Zünsler- & Raupenfrei
Zünsler- & Raupenfrei von SUMITOMO CHEMICAL ist ein hochselektives, biologisches Pflanzenschutzmittel zur gezielten Regulierung von Schmetterlingsraupen in einer Vielzahl landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturen. Die flüssige Formulierung basiert auf dem natürlichen Bodenbakterium Bacillus thuringiensis subspecies kurstaki (Stamm ABTS-351). Das Produkt hat sich als fester Baustein im integrierten Pflanzenschutz sowie im ökologischen Anbau etabliert, da es gezielt gegen wirtschaftlich bedeutende Schaderreger wirkt, ohne die nützliche Entomofauna zu gefährden.
Das Anwendungsspektrum umfasst wichtige Kulturen im Wein-, Gemüse-, Obst- und Ackerbau. Durch die selektive Wirkung auf freifressende Schmetterlingsraupen, darunter Kohlweißlings-Arten, die Lauchmotte sowie den Einbindigen und Bekreuzten Traubenwickler, bietet das Mittel einen hocheffizienten Schutz direkt an der Kultur. Dank der sehr kurzen Wartezeiten von nur 1 bis 3 Tagen lässt sich die Behandlung flexibel und bedarfsgerecht bis kurz vor der Ernte einplanen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Bacillus thuringiensis subspecies kurstaki (Stamm ABTS-351) wirkt als reines Fraßgift und ist der IRAC-Gruppe 11A zugeordnet. Während der Sporenbildung produziert das Bakterium hochspezifische Kristallproteine (Delta-Endotoxine). Nach der Aufnahme durch die Larven werden diese Protoxine im stark alkalischen Milieu des Raupenmitteldarms gelöst und durch körpereigene Enzyme in ihre toxische Wirkform gespalten. Diese aktivierten Toxine binden an spezifische Rezeptoren der Darmwandzellen, was zur Porenbildung und Zerstörung der osmotischen Barriere führt. Die betroffenen Schaderreger stellen bereits wenige Stunden nach der Aufnahme die Nahrungsaufnahme ein, wodurch ein sofortiger Kultur- und Fraßschutz gewährleistet ist. Der eigentliche Zusammenbruch und das Absterben der Larven erfolgen nach wenigen Tagen.
Resistenzmanagement
Obwohl für Bacillus thuringiensis (IRAC-Gruppe 11A) im Freiland ein äußerst geringes Resistenzrisiko dokumentiert ist, erfordert ein nachhaltiges Pflanzenschutzmanagement vorbeugende Maßnahmen. Um die langfristige Wirksamkeit zu sichern, sollte Zünsler- & Raupenfrei im Rahmen einer integrierten Behandlungsstrategie im Wechsel mit anderen zugelassenen Insektiziden eingesetzt werden, die über einen alternativen Wirkungsmechanismus verfügen. Zudem empfiehlt sich die Kombination mit mechanischen und biologischen Maßnahmen wie dem Einsatz von Nützlingen.
Mischbarkeit & Tankmischung
Zünsler- & Raupenfrei ist mit vielen gängigen Fungiziden und Blattdüngern mischbar. Da die Stabilität der enthaltenen Proteinkristalle stark vom pH-Wert abhängt, sollte die Spritzbrühe einen pH-Wert im neutralen bis leicht sauren Bereich (pH 5,5 bis 7,0) aufweisen. Extrem alkalische Mischungspartner, wie beispielsweise Kupferpräparate oder kalkhaltige Düngemittel, können die Toxine vorzeitig inaktivieren und die Wirkung mindern. Vor der Ansetzung größerer Mengen wird stets eine physikalische Mischbarkeitsprüfung in einem Kleinbehälter empfohlen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Als biologisches Pflanzenschutzmittel zeichnet sich Zünsler- & Raupenfrei durch ein hervorragendes Umweltprofil aus. Es ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft und schont wichtige Nutzorganismen wie Raubmilben, Schlupfwespen und Florfliegen sowie Regenwürmer. Beim Ansetzen und Ausbringen der Spritzbrühe ist die standardmäßige persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Um Einträge in Oberflächengewässer durch Abdrift zu vermeiden, sind die länderspezifischen Abstandsauflagen und Anwendungsbestimmungen strikt einzuhalten.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Zwiebelgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Kernobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 1T |
| Steinobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 2T |
| Sprossgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Blattgemüse und frische Kräuter | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zwiebelgemüse | Lauchmotte | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Kohlgemüse | Kohlweißlings-Arten | — | 0.3 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Stielmus | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckermais | Maiszünsler | 11–99 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Fruchtgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Blattgemüse und frische Kräuter | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zwiebelgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ziergehölze | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.6 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | — | 1.5 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Sprossgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Stielmus | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Mais | Maiszünsler | — | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Zünsler- & Raupenfrei?
Die Behandlung sollte idealerweise direkt zum Schlupf der ersten Larven (L1- bis L3-Stadium) erfolgen. Da der Wirkstoff als Fraßgift aufgenommen werden muss, ist eine Applikation vor dem Einbohren der Schaderreger in die Stängel (z. B. beim Maiszünsler) oder in die Früchte entscheidend für den Bekämpfungserfolg.
Beeinflusst die UV-Strahlung die Wirksamkeit des Produkts auf der Kultur?
Ja, die enthaltenen bakteriellen Sporen und Proteinkristalle sind UV-empfindlich und werden durch intensives Sonnenlicht abgebaut. Um die Wirkungsdauer auf den Blättern zu maximieren, sollte die Anwendung in den späten Nachmittagsstunden oder bei bedecktem Himmel durchgeführt werden.
Kann Zünsler- & Raupenfrei im ökologischen Landbau eingesetzt werden?
Ja, da es sich um ein biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis eines natürlichen Bodenbakteriums handelt, ist der Wirkstoff für den ökologischen Landbau in Deutschland zugelassen. Bitte prüfen Sie vor der Anwendung die aktuelle Listung in der Betriebsmittelliste (z. B. FiBL-Liste).
Warum fressen die Raupen nach der Spritzung manchmal noch kurze Zeit weiter?
Nach der Aufnahme des Wirkstoffs tritt innerhalb weniger Stunden eine Lähmung des Verdauungstrakts und damit ein vollständiger Fraßstopp ein. Die Schaderreger sterben jedoch erst nach 2 bis 5 Tagen ab. Der Schutz der Kultur vor weiterem Fraßschaden ist somit sofort nach der Aufnahme gegeben, auch wenn die Larven noch kurzzeitig vital erscheinen.
Welche Rolle spielt der pH-Wert des Spritzwassers bei der Anwendung?
Der pH-Wert der Spritzbrühe sollte idealerweise zwischen 5,5 und 7,0 liegen. Ein alkalischer pH-Wert (über 8,0) im Tank kann die Proteinkristalle vorzeitig auflösen und inaktivieren, was die biologische Wirksamkeit nach der Ausbringung drastisch reduziert.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech weitere zugelassene Produkte gegen diese Schaderreger?
Nutzen Sie die Such- und Filtersysteme auf unserer Plattform. Sie können gezielt nach der gewünschten Kultur oder dem spezifischen Schaderreger (z. B. 'Maiszünsler') filtern, um eine vollständige Übersicht aller in Deutschland registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Anwendungsbestimmungen zu erhalten.