Luzerne-Arten
Die Gattung Medicago sp. (EPPO-Code: MEDSS), im deutschsprachigen Raum vor allem durch die Blaue Luzerne (Medicago sativa) vertreten, gilt als die „Königin der Futterpflanzen“. Diese tiefwurzelnde Leguminose zeichnet sich durch eine hervorragende Trockenheitstoleranz und einen hohen Proteingehalt aus, was sie zu einer tragenden Säule in der Eiweißversorgung der Rinderhaltung sowie zur Bodenverbesserung macht. Dank ihrer Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium meliloti) ist die Kultur in der Lage, beträchtliche Mengen an atmosphärischem Stickstoff zu fixieren und im Boden anzureichern.
Im landwirtschaftlichen Anbau stellt die Kultur hohe Ansprüche an den Boden, insbesondere hinsichtlich des pH-Werts und der Kalkversorgung. Staunässe und saure Böden schränken die Etablierung und Lebensdauer des Bestandes drastisch ein. Einmal etabliert, liefert die Luzerne über mehrere Hauptnutzungsjahre hinweg kontinuierlich hohe Erträge an struktur- und proteinreichem Grundfutter, das sowohl als Frischfutter, Silage oder auch in Form von Trockengrün (Pellets) verwertet werden kann.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt extrem hohe Anforderungen an die Bodenstruktur und den Kalkstatus, weshalb ein pH-Wert von mindestens 6,5 zwingend erforderlich ist. Vor der Aussaat muss eine gründliche Kalkung erfolgen, um saure Nester im Unterboden zu neutralisieren, da die Pfahlwurzeln sonst im Wachstum gehemmt werden. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett ist für die feinen Samen essenziell, um einen optimalen Bodenschluss zu gewährleisten. Da die Kultur über Knöllchenbakterien eigenen Stickstoff fixiert, ist eine N-Düngung kontraproduktiv und hemmt die Knöllchenbildung. Stattdessen liegt der Fokus auf einer bedarfsgerechten Versorgung mit Phosphor, Kalium und insbesondere Schwefel und Bor, um die Ertragsleistung und Winterhärte zu sichern.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei Luzerne-Arten basiert primär auf vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen wie einer weiten Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren zur Vermeidung von Kleekrebs (Sclerotinia trifoliorum). Unkräuter und Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) müssen bereits vor der Etablierung oder im frühen Nachauflauf konsequent reguliert werden, da sie die junge Kultur rasch überwachsen können. Gegen tierische Schaderreger wie den Luzerneblattrüssler (Hypera postica) oder Gallmücken ist eine regelmäßige Bestandskontrolle ab dem Knospenstadium entscheidend, um Schadschwellen rechtzeitig zu erkennen. Chemische Pflanzenschutzmittel werden im etablierten Bestand nur restriktiv eingesetzt, wobei strenge Wartezeiten vor den jeweiligen Schnitten zwingend einzuhalten sind. Nach dem Schnitt trägt eine saubere Erntehygiene maßgeblich dazu bei, das Infektionspotenzial von Pilzkrankheiten für den folgenden Aufwuchs zu minimieren.
Sorten
Plato
mittelspätSehr hoher Trockenmasseertrag mit exzellenter Proteinleistung über alle Schnitte.
Resistent gegen: Kleekrebs, Luzerne-Welke
Anfällig für: Anthraknose
Sehr bewährte, ausdauernde Sorte mit hervorragender Winterhärte und hoher Proteinkonzentration.
Sanditi
mittelfrühKonstant hohe Erträge im ersten und in den Folgeschnitten, sehr ausdauernd.
Resistent gegen: Luzerne-Welke, Nematoden
Anfällig für: Echter Mehltau
Moderne Sorte mit rascher Jugendentwicklung und sehr guter Standfestigkeit.
Daisy
mittelGute Ertragsstabilität auch in rauen Lagen, sehr feinstängelig und blattreich.
