Amylo-X WG
Amylo-X WG ist ein modernes biologisches Pflanzenschutzmittel (Fungizid und Bakterizid) auf Basis des nützlichen Bodenbakteriums Bacillus amyloliquefaciens subsp. plantarum Stamm D747. Formuliert als wasserdispergierbares Granulat (WG), bietet es Erwerbsgärtnern und Landwirten eine hochwirksame, rückstandsfreie Option für den integrierten sowie den ökologischen Anbau.
Das Wirkungsspektrum des Präparats konzentriert sich auf ökonomisch bedeutende pilzliche Schaderreger wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) sowie wichtige Sclerotinia-Arten (Sclerotinia sclerotiorum, Sclerotinia minor). Dank seiner breiten Zulassung in einer Vielzahl wertvoller Kulturen – darunter Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren sowie Fruchtgemüse wie Tomaten, Auberginen und Paprika – lässt sich das Produkt äußerst flexibel in bestehende Pflanzenschutzkonzepte integrieren.
Als biologisches Präparat zeichnet sich Amylo-X WG durch eine extrem kurze Wartezeit von nur einem Tag aus. Dies macht es zu einem unverzichtbaren Baustein für das späte Erntemanagement, um die strengen Rückstandsanforderungen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) sicher einzuhalten, ohne den Schutz der Kulturen in der kritischen Reifephase zu gefährden.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die Wirkung von *Bacillus amyloliquefaciens* Stamm D747 basiert auf einem multidimensionalen, präventiven Ansatz (FRAC-Gruppe BM02). Nach der Applikation besiedeln die ausgebrachten Bakteriensporen rasch die Oberflächen der Kultur. Sie etablieren einen dichten, physischen Schutzfilm und konkurrieren mit den Schaderregern erfolgreich um Nährstoffe und Lebensraum (Kompetition). Zudem produziert der Bakterienstamm während seines Wachstums natürliche Lipopeptide, welche die Zellmembranen der pathogenen Pilze direkt angreifen und deren Keimung sowie das Myzelwachstum unterdrücken. Darüber hinaus induziert der Wirkstoff die pflanzeneigene Systemische Aktivierte Resistenz (SAR). Die Kultur wird dadurch physiologisch angeregt, eigene Abwehrmechanismen gegen drohende Infektionen hochzufahren. Da es sich um einen lebenden Mikroorganismus handelt, ist eine frühzeitige, präventive Ausbringung vor den ersten Infektionsbedingungen entscheidend für den optimalen Bekämpfungserfolg.
Resistenzmanagement
Aufgrund des komplexen, multisite-basierten Wirkungsmechanismus (FRAC BM02) besteht bei der Anwendung von Amylo-X WG kein messbares Risiko für die Entwicklung von Resistenzen bei den Zielpathogenen. Das Produkt eignet sich daher hervorragend als Partner im Antiresistenzmanagement, um die Lebensdauer gefährdeter chemisch-synthetischer Fungizidklassen (wie z. B. SDHI oder Strobilurine) zu verlängern. Der regelmäßige Wechsel oder die Kombination von Amylo-X WG mit klassischen Wirkstoffen in der Spritzfolge stabilisiert das gesamte Pflanzenschutzsystem nachhaltig.
Mischbarkeit & Tankmischung
Amylo-X WG zeigt eine gute physikalische und biologische Verträglichkeit mit vielen gängigen Pflanzenschutzmitteln und Blattdüngern. Bei Mischungen mit kupferhaltigen Präparaten ist jedoch Vorsicht geboten: Obwohl der Stamm D747 eine gewisse Toleranz aufweist, sollten solche Tankmischungen zeitnah ausgebracht und nicht über längere Zeit in der Spritze stehen gelassen werden, um die Vitalität der Bakteriensporen nicht zu beeinträchtigen. Extrem saure oder alkalische Spritzbrühen (pH-Werte außerhalb des Bereichs von 5,0 bis 8,0) sind zu vermeiden. Es wird empfohlen, vor großflächigen Anwendungen stets eine Mischungsprobe in einem kleinen Gefäß durchzuführen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Als biologisches Pflanzenschutzmittel weist Amylo-X WG ein sehr günstiges Ökotoxizitätsprofil auf. Es ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft und schont wichtige Nützlinge wie Raubmilben oder Schlupfwespen, was den Einsatz im geschützten Anbau (Gewächshaus) besonders attraktiv macht. Zum Schutz des Anwenders wird das Tragen der standardmäßigen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), insbesondere eines Atemschutzes beim Ansetzen der Spritzbrühe wegen der Staubentwicklung des Granulats, empfohlen. Gewässerabstände und Abschwemmungsauflagen sind gemäß den spezifischen BVL-Zulassungsbestimmungen einzuhalten, fallen jedoch im Vergleich zu synthetischen Wirkstoffen meist deutlich geringer aus.