Lupine-Arten
Die Lupine-Arten (Lupinus sp., EPPO-Code: LUPSS) gewinnen als heimische, eiweißreiche Körnerleguminosen in der europäischen Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Als wertvolle Glieder in der Fruchtfolge zeichnen sie sich durch ihre Fähigkeit aus, über eine Symbiose mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff zu binden, wodurch nachfolgende Kulturen erheblich profitieren. Im mitteleuropäischen Anbau differenziert man primär zwischen der Schmalblättrigen (Blauen), der Weißen und der Gelben Lupine, die jeweils spezifische Standortansprüche besitzen.
Neben der hervorragenden Vorfruchtwirkung und der tiefreichenden Pfahlwurzel, die zur biologischen Bodenlockerung beiträgt, stellt die Kultur hohe Anforderungen an das Management von Schaderregern. Insbesondere pilzliche Erreger wie die Anthraknose (Colletotrichum) sowie Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) und der Gemeine Windhalm (Apera spica-venti) erfordern eine vorausschauende Anbaustrategie. Eine sorgfältige Standortwahl und angepasste Pflanzenschutzmaßnahmen sichern stabile Erträge und hohe Proteinqualitäten.
Bodenmanagement
Lupinen stellen spezifische Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und reagieren empfindlich auf freie Kalkgehalte sowie Staunässe. Während die Blaue Lupine leichte bis mittlere, sandige Lehmböden mit saurem bis schwach saurem pH-Wert bevorzugt, toleriert die Weiße Lupine auch schwerere, neutralere Standorte. Eine tiefe Bodenlockerung ist essenziell, um der kräftigen Pfahlwurzel ein ungehindertes Wachstum zu ermöglichen und Verdichtungen vorzubeugen. Auf Flächen, auf denen zuvor keine Lupinen angebaut wurden, ist eine Impfung des Saatguts mit spezifischen Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium lupini) zwingend erforderlich, um die Stickstofffixierung zu sichern. Eine sorgfältige Saatbettbereitung sorgt für einen gleichmäßigen Feldaufgang und stärkt die Konkurrenzkraft der Kultur gegenüber Unkräutern.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei Lupinen-Arten konzentriert sich maßgeblich auf die Prävention und Bekämpfung der Anthraknose (Colletotrichum), die als ertragsbegrenzender Hauptschaderreger gilt. Neben der Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut und toleranten Sorten ist die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Gegen auflaufende Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) und das Einjährige Rispengras (Poa annua) müssen mechanische Maßnahmen (Striegeln, Hacken) oder zugelassene Pflanzenschutzmittel im Vor- oder frühen Nachauflauf gezielt eingesetzt werden. Bei feucht-warmer Witterung während der Blüte steigt zudem das Risiko für Sclerotinia-Stängelfäule (Sclerotinia sclerotiorum) und Lupinenrost (Uromyces sp.), weshalb Bestände regelmäßig bonitiert und bei Bedarf fungizid behandelt werden sollten.
Sorten
Boregine
mittelspätHoch und ertragsstabil (ca. 25–35 dt/ha)
Resistent gegen: Welkekrankheiten
Anfällig für: Anthraknose
Sehr bewährte, verzweigende Sorte der Blauen Süßlupine mit hoher Standfestigkeit und guter Unkrautunterdrückung.
Frieda
mittelfrüh bis mittelspätSehr hohes Ertragspotenzial (ca. 30–45 dt/ha)
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Spätfröste
Moderne Sorte der Weißen Lupine mit verbesserter Toleranz gegenüber Anthraknose und hohem Rohproteingehalt.
Celina
mittelfrühÜberdurchschnittlich hoch (ca. 32–42 dt/ha)
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Sclerotinia
Kompakter Wuchs, gute Standfestigkeit und zügige Jugendentwicklung. Sehr gut für den Humanernährungsbereich geeignet.
KWS Belmondo
mittelfrühGute, sehr homogene Erträge (ca. 22–32 dt/ha)
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Anthraknose, Trockenstress
Endständiger (determiniertes Wachstum) Typ der Blauen Süßlupine, reift sehr gleichmäßig ab und erleichtert den Drusch erheblich.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Saatgutimpfung bei Lupinen so kritisch und wie wird sie durchgeführt?
Lupinen leben in Symbiose mit dem Bakterium Bradyrhizobium lupini, das in den meisten mitteleuropäischen Böden nicht natürlich vorkommt. Ohne Impfung bleibt die Stickstofffixierung aus, was zu Kümmerwuchs und massiven Ertragseinbußen führt. Das Saatgut muss unmittelbar vor der Aussaat mit einem flüssigen oder torfbasierten Impfmittel gleichmäßig benetzt und vor direkter UV-Strahlung geschützt werden, da die Bakterien extrem lichtempfindlich sind.
Wie lässt sich das Risiko einer Anthraknose-Infektion im praktischen Anbau minimieren?
Die Anthraknose (Colletotrichum) wird primär über das Saatgut übertragen. Die wichtigste Maßnahme ist daher die Verwendung von zertifiziertem, amtlich geprüftem Z-Saatgut mit nachgewiesener Freiheit vom Erreger. Zudem sollten tolerante Sorten (insbesondere bei der Weißen Lupine) gewählt, weite Anbaupausen von mindestens 4 Jahren eingehalten und Standorte mit hoher Luftfeuchtigkeit oder Nebellagen gemieden werden.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Striegel und Hacke zur Unkrautregulierung?
Der Blindstriegel kann ca. 5 bis 8 Tage nach der Saat im Vorauflauf eingesetzt werden. Nach dem Auflaufen ist das Striegeln ab dem 2-Laubblatt-Stadium (BBCH 12) bis zum Erreichen einer Wuchshöhe von ca. 8 cm möglich, wobei in den Mittagsstunden bei schlaffem Zellturgor gearbeitet werden sollte, um Pflanzenverluste zu minimieren. Das Hacken zwischen den Reihen erfolgt ab BBCH 13 bis zum Reihenschluss.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Ungräser in Lupinen?
Navigieren Sie im Hub zum Bereich „Pflanzenschutzmittel“ und filtern Sie nach der Kultur „Lupine-Arten“ (LUPSS). Wählen Sie anschließend den spezifischen Schaderreger wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder das Einjährige Rispengras (Poa annua), um alle aktuell in Ihrer Region zugelassenen Herbizide inklusive Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten (PHI) übersichtlich anzeigen zu lassen.
Welche Rolle spielt der pH-Wert des Bodens bei der Auswahl der Lupinen-Art?
Der pH-Wert ist ein entscheidendes Ausschlusskriterium: Die Blaue Lupine (Lupinus angustifolius) verträgt keine kalkreichen Böden und reagiert ab einem pH-Wert von über 6,8 mit Kalkchlorose (Eisenmangel). Die Gelbe Lupine ist noch empfindlicher und benötigt saure Sandböden (pH 5,0 bis 6,0). Die Weiße Lupine (Lupinus albus) hingegen besitzt eine höhere Kalktoleranz und gedeiht auch auf neutralen bis schwach alkalischen Böden (pH bis 7,2) hervorragend.