Wurzelbohrer
Polyocha depressella (EPPO-Code: EMMADE), im deutschsprachigen Raum auch als Wurzelbohrer bekannt, ist ein Kleinschmetterling aus der Familie der Zünsler (Pyralidae). Während dieser Schaderreger in subtropischen Regionen vor allem als Schädling im Zuckerrohranbau gefürchtet ist, gewinnt er in Europa zunehmend an Bedeutung bei verschiedenen Doldenblütlern (Apiaceae). Zu den betroffenen Kulturen gehören wirtschaftlich bedeutende Kräuter wie Koriander (Coriandrum sativum), Schnittsellerie, Kerbel und Petersilie.
Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schädlings ergibt sich aus der versteckten Lebensweise der Larven. Da sie direkt in den Wurzelhals und das Wurzelsystem der Kulturen eindringen, bleibt der Befall oft lange unbemerkt. Dies führt zu massiven Ertragseinbußen, Welkeerscheinungen und im schlimmsten Fall zum vollständigen Absterben der betroffenen Bestände, was insbesondere im intensiven Kräuteranbau existenzbedrohend sein kann.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung von Polyocha depressella erfolgt meist als ausgewachsene Larve im Boden oder in den verbliebenen Wurzelresten der Wirtskulturen. Im Frühjahr verpuppen sich die Larven, woraufhin ab dem späten Frühjahr die adulten Falter schlüpfen. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen nahe dem Boden an den Stängeln oder direkt auf der Erde ab. Die frisch geschlüpften Larven bohren sich unverzüglich in den Wurzelhals und die Hauptwurzeln der Kulturen ein, wo sie sich durch das Gewebe fressen und mehrere Larvenstadien durchlaufen, bevor sie sich zur nächsten Generation verpuppen oder in die Diapause übergehen.
Bonitur
Ein effektives Monitoring sollte bereits ab dem Auflaufen bzw. dem Pflanzen der Kulturen (ab BBCH 12 bis BBCH 19) beginnen. Da die Falter dämmerungs- und nachtaktiv sind, empfiehlt sich der Einsatz von Lichtfallen oder spezifischen Pheromonfallen zur Überwachung des Falterflugs. Sobald ein erhöhter Falterflug festgestellt wird, solltest du stichprobenartig Pflanzen ausgraben und den Wurzelhals auf Einbohrlöcher und Genagsel kontrollieren. Schadschwellen sind für diesen Schaderreger in Kräuterkulturen meist sehr niedrig angesetzt, da bereits geringer Befall die Vermarktungsfähigkeit der Frischkräuter stark beeinträchtigt.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind nesterweise auftretende Welkeerscheinungen und Kümmerwuchs der Kulturen, selbst bei ausreichender Wasserversorgung. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich an der Basis des Stängels und am Wurzelhals kleine Einbohrlöcher, die oft von feinem, bräunlichem Kot und Genagsel umgeben sind. Schneidest du die Hauptwurzel der Länge nach auf, werden die Fraßgänge im Mark sowie die darin lebenden, weißlich-gelben Larven mit dunkler Kopfkapsel sichtbar. Im fortgeschrittenen Stadium verrottet das Wurzelsystem, und die betroffenen Kulturen lassen sich leicht aus dem Boden ziehen.
Integriertes Management
Die Bekämpfung erfordert eine integrierte Strategie. Vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge (keine Doldenblütler nacheinander) und die gründliche Beseitigung von Ernterückständen nach der Ernte reduzieren den Überwinterungsdruck erheblich. Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von nützlichen Nematoden (z. B. Steinernema spp.) zur Bekämpfung der Larven im Boden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt während des Larvenschlupfs appliziert werden, bevor sich die Schaderreger in das Wurzelgewebe einbohren. Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf den Wirkungsmechanismus und halte dich an die IRAC-Richtlinien zur Vermeidung von Resistenzen, indem du Wirkstoffklassen konsequent rotierst.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Wurzelbohrer?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach der gewünschten Kultur (z. B. Petersilie oder Koriander) und dem Schaderreger Polyocha depressella. Achte darauf, nur Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die eine aktuelle Zulassung oder eine Notfallzulassung nach Art. 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 für deine Region besitzen.
Warum sind systemische Pflanzenschutzmittel bei diesem Schaderreger oft effektiver als reine Kontaktmittel?
Da die Larven des Wurzelbohrers sehr schnell nach dem Schlupf in das Innere des Wurzelhalses eindringen, sind sie dort vor rein oberflächlich wirkenden Kontaktmitteln geschützt. Systemische Pflanzenschutzmittel werden von der Kultur aufgenommen und verteilen sich im Gewebe, sodass die Larven auch während ihres Fraßes im Inneren der Wurzel erfasst werden.
Welchen Einfluss hat die Bodenbearbeitung nach der Ernte auf den Befallsdruck im Folgejahr?
Eine tiefe Bodenbearbeitung (z. B. Pflügen) unmittelbar nach der Ernte zerstört die im Boden und in den Wurzelresten überwinternden Kokons und Larven. Indem du die Ernterückstände tief vergräbst oder zerkleinerst, unterbrichst du den Lebenszyklus des Schaderregers und senkst den Ausgangsbefall für das nächste Frühjahr drastisch.
Kann ich biologische Nützlinge wie Nematoden mit chemischen Behandlungen kombinieren?
Ja, das ist möglich, erfordert aber eine genaue zeitliche Abstimmung. Nematoden (wie Steinernema carpocapsae) werden über das Bewässerungswasser ausgebracht und wirken im Boden gegen die Larven. Wenn du chemische Pflanzenschutzmittel einsetzt, solltest du darauf achten, dass diese keine nematizide Nebenwirkung haben und die nützlichen Fadenwürmer nicht schädigen.
Zu welchem BBCH-Stadium ist die Gefahr eines wirtschaftlichen Schadens am größten?
Die kritischste Phase liegt in den frühen Entwicklungsstadien der Kulturen, speziell zwischen BBCH 12 (2. Laubblatt entfaltet) und BBCH 39 (Erreichen der vollen Rosettengröße bzw. vor dem Schossen). Ein früher Befall in diesen Stadien führt meist zum Totalausfall der jungen Kulturen, da das noch schwach ausgebildete Wurzelsystem den Fraßschäden nicht standhalten kann.