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Kultur

Radicchio

Cichorium intybus var. foliosum
CICIF

Die Salatzichorie (Cichorium intybus var. foliosum, EPPO-Code: CICIF) umfasst im mitteleuropäischen Anbau bedeutende Kulturen wie Radicchio, Zuckerhut und Chicorée. Diese Korbblütler zeichnen sich durch ihren charakteristischen Gehalt an Intybin und anderen Bitterstoffen aus, was sie im Anbau robust gegenüber einigen Schaderregern macht, jedoch hohe Ansprüche an die Kulturführung stellt.

Der Anbau erfolgt im Freiland meist als Zweitkultur nach frühen Gemüsen oder Getreide. Für eine erfolgreiche Kopfbildung bei Radicchio und Zuckerhut sind eine gleichmäßige Wasserversorgung und eine exakte Steuerung der Stickstoffdynamik entscheidend. Zu späte oder übermäßige Stickstoffgaben verzögern die Ausreife, beeinträchtigen die Lagerfähigkeit und erhöhen die Anfälligkeit für physiologische Störungen wie den gefürchteten Innenbrand.

Die Ernte erfolgt je nach Aussaat- bzw. Pflanztermin vom Spätsommer bis weit in den Winter hinein, da viele Sorten eine beachtliche Frosttoleranz aufweisen. Im professionellen Anbau wird die Kultur zunehmend durch den Einsatz von Vliesen verfrüht oder vor extremen Kahlfrösten geschützt, um eine kontinuierliche Marktbelieferung mit qualitativ hochwertigen, festen Köpfen zu gewährleisten.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Mitte Juli (Direktsaat oder Pflanzung von Juni bis August)
Erntefenster
September bis Dezember (teilweise bis Februar bei frostharten Sorten)
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
25–35 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1400 °C
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Salatzichorien bevorzugen tiefgründige, mittelschwere Böden mit guter Struktur und gleichmäßigem Wasserhaltevermögen, um eine ungestörte Pfahlwurzelentwicklung zu ermöglichen. Eine humushaltige Krume fördert das gleichmäßige Wachstum, während Staunässe unbedingt zu vermeiden ist, da sie die Fäulnisbildung im Wurzelhalsbereich begünstigt. Die Grunddüngung sollte auf Basis einer aktuellen Bodenanalyse erfolgen, wobei der Chloridgehalt niedrig gehalten werden sollte, da die Kultur salzempfindlich reagiert. Eine moderate Stickstoffgabe von insgesamt 100 bis 120 kg N/ha (inklusive Nmin) ist meist ausreichend und sollte vorzugsweise vor der Pflanzung eingearbeitet werden. Späte Kopfdüngungen sind zu vermeiden, um die Gewebefestigkeit nicht zu schwächen und das Risiko für Innenbrand zu minimieren.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz steht die Vorbeugung von Pilzkrankheiten wie Sclerotinia-Arten und Rhizoctonia solani im Vordergrund, die durch weite Fruchtfolgen von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Wirtspflanzen eingedämmt werden. Gegen bodenbürtige Schaderreger und Botrytis cinerea helfen eine weite Pflanzung zur schnellen Abtrocknung des Bestandes sowie eine gezielte, bodennahe Bewässerung. Beim Auftreten von Blattläusen, insbesondere der Salatblattlaus, müssen rechtzeitig zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, um eine Besiedlung der inneren Kopfblätter zu verhindern. Eine regelmäßige Feldkontrolle ab dem BBCH-Stadium 15 ist unerlässlich, um auch Schneckenfraß frühzeitig durch den gezielten Einsatz von Schneckenkorn zu unterbinden. Nach der Ernte sollten verbleibende Ernterückstände tief untergepflügt werden, um das Inokulum für Folgejahre zu reduzieren.

Sorten

Indigo

Mittelfrüh (ca. 75–80 Tage nach Pflanzung)

Sehr hoher Anteil vermarktbarer Köpfe durch hohe Uniformität.

Resistent gegen: Schoßen

Anfällig für: Innenbrand, Sclerotinia

Sehr bewährter, schossfester Radicchio vom Typ Chioggia mit runden, festen Köpfen und intensivem Dunkelrot.

Leonardo

Mittelfrüh bis spät (ca. 80–85 Tage nach Pflanzung)

Konstant hohe Erträge auch unter wechselnden Witterungsbedingungen.

