Kohlschotenrüssler
Der Kohlschotenrüssler (Ceutorhynchus obstrictus, EPPO-Code: CEUTAS) ist einer der bedeutendsten Schaderreger im europäischen Rapsanbau. Der kleine, rüsselkäfertypische Schädling befällt vor allem Kreuzblütler (Brassicaceae) wie Winterraps (Brassica napus), Senf (Sinapis alba) und Rübsen. Während der direkte Fraßschaden der adulten Käfer meist von untergeordneter Bedeutung ist, führt die Eiablage in die jungen Schoten und der anschließende Larvenfraß zu erheblichen Ertragseinbußen.
Die wirtschaftliche Relevanz des Kohlschotenrüsslers wird durch eine gefährliche Synergie drastisch verschärft: Die von den Weibchen gebohrten Eiablagelöcher dienen der Kohlschotengallmücke (Dasineura brassicae) als ideale Eintrittspforten für deren eigene Eiablage. Ohne die Vorarbeit des Rüsslers kann die Gallmücke ihre Eier kaum in den unbeschädigten, festeren Schoten ablegen. Dieser Kombinationsschaden kann bei starkem Befall zu einem vorzeitigen Aufplatzen der Schoten und damit zu massiven Ausfällen kurz vor der Ernte führen.
Biologie / Lebenszyklus
Die adulten Käfer überwintern im Boden oder unter der Laubstreu von Waldrändern und Hecken. Sobald die Bodentemperaturen im Frühjahr etwa 10–12 °C erreichen und die Lufttemperaturen auf über 15 °C steigen, wandern die Käfer in die Rapsbestände ein. Nach einem Reifungsfraß an Knospen und Blüten erfolgt die Paarung, woraufhin die Weibchen ab dem Abblühen der Haupttriebe (BBCH 65–69) jeweils ein Ei in die junge, noch weiche Schote legen. Die Larve frisst im Inneren der Schote an den heranreifenden Samen, verlässt diese nach etwa 3–4 Wochen durch ein charakteristisches Bohrloch und verpuppt sich im Boden, wo im Spätsommer die neue Käfergeneration schlüpft.
Bonitur
Die Überwachung des Zuflugs beginnt ab dem Knospenstadium (BBCH 51–55) mithilfe von Gelbschalen, die am Feldrand aufgestellt werden. Für die gezielte Bekämpfungsentscheidung ist jedoch das Abklopfen der Haupttriebe während der Blüte (BBCH 60–69) entscheidend. Hierzu werden an mehreren Stellen im Feld jeweils 10 Haupttriebe über einem Gefäß oder einem Klopfschirm abgeklopft. Der wirtschaftliche Schadensschwellenwert liegt in der Regel bei 0,5 bis 1 Käfer pro Pflanze im Durchschnitt des Bestandes. Bei starkem Auftreten der Kohlschotengallmücke im Vorjahr oder in gefährdeten Lagen sollte der Schwellenwert auf 0,2 bis 0,5 Käfer pro Pflanze abgesenkt werden, da hier bereits geringe Einstichzahlen schwere Sekundärschäden nach sich ziehen können.
