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Kultur

Rübsen

Brassica rapa subsp. oleifera
BRSRO

Der Rübsen (Brassica rapa subsp. oleifera, EPPO-Code: BRSRO) ist eine traditionsreiche und äußerst winterharte Ölsaat, die besonders in kühleren Lagen sowie auf leichteren, sandigen Standorten eine wertvolle Alternative zum klassischen Winterraps darstellt. Als anspruchslose Kultur zeichnet sich der Rübsen durch eine sehr rasche Jugendentwicklung und eine frühe Blüte sowie Reife aus, was die Fruchtfolgegestaltung im landwirtschaftlichen Betrieb flexibler macht.

Botanisch eng mit dem Raps verwandt, unterscheidet sich die Kultur durch behaarte Primärblätter und einen flacheren, verzweigteren Wuchs. Sie stellt geringere Ansprüche an die Nährstoffversorgung und die Bodenqualität, weshalb sie häufig in Mittelgebirgslagen oder auf Grenzertragsböden angebaut wird. Zudem dient sie dank ihrer schnellen Bodenbedeckung hervorragend als Zwischenfrucht zur Unkrautunterdrückung und zum Erosionsschutz.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
25. August bis 15. September
Erntefenster
Anfang Juli bis Mitte Juli
Reihenabstand
12–25 cm
Typischer Ertrag
2,0–3,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1550
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Die Kultur stellt im Vergleich zum Raps deutlich geringere Ansprüche an das Saatbett, profitiert jedoch von einer sorgfältigen, feinkrümeligen Rückverfestigung, um den Bodenschluss für das feine Saatgut zu sichern. Da Rübsen auch auf flachgründigen und sandigen Böden mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,5 gut gedeiht, ist eine tiefe Lockerung meist nur bei bestehenden Verdichtungen notwendig. Die Stickstoffdüngung sollte an das geringere Ertragspotenzial angepasst werden, wobei Gaben von 80 bis 120 kg N/ha im Frühjahr meist ausreichen, um eine optimale Bestandesentwicklung zu gewährleisten. Eine moderate Schwefelversorgung ist wie bei allen Kreuzblütlern essenziell für die Ölsynthese und den Proteinstoffwechsel. Organische Düngung im Herbst kann dank der schnellen Nährstoffaufnahme der Kultur effizient genutzt werden und mindert das Risiko von Nitratauswaschungen über Winter.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz ähnelt der Rübsen dem Winterraps, zeigt jedoch aufgrund seiner extrem schnellen Jugendentwicklung oft eine höhere Toleranz gegenüber frühem Schaderregerdruck im Herbst. Dennoch müssen wichtige Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit) und Alternaria brassicae (Rapsschwärze) insbesondere in feuchten Jahren durch gezielte Fungizidbehandlungen zur Blüte kontrolliert werden. Bei den tierischen Schädlingen stehen der Kohltriebrüssler und der Rapsglanzkäfer im Fokus, wobei der Rübsen durch seine sehr frühe Blüte dem Hauptansturm des Rapsglanzkäfers häufig entgeht. Ein regelmäßiges Monitoring mittels Gelbschalen ab Vegetationsbeginn ist unerlässlich, um Schadschwellen präzise zu erfassen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ökonomisch und ökologisch zu optimieren. Die Einhaltung einer mindestens vierjährigen Fruchtfolgepause zu anderen Kreuzblütlern ist zudem die wirksamste vorbeugende Maßnahme gegen Kohlhernie.

Sorten

Legato

Früh

Stabil mittlere bis hohe Erträge auf Grenzertragsböden.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Kohlhernie, Sclerotinia

Sehr winterharte Sorte mit rascher Jugendentwicklung, ideal für raue Lagen.

Largo

Früh

Gute Ertragsleistung bei früher Reife.

Resistent gegen: Trockenheit

Anfällig für: Lagerung

Wuchskräftige Sorte mit guter Unkrautunterdrückung im Herbst.

Komet

Sehr früh

Mittelmäßige, aber sehr sichere Erträge.

Resistent gegen: Spätfrost

Anfällig für: Alternaria

Extrem frühe Blüte, entgeht dadurch häufig dem Rapsglanzkäferdruck.

Prisma

Mittelfrüh

Überdurchschnittliches Ertragspotenzial für Rübsen.

Resistent gegen: Phoma

Anfällig für: Sclerotinia

Moderne Sorte mit verbesserter Strohstabilität und gleichmäßiger Abreife.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Schadschwelle für den Rapsglanzkäfer bei Rübsen im Vergleich zu Raps?

Da Rübsen deutlich früher blüht als Winterraps, fällt die empfindliche Knospenphase meist in eine kühlere Witterungsperiode mit geringerer Käferaktivität. Sobald die Blüten geöffnet sind, ist die Kultur tolerant gegenüber dem Rapsglanzkäfer, da dieser dann als Bestäuber fungiert und keinen Schaden mehr anrichtet. Die Schadschwelle in der Knospenphase liegt bei ca. 8–10 Käfern pro Pflanze.

Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 65 für die Bekämpfung von Sclerotinia sclerotiorum?

Das BBCH-Stadium 65 (Vollblüte) ist der kritische Termin für eine vorbeugende Fungizidbehandlung gegen die Weißstängeligkeit. Da die Infektion hauptsächlich über abfallende Blütenblätter erfolgt, die in den Blattachseln hängen bleiben, schützt eine gezielte Anwendung in dieser Phase die Kultur am effektivsten vor dem Eindringen des Pilzes.

Kann Rübsen als direkte Vorfrucht vor Winterweizen in der Fruchtfolge stehen?

Ja, Rübsen ist eine hervorragende Vorfrucht für Winterweizen. Durch die sehr frühe Ernte (oft schon Anfang Juli) verbleibt ein langes Zeitfenster für die Bodenbearbeitung und den Abbau der Ernterückstände, was die Aussaatbedingungen und die Stickstoffdynamik für den nachfolgenden Weizen erheblich verbessert.

Wie wirkt sich eine späte Aussaat im September auf die Winterhärte der Kultur aus?

Rübsen besitzt eine extrem schnelle Jugendentwicklung und kann daher im Vergleich zu Raps noch bis Mitte September gesät werden. Eine zu späte Aussaat schränkt jedoch die Wurzelentwicklung ein; für eine optimale Winterhärte sollte die Kultur vor dem Winter das BBCH-Stadium 16 bis 18 (6 bis 8 Laubblätter) erreicht haben.

Welche gesetzlichen Wartezeiten sind bei späten Insektizidbehandlungen gegen den Kohlschotenrüssler zu beachten?

Bei Anwendungen gegen den Kohlschotenrüssler (Ceutorhynchus obstrictus) während oder nach der Blüte müssen die spezifischen Wartezeiten (PHI) der zugelassenen Pflanzenschutzmittel zwingend eingehalten werden. Diese betragen je nach Wirkstoff meist zwischen 35 und 56 Tagen bis zur Ernte, weshalb späte Behandlungen genau kalkuliert werden müssen.