Rohrschwingel
Der Rohrschwingel (Lolium arundinaceum, EPPO-Code: FESAR, ehemals Festuca arundinacea) ist ein ausdauerndes, tief wurzelndes Horstgras von hoher wirtschaftlicher Bedeutung für die Futtergewinnung und den Rasenbau in Mitteleuropa. Dank seines tiefreichenden Wurzelsystems zeichnet sich diese Kultur durch eine hervorragende Trockenheits- und Hitzetoleranz aus, weshalb sie zunehmend als klimaresistente Komponente im Feldfutterbau und auf Dauergrünlandflächen an Bedeutung gewinnt.
In der landwirtschaftlichen Praxis wird der Rohrschwingel besonders für seine Ertragsstabilität auf wechselfeuchten, schweren oder zeitweise überfluteten Standorten geschätzt. Die Kultur liefert strukturreiches Futter, erfordert jedoch ein präzises Weide- und Schnittmanagement, da die Akzeptanz durch das Vieh mit zunehmendem Alter und Verholzung der Bestände rasch abnimmt.
Bodenmanagement
Der Rohrschwingel stellt vergleichsweise geringe Ansprüche an den Boden, gedeiht jedoch besonders gut auf tiefgründigen, schweren und feuchten Standorten. Vor der Aussaat ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett essenziell, um den feinen Samen optimalen Bodenschluss zu gewährleisten. Da die Kultur in der Jugendphase eine langsame Entwicklung aufweist, solltest du Verdichtungen im Oberboden unbedingt vermeiden, um das tiefe Einwurzeln nicht zu behindern. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung, aufgeteilt auf die einzelnen Aufwüchse, sichert hohe Erträge und erhält die Futterqualität. Auf sauren Standorten unter einem pH-Wert von 5,5 empfiehlt sich eine Erhaltungskalkung vor der Etablierung.
Schaderreger-Management
Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung des Rohrschwingels ist eine konsequente Unkrautregulierung in der Etablierungsphase von entscheidender Bedeutung. Konkurrenzstarke Schaderreger wie der Gemeine Windhalm (Apera spica-venti) oder die Gemeine Rispe (Poa trivialis) können junge Bestände rasch unterdrücken. Hierbei kann im Bedarfsfall ein selektives Pflanzenschutzmittel im Nachauflauf eingesetzt werden, um den Auflauf von Ungräsern zu kontrollieren. Gegen pilzliche Schaderreger wie Kronenrost oder Schneeschimmel helfen vor allem eine angepasste Sortenwahl und ein rechtzeitiger Reinigungsschnitt vor dem Winter. Achte bei jeder chemischen Maßnahme auf die genauen Zulassungsbestimmungen und die einzuhaltende Wartezeit bis zur nächsten Nutzung.
Sorten
Barolex
MittelspätSehr hoher Gesamtertrag bei gleichmäßiger Verteilung über die Schnitte.
Resistent gegen: Kronenrost, Auswinterung
Anfällig für: Bakterienwelke
Feinblättrige Sorte mit überdurchschnittlicher Verdaulichkeit und guter Eignung für Weideflächen.
Bardoux
MittelHohe Erträge auch in extremen Trockenjahren.
Resistent gegen: Trockenstress, Rost
Anfällig für: Schneeschimmel
Besonders tiefwurzelnde Sorte mit exzellenter Trockenheitstoleranz und rascher Regeneration nach dem Schnitt.
Kora
Früh bis mittelHervorragender erster Schnitt, sehr hohes Ertragspotenzial auf schweren Böden.
Resistent gegen: Frost, Kronenrost
Anfällig für: Blattfleckenkrankheit
Sehr robuste und winterharte Sorte, die sich schnell im Frühjahr entwickelt.
Debussy
SpätKonstant hohe TM-Erträge im zweiten und dritten Aufwuchs.
Resistent gegen: Kronenrost, Fusarium
Anfällig für: Spätfröste
Blattreiche Sorte mit spätem Ährenschieben, dadurch langes Zeitfenster für die Futternutzung.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den ersten Schnitt zur Futtergewinnung?
Um eine hohe Futterqualität zu sichern, solltest du den ersten Schnitt unbedingt zu Beginn des Ährenschiebens (BBCH-Stadium 51 bis 55) durchführen. Wartest du zu lange, verholzt die Kultur rasch, der Rohfasergehalt steigt stark an und die Akzeptanz beim Vieh sinkt drastisch.
Wie gehst du mit der langsamen Jugendentwicklung bei der Aussaat um?
Da der Rohrschwingel in den ersten Wochen sehr langsam wächst, ist er extrem konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern. Du solltest ein absolut sauberes Saatbett vorbereiten und gegebenenfalls im frühen Nachauflauf (BBCH 11 bis 13) einen Reinigungsschnitt oder eine gezielte Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel durchführen.
Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Ungräser im Rohrschwingel?
Nutze hierfür die Suchfunktion in unserem Hub. Filtere gezielt nach der Kultur 'Rohrschwingel' (oder 'Wiesen und Weiden' je nach Zulassungsbereich) und dem spezifischen Schaderreger wie Windhalm oder Gemeine Rispe, um die aktuell in Deutschland zugelassenen Anwendungen und deren Aufwandmengen einzusehen.
Warum ist die Schnitthöhe bei dieser Kultur so entscheidend?
Du solltest den Rohrschwingel nicht tiefer als 7 bis 8 cm mähen. Da die Reservestoffe für den Wiederaustrieb in den Triebbasen knapp über dem Boden gespeichert werden, führt ein zu tiefer Schnitt zu einer stark verzögerten Regeneration und schwächt die Konkurrenzkraft des Bestandes.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung für die Bestandsdauer?
Eine bedarfsgerechte Stickstoffgabe nach jedem Schnitt ist wichtig, um die Bestandsdichte hoch zu halten. Düngst du zu wenig, vergreist die Kultur und es entstehen Lücken, in die sich minderwertige Schaderreger wie die Gemeine Rispe einnisten können.
Kann ich Rohrschwingel auch in Mischungen mit Leguminosen anbauen?
Ja, eine Mischung mit Rotklee oder Luzerne ist im Feldfutterbau sehr empfehlenswert. Die Leguminosen fixieren Luftstickstoff und verbessern den Proteingehalt des Futters, während der Rohrschwingel für die nötige Struktur und Trockenheitstoleranz im Bestand sorgt.