Botrytis squamosa
Botryotinia squamosa (EPPO-Code: SCLESQ), häufiger unter dem Namen ihrer Nebenfruchtform Botrytis squamosa bekannt, ist der Erreger der Botrytis-Blattfleckenkrankheit bei Allium-Arten. Diese Pilzkrankheit betrifft vor allem Speisezwiebeln, Schalotten, Knoblauch und Winterheckenzwiebeln. Sie stellt weltweit in feucht-gemäßigten Anbauregionen eine der wirtschaftlich bedeutendsten Blattkrankheiten im professionellen Zwiebelanbau dar.
Ein starker Befall führt zu einer vorzeitigen Entlaubung der Kulturen, was die Photosyntheseleistung drastisch reduziert. In der Folge kommt es zu erheblichen Ertragseinbußen durch kleinere Zwiebelgrößen sowie zu einer verminderten Lagerfähigkeit der geernteten Zwiebeln. Unter feucht-warmen Bedingungen kann sich der Schaderreger rasant im Feld ausbreiten und unbehandelt zu Ertragsverlusten von über 30 % führen.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überwintert als Sklerotien (Dauerstadien) im Boden oder auf infizierten Pflanzenrückständen im Feld. Im Frühjahr keimen diese Sklerotien aus und produzieren entweder Konidien oder Apothezien, die Ascosporen freisetzen. Diese Sporen werden durch Wind und Regenspritzer auf die jungen Blätter der Kulturen übertragen. Für die Keimung und Infektion ist ein freier Wasserfilm auf den Blättern für mindestens 6 Stunden bei optimalen Temperaturen von 15 °C bis 20 °C erforderlich. Nach der Erstinfektion entstehen auf den Blättern neue Konidien, die im Laufe der Vegetationsperiode zu mehreren sekundären Infektionszyklen führen und eine epidemische Ausbreitung verursachen.
Bonitur
Das Monitoring sollte ab dem BBCH-Stadium 12 bis 14 (Entwicklung der ersten Laubblätter) beginnen, besonders bei anhaltend feuchter Witterung. Agronomen sollten wöchentlich mindestens 50 Pflanzen an verschiedenen Stellen im Feld auf die typischen kleinen, weißen bis hellbraunen Flecken untersuchen. Ein kritischer Bekämpfungsrichtwert (Schadschwelle) ist in vielen Regionen erreicht, wenn im Durchschnitt mehr als 1 bis 3 aktive Flecken pro Blatt auf den älteren Blättern gefunden werden. Zur präzisen Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen können computergestützte Prognosemodelle genutzt werden, die auf Temperatur und Blattnässedauer basieren.
Symptome
Die ersten Symptome zeigen sich als kleine, kreisrunde bis ovale, weißliche bis hellbraune Flecken (ca. 1–5 mm groß) auf den Blättern, die oft von einem silbrigen oder hellgrünen Hof umgeben sind. Das Zentrum dieser Flecken sinkt häufig leicht ein und kann nekrotisch werden. Bei fortschreitendem Befall und hoher Luftfeuchtigkeit fließen die Flecken zusammen, was zu einem Absterben der Blattspitzen und schließlich zum vollständigen Verdorren des gesamten Blattes führt. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich bei feuchtem Wetter ein grauer, staubiger Sporenrasen auf dem abgestorbenen Gewebe bilden.
Integriertes Management
Eine erfolgreiche Bekämpfung erfordert ein integriertes Konzept. Kulturmaßnahmen umfassen eine weite Fruchtfolge (mindestens 3–4 Jahre ohne Allium-Arten), die vollständige Einarbeitung von Ernterückständen durch tiefes Pflügen und die Wahl von windoffenen Lagen zur raschen Abtrocknung der Bestände. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten vorbeugend oder bei Erreichen der Schadschwelle appliziert werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den FRAC-Richtlinien zwingend erforderlich; dies beinhaltet den Wechsel zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. SDHI, Strobilurine und Kontaktfungizide) sowie die Einhaltung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Befall durch Botryotinia squamosa von Herbizidschäden oder Hagelschlag?
Während Hagelkörner und mechanische Verletzungen unregelmäßige, scharf abgegrenzte weiße Flecken ohne Hof verursachen, zeigen Infektionen durch Botryotinia squamosa meist einen charakteristischen, leicht eingesunkenen, nekrotischen Mittelpunkt, der von einem hellgrünen bis gelblichen, wassergesättigten Hof umgeben ist. Zudem treten Pilzinfektionen primär an älteren Blättern auf und breiten sich bei feuchter Witterung progressiv aus.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung bei der Anfälligkeit der Kulturen für diesen Schaderreger?
Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weichen Blattgewebe und einem dichten Bestandsklima. Dies verlängert die Blattnässedauer und erleichtert es den Sporen von Botryotinia squamosa, in das Gewebe einzudringen. Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Düngung stärkt hingegen die mechanische Widerstandsfähigkeit der Blattepidermis.
Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger finden?
Navigieren Sie im Portal zum Bereich 'Pflanzenschutzmittel' und filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Allium cepa) und dem Schaderreger Botryotinia squamosa (oder dem EPPO-Code SCLESQ). Achten Sie darauf, die regionalen Zulassungsdaten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu berücksichtigen, um die aktuellen Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten einzusehen.
Warum ist die Einhaltung der FRAC-Vorgaben bei der Bekämpfung der Zwiebelfäule besonders kritisch?
Da Botryotinia squamosa pro Saison mehrere Generationen mit enormen Sporenmengen bildet, ist das Risiko für eine Selektion resistenter Pilzstämme extrem hoch. Ein wiederholter Einsatz von Fungiziden derselben FRAC-Gruppe (z. B. nur SDHIs oder nur Strobilurine) führt schnell zu Wirkungsverlusten. Kombinieren oder wechseln Sie diese daher stets mit Kontaktwirkstoffen (Multi-Site-Inhibitoren).
Welchen Einfluss hat die Beregnungsmethode auf das Infektionsrisiko im Zwiebelanbau?
Eine Überkopfberegnung erhöht das Infektionsrisiko drastisch, da sie die Blätter direkt befeuchtet und Sporen durch Spritzwasser verbreitet. Wenn eine Beregnung notwendig ist, sollte diese in den frühen Morgenstunden erfolgen, damit die Kulturen im Laufe des Tages unter Sonneneinstrahlung und Wind schnell abtrocknen können, um die kritische Blattnässedauer von 6 Stunden nicht zu überschreiten.
Können infizierte Ernterückstände nach der Ernte einfach untergepflügt werden?
Ja, tiefes Unterpflügen (mindestens 20–25 cm) ist eine wirksame Maßnahme, da es die auf den Pflanzenresten gebildeten Sklerotien tief im Boden vergräbt. Dies entzieht ihnen den Sauerstoff und beschleunigt deren Abbau durch Bodenmikroorganismen, wodurch der Infektionsdruck (Inokulum) für die Folgesaison in benachbarten Schlägen deutlich reduziert wird.