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Kultur

Radicchio

Cichorium intybus var. foliosum
CICIF

Die Kultur Cichorium intybus var. foliosum (EPPO-Code: CICIF) umfasst botanisch eng verwandte, aber in der Nutzung sehr unterschiedliche Salatzichorien wie Chicorée, Radicchio und Zuckerhut. Während beim Chicorée zunächst im Freiland eine Rübe herangezogen wird, die erst in einer zweiten Phase im Dunkeln die bekannten bleichen Knospen treibt, bilden Radicchio und Zuckerhut ihre erntereifen Köpfe direkt auf dem Feld aus. Allen Formen gemein ist der typische Gehalt an Bitterstoffen wie Intybin, die für den charakteristischen Geschmack sorgen und einen hohen gesundheitlichen Wert besitzen.

Für den erfolgreichen Anbau im mitteleuropäischen Raum sind eine präzise Steuerung der Nährstoffversorgung und ein gut strukturierter Boden entscheidend. Da es sich um eine zweijährige Kultur handelt, die im ersten Jahr vegetativ wächst, muss das Schossen (vorzeitige Blütenbildung) durch die Wahl des richtigen Aussaatfensters und eine temperaturangepasste Jungpflanzenanzucht verhindert werden. Die Kultur stellt zudem hohe Anforderungen an die Gleichmäßigkeit der Wasserversorgung, um physiologische Störungen wie Blattrandbrand zu vermeiden.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mai bis Juli (Direktsaat für Rüben/Zuckerhut); April bis August (Pflanzung Radicchio)
Erntefenster
August bis November (Radicchio/Zuckerhut); Oktober bis November (Rübenernte für Chicorée)
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
35–45 t/ha Rüben (Chicorée); 25–35 t/ha (Radicchio/Zuckerhut)
Wärmesumme (GDD)
1500–1600 GDD (Basis 0 °C)
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Für diese Kultur ist ein tiefgründig gelockerter, humoser und gut wasserdurchlässiger Boden optimal, da verdichtete Schichten zu krummen Rüben oder Staunässe führen. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung ist essenziell; zu viel Stickstoff mindert die Lagerfähigkeit der Chicorée-Rüben und fördert die Anfälligkeit für Schaderreger sowie Blattrandbrand. Achte darauf, die Düngung auf maximal 100 bis 120 kg N/ha zu begrenzen und vorzugsweise organisch oder in geteilten Gaben zu verabreichen. Eine gleichmäßige Bewässerung in der Hauptwachstumsphase verhindert Wachstumsstockungen und sorgt für eine harmonische Kopf- bzw. Rübenentwicklung. Nach der Ernte solltest du eine weite Fruchtfolge von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Korbblütlern einhalten, um bodenbürtige Krankheiten zu minimieren.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz konzentriert sich stark auf die Vermeidung von Pilzkrankheiten wie *Sclerotinia sclerotiorum* und *Rhizoctonia solani*, die erhebliche Fäulnis an Wurzeln und Köpfen verursachen können. Vorbeugende Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge, die Vermeidung von Staunässe und eine angepasste Bestandsdichte zur schnellen Abtrocknung des Laubs sind hierbei grundlegend. Beim Auftreten von Schaderregern solltest du zugelassene Pflanzenschutzmittel gezielt und unter Beachtung der Warzeit einsetzen. Gegen tierische Schädlinge wie die Salatblattlaus oder Drahtwürmer hilft ein konsequentes Monitoring ab Kulturetablierung sowie der Einsatz von Kulturschutznetzen. Achte bei späten Behandlungen besonders auf das BBCH-Stadium, um Rückstände im erntereifen Erntegut sicher zu vermeiden.

Sorten

Indigo

Mittelfrüh (ca. 75–80 Tage)

Sehr hoher Anteil vermarktbarer Köpfe (ca. 300–400 g Einzelgewicht).

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Blattrandbrand, Sclerotinia

Sehr bewährte, schossfeste Radicchio-Sorte mit runden, festen Köpfen und intensiver roter Ausfärbung.

Sertis

Mittelspät

Hoher Rübenertrag und exzellente Treibleistung im Treibbetrieb.

Resistent gegen: Wurzelfäule

Anfällig für: Phytophthora

Hervorragende Treibsorte für die mittlere und späte Treibsaison, liefert sehr feste, schwere Chicons.

Uranus

Spät

Sehr ertragreich mit exzellenter Lagerfähigkeit bis weit in den Winter.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Grauschimmel

Sehr frostharte Zuckerhut-Sorte für den späten Freilandanbau, bildet große, dichte, zylindrische Köpfe.

Palla Rossa

Früh bis mittelfrüh

Gute, gleichmäßige Kopfbildung bei rechtzeitiger Ernte.

Anfällig für: Schossen, Sclerotinia

Klassischer italienischer Radicchio-Typ, der sich gut für den frühen Sommeranbau in Mitteleuropa eignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie verhinderst du das gefürchtete Schossen bei Radicchio und Zuckerhut?

Das Schossen wird primär durch Kältereize in der Jugendphase (unter 16 °C) ausgelöst. Achte bei der Jungpflanzenanzucht penibel darauf, die Temperaturen konstant über 18 °C zu halten. Zudem solltest du schossfeste Sorten wählen und das Aussaatfenster im Freiland nicht zu früh im Frühjahr wählen, um späte Kälteeinbrüche zu umgehen.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Ernte von Chicorée-Rüben für die Treiberei?

Die Rüben müssen vor dem Einlagern die physiologische Reife (BBCH 49) erreicht haben, damit sie genügend Reservestoffe für die spätere Treibphase besitzen. Erntest du zu früh, bleiben die Chicons im Treibbetrieb locker und klein; erntest du zu spät (nach starken Frostereignissen), steigt das Risiko für Fäulnis im Lager durch Mikrorisse in der Rübe.

Wie kannst du das Risiko von Sclerotinia-Fäule im Bestand mechanisch minimieren?

Neben einer weiten Fruchtfolge hilft eine gezielte Dammkultur. Durch das Anbauen auf Dämmen trocknet der Wurzelhalsbereich deutlich schneller ab, was dem Pilz *Sclerotinia sclerotiorum* die Infektionsbasis entzieht. Vermeide zudem eine Überkopfberegnung in den Abendstunden, damit das Laub nicht nass in die Nacht geht.

Was ist bei der Stickstoffdüngung im Hinblick auf die Haltbarkeit im Lager zu beachten?

Eine Überdüngung mit Stickstoff führt zu weichem Gewebe und erhöht die Anfälligkeit für *Botrytis cinerea* und *Rhizoctonia solani* im Lager drastisch. Begrenze die N-Gabe auf den tatsächlichen Bedarf und stelle sicher, dass ab BBCH 39 (Reihenschluss) keine späten Stickstoffgaben mehr erfolgen, um die Ausreife der Rüben bzw. Köpfe zu fördern.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Rhizoctonia?

Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere gezielt nach dem Schaderreger *Rhizoctonia solani* (oder dem EPPO-Code RHIZSO) und der Kultur Chicorée bzw. Radicchio. Dir werden dann alle aktuell in deinem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, maximaler Anwendungen und der spezifischen Wartezeit übersichtlich angezeigt.