Resistent gegen: Schoßen, Frost

Anfällig für: Falscher Mehltau

Standard-Radicchio für den Sommer- und Herbstanbau. Zeichnet sich durch hervorragende Feldhaltbarkeit aus.

Rossa di Treviso

Spät (ca. 90–100 Tage nach Pflanzung)

Mittlerer Ertrag, jedoch hohe Wertschöpfung im Premiumsegment.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Nässefäule, Sclerotinia

Traditionelle, längliche Zichorie mit dunkelroten Blättern und weißen Rippen. Hervorragend für den späten Herbstanbau geeignet.

Uranus

Mittgelspät (Zuckerhut)

Sehr hoher Ertrag an schweren, gut lagerfähigen Köpfen.

Resistent gegen: Frost, Schoßen

Anfällig für: Blattrandbrand

Sehr ertragreicher und robuster Zuckerhutsalat mit aufrechtem, dicht geschlossenem Kopf und guter Frosttoleranz.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich der gefürchtete Innenbrand bei Radicchio im Feld vorbeugen?

Innenbrand entsteht meist durch einen lokalen Calciummangel in den schnell wachsenden, inneren Blättern, oft induziert durch unregelmäßige Wasserversorgung oder zu hohe Stickstoffgaben. Zur Vorbeugung sollte auf eine harmonische Nährstoffversorgung geachtet und bei Trockenheit gleichmäßig beregnet werden. Blattapplikationen mit calciumhaltigen Düngern ab Beginn der Kopfbildung (BBCH 41) können das Risiko mindern, ersetzen aber nicht ein optimales Wassermanagement.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Salatblattlaus?

Eine Bekämpfung der Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) muss zwingend vor dem Schließen der Köpfe (bis BBCH 39) erfolgen. Sobald sich die Köpfe festigen (ab BBCH 41), dringen die Läuse in das Innere vor, wo sie für systemische oder kontaktwirksame Pflanzenschutzmittel nicht mehr erreichbar sind. Ein engmaschiges Monitoring der Bestände ab Juni ist daher entscheidend für den Behandlungserfolg.

Wie wird die Fruchtfolge optimal gestaltet, um Sclerotinia-Infektionen zu minimieren?

Da Sclerotinia-Arten ein sehr breites Wirtsspektrum besitzen, sollten Salatzichorien keinesfalls nach anderen anfälligen Kulturen wie Raps, Sonnenblumen, Leguminosen oder anderen Salatarten angebaut werden. Als ideale Vorfrüchte eignen sich Getreide, Mais oder Gründüngungspflanzen wie Phacelia. Eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren für alle Korbblütler und anfälligen Dikotylen ist dringend einzuhalten.

Wie finde ich im Portal aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Rhizoctonia solani für diese Kultur?

Nutzen Sie hierzu die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kulturgruppe „Salatzichorien“ oder direkt nach dem Schaderreger „Rhizoctonia solani“. Achten Sie bei der Auswahl der Präparate besonders auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximal zulässige Anzahl der Anwendungen pro Saison sowie die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit vor der Ernte.

Warum ist die Steuerung der Bodentemperatur bei der Aussaat von Radicchio so kritisch?

Zu niedrige Temperaturen während der Keimung und in der frühen Jugendphase (unter 16 °C) können bei Salatzichorien eine vorzeitige Vernalisation auslösen. Dies führt dazu, dass die Kultur im Sommer vorzeitig schosst (in die Blüte geht), anstatt feste Köpfe zu bilden. Im professionellen Anbau wird daher bei frühen Sätzen im Frühjahr auf vorkultivierte Jungpflanzen zurückgegriffen, die unter kontrollierten, warmen Bedingungen im Gewächshaus angezogen wurden.

Welche Bedeutung hat die mechanische Unkrautregulierung im Vergleich zum chemischen Pflanzenschutz?

Da für Salatzichorien nur eine sehr begrenzte Anzahl an chemischen Herbiziden zugelassen ist, nimmt das mechanische Hacken eine zentrale Rolle ein. Der erste Hackdurchgang erfolgt meist 10 bis 14 Tage nach der Pflanzung, um den Boden zu lockern und Unkräuter im Keimblattstadium zu stören. Moderne, kameragesteuerte Hackgeräte ermöglichen ein präzises Arbeiten bis dicht an die Kultur heran, was den manuellen Handarbeitsaufwand erheblich reduziert.