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Kultur

Lein

Linum usitatissimum
LIUUT

Der Echte Lein (Linum usitatissimum, EPPO-Code: LIUUT), auch als Flachs oder Saatlein bekannt, ist eine traditionsreiche und vielseitige Kultur, die sowohl zur Fasergewinnung (Faserlein) als auch zur Erzeugung ölhaltiger Samen (Öllein) angebaut wird. In der mitteleuropäischen Fruchtfolge schätzt man diese Kultur besonders wegen ihrer hervorragenden Vorfruchtwirkung und der Fähigkeit, das Bodengefüge durch ihr tiefreichendes Wurzelsystem nachhaltig zu verbessern. Öllein zeichnet sich zudem durch einen relativ geringen Anspruch an die Stickstoffdüngung aus.

Die Kultur stellt jedoch hohe Ansprüche an die Saatbettbereitung und die Unkrautregulierung in der frühen Entwicklungsphase. Da Lein in den ersten Wochen nur eine langsame Jugendentwicklung aufweist, ist er gegenüber konkurrenzstarken Schaderregern wie Unkräutern besonders empfindlich. Ein erfolgreicher Anbau erfordert daher ein präzises pflanzenbauliches Management von der Aussaat bis zur Ernte.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte März bis Mitte April
Erntefenster
August bis September
Reihenabstand
10–15 cm
Typischer Ertrag
1,8–2,8 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1300–1400 °C
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Lein benötigt ein feinkrümeliges, gut abgesetztes und gleichmäßig feuchtes Saatbett, um einen homogenen Feldaufgang zu gewährleisten. Schwere, zur Verschlämmung neigende Böden sowie staunasse Standorte sind für diese Kultur ungeeignet, da sie die Keimung behindern und das Risiko für Fußkrankheiten erhöhen. Eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung im Herbst ist vorteilhaft, um im Frühjahr eine bodenschonende, flache Saatbettbereitung zu ermöglichen. Die Stickstoffdüngung sollte verhalten erfolgen (ca. 40–60 kg N/ha), da ein Überangebot an Stickstoff die Lageranfälligkeit drastisch erhöht und die Abreife verzögert. Zudem ist auf eine ausreichende Versorgung mit Kalium und Magnesium zu achten, um die Standfestigkeit und den Ölgehalt der Samen zu fördern.

Schaderreger-Management

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ist eine konsequente Unkrautregulierung im Lein von zentraler Bedeutung, wobei insbesondere Schadgräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) und der Windhalm (Apera spica-venti) frühzeitig ausgeschaltet werden müssen. Gegen pilzliche Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum (Sklerotinia-Stängelfäule) und Botrytis cinerea (Grauschimmel) hilft vor allem eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen anfälligen Kulturen. Beim Auftreten von Erdflohbefall im Keimlingsstadium kann eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln erforderlich werden, um den Kahlfraß zu verhindern. In feuchten Jahren ist zudem auf Alternaria-Arten zu achten, die die Kapseln schädigen und die Saatgutqualität mindern können. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollte stets streng nach den Schadschwellen und unter Beachtung der jeweiligen Wartezeit erfolgen.

Sorten

Lirina

mittelspät

hoch bis sehr hoch

Resistent gegen: Fusarium-Welke

Anfällig für: Mehltau

Sehr bewährte, standfeste Ölleinsorte mit hohem Ölgehalt und gleichmäßiger Abreife.

Juliet

mittelfrüh

hoch

Resistent gegen: Leinrost

Anfällig für: Sclerotinia

Blau blühende Ölleinsorte mit guter Standfestigkeit und hohem Tausendkorngewicht.

Serenade

mittel

hoch

Resistent gegen: Fusarium-Welke, Leinrost

Ertragsstabile Sorte mit sehr guter Druschfähigkeit und ausgewogenem Fettsäuremuster.

Ingot

mittelfrüh

mittel bis hoch

Anfällig für: Lager

Gelbsamige Ölleinsorte, die sich durch eine rasche Jugendentwicklung auszeichnet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie lässt sich die optimale Saatzeit für Sommerlein im Frühjahr bestimmen?

Die Aussaat sollte erfolgen, sobald der Boden auf etwa 5 bis 8 °C erwärmt und ausreichend abgetrocknet ist. Ein zu früher Anbau in kalten, nassen Boden erhöht das Risiko für Auflaufkrankheiten, während eine zu späte Aussaat die Vegetationszeit verkürzt und den Ertrag mindert.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium 31 bis 35 für den Einsatz von Herbiziden?

In dieser Phase des schnellen Längenwachstums (Schossen) bildet der Lein eine schützende Wachsschicht (Kutikula) aus. Herbizidbehandlungen sollten idealerweise vor dem Schossen (bis BBCH 19/30) abgeschlossen sein, um Selektivitätsprobleme und Wachstumsdepressionen zu vermeiden.

Wie kann man im Agronomie-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Erdflohbefall suchen?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Lein' (oder dem EPPO-Code LIUUT) und der Schaderreger-Gruppe 'Beißende Insekten' oder speziell 'Erdflohe'. Achten Sie dabei auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und die zugelassenen BBCH-Stadien.

Warum ist die Fruchtfolgegestaltung bei Linum usitatissimum so kritisch?

Lein ist stark selbstunverträglich. Um bodenbürtige Schaderreger wie Fusarium-Welke oder Sclerotinia-Stängelfäule zu vermeiden, muss eine Anbaupause von mindestens 4 bis 6 Jahren auf derselben Fläche eingehalten werden. Gute Vorfrüchte sind Getreide oder Mais.

Woran erkennt man die Druschreife bei Öllein im Feld?

Die Druschreife ist erreicht, wenn die Kapseln braun gefärbt sind und die Samen darin bei Bewegung hörbar rascheln (Samenreife im BBCH-Stadium 89). Die Stängel müssen zu diesem Zeitpunkt weitgehend verholzt und trocken sein, um Wickler in der Erntemaschine zu verhindern.

Welche Bedeutung hat die Spurennährstoffversorgung, insbesondere mit Zink, bei dieser Kultur?

Lein reagiert empfindlich auf Zinkmangel, der sich durch Chlorosen und gestauchtes Wachstum äußert. Besonders auf kalkreichen Böden mit hohem pH-Wert sollte bei Bedarf eine Blattdüngung mit Zink im frühen BBCH-Stadium 12 bis 19 eingeplant werden.