Dill
Dill (Anethum graveolens, EPPO-Code: AFEGR) ist eine einjährige, krautige Kultur aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), die im mitteleuropäischen Raum sowohl für die Frischmarktbelieferung als auch für die Konservenindustrie und die pharmazeutische Verwertung angebaut wird. Die Kultur stellt aufgrund ihrer schnellen Jugendentwicklung und der kurzen Vegetationszeit eine wertvolle Bereicherung für spezialisierte Gemüsebaubetriebe dar, erfordert jedoch eine präzise Steuerung der Aussaatfolgen, um eine kontinuierliche Marktbelieferung zu gewährleisten.
Je nach Verwendungszweck unterscheidet sich die Erntetechnologie erheblich: Während für die Frischmarkt- und Bundwarenernte junge, blattreiche Bestände vor der Blütenbildung mechanisch oder manuell geschnitten werden, erfolgt die Ernte für die Konservenindustrie meist im fortgeschrittenen BBCH-Stadium der beginnenden Blüte. Da die Kultur empfindlich auf Trockenstress und Staunässe reagiert, ist eine gleichmäßige Wasserversorgung über die gesamte Vegetationsperiode hinweg für hohe Qualitäten und Erträge unerlässlich.
Bodenmanagement
Dill bevorzugt tiefgründige, humose und gut strukturierte Böden mit einer gleichmäßigen Wasserführung, da die Kultur empfindlich auf Verschlämmung und Krustenbildung reagiert. Ein feinkrümeliges Saatbett ist für den gleichmäßigen Feldaufgang der feinen Samen essenziell. Da Dill zu den Schwach- bis Mittelzehrern gehört, sollte die Stickstoffdüngung moderat ausfallen (ca. 80–100 kg N/ha inklusive Boden-Nmin), um ein übermäßiges vegetatives Wachstum und damit einhergehende Lagerneigung sowie erhöhte Krankheitsanfälligkeit zu vermeiden. Eine organische Düngung direkt zur Kultur ist zu vermeiden, da sie den Befall mit bodenbürtigen Schaderregern fördern kann; stattdessen ist eine Einordnung nach einer gut tragenden Vorfrucht ideal. Zur Vermeidung von Fruchtfolgekrankheiten ist eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren zu anderen Doldenblütlern zwingend einzuhalten.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz stellt die Unkrautregulierung in der langsamen Jugendphase des Dills die größte Herausforderung dar, weshalb der Einsatz von Vorauflauf-Herbiziden oder präzise mechanische Hackarbeit unerlässlich sind. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören der Echte Mehltau und die Blatt- und Doldenbräune (Alternaria spp.), welche durch weite Reihenabstände und eine bedarfsgerechte Beregnung eingedämmt werden können. Unter den tierischen Schädlingen treten vor allem die Gierschblattlaus als Vektor für Virosen sowie die Möhrenfliege ertragsmindernd auf. Ein konsequentes Monitoring ab dem Auflaufen und der gezielte Einsatz von Nützlingen oder zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sichern die optische Qualität der Frischware. Bei späten Anwendungen ist stets die gesetzliche Wartezeit einzuhalten, um Rückstände im Erntegut sicher auszuschließen.
Sorten
Sari
MittelfrühSehr hoher Ertrag an Frischmasse durch dichte Blattfülle.
Resistent gegen: Echter Mehltau
Anfällig für: Doldenbrand
Sehr blattreiche, dunkelgrüne Sorte mit spätem Schossverhalten, ideal für den Frischmarkt und die Topfkultur.
Tetra
SpätHoher Ertrag an Blattmasse, hervorragend geeignet für den mehrmaligen Schnitt.
Anfällig für: Staunässe
Tetraploide Sorte mit dicken, hocharomatischen Blättern und sehr hoher Standfestigkeit; schosst sehr spät.
Hera
Früh bis mittelfrühKonstant hohe Erträge im Freilandanbau.
Anfällig für: Alternaria-Blattbräune
Aufrecht wachsende Sorte mit feinem, blaugrünem Laub, die sich hervorragend für die maschinelle Ernte und Bundware eignet.
Mammut
MittelfrühSehr ertragreich sowohl bei der Kraut- als auch bei der Doldenernte.
Anfällig für: Fusarium-Welke
Wüchsige Sorte mit starker Verzweigung und hohem Gehalt an ätherischen Ölen, sehr beliebt in der Konservenindustrie.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie verhinderst du das vorzeitige Schossen bei Dill?
Das Schossen (die vorzeitige Blütenbildung) wird maßgeblich durch Langtagbedingungen, hohe Temperaturen und Trockenstress induziert. Um eine lange vegetative Phase für die Frischmarkternte zu sichern, solltest du schossfeste Sorten wählen, für eine lückenlose Wasserversorgung sorgen und in den heißen Sommermonaten Sätze in kürzeren Abständen von 2 bis 3 Wochen säen.
Welche Herbizidstrategie ist bei Dill im Vorauflauf besonders effektiv?
Da die Kultur in der Jugendphase sehr langsam wächst und empfindlich auf Unkrautkonkurrenz reagiert, ist eine Vorauflaufbehandlung kurz nach der Saat entscheidend. Du kannst zugelassene Pflanzenschutzmittel mit Wirkstoffen wie Pendimethalin einsetzen, um Leitunkräuter wie Einjähriges Rispengras (Poa annua) oder Gemeines Greiskraut (Senecio vulgaris) frühzeitig zu unterdrücken. Beachte dabei stets die aktuellen Zulassungsbestimmungen und Aufwandmengen.
Wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt für die Konservenindustrie?
Für die Konservenindustrie (Schnitt- und Gurkenkraut) wird die Kultur im Stadium der beginnenden Blüte (BBCH 61 bis 65) geerntet. Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an charakteristischen Aromastoffen (insbesondere Carvon) in den Dolden am höchsten, was dem Erntegut das typische, intensive Aroma verleiht.
Warum ist die Einhaltung der Fruchtfolge bei dieser Kultur so kritisch?
Als Doldenblütler ist Dill stark gefährdet durch bodenbürtige Schaderreger wie Fusarium-Arten, Pythium und Nematoden. Wenn du die Kultur zu häufig auf derselben Fläche anbaust, kommt es schnell zu Bodenmüdigkeit und Totalausfällen durch Umfallkrankheiten. Halte daher eine strikte Anbaupause von mindestens 4 Jahren zu anderen Apiaceen wie Möhren, Sellerie oder Petersilie ein.
Wie schützt du deinen Bestand effektiv vor der Möhrenfliege?
Die Möhrenfliege (Psila rosae) legt ihre Eier im bodennahen Bereich ab, woraufhin die Larven die Wurzeln schädigen. Da chemische Pflanzenschutzmittel im Dill nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen, solltest du feinmaschige Kulturschutznetze (Maschenweite maximal 1,35 mm) direkt nach der Aussaat auflegen und windoffene Lagen für den Anbau wählen.
Wie findest du im Agronomie-Hub die passenden Pflanzenschutzmittel für Dill?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Dill' sowie dem spezifischen Schaderreger. Achte darauf, die Indikationszulassungen für den Freiland- oder Gewächshausanbau abzugleichen, da sich die zugelassenen Anwendungen, Aufwandmengen und die einzuhaltende Wartezeit je nach Anbausystem erheblich unterscheiden.