Langährige Quecke
Thinopyrum elongatum (EPPO-Code: AGREL), im deutschen Sprachraum meist als Langährige Quecke, Pontische Quecke oder Riesenquecke bezeichnet, gewinnt als mehrjährige Dauerkultur für die Biomasse- und Strukturfutterproduktion zunehmend an Bedeutung. Die ursprünglich aus Eurasien stammende C3-Grasart zeichnet sich durch eine herausragende Toleranz gegenüber Trockenheit, Frost und Bodenversalzung aus. In der landwirtschaftlichen Praxis wird sie vor allem auf Grenzertragsstandorten als pflegeleichte Alternative zu einjährigen Kulturen etabliert.
Die Kultur bildet ein tiefreichendes, intensives Wurzelsystem aus, wodurch sie Wasser- und Nährstoffressourcen hocheffizient erschließt. Im Vergleich zu klassischen Energiepflanzen wie Silomais bietet die Riesenquecke einen ganzjährigen Erosionsschutz und fördert den Humusaufbau im Boden über eine Standzeit von oft mehr als zehn Jahren. Die Ernte erfolgt in der Regel zweischnittig, wobei der erste Schnitt zur Hauptblüte im Juni und der zweite Schnitt im Herbst durchgeführt wird.
Bodenmanagement
Die Etablierung der Kultur erfordert ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett, da die feinen Samen eine geringe Ablagetiefe von nur 1–2 cm verlangen. Eine Walzung direkt nach der Aussaat sichert den notwendigen Bodenschluss und optimiert den Feldaufgang. Da die Kultur sehr ausdauernd ist und über zehn Jahre genutzt werden kann, ist eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung zur Beseitigung von Wurzelunkräutern im Vorfeld unerlässlich. Die Nährstoffversorgung sollte sich streng am Entzug orientieren, wobei insbesondere nach dem ersten Schnitt eine Stickstoffgabe von 60–80 kg N/ha den Wiederaustrieb maßgeblich fördert. Aufgrund der tiefen Einwurzelung ist die Kultur prädestiniert für den Erosionsschutz auf hängigen Standorten und trägt nachhaltig zur Humusreproduktion bei.
Schaderreger-Management
In der Etablierungsphase ist die Kultur sehr konkurrenzschwach gegenüber auflaufenden Unkräutern, weshalb eine mechanische Unkrautregulierung oder der gezielte Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel im frühen BBCH-Stadium entscheidend ist. Als pilzliche Schaderreger können in feuchten Jahren Schwarzrost oder Mehltau auftreten, die jedoch bei einer energetischen Nutzung selten ertragsrelevante Behandlungen erfordern. Ungräser wie der Windhalm (Apera spica-venti) oder breitblättrige Unkräuter wie der Klatschmohn (Papaver rhoeas) müssen vor allem im Ansaatjahr konsequent kontrolliert werden, um einen dichten Bestand zu garantieren. Nach der vollständigen Etablierung unterdrückt der dichte Grasbestand Schaderreger und Begleitflora nahezu vollständig, sodass in den Folgejahren kaum Pflanzenschutzmittel benötigt werden. Bei starkem Befall mit Blattkrankheiten im Spätsommer kann ein vorgezogener Schnitt als effektive phytosanitäre Maßnahme genutzt werden.
Sorten
Szarvasi-1
Mittelspät12–18 t TM/ha ab dem zweiten Standjahr unter optimalen Bedingungen.
Resistent gegen: Trockenheit, Frost, Bodenversalzung
Anfällig für: Schwarzrost, Mutterkorn
Die wichtigste und am weitesten verbreitete Sorte in Mitteleuropa für die Biogasnutzung. Zeichnet sich durch extreme Trockenheitstoleranz und sehr hohe Biomasseerträge aus.
Alkar
Spät8–12 t TM/ha, etwas geringeres Ertragspotenzial als Szarvasi-1 im energetischen Anbau.
Resistent gegen: Bodenversalzung, Staunässe
Anfällig für: Mehltau
Eine ältere, sehr robuste Sorte, die ursprünglich für die Rekultivierung und als Strukturfutter auf extrem salzhaltigen Böden selektiert wurde.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird die Langährige Quecke im Vergleich zu Silomais energetisch bewertet?
Obwohl Silomais auf Gunststandorten höhere Spitzenerträge liefert, punktet die Langährige Quecke durch ihre Mehrjährigkeit und extrem niedrige jährliche Produktionskosten ab dem zweiten Standjahr. Der Methanertrag pro Tonne organischer Trockensubstanz (oTS) liegt bei etwa 80–85 % des Wertes von Silomais. Auf trockenen, sandigen oder salzhaltigen Grenzertragsböden ist sie dem Mais betriebswirtschaftlich oft überlegen.
Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen sind bei der Unkrautbekämpfung im Ansaatjahr entscheidend?
Da die Kultur in der Jugendphase sehr langsam wächst, ist sie extrem konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern. Gegen breitblättrige Schaderreger wie den Klatschmohn (Papaver rhoeas) können im frühen BBCH-Stadium selektive Herbizide eingesetzt werden. Gegen Ungräser wie den Windhalm (Apera spica-venti) ist eine chemische Regulierung im etablierten Grasbestand kaum möglich; hier müssen ein falsches Saatbett und eine saubere Vorfruchtgliederung als vorbeugende Maßnahmen greifen.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt für eine Biogasnutzung?
Für eine maximale Methanausbeute sollte der erste Schnitt in der Phase des Ährenschiebens bis zum Beginn der Blüte (BBCH 51–61) erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Verhältnis von verdaulichen Gerüstsubstanzen zu schwer abbaubarem Lignin optimal. Ein zu später Schnitt erhöht zwar die reine Trockenmasse, senkt jedoch die spezifische Gasausbeute im Fermenter deutlich.
Welche Vorteile bietet die Spätsommersaat gegenüber der Frühjahrssaat?
Die Spätsommersaat (August bis Anfang September) nutzt die herbstliche Bodenfeuchtigkeit und leidet unter deutlich geringerem Unkrautdruck als eine Frühjahrssaat. Die Kultur etabliert sich über den Winter und liefert bereits im folgenden ersten Hauptnutzungsjahr den vollen Ertrag. Eine Frühjahrssaat erfordert im ersten Jahr oft einen unproduktiven Reinigungsschnitt zur Unkrautunterdrückung.
Wie empfindlich reagiert Thinopyrum elongatum auf winterliche Staunässe?
Trotz ihrer enormen Robustheit gegenüber Trockenheit und Salz reagiert die Kultur empfindlich auf langanhaltende, echte Staunässe im Winter, da die Wurzeln Sauerstoffmangel schlecht tolerieren. Kurzzeitige Überflutungen im Frühjahr werden schadlos überstanden, aber Standorte mit dauerhaft hohem Grundwasserstand oder stark verdichteten, luftarmen Böden sind für den Anbau ungeeignet.