Alle Schaderreger
Kultur

Gemeines Rispengras

Poa trivialis
POATR

Das Gemeine Rispengras (Poa trivialis, EPPO-Code: POATR) ist ein ausdauerndes, horst- und ausläuferbildendes Süßgras, das in Mitteleuropa auf feuchten, nährstoffreichen Standorten weit verbreitet ist. Besonders im intensiven Ackerbau, vor allem in Wintergetreidekulturen wie Winterweizen und Wintergerste sowie im Grünland und im mehrjährigen Feldfutterbau, hat es sich zu einem ernstzunehmenden Ungras entwickelt.

Die wirtschaftliche Relevanz von Poa trivialis hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Durch seine frühe Jugendentwicklung im Herbst und die Fähigkeit, dichte Teppiche mittels oberirdischer Kriechtriebe (Stolonen) zu bilden, konkurriert das Ungras stark mit den Kulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe. Dies führt insbesondere bei hoher Dichte zu erheblichen Ertragseinbußen und erschwert die Ernte. Zudem beeinträchtigt seine Präsenz in der Saatguterzeugung von Futtergräsern die Reinheit und Zertifizierung des Ernteguts erheblich.

Typ
Kultur
EPPO-Code
POATR
Wirte
10 Kulturen
Verbreitung
Poa trivialis ist in den gemäßigten Klimazonen Europas und Asiens weit verbreitet und besiedelt vorzugsweise frische bis feuchte, nährstoffreiche Standorte, wo es erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste im Getreide- und Futterbau verursacht.

Biologie / Lebenszyklus

Poa trivialis verhält sich meist als ausdauernde, flachwurzelnde Pflanze, kann jedoch auch als einjährig überwinterndes Ungras auftreten. Die Keimung erfolgt primär im kühlen, feuchten Herbst, wobei auch im zeitigen Frühjahr kleinere Keimwellen beobachtet werden. Nach der Etablierung bildet das Gras im Frühjahr rasch oberirdische Kriechtriebe aus, die an den Knoten leicht bewurzeln und so zur vegetativen Ausbreitung beitragen. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli, gefolgt von einer raschen Samenreife. Die Ausbreitung erfolgt sowohl generativ über die leicht wind- und tierverbreiteten Samen als auch vegetativ, wodurch dichte, teppichartige Bestände entstehen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits im Herbst direkt nach dem Auflaufen der Kulturen (BBCH 10 bis 13 des Wintergetreides) erfolgen, um frühe Keimwellen zu erfassen. Da das Gemeine Rispengras im Keimblattstadium leicht mit anderen Poa-Arten verwechselt werden kann, ist auf die typisch glänzende Blattunterseite und das lange, spitze Blatthäutchen (Ligula) zu achten. Eine gezielte Bonitur im zeitigen Frühjahr (BBCH 21 bis 29 der Kultur) hilft, den Besatzgrad abzuschätzen; eine Bekämpfungsschwelle von etwa 30 bis 50 Trieben pro Quadratmeter gilt im Wintergetreide als Richtwert für eine wirtschaftlich notwendige Behandlung.

Integriertes Management

Die Regulierung von Poa trivialis erfordert ein integriertes Konzept, da rein chemische Maßnahmen oft an Grenzen stoßen. Pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine vielseitige Fruchtfolge mit Sommerungen, eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung zur Verschüttung der flach wurzelnden Stolonen sowie die Vermeidung von Bodenverdichtungen und Staunässe sind essenziell. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten bevorzugt im Herbst im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf eingesetzt werden, da ältere, gut etablierte Pflanzen im Frühjahr eine deutlich geringere Sensitivität aufweisen. Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen HRAC-Klassen (z. B. Wechsel zwischen Bodenherbiziden der Gruppe 15/5 und Blattwirkstoffen der Gruppe 2) zwingend erforderlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Gemeine Rispengras im Feld von der Wiesenrispe (Poa pratensis)?

Poa trivialis besitzt im Gegensatz zu Poa pratensis oberirdische Kriechtriebe (Stolonen) statt unterirdischer Ausläufer (Rhizome). Zudem ist das Blatthäutchen (Ligula) bei Poa trivialis mit 4–10 mm deutlich länger und spitz zulaufend, während es bei Poa pratensis sehr kurz (unter 1–2 mm) und gestutzt ist. Auch die Blattunterseite von Poa trivialis glänzt charakteristisch im Licht.

Warum ist die Bekämpfung im Frühjahr oft weniger erfolgreich als im Herbst?

Im Frühjahr haben die Pflanzen bereits ein dichtes Netz aus Stolonen gebildet und sind gut etabliert. Viele für den Frühjahrseinsatz zugelassene Pflanzenschutzmittel erfassen das Ungras in diesem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium nicht mehr ausreichend. Eine Behandlung im frühen Nachauflauf im Herbst (BBCH 11 bis 13 der Kultur) erzielt daher deutlich stabilere Wirkungsgrade.

Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung dieses Schaderregers?

Da Poa trivialis ein Flachwurzler ist, reagiert die Art empfindlich auf wendende Bodenbearbeitung (Pflug). Durch das tiefe Vergraben der Stolonen und Samen wird der Besatz stark reduziert. Bei rein konservierender, flacher Bodenbearbeitung hingegen vermehrt sich das Ungras über die verbleibenden Kriechtriebe rasant.

Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Produkten suchen?

Nutzen Sie im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und wählen Sie „Poa trivialis“ oder den EPPO-Code „POATR“ aus. Kombinieren Sie dies mit Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Winterweizen) und dem gewünschten Anwendungszeitraum (Herbst oder Frühjahr), um alle aktuell für diese Anwendung registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der Auflagen und Aufwandmengen anzuzeigen.

Welche HRAC-Wirkstoffgruppen stehen zur Vermeidung von Resistenzen zur Verfügung?

Für die Bekämpfung im Getreide stehen vor allem Bodenherbizide aus den HRAC-Gruppen 15 (z. B. Flufenacet) und 5 (z. B. Metribuzin) für den Herbst sowie bestimmte Blattherbizide der Gruppe 2 (ALS-Hemmer) zur Verfügung. Ein jährlicher Wechsel der Wirkmechanismen ist entscheidend, um Selektionsdruck und Resistenzbildung zu minimieren.