Dipel ES
Dipel ES ist ein hochselektives biologisches Pflanzenschutzmittel zur gezielten Regulierung von Schmetterlingsraupen in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Das auf dem natürlichen Bodenbakterium Bacillus thuringiensis subspecies kurstaki (Stamm ABTS-351) basierende Präparat ist als flüssige Formulierung besonders anwenderfreundlich und zeichnet sich durch eine hervorragende Haftung auf den Blattoberflächen aus. Es besetzt eine Schlüsselrolle im modernen, integrierten sowie ökologischen Pflanzenbau.
Das Wirkspektrum umfasst wichtige freifressende Schmetterlingsraupen, darunter wirtschaftlich bedeutende Schaderreger wie den Einbindigen und Bekreuzten Traubenwickler im Weinbau, den Maiszünsler im Ackerbau sowie verschiedene Kohlweißlings-Arten und die Lauchmotte im Gemüsebau. Da der Wirkstoff hochspezifisch auf den Verdauungstrakt von Schmetterlingslarven wirkt, bleiben nützliche Insekten und andere Nichtzielorganismen vollständig geschont.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die biologische Wirkung von Dipel ES beruht auf den von Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki während der Sporenbildung produzierten kristallinen Proteinen (Delta-Endotoxine). Nach der Aufnahme des Spritzbelags durch die fressenden Raupen werden diese Kristallproteine im stark alkalischen Milieu des Larvenmitteldarms gelöst und durch körpereigene Enzyme in ihre toxische Wirkform gespalten. Diese aktivierten Toxine binden an spezifische Rezeptoren der Darmwandzellen, was zur Porenbildung und Zerstörung der Zellmembranen führt. Die Folge ist ein sofortiger Fraßstopp innerhalb weniger Stunden nach der Aufnahme, gefolgt von einer Lähmung des Verdauungstrakts. Die Schädlinge sterben schließlich nach einigen Tagen ab. Gemäß der IRAC-Klassifizierung wird dieser Wirkungsmechanismus in die Gruppe 11 (Mikrobielle Disruptoren der Mitteldarmmembran) eingeordnet.
Resistenzmanagement
Obwohl für Bacillus thuringiensis (IRAC-Gruppe 11) im Freiland ein äußerst geringes Resistenzrisiko dokumentiert ist, erfordert ein nachhaltiges Pflanzenschutzmanagement eine konsequente Antiresistenzstrategie. Dipel ES sollte im Rahmen der Fruchtfolge und des Generationenwechsels der Schaderreger im Wechsel mit Insektiziden anderer Wirkstoffklassen angewendet werden. Zudem ist die Behandlung konsequent auf die empfindlichen, jungen Larvenstadien (L1 bis L2) auszurichten, um eine maximale Mortalitätsrate zu sichern und die Selektion widerstandsfähiger Individuen zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
Dipel ES ist mit einer Vielzahl gängiger Fungizide und Blattdünger mischbar. Da die Aktivierung der Bt-Toxine jedoch zwingend ein alkalisches Milieu im Darm der Raupe erfordert, dürfen im Tank keine stark alkalischen Mischungspartner (wie bestimmte Kupferpräparate oder stark basische Düngemittel) verwendet werden, da diese die Proteinkristalle vorzeitig inaktivieren können. Der pH-Wert der Spritzbrühe sollte idealerweise im neutralen bis leicht sauren Bereich (pH 5,5 bis 7,0) liegen. Um die Stabilität der Sporen und Toxine vor UV-Abbau zu schützen, empfiehlt sich die Applikation in den Abendstunden oder bei bedecktem Himmel.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Aus ökologischer Sicht zeichnet sich Dipel ES durch ein hervorragendes Sicherheitsprofil aus. Es ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft und schont wichtige Nützlinge wie Raubmilben, Schlupfwespen und räuberische Wanzen, was es zum idealen Partner für integrierte Pflanzenschutzprogramme macht. Beim Ansetzen der Spritzbrühe und der Anwendung sind die standardmäßigen Arbeitsschutzmaßnahmen einzuhalten, um Sensibilisierungen durch Aerosole zu vermeiden. Die in der Zulassung durch das BVL definierten Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen sind strikt zu beachten.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Fruchtgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Kohlgemüse | Kohlweißlings-Arten | — | 0.3 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Blattgemüse und frische Kräuter | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sprossgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zwiebelgemüse | Lauchmotte | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckermais | Maiszünsler | 11–99 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Zwiebelgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zwiebelgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ziergehölze | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.6 LITER_PER_HECTARE | — |
| Blattgemüse und frische Kräuter | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Einbindiger Traubenwickler, Bekreuzter Traubenwickler | — | 1.5 LITER_PER_HECTARE | 2T |
| Kernobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 1T |
| Sprossgemüse | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stielmus | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Mais | Maiszünsler | — | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stielmus | Freifressende Schmetterlingsraupen | 11–99 | 0.3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Steinobst | Freifressende Schmetterlingsraupen | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 2T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale BBCH-Anwendungszeitpunkt für Dipel ES gegen den Traubenwickler?
Die Behandlung sollte exakt zum Hauptschlupf der Larven erfolgen, meist ab dem BBCH-Stadium 53 (Gescheine sichtbar) bis hin zur Reife (BBCH 89). Da die Raupen den Wirkstoff aktiv fressen müssen, bevor sie sich in die Gescheine oder Beeren einbohren, ist ein Monitoring mittels Pheromonfallen zur Bestimmung des optimalen Termins unerlässlich.
Wie verhält sich Dipel ES bei plötzlichem Regen nach der Anwendung?
Nach dem vollständigen Antrocknen des Spritzbelags verfügt die Formulierung von Dipel ES über eine gute Regenbeständigkeit. Sollte jedoch innerhalb von 2 bis 3 Stunden nach der Applikation starker Regen einsetzen, wird empfohlen, die Behandlung zu wiederholen, da der Wirkstoffbelag auf den Blättern für eine ausreichende Fraßaufnahme erhalten bleiben muss.
Warum ist der pH-Wert des Wassers bei der Zubereitung der Spritzbrühe so wichtig?
Die Bt-Kristalle in Dipel ES aktivieren sich erst im alkalischen Milieu. Wenn das Spritzwasser im Tank einen pH-Wert von über 8,0 aufweist, kann diese Aktivierung bereits in der Spritzbrühe stattfinden, wodurch die Toxine instabil werden und ihre Wirkung verlieren. Ein pH-Wert zwischen 5,5 und 7,0 sichert die volle biologische Aktivität im Darm der Schädlinge.
Kann Dipel ES auch bei kühlen Temperaturen im Frühjahr eingesetzt werden?
Ja, die Wirksamkeit von Dipel ES ist nicht direkt temperaturabhängig. Allerdings müssen die Zielschädlinge aktiv fressen, um den Wirkstoff aufzunehmen. Bei sehr kühlen Temperaturen (unter 12 °C) ist die Fraßaktivität der Raupen stark reduziert, weshalb die Behandlung bevorzugt an warmen, aktiven Tagen durchgeführt werden sollte.
Wie kann ich im Portal prüfen, ob Dipel ES für meine spezifische Kultur zugelassen ist?
Nutzen Sie dazu die Filterfunktion auf agronomy.farmable.tech. Sie können gezielt nach Ihrer Kultur (z. B. Weinrebe oder Mais) filtern und sehen sofort alle für diese Kultur registrierten Anwendungen, die zulässigen Aufwandmengen sowie die spezifischen Wartezeiten für Dipel ES.