Gefleckter Kohltriebrüssler
Der Gefleckte Kohltriebrüssler (Ceutorhynchus pallidactylus, EPPO-Code: CEUTQU) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im Rapsanbau Mitteleuropas. Der kleine, rötlich-braun bis graubraun geschuppte Rüsselkäfer besiedelt im zeitigen Frühjahr vor allem Winterraps, ist aber auch an Sommerraps und anderen Kreuzblütlern zu finden. Seine wirtschaftliche Relevanz ergibt sich weniger aus dem Reifungsfraß der adulten Käfer, sondern primär aus dem Minierfraß der Larven in den Trieben und Blattstielen, was die Standfestigkeit und Nährstoffversorgung der Kulturen massiv beeinträchtigt.
Ein Befall führt nicht selten zu Sekundärinfektionen durch pilzliche Erreger wie Phoma lingam oder Verticillium, da die Einbohrlöcher und Fraßgänge ideale Eintrittspforten bieten. In Jahren mit starkem Auftreten und ausbleibender Regulierung kann der Schaderreger erhebliche Ertragseinbußen verursachen, insbesondere wenn die Kulturen durch Trockenheit oder Spätfröste zusätzlich gestresst sind.
Biologie / Lebenszyklus
Die adulten Käfer überwintern im Boden oder unter Laub in Waldrändern und Hecken. Sobald die Bodentemperaturen im Frühjahr etwa 5–7 °C und die Lufttemperaturen über 10–12 °C steigen (meist ab März), wandern sie in die Bestände ein. Nach einem mehrwöchigen Reifungsfraß an den Blättern legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt in die Blattstiele ab. Die schlüpfenden Larven minieren in den Blattstielen und wandern später in den Haupttrieb ein, wo sie das Mark zerstören. Nach Abschluss ihrer Entwicklung (meist im Juni) verlassen die Larven den Stängel, lassen sich zu Boden fallen und verpuppen sich im Erdreich, aus dem im Spätsommer die neue Käfergeneration schlüpft, die nach kurzem Fraß bald ihr Winterquartier aufsucht.
Bonitur
Das Monitoring beginnt im zeitigen Frühjahr (BBCH-Stadium 19 bis 30) mit dem Aufstellen von Gelbschalen, die mit einem Schutzgitter (zur Vermeidung von Beifang wie Hummeln) und etwas Netzmittel versehen sind. Die Gelbschalen solltest du regelmäßig, mindestens zweimal wöchentlich, kontrollieren. Als wirtschaftlicher Schadensschwellenwert gilt in Deutschland ein Fang von 15 bis 20 Käfern pro Gelbschale innerhalb von drei Tagen. Da der Zuflug oft zeitgleich mit dem Großen Rapsstängelrüssler erfolgt, ist eine genaue Artbestimmung wichtig, da die Bekämpfungsrichtwerte und der optimale Behandlungszeitpunkt variieren.
Symptome
Die ersten Symptome zeigen sich als winzige, weißlich umrandete Einstichstellen an den Blattstielen und jungen Trieben. Im weiteren Verlauf des Frühjahrs verfärben sich die betroffenen Blattstiele oft rötlich oder verkrümmen sich leicht. Das deutlichste Schadbild zeigt sich beim Aufschneiden der Stängel: Im Inneren des Haupttriebs sind braune Fraßgänge sichtbar, die mit Kot gefüllt sind und in denen die weißlichen, beinlosen Larven mit brauner Kopfkapsel fressen. Bei starkem Befall platzen die Stängel bei schnellem Wachstum oder Spätfrösten der Länge nach auf, und die Kulturen zeigen einen ungleichmäßigen, gestauchten Wuchs sowie vorzeitige Abreife.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Eine zügige Jugendentwicklung im Frühjahr durch eine ausgewogene Düngung hilft den Kulturen, den Larvenfraß besser zu tolerieren. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng nach dem Erreichen der Schadensschwellenwerte eingesetzt werden. Da in vielen Regionen bereits Resistenzen des Gefleckten Kohltriebrüsslers gegen Pyrethroide (IRAC-Klasse 3A) vorliegen, ist ein konsequentes Resistenzmanagement unerlässlich. Dies umfasst den gezielten Wechsel der Wirkstoffklassen, beispielsweise durch den Einsatz von zugelassenen Kombinationspräparaten oder alternativen Wirkstoffen (wie Neonicotinoiden/IRAC-Klasse 4A, sofern für die jeweilige Anwendung in den Kulturen zugelassen), um die Selektion resistenter Populationen zu verhindern.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich den Gefleckten Kohltriebrüssler optisch vom Großen Rapsstängelrüssler?