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Brombeere | Botrytis cinerea | 10–89 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Aubergine | Botrytis cinerea | 10–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Radicchio | Botrytis cinerea, Sclerotinia minor, Sclerotinia sclerotiorum | 14–79 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Melone | Botrytis cinerea | 10–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Weiße Johannisbeere | Botrytis cinerea | 10–89 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Schwarze Johannisbeere | Botrytis cinerea | 10–89 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Stachelbeere | Botrytis cinerea | 10–89 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Endivien | Botrytis cinerea, Sclerotinia minor, Sclerotinia sclerotiorum | 14–79 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Erdbeere | Botrytis cinerea | 10–89 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Garten-Kürbis | Botrytis cinerea | 10–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Rucola-Arten | Botrytis cinerea, Sclerotinia minor, Sclerotinia sclerotiorum | 14–79 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Salate | Botrytis cinerea, Sclerotinia minor, Sclerotinia sclerotiorum | 14–79 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Gemüsepaprika (inkl. Peperoni und Chili) | Botrytis cinerea | 10–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Rote Johannisbeere | Botrytis cinerea | 10–89 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Gurke | Botrytis cinerea | 10–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Spinat | Botrytis cinerea, Sclerotinia minor, Sclerotinia sclerotiorum | 14–79 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Tomate | Botrytis cinerea | 10–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Himbeere | Botrytis cinerea | 10–89 | 2.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
| Zucchini | Botrytis cinerea | 10–89 | 1 KILOGRAM_PER_HECTARE | 1T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Amylo-X WG gegen Grauschimmel (Botrytis)?
Da Amylo-X WG rein präventiv wirkt, muss die Anwendung vor den ersten Infektionsbedingungen erfolgen. Bei Erdbeeren und Beerenobst liegt der kritische Behandlungszeitraum während der Blüte (BBCH 55 bis 69), da *Botrytis cinerea* bevorzugt absterbende Blütenteile besiedelt. Eine Anschlussbehandlung kurz vor der Ernte schützt die reifenden Früchte zusätzlich.
Welche Rolle spielen Wassertemperatur und pH-Wert der Spritzbrühe für die Wirksamkeit?
Die Bakteriensporen in Amylo-X WG sind relativ robust, jedoch begünstigt lauwarmes Wasser (15–20 °C) das schnelle und gleichmäßige Suspendieren des Granulats. Der pH-Wert des Spritzwassers sollte idealerweise im neutralen bis leicht sauren Bereich (pH 6,0 bis 7,5) liegen. Extrem saure Bedingungen unter pH 5,0 können die Keimfähigkeit der Sporen beeinträchtigen und die Wirkung mindern.
Warum ist die Wartezeit von Amylo-X WG mit nur einem Tag so kurz?
Da es sich bei dem Wirkstoff um ein natürliches, nicht-pathogenes Bodenbakterium handelt, das keine toxischen chemischen Rückstände auf dem Erntegut hinterlässt, hat das BVL eine minimale Wartezeit von nur einem Tag festgesetzt. Dies ermöglicht hochflexible Behandlungen bis unmittelbar vor dem Pflücken, was besonders für mehrmals tragende Kulturen wie Erdbeeren oder Himbeeren ideal ist.
Wie wird Amylo-X WG erfolgreich gegen Sclerotinia-Arten im Salat- und Gemüsebau eingesetzt?
Gegen bodenbürtige Erreger wie *Sclerotinia minor* und *Sclerotinia sclerotiorum* sollte die Anwendung so früh wie möglich erfolgen, idealerweise direkt nach dem Pflanzen oder Auflaufen der Kultur (ab BBCH 10–12). Wichtig ist hierbei eine tropfnasse Spritzung, die auch den bodennahen Stängelbereich und die oberste Bodenschicht benetzt, um eine Schutzbarriere gegen auskeimende Sklerotien aufzubauen.
Ist Amylo-X WG für den ökologischen Landbau in Deutschland zugelassen?
Ja, der Wirkstoff *Bacillus amyloliquefaciens* Stamm D747 ist für den ökologischen Landbau gemäß der EU-Öko-Verordnung zugelassen. Das Produkt ist in den entsprechenden Betriebsmittellisten (z. B. FiBL-Liste in Deutschland) gelistet und stellt eine wichtige Säule im biologischen Pflanzenschutz dar.
Beeinflusst kühles oder regnerisches Wetter die Wirkung des biologischen Präparats?
Die Sporen von *Bacillus amyloliquefaciens* sind sehr widerstandsfähig gegenüber UV-Strahlung und Trockenheit. Dennoch benötigen die Bakterien für ihre aktive Vermehrung und die Produktion der fungiziden Lipopeptide Temperaturen ab ca. 10 °C. Bei extrem kühler Witterung verzögert sich die Etablierung des Schutzfilms, weshalb die Applikation bevorzugt an milden Tagen erfolgen sollte. Nach dem Antrocknen des Spritzbelags ist das Mittel gut regenfest.