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Sonstige · Nissan Chemical

Nervure

BVL Zul.-Nr. 00A569-00

Nervure ist ein hochselektives, systemisches Herbizid (Graminizid) zur gezielten Bekämpfung von einkeimblättrigen Unkräutern (Gräsern) in einer Vielzahl von zweikeimblättrigen Kulturen wie Raps, Rüben, Kartoffeln und Leguminosen. Als emulgierbares Konzentrat (EC) formuliert, zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine schnelle Aufnahme über die Blätter und eine effiziente systemische Verteilung in der gesamten Schadpflanze aus.

Das Wirkspektrum umfasst sowohl einjährige einkeimblättrige Unkräuter als auch hartnäckige ausdauernde Ungräser wie die Gemeine Quecke sowie auflaufendes Ausfallgetreide. Dank seiner ausgeprägten Selektivität schont Nervure die zweikeimblättrigen Kulturen selbst in empfindlichen Wachstumsstadien, während es die Zielgräser konsequent erfasst. Dies macht es zu einem unverzichtbaren Baustein in der Unkrautbekämpfung im Nachauflauf.

Wirkstoffe

Quizalofop-P-ethyl
50 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Quizalofop-P-ethyl gehört zur chemischen Klasse der Aryloxyphenoxypropionate (bekannt als "Fops") und ist der HRAC-Gruppe 1 (ehemals Gruppe A) zugeordnet. Der Wirkungsmechanismus basiert auf der selektiven Hemmung des Enzyms Acetyl-CoA-Carboxylase (ACCase) in den Chloroplasten von Gräsern. Dieses Enzym ist essenziell für die Biosynthese von Fettsäuren, die für den Aufbau von Zellmembranen im meristematischen Gewebe benötigt werden. Zweikeimblättrige Kulturen besitzen eine intrinsisch unempfindliche Form dieses Enzyms, was die hohe Selektivität des Mittels erklärt. Nach der Applikation wird der Wirkstoff rasch über die grünen Pflanzenteile aufgenommen und systemisch sowohl im Phloem als auch im Xylem transportiert. Er reichert sich in den aktiven Wachstumszonen (Meristemen) der Gräser und in den Rhizomen der Quecke an. Innerhalb weniger Tage nach der Behandlung stockt das Wachstum der Schadgräser. Die jüngsten Blätter verfärben sich nekrotisch und sterben ab, gefolgt vom allmählichen Absterben der gesamten Pflanze innerhalb von zwei bis drei Wochen.

Resistenzmanagement

Da Wirkstoffe aus der HRAC-Gruppe 1 ein inhärent hohes Risiko für die Resistenzentwicklung bei Gräsern (wie Ackerfuchsschwanz oder Windhalm) aufweisen, ist ein konsequentes Resistenzmanagement unerlässlich. Du solltest Nervure daher im Rahmen einer weiten Fruchtfolge einsetzen und den Wirkstoff gezielt mit Herbiziden anderer Wirkmechanismen (z. B. HRAC-Gruppe 3, 15 oder Bodenherbiziden im Vorauflauf) abwechseln. Vermeide die wiederholte, alleinige Anwendung von ACCase-Hemmern in derselben Saison und achte darauf, stets die volle registrierte Aufwandmenge auszubringen, um das Überleben teilresistenter Biotypen zu verhindern.

