Porree
Porree (Allium porrum, EPPO-Code: ALLPO), in vielen Regionen auch als Lauch bezeichnet, ist eine zweijährige Kultur aus der Familie der Amaryllisgewächse, die im mitteleuropäischen Raum eine herausragende Rolle im ganzjährigen Gemüsebau einnimmt. Durch die gezielte Staffelung in Sommer-, Herbst- und winterharte Sorten kann die Kultur fast lückenlos frisch geerntet werden. Die Pflanzen zeichnen sich durch ihren charakteristischen, pseudostängelbildenden Wuchs aus, bei dem die ineinandergeschachtelten Blattscheiden den begehrten weißen Schaft formen.
Botanisch gesehen verlangt die Kultur eine präzise Steuerung der Nährstoff- und Wasserzufuhr, um gleichmäßige Schaftlängen und hohe Marktqualitäten zu erzielen. Während Sommerporree auf schnelles Wachstum und frühe Ernte selektiert ist, weisen Wintertypen eine ausgeprägte Frosttoleranz und eine dunklere, blaugrüne Laubfärbung auf. Der Anbau erfordert aufgrund der langen Standzeit im Feld ein hohes Maß an pflanzenbaulicher Sorgfalt, insbesondere im Hinblick auf die Unkrautregulierung und das Krankheitsmanagement.
Bodenmanagement
Porree stellt hohe Ansprüche an den Boden und bevorzugt tiefgründige, humose und nährstoffreiche Lehm- oder Sandlehmböden mit guter Wasserführung. Da die Kultur sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, ist eine tief lockere Krume essenziell für ein ungestörtes Wurzelwachstum und lange, gerade Schäfte. Eine gleichmäßige Wasserversorgung über die gesamte Vegetationsperiode ist entscheidend, da Trockenstress sofort zu Wachstumsstockungen und zähem Gewebe führt. Die Düngung sollte auf Basis von Bodenanalysen erfolgen, wobei Lauch als Starkzehrer insbesondere im Hauptwachstum (BBCH 30–49) einen hohen Stickstoff- und Kaliumbedarf aufweist. Organische Düngung im Vorjahr oder eine gut verrottete Kompostgabe vor dem Pflanzen fördern das Bodenleben und die Bodenstruktur nachhaltig.
Schaderreger-Management
Das Pflanzenschutzmanagement im Lauchbau wird maßgeblich durch tierische Schädlinge wie Thripse (Thrips tabaci) und die Lauchminierfliege sowie pilzliche Schaderreger geprägt. Gegen den weit verbreiteten Porreerost (Puccinia allii) und die Papierfleckenkrankheit (Phytophthora porri) müssen rechtzeitige Behandlungen mit zugelassenen Fungiziden eingeplant werden, insbesondere bei feucht-warmer Witterung im Spätsommer. Da Lauch in der Jugendphase eine sehr langsame Jugendentwicklung aufweist, ist eine konsequente Unkrautregulierung ab dem Pflanzen unverzichtbar. Hierbei kommen sowohl mechanische Verfahren wie Hacken und Striegeln als auch selektive Herbizide gegen Leitunkräuter wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) oder den Zurückgebogenen Amarant (Amaranthus retroflexus) zum Einsatz. Ein konsequenter Fruchtwechsel von mindestens 4–5 Jahren zu anderen Allium-Arten ist zur Vermeidung von bodenbürtigen Erregern wie Rhizoctonia solani zwingend einzuhalten.
Sorten
Krypton
Mittelfrüh (Sommer- und Herbstanzucht)Sehr hoch und gleichmäßig, hoher Anteil an Sortierung Klasse I.
Resistent gegen: Gelbstreifigkeit
Anfällig für: Thripse, Porreerost
Sehr bewährte, ertragsstarke Standardsorte für den Sommer- und frühen Herbstanbau. Zeigt einen sehr aufrechten Wuchs, was die mechanische Unkrautbekämpfung erleichtert.
Pluston
Spät (Winterporree)Konstant hohe Erträge auch unter schwierigen Winterbedingungen.
Resistent gegen: Frost, Papierfleckenkrankheit
Anfällig für: Thripse
Hervorragende Wintersorte mit sehr hoher Frosthärte und dunkelblaugrünem Laub. Kann den gesamten Winter über auf dem Feld verbleiben und nach Bedarf geerntet werden.
Belton
Mittelspät (Herbstporree)Sehr hohes Ertragspotenzial bei optimaler Stickstoffversorgung.
Resistent gegen: Porreerost
Anfällig für: Thripse, Papierfleckenkrankheit
Wüchsige Hybride für die Herbsternte mit langem, weißem Schaft und einfacher Putzbarkeit. Sehr aufrechter Habitus minimiert den Befall mit bodennahen Pilzkrankheiten.
Farinto
Sehr spät (Winterporree)Mittelhoher, aber extrem sicherer Ertrag im späten Wintersegment.
Resistent gegen: Frost, Gelbstreifigkeit
Anfällig für: Papierfleckenkrankheit, Thripse
Samenfeste, traditionelle und extrem frostharte Sorte für die späte Winterernte bis in das Frühjahr hinein. Langsames, aber stetiges Wachstum mit sehr kompakter Schaftbildung.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich der Befall durch die Lauchminierfliege (Napomyza gymnostoma) ohne chemischen Pflanzenschutz effektiv minimieren?
Der Einsatz von engmaschigen Insektenschutznetzen mit einer Maschenweite von maximal 0,8 mm direkt nach dem Pflanzen bzw. vor Beginn des Hauptfluges im Frühjahr (März bis April) und Herbst (August bis September) ist die wirksamste mechanische Maßnahme. Die Netze müssen lückenlos am Boden verankert werden, um das Eindringen der Fliegen zur Eiablage an den Blattscheiden zuverlässig zu verhindern.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Herbizidmaßnahmen im Porree?
In der sehr empfindlichen Phase zwischen BBCH 11 (Entwicklung des ersten Laubblattes) und BBCH 13 reagiert die Kultur empfindlich auf Kontaktherbizide. Splitting-Anwendungen von Bodenherbiziden sollten daher bevorzugt in Phasen mit gut ausgebildeter Wachsschicht ab BBCH 13 bis 14 und nach einer Phase mit Sonnenschein durchgeführt werden, um Selektivitätsschäden zu vermeiden.
Wie kann man die Ausbildung eines möglichst langen, weißen Schafts pflanzenbaulich fördern?
Neben der Sortenwahl ist das tiefe Pflanzen der Jungpflanzen in ca. 10–15 cm tiefe Furchen entscheidend. Durch sukzessives Anhäufeln der Erde während des Dickenwachstums ab BBCH 35 wird der Schaft vor Licht geschützt, was die Chlorophyllbildung verhindert und den wertvollen weißen Schaftanteil signifikant verlängert.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Porreerost?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur „Porree“ und dem Schaderreger „Porreerost“ (Puccinia allii). Die Datenbank listet Ihnen alle aktuell vom BVL zugelassenen Fungizide inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und der einzuhaltenden Wartezeiten auf.
Warum ist die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge im Lauchbau so kritisch für das Management von Rhizoctonia solani?
Der Pilz Rhizoctonia solani besitzt einen extrem weiten Wirtskreis und bildet langlebige Dauerkörper (Sklerotien) im Boden. Da Porree über viele Monate auf dem Feld steht, können sich die Erreger im Boden stark anreichen; eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren zu anderen anfälligen Kulturen wie Kartoffeln oder Rüben ist daher zwingend erforderlich, um Umfallkrankheiten und Schaftfäule vorzubeugen.