Blattgemüse und frische Kräuter
Die BVL-Kulturgruppe „Blattgemüse und frische Kräuter“ (Code: NNNVK) fasst eine Reihe von schnellwachsenden, krautigen Kulturen zusammen, die primär für den Frischverzehr ihrer oberirdischen Pflanzenteile angebaut werden. Zu dieser Gruppe gehören neben dem klassischen Blattgemüse auch frische Kräuter sowie Spezialkulturen wie Kresse (Lepidium sativum) und Brunnenkresse (Nasturtium sp.). Die Zusammenfassung dieser Kulturen im Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel ist hochgradig praxisrelevant, da sie trotz botanischer Unterschiede sehr ähnliche Anbauverfahren, kurze Entwicklungszyklen und vergleichbare Rückstandsprofile aufweisen.
Durch die Bündelung in dieser Gruppe können Zulassungsbehörden wie das BVL Pflanzenschutzmittel für die gesamte Gruppe oder definierte Untergruppen zulassen. Dies erleichtert den Anbauern den Zugang zu wirksamen Präparaten, da für Nischenkulturen wie Brunnenkresse oft keine wirtschaftlich tragfähigen Einzelzulassungen beantragt würden. Gleichzeitig stellt diese Gruppierung hohe Anforderungen an das Rückstandsmanagement, da die Ernteprodukte meist direkt und ohne nennenswerte Verarbeitung in den Handel und auf den Teller der Verbraucher gelangen.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Im Pflanzenschutz dieser Kulturgruppe steht die Vorbeugung im Vordergrund, da optische Mängel an den Blättern direkt zur Unverkäuflichkeit der Ware führen. Ein dominierender Schaderreger ist der Grauschimmel (Botrytis cinerea), der besonders unter feucht-warmen Bedingungen im geschützten Anbau und Freiland rasch um sich greift. Die integrierte Bekämpfung setzt auf weite Pflanzabstände, optimierte Bewässerung (Vermeidung von Überkopfberegnung in den Abendstunden) und eine gezielte Sortenwahl. Da viele Kulturen dieser Gruppe extrem kurze Standzeiten haben, ist die strikte Einhaltung der Wartezeiten (PHI) essenziell. Chemische Behandlungen müssen präzise auf die BBCH-Stadien abgestimmt sein, um Rückstandsüberschreitungen sicher zu vermeiden. Ein konsequentes Resistenzmanagement nach den Richtlinien von FRAC, IRAC und HRAC ist in dieser Gruppe von herausragender Bedeutung. Aufgrund der häufigen, aufeinanderfolgenden Sätze im selben Betrieb besteht ein hoher Selektionsdruck auf Schaderreger. Du solltest Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (Mode of Action) konsequent abwechseln und biologische Pflanzenschutzmittel (z. B. auf Basis von Bacillus amyloliquefaciens gegen Botrytis) in die Spritzfolge integrieren. Dies schont nicht nur die chemischen Wirkstoffklassen, sondern hilft dir auch, die strengen Rückstandsvorgaben des Lebensmitteleinzelhandels bezüglich der Anzahl nachweisbarer Wirkstoffe einzuhalten.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkennst du, ob ein Pflanzenschutzmittel für die gesamte Gruppe oder nur für einzelne Kulturen wie Brunnenkresse zugelassen ist?
Achte bei der Recherche in der BVL-Datenbank oder auf unserem Portal genau auf den Zulassungstext. Ist die Anwendung für die übergeordnete Gruppe „Blattgemüse und frische Kräuter“ (NNNVK) registriert, darfst du das Pflanzenschutzmittel auf allen Mitgliedskulturen einsetzen. Oft gibt es jedoch Einschränkungen im Kleingedruckten oder spezifische Zulassungen, die explizit nur für „Blattgemüse“ oder „frische Kräuter“ gelten. Im Zweifel ist die Kulturbezeichnung auf dem Etikett rechtlich bindend.
Warum spielen die BBCH-Stadien bei der Applikation in dieser Kulturgruppe eine so kritische Rolle?
Da viele dieser Kulturen eine extrem kurze Vegetationsperiode von oft nur wenigen Wochen haben, verändert sich das BBCH-Stadium rasant. Späte Anwendungen kurz vor der Ernte bergen ein immenses Risiko für Rückstände. Viele Zulassungen begrenzen die Anwendung daher auf frühe BBCH-Stadien (z. B. vor dem Reihenschluss oder bis BBCH 19). Du musst den Entwicklungsstand täglich kontrollieren, um das Zeitfenster für eine zulassungskonforme Behandlung nicht zu verpassen.
Wie gestaltest du ein wirksames Resistenzmanagement gegen Botrytis cinerea bei aufeinanderfolgenden Sätzen?
Vermeide es unbedingt, in aufeinanderfolgenden Sätzen derselben Fläche oder desselben Gewächshauses Wirkstoffe aus derselben FRAC-Klasse (z. B. SDHI oder Strobilurine) einzusetzen. Nutze die kurzen Kulturzyklen, um zwischen den Sätzen mechanische Hygienemaßnahmen durchzuführen, und wechsle im Anbau konsequent zwischen chemisch-synthetischen Fungiziden und biologischen Präparaten (z. B. Hefestämme oder bakterielle Antagonisten), um den Selektionsdruck zu minimieren.
Was musst du bei der Applikationstechnik in dichten Beständen von Blattgemüse und Kräutern beachten?
Um Schaderreger im bodennahen Bereich oder auf den Blattunterseiten effektiv zu erfassen, ist eine hervorragende Benetzung erforderlich. Verwende feine bis mittelfeine Tropfenspektren, aber achte streng auf die Abdriftminderungsauflagen (z. B. 50 % oder 90 % abdriftmindernde Düsen). Eine angepasste Wassermenge (oft 400–600 l/ha) stellt sicher, dass der Spritzfilm auch die unteren Blattschichten erreicht, ohne dass die Brühe ungenutzt abtropft.
Welche kulturtechnischen Maßnahmen mindern den Infektionsdruck durch Pilze in geschützten Kräuteranlagen?
Die Steuerung des Mikroklimas ist dein wichtigstes Werkzeug. Sorge durch konsequentes Lüften (insbesondere in den Morgenstunden) für ein schnelles Abtrocknen der Bestände. Eine Tröpfchenbewässerung oder das Gießen von unten verhindert, dass das Laub benetzt wird, was Botrytis-Sporen die Keimgrundlage entzieht. Zudem solltest du Ernterückstände sofort und vollständig aus dem Gewächshaus entfernen, um Infektionsquellen für den Folgesatz zu eliminieren.