Der Gefleckte Kohltriebrüssler ist mit 2,5 bis 3,5 mm etwas kleiner als der Große Rapsstängelrüssler (3,5 bis 4 mm). Ein sicheres Erkennungsmerkmal ist der helle, weißliche Fleck auf der Rückenmitte (Schildchenbereich) hinter dem Halsschild sowie die rötlich gefärbten Fußglieder (Tarsen). Zudem fliegt er meist etwas später und bei geringfügig höheren Temperaturen in deine Bestände ein als sein größerer Verwandter.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel?
Die Behandlung solltest du nicht sofort bei den ersten Fängen durchführen, sondern etwa 10 bis 14 Tage nach dem Hauptzuflug (Überschreiten des Schadensschwellenwertes in der Gelbschale). Dieser Zeitraum ist entscheidend, da die Weibchen erst nach einem Reifungsfraß mit der Eiablage beginnen. Ziel deiner Anwendung ist es, die adulten Käfer vor der Eiablage zu erfassen, da die Larven im Inneren des Stängels nicht mehr chemisch bekämpft werden können.
Welche Rolle spielen Mischpopulationen mit dem Großen Rapsstängelrüssler für meine Entscheidung?
Sehr oft treten beide Rüsslerarten gemeinsam auf. Da der Große Rapsstängelrüssler seine Eier bereits kurz nach dem Zuflug ablegt, bestimmt er bei gleichzeitigem Auftreten den Spritztermin. Wenn du in deinen Gelbschalen beide Arten fängst und der Schwellenwert des Großen Rapsstängelrüsslers (5 Käfer in 3 Tagen) erreicht ist, musst du die Behandlung vorziehen, um dessen Eiablage zu verhindern. Der Gefleckte Kohltriebrüssler wird dann meist miterfasst.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Navigiere im Hub einfach in den Bereich für Pflanzenschutzmittel und filtere nach deiner Kultur (z. B. Winterraps) und dem Schaderreger 'Gefleckter Kohltriebrüssler' (oder nutze den EPPO-Code CEUTQU). Dort siehst du alle aktuell in deinem Land zugelassenen Produkte inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen, BBCH-Stadien und der einzuhaltenden Wartezeit.
Warum ist die Bekämpfung dieses Schädlings so wichtig für die Fußkrankheiten der Kulturen?
Die Larven fressen sich durch das Mark des Stängels und hinterlassen Fraßgänge und Austrittslöcher. Diese mechanischen Verletzungen zerstören die natürliche Barriere der Kultur. Sie dienen als ideale Eintrittspforten für wirtschaftlich verheerende Pilzkrankheiten wie die Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam) oder Verticillium-Welke. Eine effektive Rüsslerregulierung ist daher immer auch indirekte Prophylaxe gegen Pilzinfektionen.
Welchen Einfluss hat die Platzierung der Gelbschale auf die Zuverlässigkeit deines Monitorings?
Um repräsentative Fangzahlen zu erhalten, solltest du die Gelbschalen nicht direkt am Feldrand unter Bäumen oder Hecken aufstellen, sondern mindestens 10 bis 20 Meter im Bestandsinneren. Stelle die Schalen im zeitigen Frühjahr zunächst auf den Boden und passe ihre Höhe wöchentlich an das Wachstum deiner Kulturen an, sodass sie sich immer auf Höhe der Pflanzenoberfläche (Bestandshöhe) befinden. Vergiss nicht, nach jedem Frost oder Starkregen die Schalen zu kontrollieren und das Wasser-Spülmittel-Gemisch zu erneuern.