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Kultur

Rohrschwingel

Lolium arundinaceum
FESAR

Der Rohrschwingel (Lolium arundinaceum, EPPO-Code: FESAR), in der landwirtschaftlichen Praxis oft noch unter dem Synonym Festuca arundinacea geführt, ist ein ausdauerndes, tiefwurzelndes Obergras von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Als trockenheitstolerante Futterpflanze gewinnt diese Kultur im Zuge des Klimawandels in Mitteleuropa zunehmend an Relevanz. Sie zeichnet sich durch eine hervorragende Anpassungsfähigkeit an wechselfeuchte sowie zeitweise überflutete Standorte aus und liefert auch auf Grenzertragsböden stabile Erträge.

Neben der Nutzung als ausdauerndes Feldfuttergras im Hauptfutterbau wird der Rohrschwingel vermehrt in Nachsaatmischungen für Dauergrünland sowie im professionellen Rasen- und Landschaftsbau eingesetzt. Durch sein tiefreichendes Wurzelsystem trägt er maßgeblich zur Bodenstabilisierung und Humusakkumulation bei. In der Saatgutvermehrung stellt die Kultur hohe Anforderungen an die Unkrautfreiheit des Bodens, da Verunreinigungen durch andere Gräserarten den Vermehrungswert drastisch mindern können.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April oder August bis September
Erntefenster
Juni bis Juli (Folgejahr bei Saatgut)
Reihenabstand
12–15 cm
Typischer Ertrag
100–140 dt/ha TM (Futterbau) bzw. 8–12 dt/ha (Saatgut)
Wärmesumme (GDD)
1400–1600 °C
Boden-pH
5,5–7,5

Bodenmanagement

Der Rohrschwingel stellt vergleichsweise geringe Ansprüche an den Boden, gedeiht jedoch besonders gut auf tiefgründigen, schweren Lehm- und Tonböden mit ausreichender Nährstoffversorgung. Aufgrund seines tiefen Wurzelsystems toleriert die Kultur sowohl zeitweise Staunässe als auch ausgeprägte Trockenperioden im Sommer. Für eine erfolgreiche Etablierung ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett essenziell, um den feinen Samen optimalen Bodenschluss zu gewährleisten. Eine moderate Stickstoffdüngung im zeitigen Frühjahr fördert den Massenaufwuchs und die Bestockung nachhaltig. Auf sauren Standorten sollte vor der Aussaat eine Erhaltungskalkung durchgeführt werden, um den pH-Wert im optimalen Bereich zu stabilisieren.

Schaderreger-Management

Im Bereich des Pflanzenschutzes steht bei dieser Kultur die Regulierung von konkurrenzstarken Ungräsern im Vordergrund, insbesondere bei der Saatgutvermehrung. Schaderreger wie der Gemeine Windhalm (Apera spica-venti) und die Gemeine Rispe (Poa trivialis) müssen frühzeitig im Herbst oder zeitigen Frühjahr durch gezielte Herbizid-Anwendungen kontrolliert werden. Pilzliche Schaderreger wie Kronenrost (Puccinia coronata) oder Mutterkorn (Claviceps purpurea) können unter feucht-warmen Bedingungen auftreten und die Futterqualität sowie den Saatgutertrag beeinträchtigen. Eine angepasste Sortenwahl und ein rechtzeitiger Schnitt vor der Blüte minimieren das Infektionsrisiko für Mutterkorn im Futterbau erheblich. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die spezifischen Zulassungsbestimmungen und Wartezeiten für Futtergräser strikt einzuhalten.

Sorten

Barolex

Mittelspät

Sehr hoher Gesamtertrag bei gleichmäßiger Verteilung über die Schnitte.

Resistent gegen: Kronenrost, Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Auswinterung

Bekannte, weichblättrige Sorte mit hoher Schmackhaftigkeit und guter Verdaulichkeit für den Futterbau.

Kora

Mittelfrüh

Spitzenerträge im ersten Aufwuchs, sehr gute Ausdauer.

Resistent gegen: Rostkrankheiten, Trockenstress

Anfällig für: Mutterkorn

Robuste und bewährte Standardsorte mit exzellenter Winterhärte und rascher Anfangsentwicklung.

Bariane

Spät

Hohe Trockenmasseerträge, besonders im Sommeraufwuchs.

Resistent gegen: Kronenrost

Anfällig für: Kahlfrost

Sehr weichblättrige Sorte, die sich hervorragend für intensive Weidenutzung und Silage eignet.

Otaria

Mittel

Konstant hohe Ertragsleistung über mehrere Nutzungsjahre.

Resistent gegen: Rostkrankheiten, Bakterienwelke

Anfällig für: Schneeschimmel

Ertragsstarke Sorte mit schneller Bodenbedeckung und hoher Konkurrenzkraft gegen Unkräuter.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich die Gemeine Rispe (Poa trivialis) in der Saatgutvermehrung von Rohrschwingel effektiv regulieren?

Die Bekämpfung der Gemeinen Rispe muss primär im Herbst (BBCH-Stadium 11 bis 13 des Rohrschwingels) erfolgen, da ältere Rispenpflanzen kaum noch selektiv erfasst werden können. Der Einsatz zugelassener Bodenherbizide direkt nach dem Auflaufen ist hierbei der entscheidende Baustein, um eine Verunreinigung des Ernteguts zu verhindern.

Welche Bedeutung hat die Blatthärte bei der Sortenwahl von Rohrschwingel für die Rinderfütterung?

Ältere Sorten besitzen raue Blattränder mit hohem Siliziumgehalt, was die Futterakzeptanz mindert. Moderne, weichblättrige Sorten weisen eine deutlich höhere Schmackhaftigkeit und Verdaulichkeit auf, wodurch die Futteraufnahme beim Milchvieh signifikant gesteigert wird.

Wie finde ich auf der Plattform gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Gräserunkräuter im Rohrschwingel?

Nutzen Sie die Produktsuche im Hub und filtern Sie nach der Kultur „Rohrschwingel“ (oder der übergeordneten Kategorie „Futtergräser“) sowie dem spezifischen Schaderreger wie Windhalm oder Gemeine Rispe. Achten Sie dabei besonders auf die Indikationszulassungen für die Saatgutvermehrung im Vergleich zur Futternutzung.

Welches BBCH-Stadium markiert den optimalen Schnittzeitpunkt für hochwertiges Futter?

Der optimale Schnittzeitpunkt liegt im BBCH-Stadium 51 bis 55 (Beginn des Ährenschiebens). Ein späterer Schnitt führt zu einer raschen Verholzung der Stängel, wodurch der Rohfasergehalt stark ansteigt und die Energiekonzentration sowie die Verdaulichkeit des Futters drastisch sinken.

Wie verhält sich Rohrschwingel in Mischungen mit Deutschem Weidelgras bei der Bestandsbegründung?

Rohrschwingel keimt und etabliert sich in der Jugendphase deutlich langsamer als Deutsches Weidelgras. In Mischungen sollte der Anteil des Weidelgrases daher stark begrenzt werden (meist unter 15–20 %), um ein vorzeitiges Unterdrücken des Rohrschwingels während der Etablierungsphase zu verhindern.

Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen minimieren das Risiko von Mutterkorn-Infektionen in der Saatgutvermehrung?

Da gegen Mutterkorn (Claviceps purpurea) keine direkten chemischen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen, müssen Landwirte auf eine gleichmäßige Bestandesentwicklung achten. Ein zeitiger Schnitt von Wegrändern zur Vermeidung von Infektionsherden sowie eine weite Fruchtfolge zu anderen anfälligen Gräsern sind essenzielle vorbeugende Maßnahmen.