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Schädling

Kleine Kohlfliege

Delia radicum
HYLERA

Die Kleine Kohlfliege (Delia radicum, EPPO-Code: HYLERA) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im mitteleuropäischen Gemüsebau. Der Schädling befällt bevorzugt Kreuzblütler (Brassicaceae), darunter wichtige Kulturen wie Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl und Chinakohl. Ein Befall kann insbesondere bei Jungpflanzen zu Totalausfällen führen, da die Larven die Wurzeln schädigen und die Wasser- und Nährstoffaufnahme unterbinden.

Neben dem direkten Fraßschaden an den Wurzeln begünstigen die Fraßgänge Sekundärinfektionen durch bodenbürtige Krankheitserreger wie Bakterien (z. B. Weichfäule) und Pilze. Dies führt oft zu einer vollständigen Entwertung der Ernteprodukte, weshalb der Schädling im professionellen Anbau eine permanente Bedrohung darstellt.

Typ
Schädling
EPPO-Code
HYLERA
Wirte
4 Kulturen
Generationen
Meist 3 Generationen pro Saison
Verbreitung
Delia radicum ist in den gemäßigten Klimazonen der Paläarktis und Nearktis weit verbreitet und verursacht in ganz Europa, insbesondere in den intensiven Gemüsebauregionen, erhebliche ökonomische Schäden.
Erstbeschreibung
Bouché, 1833

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung erfolgt als Puppe im Boden. Im Frühjahr, meist ab einer Bodentemperatur von etwa 12 °C, schlüpfen die adulten Fliegen der ersten Generation. Nach dem Reifungsfraß legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt am Wurzelhals der Kulturen ab. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven (Kohlmaden) und dringen in das Wurzelgewebe ein, wo sie drei Larvenstadien durchlaufen, bevor sie sich im Boden verpuppen. In Mitteleuropa bilden sich je nach Witterung meist drei sich teilweise überschneidende Generationen pro Jahr aus, wobei die erste Generation im Frühjahr die schwersten Schäden verursacht.

Bonitur

Das Monitoring beginnt unmittelbar nach dem Auspflanzen der Kulturen ab BBCH-Stadium 12 bis 14. Zur Überwachung des Zuflugs der adulten Fliegen werden weiße oder gelbe Leimfallen aufgestellt. Für eine präzise Prognose des Eiablagebeginns hat sich die regelmäßige Kontrolle des Bodens direkt am Stängelgrund (Eiablagekontrollen an mindestens 20–30 Pflanzen pro Schlag) bewährt. Die Schadensschwelle liegt im frühen BBCH-Stadium (BBCH 13–19) bei empfindlichen Kulturen wie Blumenkohl oft schon bei durchschnittlich 1 bis 2 Eiern pro Pflanze. Ergänzend können Temperatursummenmodelle genutzt werden, um den optimalen Behandlungszeitraum zu bestimmen.

Symptome

Typische Symptome im Feld zeigen sich zunächst durch ein stockendes Wachstum und eine bläulich-violette Verfärbung der Blätter, die auf den gestörten Nährstofftransport hinweist. Bei sonnigem, warmem Wetter welken die betroffenen Kulturen rasch, da das zerstörte Wurzelsystem den Wasserbedarf nicht mehr decken kann. Zieht man befallene Pflanzen aus der Erde, sind die Feinwurzeln meist vollständig abgefressen, und am Hauptwurzelhals zeigen sich braune Fraßgänge, in denen die weißlichen, bis zu 8 mm langen Maden aktiv sind. Im fortgeschrittenen Stadium verrotten die Wurzeln völlig und verströmen einen fauligen Geruch.

Integriertes Management

Die Bekämpfung erfordert ein integriertes Konzept. Kulturtechnisch ist das lückenlose Abdecken der Kulturen direkt nach der Pflanzung mit feinmaschigen Kulturschutznetzen (Maschenweite maximal 0,8 mm) die effektivste Maßnahme, um die Eiablage zu verhindern. Eine weite Fruchtfolge und das tiefe Unterpflügen von Ernterückständen reduzieren den Populationsdruck im Folgejahr. Biologisch können nützliche Nematoden (Steinernema feltiae) zur Bekämpfung der Larven im Boden eingesetzt werden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt als Pflanzlochbehandlung, Tränkung vor dem Auspflanzen oder als gezielte Spritzung am Stängelgrund appliziert werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen IRAC-Klassen zwingend einzuhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich der Schaden der ersten Generation von den späteren Generationen im Sommer?

Die erste Generation im Frühjahr trifft auf junge, noch nicht etablierte Kulturen (BBCH 12–19), was häufig zu Totalausfällen durch Wurzelfraß führt. Spätere Generationen im Sommer treffen auf robustere Pflanzen; hier stehen Qualitätsminderungen durch Fraßgänge in den Ernteorganen (z. B. bei Radieschen oder Chinakohl) im Vordergrund.

Ab welcher Bodentemperatur muss mit dem Schlupf der ersten Generation gerechnet werden?

Der Schlupf der adulten Fliegen beginnt im Frühjahr, sobald die Bodentemperatur in 5 cm Tiefe stabil über 10 bis 12 °C steigt. Phänologisch fällt dieser Zeitpunkt meist mit der Vollblüte der Forsythie zusammen.

Welche Maschenweite müssen Kulturschutznetze aufweisen, um die Eiablage wirksam zu verhindern?

Um die Kleine Kohlfliege sicher abzuhalten, müssen Kulturschutznetze eine Maschenweite von maximal 0,8 mm x 0,8 mm aufweisen. Das Netz muss zudem lückenlos am Boden verankert werden, da die Fliegen sonst unter das Netz kriechen.

Wie kann ich im agronomy.farmable.tech Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln suchen?

Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank. Wählen Sie Ihre spezifische Kultur (z. B. Blumenkohl) und filtern Sie nach dem Schaderreger "Delia radicum" oder "Kleine Kohlfliege", um alle aktuell in Ihrer Region zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.

Welche Rolle spielen nützliche Nematoden bei der Regulierung der Kohlmade?

Entmopathogene Nematoden der Art Steinernema feltiae können bei ausreichender Bodenfeuchte und Bodentemperaturen über 12 °C zur biologischen Bekämpfung eingesetzt werden. Sie dringen in die Larven ein und töten diese ab, wirken jedoch nicht gegen die adulten Fliegen oder die Eier.

Warum ist die Applikation von Insektiziden über das Blattwerk bei diesem Schaderreger oft unzureichend?

Da die schädigenden Larven unterirdisch an den Wurzeln fressen, erreichen klassische Blattspritzungen den Zielort nicht. Chemische Behandlungen müssen daher als Tränkung im Jungpflanzenstadium, als Granulat bei der Pflanzung oder als gezielte Stängelgrundbehandlung erfolgen, um den Wirkstoff direkt in die kritische Bodenzone zu bringen.