Schalotte
Die Schalotte (Allium ascalonicum, EPPO-Code: `ALLAS`), im süddeutschen Raum auch als Kartoffelzwiebel bekannt, nimmt im professionellen Feldgemüsebau eine exklusive Nische ein. Im Vergleich zur klassischen Speisezwiebel zeichnet sich diese Kultur durch ein feineres, mild-würziges Aroma und die typische Nestbildung aus, bei der aus einer gesteckten Mutterzwiebel eine Gruppe von Tochterzwiebeln heranwächst. Botanisch eng mit der Zwiebel verwandt, stellt sie hohe Ansprüche an den Standort und die Kulturführung, belohnt den Anbauer jedoch mit hervorragenden Lagerqualitäten und hohen Marktpreisen.
Der Anbau erfolgt in Mitteleuropa überwiegend über Pflanzgut (Steckschalotten), da dies einen deutlichen Vorsprung im Frühjahr sichert und gleichmäßigere Bestände liefert. Zunehmend gewinnen jedoch auch samengezogene Sorten an Bedeutung, die eine präzisere Bestandsdichte ermöglichen und das Risiko der Übertragung von Viren minimieren. Unabhängig von der Anbaumethode erfordert die Kultur eine exakte Unkrautregulierung und ein wachsames Auge auf pilzliche Schaderreger, um die geforderte Premiumqualität für den Frischmarkt zu sichern.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt tiefgründige, humose und leicht erwärmbare Sand- oder Lehmböden mit einer stabilen Struktur, um Staunässe konsequent zu vermeiden. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist besonders während der Hauptwachstumsphase und der Zwiebelbildung im Mai und Juni kritisch, weshalb eine Zusatzberegnung oft ertragssichernd wirkt. Bei der Düngung musst du vorsichtig agieren: Zu hohe Stickstoffgaben verzögern die Abreife, mindern die Lagerfähigkeit und erhöhen die Krankheitsanfälligkeit. Eine moderate Kaliumversorgung hingegen stärkt das Gewebe und fördert die Festigkeit der Zwiebelschalen. Um Bodenverdichtungen vorzubeugen, ist eine sorgfältige, krümelige Saatbettbereitung unerlässlich, die gleichzeitig das gleichmäßige Stecken oder Säen erleichtert.
Schaderreger-Management
Der Schutz vor Schaderregern erfordert bei Schalotten eine vorausschauende Strategie, da die Kultur empfindlich auf Pilzinfektionen reagiert. Besonders der Falsche Mehltau und die Grauschimmel-Fäule (Botrytis cinerea) können bei feucht-warmer Witterung rasch um sich greifen und erfordern den gezielten Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel ab den ersten Befallssymptomen. Gegen bodenbürtige Schaderreger wie die Mehlkrankheit (Stromatinia cepivora) hilft vor allem eine strikte, mindestens vier- bis fünfjährige Fruchtfolge mit anbaufreien Phasen für Allium-Arten. Da Schalotten in der Jugendphase eine sehr langsame Jugendentwicklung aufweisen, ist die Unkrautregulierung – sowohl mechanisch als auch durch selektive Herbizide gegen Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) – von überragender Bedeutung für den Ertrag.
Sorten
Jermor
MittelfrühSehr ertragreich mit gleichmäßiger Sortierung.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Falscher Mehltau, Nacktfäule
Eine bewährte, birnenförmige Schalotte mit kupferfarbener Schale und festem Fleisch. Hervorragend für den professionellen Anbau geeignet.
Breton
MittelfrühKonstant hohe Erträge auch unter trockeneren Bedingungen.
Resistent gegen: Schossen, Zwiebelgelbstreifigkeit
Anfällig für: Stromatinia-Fäule
Typische rosa Schalotte mit runder bis leicht ovaler Form. Sehr gute Schalenfestigkeit und hervorragende Lagerfähigkeit bis ins Frühjahr.
Zebrune
MittelspätSehr hohes Ertragspotenzial bei Direktsaat.
Resistent gegen: Bodenverdichtung
Anfällig für: Falscher Mehltau, Botrytis-Blattflecken
Samenvermehrte Schalotte vom Typ 'Cuisse de poulet' (Hühnerschenkel). Längliche, rötlich-braune Zwiebeln mit mildem Aroma, ideal für den Frischmarkt.
Griselle
FrühMäßiger, aber hochpreisiger Ertrag.
Resistent gegen: Kälte
Anfällig für: Staunässe, Falscher Mehltau
Die echte graue Schalotte mit extrem intensivem Aroma. Wird im Herbst gesteckt und reift früh ab; nur begrenzt lagerfähig.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt bei Schalotten?
Der richtige Zeitpunkt ist erreicht, wenn das Laub von selbst zu etwa zwei Dritteln umknickt und eintrocknet (BBCH-Stadium 47 bis 48). Warte nicht, bis das Laub komplett abgestorben ist, da sonst die Zwiebelschalen reißen können und das Risiko für bodenbürtige Fäulniserreger steigt. Eine Ernte bei trockenem Wetter begünstigt das anschließende Nachreifen auf dem Feld.
Warum ist die Fruchtfolge bei dieser Kultur so streng einzuhalten?
Schalotten sind extrem anfällig für bodenbürtige Pilze wie Stromatinia cepivora (Mehlkrankheit) und Nematoden. Da diese Schaderreger viele Jahre im Boden überdauern können, musst du eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu allen anderen Allium-Arten wie Zwiebeln, Lauch oder Knoblauch einhalten, um den Infektionsdruck niedrig zu halten.
Welche Rolle spielt die Pflanzgröße bei Steckschalotten für den Ertrag?
Anders als bei Speisezwiebeln gilt bei Schalotten: Größeres Pflanzgut (ca. 15–22 mm) bildet meist mehr Tochterzwiebeln pro Nest aus, was zu einem höheren Gesamtertrag, aber kleineren Einzelzwiebeln führt. Kleineres Pflanzgut liefert weniger, dafür aber größere Einzelschalotten. Du solltest die Sortierung daher exakt auf deinen Absatzkanal abstimmen.
Wie verhinderst du effektiv das Schossen (vorzeitige Blütenbildung) im Frühjahr?
Schossen wird meist durch Kältereize im frühen Entwicklungsstadium ausgelöst. Verwende professionell wärmebehandeltes Pflanzgut, da die thermische Vorbehandlung die Blütenanlagen inaktiviert. Zudem solltest du mit dem Stecken warten, bis die Bodentemperaturen konstant über 8 °C liegen, um das Risiko von Spätfrost-Reizen zu minimieren.
Wie findest du auf farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis?
Nutze die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtere gezielt nach der Kultur Schalotte sowie dem Schaderreger Botrytis cinerea oder Botryotinia squamosa. Achte bei der Auswahl der gelisteten Pflanzenschutzmittel unbedingt auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximalen Anwendungen pro Saison und die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.