Langährige Quecke
Thinopyrum elongatum (EPPO-Code: AGREL), im deutschen Sprachraum meist als Pontische Quecke, Riesenquecke oder Langährige Quecke bezeichnet, ist ein ausdauerndes, tiefwurzelndes Süßgras mit hoher Toleranz gegenüber Trockenheit und Salzstress. Ursprünglich im eurasischen Raum beheimatet, gewinnt diese Kultur in Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung als mehrjährige Energiepflanze zur Biomasseerzeugung sowie für die landwirtschaftliche Nutzung auf ertragsschwachen, trockenen Standorten.
Durch ihr tiefreichendes Wurzelsystem kann die Kultur Wasser- und Nährstoffreserven erschließen, die für einjährige Kulturen unerreichbar sind. Sie liefert über mehrere Standjahre hinweg stabile Trockenmasseerträge bei vergleichsweise geringem Düngungs- und Pflanzenschutzaufwand. Zudem leistet sie einen wertvollen Beitrag zum Erosionsschutz und zur Humusakkumulation im Boden.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt geringe Ansprüche an den Boden, profitiert jedoch erheblich von einer sorgfältigen Saatbettbereitung. Da das Saatgut relativ klein ist, ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett für einen gleichmäßigen Feldaufgang entscheidend. Eine Saantiefe von 1–2 cm sollte nicht überschritten werden. Nach der Aussaat empfiehlt sich das Anwalzen, um den Bodenschluss zu sichern. Aufgrund der Mehrjährigkeit der Kultur ist eine gute Grundnährstoffversorgung vor der Etablierung ratsam, wobei in den Folgejahren moderate Stickstoffgaben im Frühjahr die Biomassebildung effizient unterstützen.
Schaderreger-Management
In der Etablierungsphase ist die Kultur konkurrenzschwach gegenüber auflaufenden Unkräutern. Hier ist eine mechanische Unkrautregulierung oder der gezielte Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel im frühen BBCH-Stadium wichtig, um Schaderreger wie Windhalm (Apera spica-venti) oder Klatschmohn (Papaver rhoeas) zu unterdrücken. Einmal etabliert, bildet der dichte Bestand ein hervorragendes Unterdrückungsvermögen aus. Krankheiten und tierische Schädlinge spielen im Vergleich zum klassischen Getreideanbau eine untergeordnete Rolle, gelegentlich kann jedoch Rostpilzbefall auftreten, der bei extrem starkem Druck eine Behandlung erfordert.
Sorten
Szarvasi-1
mittelspätSehr hoher Ertrag (bis zu 15 t/ha TM ab dem zweiten Standjahr)
Resistent gegen: Trockenheit, Salzstress
Anfällig für: Staunässe
Die bekannteste Sorte für die Biomasseproduktion in Mitteleuropa. Zeichnet sich durch extreme Trockenheitstoleranz und ein sehr tiefes Wurzelsystem aus.
Alkar
spätMittlerer bis hoher Biomasseertrag
Resistent gegen: Salzstress, Frost
Anfällig für: Frühjahrstrockenheit
Eine bewährte, sehr robuste Sorte, die ursprünglich für salzige und wechselfeuchte Standorte selektiert wurde. Hervorragend zur Bodenstabilisierung geeignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie etablierst du die Kultur am besten auf marginalen Standorten?
Auf ertragsschwachen oder trockenen Böden solltest du besonders auf die Aussaatfeuchtigkeit achten. Eine Spätsommeraussaat nach einer Niederschlagsperiode ist oft erfolgreicher als eine Frühjahrsaussaat, da der Bodenschluss besser ist und auflaufende Unkräuter im Herbst weniger konkurrenztolerant sind. Achte darauf, das Saatbett gründlich rückzuverfestigen, um den Kapillaranschluss zu sichern.
Welche Herbizide kannst du bei der Etablierung gegen Windhalm einsetzen?
Da die Kultur botanisch eng mit Getreide verwandt ist, verträgt sie viele gängige Getreideherbizide. Du solltest jedoch vor der Anwendung prüfen, ob eine offizielle Zulassung oder eine Genehmigung nach § 51 PflSchG für Thinopyrum elongatum vorliegt. Gegen Windhalm (Apera spica-venti) helfen vor allem Behandlungen im frühen Nachauflauf, solange die Kulturpflanzen bereits das Dreiblattstadium erreicht haben.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt für die Biomasse- und Biogasnutzung?
Für die Biogasnutzung solltest du die Kultur im Stadium des Ährenschiebens bis zur frühen Blüte (BBCH 51–61) ernten, da hier der Methanertrag pro Tonne Trockenmasse am höchsten ist. Planst du eine thermische Verwertung (Verbrennung), empfiehlt sich eine späte Ernte im Herbst oder nach dem ersten Frost, da der geringere Wasser- und Mineralstoffgehalt die Verbrennungseigenschaften deutlich verbessert.
Wie reagiert die Kultur auf lang anhaltende Staunässe?
Obwohl die Kultur extrem trockenheits- und salztolerant ist, reagiert sie empfindlich auf langanhaltende Staunässe, besonders während der winterlichen Ruhephase. Auf schweren, zur Verdichtung neigenden Böden solltest du vor der Aussaat für eine ausreichende Drainage sorgen oder tiefenlockern, um Staunässe und damit ein Auswintern der Bestände zu verhindern.
Wie viele Standjahre kannst du bei dieser Kultur wirtschaftlich nutzen?
In der Regel kannst du mit einer wirtschaftlichen Nutzungsdauer von 10 bis 15 Jahren rechnen. Der Ertrag gipfelt meist im dritten bis fünften Standjahr. Ab dem zehnten Jahr kann der Bestand lückig werden, was du durch eine gezielte Nachsaat im Frühjahr oder eine mechanische Verjüngung des Bodens ausgleichen kannst.