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Kultur

Schnittpetersilie

Petroselinum crispum
PARCR

Die Blattpetersilie (Petroselinum crispum, EPPO-Code: PARCR) gehört als zweijährige Krautpflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) zu den bedeutendsten Küchenkraut-Kulturen im mitteleuropäischen Erwerbsgemüsebau. Unterschieden wird primär zwischen der glatten Petersilie (Schnittpetersilie) und der krausen Petersilie, wobei im professionellen Anbau zunehmend auf standfeste, mechanisch gut erntbare Sorten gesetzt wird. Die Kultur zeichnet sich durch eine langsame Jugendentwicklung aus, was besondere Anforderungen an die Unkrautregulierung und die Saatbettbereitung stellt.

Für einen erfolgreichen Anbau sind tiefgründige, humose und gut strukturierte Böden mit gleichmäßiger Wasserversorgung entscheidend. Da Petersilie sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert, ist eine sorgfältige Standortwahl unerlässlich. Zudem muss in der Fruchtfolge eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Doldenblütlern wie Möhren, Sellerie oder Dill eingehalten werden, um bodenbürtige Schaderreger und Nematodenprobleme effektiv zu minimieren.

Die Ernte erfolgt je nach Aussaattermin und Verwendungszweck (Frischmarkt oder Industrie) in mehreren Schnitten. Während für den Frischmarkt eine schonende Bündelung direkt im Feld oder auf Packstationen erfolgt, nutzt die Verarbeitungsindustrie spezialisierte Vollernter. Ein besonderes Augenmerk liegt im modernen Anbau auf der Rückstandsminimierung, da Pflanzenschutzmittel aufgrund der kurzen Kulturzeiten und der direkten Vermarktung des Blattes äußerst präzise und termingerecht appliziert werden müssen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Juli
Erntefenster
Mai bis November
Reihenabstand
20–30 cm
Typischer Ertrag
15–30 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1400–1600 °C
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Die optimale Bodenstruktur ist für die langsam keimende Kultur von fundamentaler Bedeutung, weshalb ein feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett ohne Verdichtungen angestrebt werden sollte. Ein pH-Wert im Bereich von 6,0 bis 7,5 sichert die Nährstoffverfügbarkeit, wobei auf leichten Böden eine regelmäßige Humuszufuhr über Gründüngung vorteilhaft ist. Die Stickstoffdüngung muss exakt auf die geplanten Schnitte aufgeteilt werden; typischerweise werden zur Aussaat etwa 60–80 kg N/ha gegeben, gefolgt von Kopfdüngungen nach jedem Schnitt. Da Petersilie sehr empfindlich auf Salzkonzentrationen reagiert, sind chloridarme Düngerformen zu bevorzugen. Eine gleichmäßige Bewässerung, insbesondere während der kritischen Keimphase und nach den Schnitten zur Förderung des Wiederaustriebs, ist für stabile Erträge unverzichtbar.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz in der Kultur Petersilie erfordert aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ein konsequentes, integriertes Management. Im Bereich der Unkrautregulierung stellen Schaderreger wie Poa annua und Senecio vulgaris eine erhebliche Konkurrenz dar, weshalb der Einsatz von zugelassenen Herbiziden im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf oft unumgänglich ist. Gegen tierische Schädlinge wie die Möhrenfliege (Chamaepsila rosae) und die Weiße Fliege (Bemisia tabaci) haben sich engmaschige Kulturschutznetze als mechanische Barriere hervorragend bewährt. Pilzliche Schaderreger, insbesondere Septoria petroselini und Botrytis cinerea, müssen durch weite Reihenabstände, bedarfsgerechte Bewässerung am Morgen und den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unter Beachtung der Wartezeiten kontrolliert werden. Ein konsequentes Monitoring ab dem Auflaufen sichert die rechtzeitige Intervention und schützt die Qualität des Ernteguts.

Sorten

Mooskrause 2

mittelfrüh

Sehr ertragreich, dichter Wuchs mit stark gekrausten Blättern.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Septoria-Blattfleckenkrankheit, Gelbwelke

Der bewährte Standard im krausen Segment, sehr schossfest und gut für die Frischmarktvermarktung geeignet.

