbild sind konzentrische Ringe innerhalb der Nekrosen, die an eine Zielscheibe erinnern ('Target-Board-Effekt'). Im weiteren Verlauf fließen diese Flecken zusammen, was zum Vertrocknen und vorzeitigen Absterben des gesamten Blattes führt. An den Früchten von Tomaten und Paprika entstehen meist im Bereich des Kelches oder an mechanischen Verletzungen eingesunkene, dunkle, ledrige Faulstellen, die bei hoher Luftfeuchtigkeit mit einem samtigen, oliv-schwarzen Sporenteppich bedeckt sind.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches integriertes Management basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Zu den wichtigsten ackerbaulichen Praktiken gehören eine weite Fruchtfolge, das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen zur Reduzierung des Inokulums sowie eine ausgewogene Stickstoff- und Kaliumdüngung, um die Vitalität der Kultur zu erhalten und vorzeitige Alterungsprozesse zu verzögern. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein striktes Resistenzmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien unerlässlich. Da Alternaria-Arten ein hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen gegenüber bestimmten Wirkstoffklassen (insbesondere Strobilurinen/QoI und SDHI) aufweisen, müssen Behandlungen stets durch den Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen oder durch die Kombination mit Kontaktfungiziden abgesichert werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Schadbild von Alternaria alternata von dem der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans)?
Während Phytophthora infestans verwaschene, graugrüne bis braune Flecken ohne scharfe Begrenzung verursacht, die bei Feuchtigkeit blattunterseits einen weißen Pilzrasen zeigen, bildet Alternaria alternata scharf abgegrenzte, trockene, dunkelbraune Flecken mit den typischen konzentrischen Ringen (Zielscheibenstruktur) und ohne weißen Pilzrasen aus. Zudem tritt Alternaria meist erst an älteren Blättern auf.
Welche Rolle spielen Mischinfektionen mit Alternaria solani im Kartoffelanbau?
Im Kartoffelanbau treten Alternaria alternata und Alternaria solani häufig im Komplex auf. Während A. solani als Primärparasit oft etwas früher im Jahr (ab BBCH 51) auftritt und größere Flecken verursacht, besiedelt A. alternata als Schwächeparasit meist etwas später das bereits gestresste oder alternde Gewebe, kann dann aber durch die schiere Masse an Sporen den Blattapparat extrem schnell zerstören.
Wie kann das Resistenzrisiko bei der chemischen Behandlung von Alternaria minimiert werden?
Um Resistenzen vorzubeugen, sollten Fungizide aus den Klassen der SDHI (FRAC-Gruppe 7) oder Strobilurine (FRAC-Gruppe 11) niemals solo oder wiederholt hintereinander angewendet werden. Agronomen empfehlen, diese systemischen Wirkstoffe stets mit Kontaktfungiziden (z. B. Multi-Site-Inhibitoren) zu kombinieren und maximal zwei Anwendungen pro Saison durchzuführen.
Welchen Einfluss hat die Beregnung auf die Ausbreitung des Schaderregers?
Eine Überkopfberegnung erhöht das Infektionsrisiko drastisch, da sie die für die Sporenkeimung notwendige Blattnässe künstlich verlängert und durch den Aufprall der Wassertropfen die Konidien im Bestand verteilt. Beregnungsgänge sollten daher bevorzugt in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit die Kultur im Laufe des Tages rasch abtrocknen kann.
Wie wirkt sich ein Nährstoffmangel auf die Anfälligkeit der Kulturen aus?
Da Alternaria alternata bevorzugt physiologisch geschwächtes Gewebe infiziert, fördert insbesondere ein Mangel an Stickstoff oder Kalium den Befall. Eine Unterversorgung beschleunigt das Altern der Blätter, wodurch die Zellwände instabiler werden und der Pilz leichter eindringen kann; eine ausgewogene, bedarfsgerechte Düngung ist daher eine essenzielle präventive Maßnahme.
Wie finde ich in der agronomy.farmable.tech-Datenbank zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
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