Knollengewächse (Zierpflanzen)
Die BVL-Kulturgruppe „Knollengewächse (Zierpflanzen)“ mit dem Code NNKNG fasst wichtige Zierpflanzen zusammen, die unterirdische Überdauerungsorgane in Form von Knollen ausbilden. Zu den prominentesten Vertretern dieser Gruppe gehören unter anderem Dahlia pinnata (Dahlien), Gladiolus-Hybriden (Gladiolen) und Knollenbegonien-Hybriden. Diese Gruppierung ist im Pflanzenschutzrecht von hoher Bedeutung, da sie Kulturen mit ähnlichen morphologischen Eigenschaften, vergleichbaren Anbauverfahren im Freiland oder unter Glas sowie identischen phytomedizinischen Risiken bündelt.
Aus zulassungstechnischer Sicht ermöglicht diese Zusammenfassung eine vereinfachte Registrierung von Pflanzenschutzmitteln. Da die Kulturen dieser Gruppe ähnliche physiologische Reaktionen auf Wirkstoffe zeigen und oft unter vergleichbaren Bedingungen kultiviert werden, können Zulassungen für die gesamte Gruppe erteilt werden. Dies schließt Lücken im Indikationsverzeichnis für den Zierpflanzenbau und gibt Anbauern Rechtssicherheit bei der Behandlung verschiedener knollenbildender Zierpflanzenarten.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der Pflanzenschutz bei Knollengewächsen im Zierpflanzenbau erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, da sowohl pilzliche Schaderreger als auch Unkräuter die Qualität der sensiblen Kulturen stark beeinträchtigen können. Ein dominierender pilzlicher Schaderreger ist Botrytis cinerea, der bei feucht-warmer Witterung zu erheblichen Ausfällen an Blüten und Knollen führen kann. Zudem konkurrieren auflaufende Unkräuter wie Chenopodium album (Weißer Gänsefuß), Lamium purpureum (Purpurrote Taubnessel) und einkeimblättrige Ungräser wie Apera spica-venti (Gemeiner Windhalm) vor allem in der Etablierungsphase stark mit den Kulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe. Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus vorbeugenden mechanischen Maßnahmen (wie der mechanischen Unkrautregulierung und weiten Pflanzabständen zur schnellen Abtrocknung des Bestandes) und dem gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den Richtlinien von FRAC (Fungicide Resistance Action Committee) und HRAC (Herbicide Resistance Action Committee) unerlässlich. Dies bedeutet, dass bei notwendigen chemischen Behandlungen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen im Wechsel eingesetzt werden müssen, um den Selektionsdruck auf die Schaderreger zu minimieren.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Pflanzenschutzmittel für alle Kulturen der Gruppe „Knollengewächse (Zierpflanzen)“ zugelassen ist?
In der Zulassungsdatenbank des BVL oder im Produkt-Hub ist bei den Anwendungshinweisen die Kulturcodierung „NNKNG“ oder die explizite Bezeichnung „Knollengewächse (Zierpflanzen)“ aufgeführt. Gilt die Zulassung für diese Gruppe, darf das Pflanzenschutzmittel auf allen zugehörigen Kulturen wie Dahlien, Gladiolen und Knollenbegonien unter Einhaltung der festgesetzten Anwendungsbestimmungen eingesetzt werden.
Welchen Einfluss hat das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Unkräutern in Knollengewächsen?
Herbizidbehandlungen sollten bevorzugt in den frühen BBCH-Stadien der Unkräuter (Keimblatt- bis Laubblattstadium) erfolgen, da hier die höchste Empfindlichkeit vorliegt. Für die Kultur selbst ist die Verträglichkeit (Selektivität) im jeweiligen BBCH-Stadium entscheidend; viele Bodenherbizide werden vor dem Auflaufen der Knollengewächse appliziert, während Nachauflaufherbizide exakt auf das Entwicklungsstadium der Kultur abgestimmt sein müssen, um Phytotoxizität zu vermeiden.
Wie lässt sich das Risiko von Botrytis-Infektionen bei Gladiolen und Dahlien im Freiland minimieren?
Neben einer bedarfsgerechten Fungizidstrategie im Wechsel (unter Beachtung der FRAC-Klassifizierung) sind kulturtechnische Maßnahmen entscheidend. Dazu gehören die Vermeidung von Überkopfberegnung in den Abendstunden, eine ausgewogene Stickstoffdüngung zur Vermeidung von zu weichem Gewebe und das schnelle Entfernen infizierter Pflanzenteile, um das Sporenpotenzial im Bestand zu senken.
Warum ist das HRAC-System bei der Unkrautbekämpfung in Zierpflanzenknollen so wichtig?
Da im Zierpflanzenbau nur eine begrenzte Anzahl an Herbizidwirkstoffen zugelassen ist, besteht ein hohes Risiko für die Selektion resistenter Unkräuter wie Chenopodium album. Durch den gezielten Wechsel zwischen verschiedenen HRAC-Klassen (z. B. Kombination aus Boden- und Blattherbiziden) wird verhindert, dass Unkräuter Resistenzen gegen eine bestimmte Wirkstoffgruppe entwickeln.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für das Monitoring von Schaderregern bei Knollenbegonien?
Das Monitoring sollte unmittelbar mit dem Austrieb der Knollen beginnen. Insbesondere bei feuchter Witterung ist wöchentlich auf erste Symptome von Grauschimmel (Botrytis cinerea) an den jungen Trieben zu achten. Gleichzeitig ermöglicht ein frühes Monitoring im Vorauflauf- und frühen Nachauflaufstadium die rechtzeitige Erfassung des Unkrautdrucks, um mechanische oder chemische Maßnahmen optimal zu terminieren.