Uromyces sp.
Die Rostpilze der Gattung Uromyces (wissenschaftlicher Name: Uromyces sp., EPPO-Code: UROMSP) stellen eine bedeutende Gruppe von Schaderregern dar, die insbesondere großkörnige Leguminosen wie Ackerbohnen (Vicia faba) und Lupinen (Lupinus sp.) befallen. Diese obligat biotrophen Pilze sind weltweit verbreitet und können bei starkem Befall erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen, da sie die photosynthetisch aktive Blattfläche drastisch reduzieren.
In Mitteleuropa tritt der Schaderreger vor allem in warmen, feuchten Sommern epidemisch auf. Die wirtschaftliche Relevanz ist hoch, da ein früher Befall zu vorzeitiger Entblätterung, verminderter Tausendkornmasse (TKM) und im schlimmsten Fall zum Totalausfall der betroffenen Kulturen führen kann. Besonders im ökologischen Landbau sowie im integrierten Anbau erfordert das Auftreten von Uromyces sp. eine vorausschauende Anbauplanung und gezielte Kontrollen.
Biologie / Lebenszyklus
Uromyces sp. überwintert meist als widerstandsfähige Teleutospore auf Pflanzenresten im Boden oder an Wildleguminosen. Im Frühjahr keimen diese Sporen aus und bilden Basidiosporen, die durch Wind und Regenspritzer auf die jungen Kulturen übertragen werden. Nach der Primärinfektion entwickeln sich auf den Blättern Uredolager, die massenhaft Uredosporen freisetzen; diese sorgen während der Vegetationsperiode für eine rasche, mehrfache Sekundärinfektion im Bestand. Gegen Ende der Saison bilden sich in den Lagern die dunklen, dickwandigen Teleutosporen aus, die den Lebenszyklus schließen und die Überwinterung sichern.
Bonitur
Das Monitoring sollte ab dem Beginn der Knospenbildung (BBCH 51) bis zur Hülsenentwicklung (BBCH 79) intensiviert werden. Du solltest wöchentlich mindestens 20 Pflanzen an verschiedenen Stellen im Schlag auf erste Symptome an den unteren und mittleren Blättern kontrollieren. Eine gezielte Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel wird empfohlen, sobald erste Uredolager (rostbraune Pusteln) auf mehr als 5 bis 10 % der kontrollierten Blätter sichtbar werden, insbesondere wenn warme Temperaturen (18–25 °C) und hohe Luftfeuchtigkeit oder Taubildung vorhergesagt sind.
Symptome
Typisch für einen Befall sind stecknadelkopfgroße, zunächst gelbliche, später rostbraune bis zimtbraune Pusteln (Uredolager) auf den Blattober- und -unterseiten sowie an den Stängeln. Diese Pusteln reißen im weiteren Verlauf auf und setzen ein staubiges, braunes Sporenpulver frei. Bei starkem Befall fließen die Pusteln zusammen, die Blätter vergilben vorzeitig, vertrocknen und fallen ab. Gegen Ende der Vegetationsperiode wandeln sich die Pusteln in dunkelbraune bis schwarze, feste Lager (Teleutolager) um.
Integriertes Management
Eine erfolgreiche Regulierung basiert auf einer integrierten Strategie. Kulturtechnische Maßnahmen wie die Einhaltung weiter Fruchtfolgen (mindestens 3–4 Jahre Anbaupause für Leguminosen), das tiefe Unterpflügen von Ernterückständen und die Wahl widerstandsfähiger Sorten mindern das Ausgangsinokulum erheblich. Chemischer Pflanzenschutz sollte restriktiv und termingerecht erfolgen; beim Einsatz von Fungiziden ist ein konsequentes Resistenzmanagement nach den Vorgaben des FRAC zwingend erforderlich. Hierbei müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (z. B. Triazole und Strobilurine) abgewechselt oder als Kombinationspartner eingesetzt werden, um einer Resistenzbildung des Schaderregers vorzubeugen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Du kannst im Hub gezielt nach der jeweiligen Kultur (z. B. Ackerbohne) und dem Schaderreger "Uromyces sp." filtern. Achte darauf, die aktuelle Zulassungssituation, die spezifischen Anwendungsbestimmungen des BVL für deine Region sowie die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte zu prüfen.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung beim Befall mit Uromyces-Arten?
Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung fördert ein üppiges, weiches Blattgewebe und verlängert die vegetative Phase der Kultur. Dies schafft ein dichtes, feuchtes Mikroklima im Bestand, das die Keimung der Sporen begünstigt und den Befallsdruck drastisch erhöht.
Kann der Pilz auch über das Saatgut übertragen werden?
Nein, Uromyces sp. wird in der Regel nicht systemisch über das Saatgut übertragen. Die Infektion erfolgt primär über windverdriftete Sporen von infizierten Ernterückständen im Boden oder von nahegelegenen Wildleguminosen. Die Verwendung von zertifiziertem Saatgut ist dennoch für die allgemeine Bestandsgesundheit ratsam.
Wie beeinflusst die Beregnung das Risiko einer Epidemie?
Eine zusätzliche Beregnung in den Abendstunden verlängert die Blattfeuchtedauer erheblich. Da die Sporen von Uromyces sp. für die Keimung und Infektion mehrere Stunden freies Wasser auf dem Blatt benötigen, solltest du eine Beregnung bevorzugt in den frühen Morgenstunden durchführen, damit die Kultur schnell abtrocknen kann.
Gibt es biologische Pflanzenschutzmittel, die ich im Bio-Anbau nutzen kann?
Im ökologischen Landbau stehen nur begrenzte direkte Maßnahmen zur Verfügung. Bestimmte Kupferpräparate oder Schwefelanwendungen besitzen eine teilwirkende Nebenwirkung gegen Rostpilze, müssen jedoch vorbeugend ausgebracht werden. Der Fokus muss hier zwingend auf vorbeugenden kulturtechnischen Maßnahmen und der Sortenwahl liegen.
Ab welchem BBCH-Stadium ist eine Fungizidbehandlung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll?
Sobald die Kultur das Stadium der Vollreife (ab BBCH 81–85) erreicht hat, bringt eine Fungizidbehandlung keinen wirtschaftlichen Mehrwert mehr. Zu diesem Zeitpunkt ist die Ertragsbildung weitgehend abgeschlossen, und die einzuhaltende Wartezeit des Pflanzenschutzmittels verhindert ohnehin eine späte Anwendung vor der Ernte.