Gigante di Napoli

mittelfrüh bis spät

Sehr hoher Ertrag durch starkes Blattwachstum und schnelle Regeneration.

Resistent gegen: Trockenstress

Anfällig für: Echter Mehltau, Möhrenfliege

Glatte, dunkelgrüne Petersilie mit exzellentem Aroma und großen Blättern, ideal für den Bundverkauf und die Industrie.

Grüne Perle

mittelfrüh

Hoher, stabiler Ertrag über mehrere Schnitte hinweg.

Resistent gegen: Gelbwelke

Anfällig für: Septoria-Blattfleckenkrankheit

Sehr dunkle, fein gekrauste Sorte mit straffen Stielen, die eine maschinelle Ernte erleichtern.

Starlett

früh bis mittelfrüh

Sehr rascher Wiederaufwuchs nach dem ersten Schnitt.

Resistent gegen: Falscher Mehltau

Anfällig für: Wurzelfäule

Aufrecht wachsende, krause Sorte mit hoher Standfestigkeit, besonders unempfindlich gegen feuchte Witterung.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich die extrem lange Keimdauer von Petersilie im Freiland verkürzen?

Die Keimung von Petersilie dauert je nach Bodentemperatur 15 bis 30 Tage. Durch ein vorheriges Quellen des Saatguts (Vorkeimen) oder den Einsatz von Spezialsaatgut (primed seed) kann die Auflaufzeit im Feld um mehrere Tage verkürzt werden. Dies verringert das Risiko von Verkrustungen und erleichtert die Unkrautbekämpfung im kritischen Vorauflaufstadium.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Herbizidmaßnahmen?

Herbizidanwendungen im Nachauflauf dürfen meist erst ab dem BBCH-Stadium 11 bis 12 (Entfaltung des ersten bis zweiten Laubblattes) erfolgen, da die Kulturkeimlinge davor extrem empfindlich auf chemische Wirkstoffe reagieren. Vorauflaufbehandlungen müssen unmittelbar nach der Saat (BBCH 00 bis 03) abgeschlossen sein, um Selektivitätsschäden zu vermeiden.

Wie kann das Risiko von Septoria-Blattflecken im intensiven Anbau minimiert werden?

Neben einer weiten Fruchtfolge ist die Wahl des Bewässerungszeitpunkts entscheidend: Beregnungen sollten ausschließlich in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit die Blätter rasch abtrocknen. Zudem fördert eine moderate Stickstoffdüngung ein festeres Blattgewebe, was dem Pilz das Eindringen erschwert. Bei ersten Symptomen im Monitoring ist eine gezielte Fungizidbehandlung unter Berücksichtigung der Wartezeit ratsam.

Warum ist die Einhaltung einer Anbaupause bei Petersilie so kritisch?

Petersilie ist stark selbstunverträglich und reagiert empfindlich auf bodenbürtige Schaderreger wie Nematoden (Meloidogyne spp.) und Pilze der Gattungen Pythium und Rhizoctonia. Eine Anbaupause von mindestens 4, besser 5 Jahren zu sich selbst und anderen Apiaceen verhindert das Aufbauen dieser Erregerpopulationen im Boden und sichert langfristig die Ertragsfähigkeit.

Wie finde ich im Agronomie-Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Möhrenfliege?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Petersilie' (oder dem EPPO-Code PARCR) und dem Schaderreger 'Chamaepsila rosae' (PSILRO). Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Insektizide inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und einzuhaltenden Wartezeiten auf.

Welche Besonderheiten gelten für die Stickstoff-Kopfdüngung nach dem ersten Schnitt?

Nach dem ersten Schnitt benötigt die Kultur eine schnelle Nährstoffverfügbarkeit, um den Wiederaustrieb anzuregen. Es sollten ca. 40–50 kg N/ha in Form von schnell wirksamem Ammoniumnitrat oder kalksalpeterbasierten Düngern ausgebracht werden. Die Düngung sollte unmittelbar vor einer Beregnung oder einem leichten Regen stattfinden, um Ammoniakverluste zu minimieren und den Dünger direkt in die Wurzelzone einzuspülen.