Alle Kulturen
Kulturgruppe

Forstpflanzen

2 Mitgliedskulturen
NNNWW

Die BVL-Kultur-Gruppe „Forstpflanzen“ (Code: NNNWW) fasst alle holzartigen Kulturen zusammen, die forstwirtschaftlich genutzt oder für diesen Zweck herangezogen werden. Sie unterteilt sich im Wesentlichen in die beiden großen Mitgliedsgruppen „Laubholz“ und „Nadelholz“. Diese Zusammenfassung ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln von zentraler Bedeutung, da forstliche Flächen und Baumschulen besonderen rechtlichen und ökologischen Rahmenbedingungen unterliegen, die sich stark vom klassischen Acker- oder Sonderkulturanbau unterscheiden.

Durch diese Gruppierung können Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel effizienter gestaltet werden. Da viele Schaderreger entweder das gesamte Spektrum der Forstpflanzen oder gezielt Laub- bzw. Nadelhölzer betreffen, ermöglicht die Strukturierung eine gezielte Indikationszulassung. Dies erleichtert dir als Praktiker die Auswahl zugelassener Mittel für forstliche Baumschulen, Wiederaufforstungsflächen oder den etablierten Forstbestand.

Pflanzenschutz auf Gruppenebene

Der integrierte Pflanzenschutz bei Forstpflanzen erfordert eine enge Abstimmung zwischen mechanischen, waldbaulichen und chemischen Maßnahmen. Im Jugendstadium und in Forstbaumschulen ist der Druck durch pilzliche Schaderreger wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) besonders hoch, da dichte Bestände und feuchte Mikroklimata die Infektion begünstigen. Ebenso stellen Nagetiere wie die Feldmaus (Microtus arvalis) und die Erdmaus (Microtus agrestis) durch Nageschäden an Rinde und Wurzeln eine existenzielle Bedrohung für junge Kulturen dar. Ein systematisches Monitoring, beispielsweise durch das Aufstellen von Schlagfallen zur Dichtebestimmung oder die Kontrolle auf frischen Fraß, ist für die rechtzeitige Befallsermittlung unerlässlich. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Forst ist ein striktes Resistenzmanagement nach FRAC (für Fungizide) und HRAC (für Herbizide) einzuhalten. Da forstliche Kulturen über viele Jahre oder Jahrzehnte auf derselben Fläche verbleiben, können sich resistente Schaderreger-Populationen bei einseitigem Wirkstoffeinsatz schnell etablieren. Achte daher auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel und nutze vorrangig mechanische Schutzmaßnahmen wie Wuchshüllen oder Zäunungen, um den chemischen Pflanzenschutz auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Kulturen in dieser Gruppe

LaubholzNNNWL
NadelholzNNNWN

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie unterscheidet das BVL bei den Anwendungen zwischen Forstbaumschulen und dem freien Waldbestand?

Das ist ein entscheidender Unterschied bei der Zulassung. Viele Pflanzenschutzmittel sind explizit nur für „Forstpflanzen in Forstbaumschulen“ (oft im Gewächshaus oder auf Freilandflächen) zugelassen, da dort andere Ausbringungstechniken und Umweltauflagen gelten. Für den Einsatz im tatsächlichen Waldbestand (z. B. bei der Wiederaufforstung) muss das Mittel eine explizite Zulassung für den „Forst“ oder das „Freiland“ besitzen. Prüfe vor jeder Anwendung genau den zugelassenen Anwendungsbereich im Datenblatt.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Nagetiere wie Feld- und Erdmäuse in Forstkulturen zu kontrollieren?

Die Befallskontrolle und eventuelle Behandlungen gegen Microtus arvalis und Microtus agrestis sollten vor allem im Herbst und im zeitigen Frühjahr stattfinden. In diesen Phasen ist das natürliche Nahrungsangebot gering, wodurch Köder (z. B. Rodentizide in verdeckten Köderstationen) besonders gut angenommen werden. Zudem verhinderst du so, dass die Populationen mit einer hohen Ausgangsstärke in die neue Vegetationsperiode starten und junge Forstpflanzen im Winter durch Ringelung schädigen.

Wie beugst du Infektionen mit Botrytis cinerea bei jungen Forstpflanzen effektiv vor?

Da Botrytis cinerea ein Schwächeparasit ist, der feuchte Bedingungen bevorzugt, steht die Kulturführung im Vordergrund. In Baumschulen solltest du für eine weite Pflanzdichte und schnelle Abtrocknung der Kulturen sorgen (z. B. durch windoffene Ausrichtung der Quartiere). Chemische Behandlungen mit Fungiziden sollten präventiv bei anhaltend feucht-warmer Witterung oder nach mechanischen Verletzungen (z. B. nach Hagel oder Formschnitt) erfolgen, um Eintrittspforten für den Schaderreger rechtzeitig zu schließen.

Warum ist das Resistenzmanagement bei Forstpflanzen trotz seltenerer Anwendungen so wichtig?

Auch wenn im Forst seltener gespritzt wird als im Ackerbau, ist das Risiko hoch: Forstpflanzen verbleiben extrem lange auf der Fläche. Wenn sich einmal resistente Schaderreger (insbesondere Pilze in Baumschulen oder hartnäckige Unkräuter auf Freiflächen) etabliert haben, verschleppst du dieses Problem über Jahre. Durch den gezielten Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen FRAC- oder HRAC-Klassifizierungen verhinderst du, dass selektierte, resistente Stämme die Oberhand gewinnen.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech schnell die passenden Pflanzenschutzmittel für Laub- oder Nadelholz?

Nutze dafür die Filterfunktionen in unserer Produktdatenbank. Du kannst gezielt nach der Kultur-Gruppe „Forstpflanzen“ filtern oder direkt nach den Untergruppen „Laubholz“ bzw. „Nadelholz“ suchen. Achte darauf, den Filter für den Schaderreger (z. B. Nagetiere oder spezifische Pilze) hinzuzufügen, um nur die für deine konkrete Situation zugelassenen Pflanzenschutzmittel und deren spezifische Anwendungsbestimmungen angezeigt zu bekommen.

Welche Rolle spielen die BBCH-Stadien bei der Behandlung von Forstpflanzen?

BBCH-Stadien sind im Forst besonders bei Herbizid- und Insektizidanwendungen kritisch. Beispielsweise dürfen bestimmte Herbizide zur Begleitwuchsregulierung nur vor dem Austrieb der Forstpflanzen (BBCH 00 bis 09) oder nach dem vollständigen Abschluss des Jahrestriebs und der Verholzung (BBCH 91+) ausgebracht werden, um Kulturschäden zu vermeiden. Lies die Gebrauchsanleitung daher immer im Hinblick auf das aktuelle Entwicklungsstadium deiner Kulturen.