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Bakterium

Pseudomonas syringae

Pseudomonas syringae
PSDMSX

Pseudomonas syringae (EPPO-Code: PSDMSX) ist ein weit verbreitetes, stäbchenförmiges, gramnegatives Bakterium, das als bedeutender Schaderreger in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen auftritt. Besonders anfällig sind Steinobstkulturen (wie Prunus avium und Prunus armeniaca), aber auch Fruchtgemüse wie Tomaten (Solanum lycopersicum), Paprika (Capsicum annuum) und Auberginen (Solanum melongena) sowie zahlreiche Zierpflanzen.

Die ökonomische Relevanz dieses Schaderregers ist erheblich. Neben direkten Ertragsverlusten durch Blüteninfektionen, Blattflecken und Fruchtschäden führt der Erreger im Steinobstbau oft zum gefürchteten Bakterienbrand (Rindennekrosen), der zum Absterben ganzer Äste oder junger Bäume führen kann. Zudem besitzt Pseudomonas syringae eisnucleationsaktive Eigenschaften (INA), wodurch infizierte Gewebe bereits bei geringen Frostgraden (bis ca. -2 °C) schwere Frostschäden erleiden, was die Eintrittspforten für das Bakterium weiter vergrößert.

Der Erreger ist weltweit in gemäßigten Klimazonen verbreitet und stellt insbesondere in feucht-kühlen Frühjahrsmonaten ein hohes Risiko für den Erwerbsanbau dar. Die Regulierung ist aufgrund des Mangels an hochwirksamen kurativen Pflanzenschutzmitteln extrem anspruchsvoll und erfordert ein konsequentes, präventiv ausgerichtetes Hygienemanagement.

Typ
Bakterium
EPPO-Code
PSDMSX
Wirte
5 Kulturen
Generationen
Kontinuierliche, temperaturabhängige Vermehrung
Verbreitung
Weltweit in allen gemäßigten und subtropischen Klimazonen verbreitet, verursacht der Erreger insbesondere in feucht-kühlen Anbauregionen Europas erhebliche Ertragseinbußen und existenzbedrohende Totalausfälle im Steinobst- und Gemüsebau.
Erstbeschreibung
van Hall, 1902

Biologie / Lebenszyklus

Das Bakterium überwintert epiphytisch auf Knospen, in Rindennekrosen (Krebsgeschwüren) oder auf Pflanzenresten im Boden. Im Frühjahr, begünstigt durch feucht-kühle Witterung und Temperaturen zwischen 15 und 25 °C, vermehrt sich der Schaderreger rasant und verbreitet sich durch Wind und Regenspritzer auf junge, empfindliche Gewebe. Die Infektion erfolgt passiv über natürliche Öffnungen wie Stomata und Hydathoden oder über mechanische Wunden, Frostschäden und frische Blattnarben im Herbst. Innerhalb der Kultur breitet sich das Bakterium systemisch in den Leitungsbahnen aus, was im Sommer zu Gewebenekrosen führt, bevor sich der Erreger im Herbst mit dem Laubfall erneut in den Knospen und der Rinde für die Überwinterung etabliert.

Bonitur

Die Überwachung der Kulturen beginnt bereits im späten Winter vor dem Austrieb (ab BBCH 00) durch die visuelle Kontrolle auf Rindennekrosen und Gummifluss an Steinobst. Im Frühjahr, besonders ab dem Knospenaufbruch (BBCH 51) bis zur Blüte (BBCH 61–69), ist eine wöchentliche Bonitur auf Blattsymptome (schwarze, wässrige Flecken) und Blüteninfektionen unerlässlich, insbesondere nach Spätfrösten oder Hagelereignissen. Da es für bakterielle Erreger keine exakten Schadschwellen im klassischen Sinne gibt, gilt im professionellen Anbau eine Nulltoleranz für sichtbare Infektionen in der Jungpflanzenanzucht; im Freiland ist das Auftreten erster Symptome in Kombination mit feucht-kühler Witterung das direkte Signal für den Beginn präventiver Maßnahmen.