Resistent gegen: Kleekrebs, Frost
Anfällig für: Blattfleckenkrankheit
Feinstängelige, sehr blattreiche Sorte, die sich hervorragend für die hochwertige Heu- und Silagebereitung eignet.
Gea
frühSehr rascher Wiederaufwuchs nach dem Schnitt, ideal für intensive Nutzungssysteme.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Kleekrebs
Südeuropäischer Typ mit extrem schnellem Wiederaufwuchs nach dem Schnitt, benötigt milde Lagen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich die Etablierung von Knöllchenbakterien bei einer Erstansaat von Luzerne auf einer Fläche optimieren?
Wenn auf der Zielfläche seit mehreren Jahren keine Luzerne angebaut wurde, fehlt es im Boden oft an den spezifischen Knöllchenbakterien (Rhizobium meliloti). In diesem Fall ist eine Saatgutimpfung mit einem passenden Rhizobien-Präparat unmittelbar vor der Aussaat dringend zu empfehlen. Dies sichert eine schnelle Knöllchenbildung an den Wurzeln, optimiert die Stickstofffixierung ab dem Keimlingstadium und verhindert Hungerphasen der jungen Kultur.
Welches BBCH-Stadium ist der optimale Zeitpunkt für den ersten Schnitt zur Futtergewinnung?
Der optimale Kompromiss aus hohem Ertrag und maximaler Futterqualität (hoher Proteingehalt, geringer Rohfaseranteil) liegt im BBCH-Stadium 51 bis 55 (Knospenstadium bis Beginn des Rispenschiebens). Wartet man bis zur Vollblüte (BBCH 65), steigt zwar die Trockenmasse, aber der Holzstoffgehalt (Lignin) nimmt drastisch zu, was die Verdaulichkeit für Wiederkäuer erheblich mindert.
Wie kann die Gemeine Quecke (Elymus repens) im Luzernebestand effektiv reguliert werden?
Da die Gemeine Quecke ein ausdauerndes Ungras ist, sollte sie idealerweise bereits vor der Saat durch mechanische Bodenbearbeitung geschwächt werden. Im etablierten Bestand können selektive Gräser-Herbizide (Graminizide) im frühen Frühjahr oder nach einem Schnitt eingesetzt werden, sobald die Quecke ausreichend Blattmasse gebildet hat. Dabei sind die gesetzlichen Wartezeiten des jeweiligen Pflanzenschutzmittels bis zur nächsten Nutzung strikt zu beachten.
Warum ist die Einhaltung der Schnitthöhe bei Luzerne-Arten für den Wiederaustrieb so kritisch?
Luzerne lagert ihre Reservestoffe für den Wiederaustrieb in der Wurzelkrone ein. Ein zu tiefer Schnitt unter 7–8 cm beschädigt diese Krone und die basalen Knospen, was den Wiederaustrieb massiv verzögert und das Eindringen von Schaderregern begünstigt. Eine Schnitthöhe von 8–10 cm schont die Erneuerungsknospen und sichert einen schnellen, dichten Folgeaufwuchs.
Welche Rolle spielt der Herbst-Ruheschnitt für die Winterhärte der Kultur?
Der letzte Schnitt vor dem Winter muss zeitlich so gelegt werden, dass die Kultur danach entweder noch genügend Zeit hat, um Reservestoffe (Zucker) in die Wurzel einzulagern (ca. 4–6 Wochen ungestörtes Wachstum vor dem ersten Frost), oder so spät erfolgen, dass kein nennenswerter Wiederaustrieb mehr stattfindet. Ein unüberlegter Schnitt im September schwächt die Kultur, da sie Reserven für einen Austrieb mobilisiert, der dann abfrostet, was zu massiven Auswinterungsschäden führt.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen spezifische Schaderreger in Luzerne?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie gezielt nach der Kultur „Luzerne“ sowie dem gewünschten Schaderreger (z. B. einkeimblättrige Unkräuter). Achten Sie bei den angezeigten Anwendungen besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximale Anzahl der Behandlungen pro Saison und die einzuhaltenden Wartezeiten für die Futternutzung.