Alternaria alternata
Alternaria alternata (EPPO-Code: ALTEAL) ist ein weltweit verbreiteter, opportunistischer Pilz, der als Schwäche- oder Wundparasit eine Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen befällt. Besonders im Kartoffelbau (Solanum tuberosum), im Tomatenanbau (Solanum lycopersicum) sowie bei Paprika (Capsicum annuum) verursacht dieser Schaderreger erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Blattflecken, Fruchtfäulen und vorzeitigen Laubfall. Auch als Erreger von Lagerfäulen bei Kernobst spielt er eine bedeutende Rolle.
Die wirtschaftliche Relevanz des Pilzes hat in den letzten Jahren zugenommen, da wärmere Sommer und wechselfeuchte Bedingungen seine Ausbreitung begünstigen. Ertragsverluste entstehen nicht nur direkt durch die Zerstörung des assimilierenden Blattgewebes, sondern auch indirekt durch Qualitätsminderungen des Ernteguts, was insbesondere bei der Lagerung von Äpfeln und Birnen zu hohen Ausfällen führen kann.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überdauert als Myzel oder Konidien auf Pflanzenrückständen im Boden, an infiziertem Saatgut oder auf alternativen Wirtspflanzen. Im Frühjahr und Sommer dienen diese Überwinterungsstadien als primäre Infektionsquelle, wobei die Sporenverbreitung hauptsächlich durch Wind und Regenspritzer erfolgt. Für eine erfolgreiche Keimung und Infektion benötigt der Pilz freies Wasser auf den Blättern oder eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit bei warmen Temperaturen zwischen 20 °C und 28 °C. Nach dem Eindringen in das Gewebe, oft über Spaltöffnungen oder mechanische Wunden, breitet sich das Myzel schnell aus und bildet innerhalb weniger Tage neue Konidienträger aus, was zu mehreren sekundären Infektionszyklen pro Saison führt.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte in anfälligen Kulturen wie Kartoffeln ab dem Reihenschluss (BBCH 35–39) und verstärkt ab der Blüte (BBCH 61–69) einsetzen, da älteres Gewebe besonders anfällig ist. Du solltest wöchentlich mindestens 50 Pflanzen stichprobenartig auf erste nekrotische Flecken an den unteren Blättern untersuchen. Da der Schaderreger oft als Schwächeparasit auftritt, ist auf Bestände mit Nährstoffmangel oder Trockenstress besonders zu achten. Ein gezielter Einsatz von Prognosemodellen, die Temperatur und Blattnässedauer kombinieren, hilft dir dabei, den optimalen Behandlungszeitpunkt vor dem massiven Sporenflug zu bestimmen.
Symptome
Auf den Blättern zeigen sich zunächst kleine, unregelmäßige, braune bis schwarze Flecken, die sich im Verlauf konzentrisch vergrößern und oft eine typische "Zielscheiben-Struktur" (konzentrische Ringe) aufweisen. Häufig sind diese Flecken von einem chlorotischen, gelblichen Hof umgeben. Bei starkem Befall fließen die Nekrosen zusammen, was zum Vertrocknen und vorzeitigen Absterben des gesamten Blattes führt. An Früchten wie Tomaten oder Paprika entstehen meist im Bereich des Kelches oder an verletzten Stellen eingesunkene, dunkle, samtige Fäulnisstellen, die sich im Lager schnell ausbreiten können.
Integriertes Management
Die integrierte Bekämpfung basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen Maßnahmen und gezieltem chemischen Pflanzenschutz. Zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gehören eine weite Fruchtfolge, das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen zur Reduzierung des Inokulums sowie eine ausgewogene Stickstoff- und Kalidüngung, um die Vitalität der Kultur zu stärken. Beim chemischen Pflanzenschutz ist der rechtzeitige Einsatz von zugelassenen Fungiziden entscheidend. Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, musst du unbedingt die FRAC-Richtlinien beachten: Wechsle Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. Strobilurine, SDHI und Triazole) konsequent ab und halte dich strikt an die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison sowie die vorgegebene Aufwandmenge.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Alternaria alternata im Feld von Alternaria solani?
Obwohl beide Erreger ähnliche konzentrische Blattflecken verursachen, tritt Alternaria alternata meist etwas später in der Saison als Schwächeparasit auf und die Flecken sind oft kleiner und unregelmäßiger geformt. Eine sichere Unterscheidung im Feld ist schwierig; achte auf die typischen samtigen, dunklen Sporenlager von A. alternata, die sich bei anhaltend hoher Luftfeuchtigkeit direkt auf den Flecken bilden.
Welche Rolle spielt die Beregnung bei der Ausbreitung dieses Schaderregers?
Eine Überkopfberegnung erhöht das Infektionsrisiko drastisch, da sie die für die Sporenkeimung notwendige Blattnässedauer verlängert und Konidien durch Spritzwasser im Bestand verteilt. Du solltest Beregnungsgänge daher bevorzugt in den frühen Morgenstunden durchführen, damit die Kultur im Laufe des Tages schnell abtrocknen kann.
Wie finde ich im Hub die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Alternaria alternata für meine Kultur?
Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub, indem du deine spezifische Kultur (z. B. Kartoffel oder Tomate) auswählst und nach dem Schaderreger filterst. Achte darauf, nur Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die eine aktuelle BVL-Zulassung für diese spezifische Anwendung besitzen, und prüfe die Angaben zu Aufwandmenge, maximalen Anwendungen und Wartezeit.
Warum ist die Stickstoffdüngung ein so wichtiger Faktor bei der Vorbeugung?
Da Alternaria alternata ein klassischer Schwächeparasit ist, sind unterversorgte oder vorzeitig alternde Kulturen besonders anfällig. Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Stickstoffdüngung hält das Laub länger vital und zögert die Alterungsprozesse der Blätter hinaus, wodurch dem Pilz die natürliche Eintrittspforte entzogen wird.
Was muss ich beim Resistenzmanagement (FRAC) bezüglich SDHI-Fungiziden beachten?
Da für Alternaria-Arten bereits Resistenzen gegenüber SDHI (FRAC-Gruppe 7) und Strobilurinen (FRAC-Gruppe 11) gemeldet wurden, darfst du diese Wirkstoffe niemals solo in aufeinanderfolgenden Behandlungen spritzen. Kombiniere sie stets mit Kontaktfungiziden oder wechsle konsequent zu Triazolen, um den Selektionsdruck zu minimieren.
Kann der Pilz auch während der Lagerung von Obst und Gemüse noch Schäden anrichten?
Ja, Alternaria alternata ist ein gefürchteter Erreger von Lagerfäulen (z. B. Kernhausfäule bei Äpfeln). Infektionen, die bereits auf dem Feld oder bei der Ernte durch kleinste Wunden stattgefunden haben, breiten sich im Kühllager langsam weiter aus und können zum Totalausfall gelagerter Partien führen.