Symptome

An den Blättern zeigen sich zunächst kleine, wässrige, dunkelgrüne bis schwarze Flecken, die oft von einem gelblichen Hof (Halo) umgeben sind und später vertrocknen und herausfallen (Schrotschuss-ähnliches Bild bei Steinobst). An den Trieben und Ästen von Gehölzen entstehen eingesunkene, dunkle Rindennekrosen, die häufig von starkem Gummifluss begleitet werden und zum Welken der darüber liegenden Pflanzenteile führen. Blüten verbräunen rasch, vertrocknen und bleiben oft am Zweig hängen, während infizierte Früchte dunkle, eingesunkene Flecken aufweisen, die das Erntegut unverkäuflich machen.

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Pseudomonas syringae basiert auf einer integrierten Strategie, da rein chemische Maßnahmen oft unzureichend sind. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut, der Rückschnitt infizierter Triebe bis ins gesunde Holz ausschließlich bei trockener Witterung im Spätsommer sowie die Vermeidung von Überkopfberegnung zur Reduzierung der Blattfeuchte. Zur chemischen Regulierung stehen in einigen Kulturen kupferhaltige Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, die präventiv vor Infektionsereignissen (z. B. zum Blattfall im Herbst oder vor dem Austrieb im Frühjahr) eingesetzt werden; hierbei ist das Risiko von Phytotoxizität bei empfindlichen Kulturen zu beachten. Da bakterielle Resistenzen gegen Kupfer bekannt sind, müssen diese Anwendungen im Sinne des Resistenzmanagements (FRAC-Empfehlungen für anorganische Wirkstoffe) auf das notwendige Maß beschränkt und durch den Einsatz von biologischen Pflanzenstärkungsmitteln oder antagonistischen Mikroorganismen (z. B. Bacillus amyloliquefaciens) im Rahmen einer integrierten Strategie ergänzt werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie beeinflussen Spätfröste das Infektionsrisiko durch dieses Bakterium?

Pseudomonas syringae besitzt eisnucleationsaktive Proteine auf der Zelloberfläche, die die Eisbildung im Pflanzengewebe bereits bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt (-1,5 bis -2 °C) katalysieren. Die dadurch entstehenden Frostschäden zerstören die Pflanzenzellen und schaffen ideale Eintrittspforten für das Bakterium, was nach Frostereignissen zu explosionsartigen Infektionswellen führt.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Sanierungsschnitt bei befallenem Steinobst?

Der Rückschnitt befallener Äste sollte keinesfalls im feuchten Winter oder zeitigen Frühjahr erfolgen, da die offenen Wunden dann hochgradig infektionsgefährdet sind. Optimal ist ein Schnitt im Spätsommer (August bis September) bei anhaltend trockener Witterung, da die Wundheilung der Kultur dann am aktivsten ist und der Infektionsdruck des Schaderregers minimiert ist.

Wie finde ich im Online-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Süßkirsche oder Tomate) und dem Schaderreger "Pseudomonas syringae" oder dem EPPO-Code "PSDMSX". Achten Sie darauf, die aktuellen Zulassungsbestimmungen des BVL sowie die spezifischen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten für Ihr Bundesland zu prüfen.

Welche Rolle spielen Kupferpräparate im modernen Resistenzmanagement gegen bakterielle Erreger?

Kupferpräparate wirken als Multisite-Inhibitoren (FRAC-Gruppe M01) rein kontaktaktiv und präventiv. Um der Entstehung kupferresistenter Bakterienstämme vorzubeugen, sollten Kupferanwendungen streng auf kritische Phasen (wie den herbstlichen Blattfall oder das Knospenschwellen) begrenzt und mit biologischen Präparaten (z. B. Bacillus-Stämmen) oder resistenzfördernden Pflanzenstärkungsmitteln abgewechselt werden.

Warum ist die Stickstoffdüngung bei akutem Befallsrisiko kritisch zu bewerten?

Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung führt zu einem weichen, mastigen Gewebewachstum und verzögert die Holzreife im Herbst. Dieses weiche Gewebe ist mechanisch instabiler und extrem anfällig für Frostschäden sowie für das Eindringen der Bakterien über Mikrorisse, was den Befall drastisch verstärken kann.