Klatsch-Mohn
Der Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas, EPPO-Code: PAPRH) ist eines der bekanntesten und wirtschaftlich bedeutendsten einjährigen Unkräuter im europäischen Ackerbau. Als typischer Vertreter der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) besiedelt er bevorzugt nährstoff- und kalkreiche, lehmige Böden. Besonders im Wintergetreide und im Winterraps stellt der Schaderreger aufgrund seiner hohen Konkurrenzkraft und enormen Samenproduktion eine erhebliche Herausforderung für die Bestandsführung dar.
Die wirtschaftliche Relevanz hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Durch die weite Verbreitung von Mindestbodenbearbeitung und engen Getreidefruchtfolgen findet das Unkraut optimale Keimbedingungen. Unkontrolliert kann ein starker Besatz mit Papaver rhoeas zu erheblichen Ertragseinbußen führen, da er den Kulturen frühzeitig Licht, Wasser und Nährstoffe entzieht und zudem die Ernte durch feuchte Pflanzenmasse erschwert.
Biologie / Lebenszyklus
Der Klatsch-Mohn ist ein vorwiegend winterannuelles, seltener sommerannuelles Unkraut. Die Hauptkeimphase liegt im Herbst bei kühlen Temperaturen und ausreichender Bodenfeuchtigkeit, wobei die Lichtkeimung flach abgelegte Samen begünstigt. Nach der Keimung bildet die Pflanze eine flach am Boden anliegende Rosette aus, die in diesem Stadium problemlos überwintert. Im folgenden Frühjahr erfolgt ab dem Schossen des Getreides (ca. BBCH 30–32) das schnelle Streckungswachstum des behaarten Stängels. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli, gefolgt von der Reife der charakteristischen Porenkapseln, die pro Pflanze bis zu 20.000 extrem langlebige Samen freisetzen können.
Bonitur
Die Überwachung von Papaver rhoeas beginnt bereits im Herbst unmittelbar nach dem Auflaufen der Kulturen (BBCH 10–13). Eine systematische Feldbegehung ist entscheidend, da das Unkraut im Rosettenstadium am empfindlichsten auf Pflanzenschutzmittel reagiert. Als wirtschaftliche Schadensschwelle im Wintergetreide gilt im Herbst ein Besatz von etwa 1 bis 5 Mohnpflanzen pro Quadratmeter, je nach Ertragserwartung und Konkurrenzstärke der Kultur. Im Frühjahr sollte die Bonitur vor dem Schossen der Kultur (bis BBCH 29) abgeschlossen sein, da ältere, verholzte Mohnpflanzen mechanisch und chemisch nur noch schwer zu erfassen sind.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management von Papaver rhoeas basiert auf einer integrierten Strategie, die pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Kulturtechnisch sind eine vielseitige Fruchtfolge mit dem Wechsel von Sommer- und Winterungen sowie eine gezielte Scheinbestellzeit im Herbst zur Reduzierung des Samenpotenzials im Oberboden wirksam. Da der Klatsch-Mohn ein Lichtkeimer ist, kann eine wendende Bodenbearbeitung (Pflug) vergrabene Samen tief verlagern, wobei jedoch ältere Samen wieder an die Oberfläche gelangen können. Mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im frühen Nachauflauf (BBCH 13–21 der Kultur) zeigen gute Wirkungsgrade bei kleinen Unkrautrosetten. Chemisch stehen verschiedene Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, wobei aufgrund weit verbreiteter Resistenzen gegen ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2) ein konsequentes Wirkstoffklassen-Management zwingend erforderlich ist. Der Einsatz von synthetischen Auxinen (HRAC-Gruppe 4) oder Bodenherbiziden mit anderen Wirkmechanismen im Herbst ist zur Vermeidung weiterer Resistenzselektionen zu bevorzugen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Bekämpfung von Klatsch-Mohn im Herbst meist erfolgreicher als im Frühjahr?
Im Herbst befinden sich die Keimlinge von Papaver rhoeas im empfindlichen Keimblatt- bis frühen Rosettenstadium. In dieser Phase ist die Wachsschicht der Blätter noch dünn, was die Aufnahme von Pflanzenschutzmitteln maximiert. Zudem sind die Temperaturen im Spätherbst oft optimal für die Wirkung von Bodenherbiziden, während im Frühjahr verholzte Pflanzen und fortgeschrittene BBCH-Stadien der Kulturen die Benetzung und Wirksamkeit stark einschränken.
Wie äußert sich eine Herbizidresistenz bei Papaver rhoeas in der Praxis und wie reagiert man darauf?
Eine Resistenz zeigt sich meist durch das Überleben einzelner Mohnpflanzen nach einer vorschriftsmäßigen Behandlung mit ALS-Inhibitoren (z. B. Sulfonylharnstoffen), während andere Unkräuter absterben. Bei Verdacht sollte sofort auf Wirkstoffe aus anderen HRAC-Klassen (wie HRAC-Gruppe 4 / synthetische Auxine) umgestellt werden. Zudem ist eine mechanische Nacharbeit oder der Wechsel zu einer Pflugfurche ratsam, um den Sameneintrag resistenter Biotypen zu unterbinden.
Welche Rolle spielt die Saattiefe der Kultur bei der Regulierung von Klatsch-Mohn?
Da Papaver rhoeas ein extrem kleinsamiger Lichtkeimer ist, keimt er fast ausschließlich aus den obersten 0,5 bis 1,5 cm des Bodens. Eine präzise und etwas tiefere Ablage des Getreidesaatguts (ca. 3–4 cm) ermöglicht den sicheren Einsatz von Vorauflaufherbiziden mit ausgeprägtem Bodenfilm, ohne dass die Keimlinge der Kultur geschädigt werden, während der flach keimende Mohn erfasst wird.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Klatsch-Mohn?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger Papaver rhoeas oder dem EPPO-Code PAPRH. Sie können die Ergebnisse nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Winterweizen), dem gewünschten Anwendungszeitraum (Herbst/Frühjahr) und gezielt nach HRAC-Wirkstoffklassen filtern, um eine wirksame Antiresistenzstrategie zu planen.
Kann Klatsch-Mohn auch biologisch oder durch gezielte Zwischenfrüchte unterdrückt werden?
Ja, der Anbau von schnellwüchsigen, konkurrenzstarken Zwischenfrüchten (wie Senf oder Ölrettich) im Sommer entzieht den im Spätsommer keimenden Mohnsamen Licht und Nährstoffe. Ein dichter Zwischenfruchtbestand unterdrückt die Rosettenbildung effektiv, sodass im nachfolgenden Herbst deutlich weniger vitale Mohnpflanzen auflaufen.
Wie lange bleiben die Samen von Papaver rhoeas im Boden keimfähig und was bedeutet das für die Fruchtfolge?
Die Samen besitzen eine extrem ausgeprägte Keimruhe (Dormanz) und können im Boden 30 bis 40 Jahre überdauern. Ein einmaliger starker Sameneintrag beeinträchtigt die Folgekulturen über Jahrzehnte. Daher muss in engen Getreidefruchtfolgen das Aussamen unter allen Umständen verhindert werden, beispielsweise durch den rechtzeitigen Einsatz von mechanischen oder chemischen Anwendungen vor der Blüte.