Symptome
Im Feld zeigen sich zunächst feine, punktförmige Fraßspuren an den Knospen und jungen Schoten. Das deutlichste Symptom für den Larvenbefall ist ein winziges, ca. 1 mm großes, kreisrundes Ausbohrloch in der Schotenwand, das von der auswanderungsbereiten Larve gefressen wurde. Befallene Schoten reifen oft vorzeitig gelb ab, verkrümmen sich leicht oder platzen vor der Ernte auf, insbesondere wenn zusätzlich ein Befall durch die Kohlschotengallmücke vorliegt. Beim Öffnen betroffener Schoten sind die angefressenen, zerstörten Samenanlagen sowie die weißliche, beinlose Larve mit brauner Kopfkapsel sichtbar.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Ackerbaulich mindern eine weite Fruchtfolge und die räumliche Trennung zu den Vorjahresflächen den Erstbefall. Die Förderung natürlicher Gegenspieler wie Schlupfwespen (z. B. Trichomalus perfectus), die die Larven in den Schoten parasitieren, spielt eine wichtige Rolle bei der biologischen Regulation. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng nach Erreichen der Schadensschwelle und vorzugsweise in der Phase der ausgehenden Blüte (BBCH 65–69) appliziert werden, um die Bienenbelastung zu minimieren. Da in vielen europäischen Regionen bereits Resistenzen des Kohlschotenrüsslers gegen Pyrethroide (IRAC-Klasse 3A) nachgewiesen wurden, ist ein konsequentes Resistenzmanagement durch den Wirkstoffwechsel und die Nutzung alternativer, zugelassener Wirkstoffklassen zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Bekämpfung des Kohlschotenrüsslers so eng mit der Kohlschotengallmücke verknüpft?
Die Kohlschotengallmücke besitzt ein sehr weiches Legerohr und kann ihre Eier kaum in unbeschädigte Rapschoten ablegen. Sie nutzt fast ausschließlich die Fraß- und Eiablageschäden des Kohlschotenrüsslers als Eintrittspforte. Eine erfolgreiche Regulierung des Rüsslers verhindert somit indirekt den weitaus zerstörerischeren Befall durch die Gallmücke.
Wie unterscheidet sich die Larve des Kohlschotenrüsslers von der Larve der Kohlschotengallmücke in der Schote?
In einer befallenen Schote findet man meist nur eine einzige, bis zu 5 mm lange, weißliche Rüsslerlarve mit einer deutlich erkennbaren braunen Kopfkapsel. Die Larven der Kohlschotengallmücke hingegen sind deutlich kleiner (ca. 2 mm), kopflos, gelblich-weiß bis orange und treten fast immer in großer Zahl (oft 10 bis 50 Larven) gesellig in einer Schote auf.
Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Zuflugsdynamik des Schädlings im Frühjahr?
Der Hauptzuflug in die Rapsbestände erfolgt schlagartig an warmen, windstillen Tagen, sobald die Lufttemperatur die Schwelle von 15 °C überschreitet. Liegen die Temperaturen darunter, verharren die Käfer träge am Boden oder in den Randstrukturen. Ein plötzlicher Temperaturanstieg während der Rapsblüte erfordert daher eine tägliche, intensive Kontrolle der Bestände.
Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?
Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und wählen Sie Ihre spezifische Kultur (z. B. Winterraps) sowie den Schaderreger "Kohlschotenrüssler" aus. Achten Sie bei der Auswahl der gelisteten Pflanzenschutzmittel besonders auf die aktuellen Anwendungsbestimmungen, die zugelassenen BBCH-Stadien und die Bienen-Auflagen (B1-B4), da Behandlungen meist in die aktive Blütezeit fallen.
Welche Rolle spielen Randbehandlungen bei der Regulierung des Kohlschotenrüsslers?
Da der Zuflug im Frühjahr meist konzentriert von den Überwinterungsquartieren (wie Waldrändern oder Hecken) erfolgt, besiedeln die Käfer zunächst die Feldränder. Bei rechtzeitiger Befallserkennung im Knospenstadium kann eine gezielte Randbehandlung ausreichen, um die Einwanderung in die Tiefe des Schlages zu stoppen und gleichzeitig nützliche Insekten im Feldinneren zu schonen.
Wie wirkt sich eine Bodenbearbeitung nach der Ernte auf die Population des nächsten Jahres aus?
Da sich die Larven nach dem Verlassen der Schoten flach im Boden verpuppen, kann eine flache, mechanische Stoppelbearbeitung direkt nach der Rapsernte die Puppen stören, an die Oberfläche befördern und so der Austrocknung oder natürlichen Fressfeinden wie Laufkäfern preisgeben. Dies reduziert das Ausgangspotenzial für das Folgejahr spürbar.