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Schädling

Erdbeerblütenstecher

Anthonomus rubi
ANTHRU

Der Erdbeerblütenstecher (Anthonomus rubi, EPPO-Code: ANTHRU) ist ein wirtschaftlich bedeutender Rüsselkäfer im europäischen Beerenobstbau. Der kleine, schwarz-grau behaarte Käfer befällt vor allem Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Seine Schadwirkung resultiert primär aus der Eiablage der Weibchen in die noch geschlossenen Blütenknospen, gefolgt vom annagenden Durchtrennen des Blütenstiels.

Die betroffenen Knospen knicken ab, vertrocknen und fallen schließlich zu Boden, was direkt zu Ertragseinbußen führt. Insbesondere in Erdbeerkulturen mit geringer Blütenanzahl oder bei spätreifenden Sorten kann der Befall zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten von bis zu 60 % des Ertragspotenzials führen, wenn keine rechtzeitigen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Typ
Schädling
EPPO-Code
ANTHRU
Wirte
1 Kultur
Generationen
1 Generation pro Jahr
Verbreitung
Der Schaderreger ist in ganz Europa, Nordasien und Teilen Nordafrikas weit verbreitet, wobei die wirtschaftliche Relevanz in den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas im intensiven Erdbeer- und Himbeeranbau am höchsten ist.
Erstbeschreibung
Herbst, 1795

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als adulter Käfer im Bodenstreu oder unter abgefallenem Laub im Nahbereich der Wirtspflanzen. Im Frühjahr, sobald die Temperaturen dauerhaft über 10–12 °C steigen (meist ab April, BBCH 51–53 der Erdbeere), werden die Käfer aktiv und führen zunächst einen Reifungsfraß an den jungen Blättern durch. Nach der Paarung legt das Weibchen jeweils ein einzelnes Ei in eine noch geschlossene Blütenknospe und nagt anschließend den Blütenstiel knapp unterhalb der Knospe an, sodass diese abknickt und vertrocknet. Die Larve entwickelt sich geschützt im Inneren der vertrockneten Knospe, verpuppt sich dort, und die neue Käfergeneration schlüpft im Hochsommer (Juni/Juli), um nach kurzem Fraß das Winterquartier aufzusuchen.

Bonitur

Die Überwachung der Bestände sollte frühzeitig ab dem Erscheinen der ersten Blütenknospen (BBCH 51 bis 55) beginnen, insbesondere an warmen, sonnigen Tagen. Die Befallskontrolle erfolgt durch visuelle Bonitur von mindestens 100 Blütenständen je Parzelle oder durch Klopfproben in den Morgenstunden, wenn die Käfer noch träge sind. Als wirtschaftliche Schadensschwelle gilt im integrierten Anbau ein Richtwert von 1 bis 2 adulten Käfern pro 100 Blütenstände oder ein Anteil von mehr als 5 % abgeknickten Knospen bei Erdbeeren.

Symptome

Das auffälligste Symptom im Feld ist das charakteristische Abknicken und Vertrocknen der Blütenknospen, die oft wie an einem seidenen Faden herabhängen oder bereits zu Boden gefallen sind. Am Blütenstiel ist knapp unterhalb der Knospe eine feine, punktförmige Fraßstelle (der Einstich) erkennbar. Vor der Eiablage zeigen sich zudem kleine, lochartige Fraßspuren (Reifungsfraß) an den jungen Laubblättern und Blütenblättern, die jedoch meist ohne größere physiologische Bedeutung für die Kultur sind.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus vorbeugenden Kulturmaßnahmen und gezieltem Pflanzenschutz. Mechanisch kann das regelmäßige Aufsammeln und Vernichten abgefallener Knospen in kleineren Anlagen den Befallsdruck im Folgejahr senken. Zur biologischen Regulierung können nützliche Insekten wie Schlupfwespen gefördert werden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng nach Schadensschwelle und vorzugsweise vor der Blüte (bis BBCH 59) appliziert werden, um Bestäuber zu schonen. Beim Einsatz von Insektiziden (z. B. Pyrethroiden) ist ein konsequentes Resistenzmanagement gemäß IRAC-Richtlinien durch Wirkstoffwechsel einzuhalten, um die Selektion resistenter Populationen zu verhindern.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen den Erdbeerblütenstecher suchen?

Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und wählen Sie als Schaderreger „Anthonomus rubi“ oder „Erdbeerblütenstecher“ sowie Ihre spezifische Kultur (z. B. Erdbeere) aus. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die aktuelle Zulassungssituation, die zugelassenen BBCH-Stadien und die spezifischen Anwendungsbestimmungen des BVL.

Warum ist eine Behandlung nach dem Öffnen der Blüten (ab BBCH 60) meist nicht mehr zielführend?

Sobald sich die Blüten öffnen, ist die Eiablage des Käfers in die geschlossene Knospe bereits abgeschlossen. Zudem verbietet der Schutz von Bestäubern (wie Bienen) den Einsatz der meisten wirksamen Insektizide während der Vollblüte. Behandlungen müssen daher zwingend im Vorblütenbereich (BBCH 55–59) bei Erreichen der Schadensschwelle erfolgen.

Welche Rolle spielen Wildhecken und alternative Wirtspflanzen in der Nähe von Erdbeerkulturen?

Da der Käfer auch an wilden Rosengewächsen wie Brombeeren, Hagebutten oder Wald-Erdbeeren lebt, dienen diese als natürliches Reservoir. Neuanlagen sollten daher nach Möglichkeit nicht in direkter Nachbarschaft zu ungepflegten Hecken oder alten Beerenbeständen angelegt werden, um den Zuflug im Frühjahr zu minimieren.

Wie beeinflusst die Temperatur das Verhalten und die Bekämpfung des Schädlings?

Der Erdbeerblütenstecher wird erst ab Temperaturen von ca. 10–12 °C aktiv. Unterhalb dieser Schwelle verbleibt er träge im Boden. Kontrollen und eventuelle Behandlungen mit Kontaktinsektiziden sollten daher an sonnigen, warmen Tagen in den Mittagsstunden erfolgen, wenn die Käfer aktiv auf den Pflanzen krabbeln.

Gibt es Unterschiede im Befallsrisiko zwischen einjährigen und mehrjährigen Erdbeerkulturen?

Ja, mehrjährige Kulturen weisen ein signifikant höheres Befallsrisiko auf, da der Schaderreger direkt im Bestand überwintern kann und sich die Population von Jahr zu Jahr aufbaut. In einjährigen Systemen (z. B. Frigo-Pflanzung im Dammbau) ist der Befallsdruck meist deutlich geringer, da der Zyklus unterbrochen wird.

Welche IRAC-Wirkstoffklassen stehen für das Resistenzmanagement zur Verfügung?

Für die Regulierung werden häufig Pyrethroide (IRAC-Klasse 3A) eingesetzt. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, sollten diese im Wechsel mit anderen zugelassenen Wirkstoffklassen (sofern für die Kultur registriert) verwendet werden. Beachten Sie stets die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison gemäß Zulassung.