Mischbarkeit & Tankmischung

Nervure zeigt sich im Allgemeinen gut verträglich mit vielen gängigen Fungiziden und Insektiziden, die in den zugelassenen Kulturen eingesetzt werden. Bei geplanten Tankmischungen mit anderen Herbiziden – insbesondere Wuchsstoffen oder sulfonylharnstoffbasierten Produkten – kann es jedoch zu antagonistischen Effekten kommen, welche die Gräserwirkung mindern. Um die optimale Benetzung und Wirkstoffaufnahme zu sichern, empfiehlt sich die Verwendung von sauberem, weichem Wasser und die Einhaltung der optimalen Spritzfenster (hohe Luftfeuchtigkeit, aktive Wachstumsbedingungen). Führe vor großflächigen Mischungen im Zweifel immer einen physischen Mischbarkeitstest durch.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit Nervure ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Schutzbrille bei der Handhabung des Konzentrats, zwingend erforderlich. Da keine spezifische Bienengefährdungsklassifizierung vorliegt, solltest du aus Vorsorgegründen Anwendungen auf blühende Kulturen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind, vermeiden und die Behandlung vorzugsweise in die späten Abendstunden verlegen. Um aquatische Organismen und Bodenlebewesen zu schonen, sind Abdriften auf angrenzende Gewässer oder Saumstrukturen durch den Einsatz abdriftmindernder Düsentechnik konsequent zu minimieren.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
SommerrapsGemeine Quecke10–392.5 LITER_PER_HECTARE90T
AckerbohneEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE42T
WinterrapsGemeine Quecke30–392.5 LITER_PER_HECTARE90T
WinterrapsEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–301.25 LITER_PER_HECTARE90T
FuttererbseGemeine Quecke10–392.5 LITER_PER_HECTARE35T
SommerrapsEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE90T
Beten (Rote, Gelbe, Weiße Bete)Einjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE110T
FutterrübeEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE110T
KartoffelGemeine Quecke10–392 LITER_PER_HECTARE45T
WinterrapsGemeine Quecke10–302.5 LITER_PER_HECTARE
AckerbohneGemeine Quecke10–392.5 LITER_PER_HECTARE42T
FuttererbseEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE35T
LeinEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE90T
FutterrübeGemeine Quecke10–392.5 LITER_PER_HECTARE110T
Beten (Rote, Gelbe, Weiße Bete)Gemeine Quecke10–392.5 LITER_PER_HECTARE110T
WinterrapsEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide30–391.25 LITER_PER_HECTARE90T
ZuckerrübeGemeine Quecke10–392.5 LITER_PER_HECTARE110T
KartoffelEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE45T
ZuckerrübeEinjährige einkeimblättrige Unkräuter, Ausfallgetreide10–391.25 LITER_PER_HECTARE110T
LeinGemeine Quecke10–392.5 LITER_PER_HECTARE90T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Behandlung von Ausfallgetreide mit Nervure?

Du erzielst die beste Wirkung, wenn sich das Ausfallgetreide im aktiven Wachstum befindet und die meisten Pflanzen das 2- bis 3-Blatt-Stadium (BBCH 12–13) erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt ist die Blattfläche groß genug für eine optimale Wirkstoffaufnahme, und die Schadgräser sind noch nicht zu stark bestockt.

Wie bekämpfe ich die Gemeine Quecke mit diesem Produkt am effektivsten?

Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Gemeinen Quecke musst du warten, bis diese genügend Blattmasse gebildet hat (ca. 15–20 cm Wuchshöhe, meist BBCH 13–19), damit ausreichend Wirkstoff in die unterirdischen Rhizome transportiert werden kann. Verwende hierbei unbedingt die höhere zugelassene Aufwandmenge von bis zu 2,5 l/ha.

Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Wirkung von Nervure?

Warme, wüchsige Witterungsbedingungen mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit beschleunigen den Stoffwechsel der Gräser und damit die systemische Verteilung des Wirkstoffs. Vermeide Behandlungen bei extremer Trockenheit, Frostgefahr oder wenn die Kulturen unter Stress (z. B. durch Hitze oder Staunässe) stehen, da dies die Selektivität und Wirkung beeinträchtigen kann.

Wie lange ist die Regenfestigkeit nach der Anwendung?

Der Wirkstoff Quizalofop-P-ethyl wird sehr schnell von den Blättern der Schadgräser aufgenommen. In der Regel ist die Spritzbrühe bereits nach 1 bis 2 Stunden regenfest, sodass ein späterer Niederschlag die herbizide Wirkung nicht mehr negativ beeinflusst.

Kann ich Nervure in einer Tankmischung mit einem Breitblatt-Herbizid ausbringen?

Davon ist im Nachauflauf meist abzuraten. Mischungen mit Herbiziden gegen zweikeimblättrige Unkräuter können zu einem Antagonismus führen, der die Wirkung gegen Gräser deutlich abschwächt. Es wird empfohlen, zwischen der Gräserbehandlung mit Nervure und einer Breitblatt-Herbizidmaßnahme einen zeitlichen Abstand von mindestens 3 bis 5 Tagen einzuhalten.

Warum schwankt die Wartezeit bei diesem Produkt so stark zwischen 35 und 110 Tagen?

Die Wartezeit (PHI) ist stark von der jeweiligen Kultur und deren Erntezeitpunkt abhängig. Während schnell reifende Kulturen oder bestimmte Gemüsearten kürzere Wartezeiten aufweisen, erfordern Kulturen mit einer langen Vegetationsperiode wie Zuckerrüben oder Kartoffeln deutlich längere Fristen, um Rückstände im Erntegut sicher auszuschließen.