Sorghum-Hirse
Sorghum sp. (EPPO-Code: SORSS), im deutschsprachigen Raum meist als Sorghum-Hirse oder einfach Sorghum bezeichnet, gewinnt als trockenheitstolerante C4-Kultur im mitteleuropäischen Ackerbau zunehmend an Bedeutung. Die Kultur zeichnet sich durch eine extrem effiziente Wassernutzung aus und stellt eine wertvolle Alternative oder Ergänzung zu Silomais dar, insbesondere auf leichten Standorten und in Regionen mit ausgeprägter Frühsommertrockenheit. Systematisch gehört Sorghum zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und umfasst sowohl Körner- als auch Silosorghum-Typen sowie Sudangras-Hybriden.
Die Jugendentwicklung der Kultur ist stark wärmeabhängig, weshalb die Aussaat erst bei stabilen Bodentemperaturen erfolgen darf. Nach der Etablierung entwickelt Sorghum ein tiefreichendes, fein verzweigtes Wurzelsystem, das Wasser aus tiefen Bodenschichten erschließen kann. Zudem schützt sich die Kultur bei extremer Trockenheit durch eine temporäre Wachstumsruhe (Dormanz). Die Nutzung reicht von der Körnernutzung für die Futtermittel- und Lebensmittelindustrie bis hin zur Ganzpflanzensilage für die Rinderfütterung oder den Einsatz in Biogasanlagen.
Bodenmanagement
Sorghum stellt vergleichsweise geringe Ansprüche an den Boden, reagiert jedoch empfindlich auf strukturelle Mängel wie Verdichtungen und Staunässe, welche das tiefe Wurzelwachstum hemmen. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett ist für den gleichmäßigen Feldaufgang der feinen Samen essenziell. Da die Kultur eine langsame Jugendentwicklung aufweist, ist eine konservierende Bodenbearbeitung mit Mulchsaat ideal, um Erosionsschutz zu bieten und die Bodenfeuchte zu bewahren. Die Stickstoffdüngung sollte moderat und bedarfsgerecht erfolgen, meist aufgeteilt in eine Gabe zur Saat und eine Folgedüngung im 4- bis 6-Blatt-Stadium (BBCH 14–16), um Lagerbildung und Reifeverzögerungen zu vermeiden. Eine Überdüngung erhöht zudem das Risiko von Nitratakkumulationen im jungen Aufwuchs, was bei einer eventuellen frühen Grünfutternutzung beachtet werden muss.
Schaderreger-Management
Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ist die Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium die kritischste Pflanzenschutzmaßnahme bei Sorghum. Da nur eine begrenzte Anzahl an Pflanzenschutzmitteln für die chemische Unkrautbekämpfung in Sorghum zugelassen ist, spielen mechanische Maßnahmen wie Hacken und Striegeln eine zentrale Rolle. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Bekämpfung von Ungräsern und spät auflaufenden Unkräutern wie der Zaunwinde (Calystegia sepium), die den Bestand überwuchern können. Tierische Schaderreger wie die Fritfliege im Jugendstadium oder der Maiszünsler bei späterem Befall können punktuell Schäden verursachen, erfordern jedoch selten flächendeckende Insektizidbehandlungen. Pilzliche Schaderreger wie Fusarium-Arten (Stängelfäule) treten vor allem bei feucht-warmer Witterung in der Abreifephase auf und müssen durch weite Fruchtfolgen und die Wahl toleranter Sorten minimiert werden.
Sorten
KWS Freya
Früh bis mittelfrühSehr hohes und stabiles Ertragspotenzial im Kornbereich (ca. 80–95 dt/ha).
Resistent gegen: Kälte, Lagerung
Anfällig für: Helminthosporium
Sehr standfeste Körnersorghum-Sorte mit rascher Jugendentwicklung und guter Kältetoleranz in der frühen Wachstumsphase.
RGT Alize
MittelfrühKonstant hohe Kornerträge auch auf leichteren Standorten.
Resistent gegen: Trockenheit, Lagerung
Anfällig für: Fusarium-Stängelfäule
Eine der am weitesten verbreiteten Körnersorghum-Sorten in Deutschland. Ausgezeichnete Druschfähigkeit und sehr homogene Abreife.
Nutri Honey
MittelspätEnormes Biomassepotenzial mit bis zu 60 t/ha Frischmasse bei optimaler Wasserversorgung.
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Kälte
Sorghum-Sudangras-Hybride, primär für die mehrschnittige Nutzung (Grünfutter, Silage) oder als Biogassubstrat geeignet. Sehr rascher Wiederaufwuchs nach dem Schnitt.
Goliath
SpätSpitzenerträge in der Trockenmasseproduktion unter warmen Bedingungen.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Lagerung, Kälte
Silo-Sorghum (Sorghum bicolor) mit enormer Wuchshöhe, speziell gezüchtet für die Biogasproduktion und Einmalnutzung als Silage.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Bodentemperatur bei der Aussaat von Sorghum so kritisch?
Als C4-Pflanze benötigt Sorghum für die Keimung eine Mindestbodentemperatur von konstant 12 °C (besser 14 °C) in Saattiefe. Bei zu früher Aussaat in kalte Böden keimt das Saatgut extrem langsam, was zu Verpilzungen, schlechtem Feldaufgang und einer extremen Verunkrautung führt, da die Kultur ihre Konkurrenzkraft nicht rechtzeitig entfalten kann.
Wie unterscheidet sich die Herbizidverträglichkeit von Sorghum im Vergleich zu Mais?
Sorghum reagiert deutlich empfindlicher auf viele gängige Maisherbizide. Es dürfen ausschließlich Pflanzenschutzmittel angewendet werden, die explizit für Sorghum-Hirse zugelassen oder über eine Genehmigung nach Art. 51 VO 1107/2009 freigegeben sind. Besonders Wirkstoffe aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe können bei falscher Anwendung oder unter Stressbedingungen wie Kälte oder Nässe schwere Phytotoxizität verursachen.
Was muss bei der Verfütterung von jungem Sorghum-Grünfutter beachtet werden?
Junge Sorghum-Pflanzen (unter 60–80 cm Wuchshöhe) sowie gestresster Zweitaufwuchs nach Frost oder extremer Trockenheit können nennenswerte Mengen des cyanogenen Glykosids Dhurrin enthalten. Dieses spaltet bei der Verdauung Blausäure ab, was für Wiederkäuer hochgiftig ist. Bei der Silierung baut sich das Toxin jedoch innerhalb weniger Wochen vollständig ab, weshalb die Nutzung als Silage absolut sicher ist.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt für Silosorghum im Vergleich zu Körnersorghum?
Silosorghum für die Biogas- oder Rinderfütterung wird geerntet, wenn die Gesamtpflanze einen Trockensubstanzgehalt (TS) von 28 % bis 32 % erreicht hat, was meist Ende September bis Anfang Oktober der Fall ist. Körnersorghum hingegen wird erst bei Vollreife der Körner (BBCH 89) gedroschen, wenn der Kornfeuchtegehalt unter 25 % (ideal unter 20 %) gesunken ist, um die anschließenden Trocknungskosten zu minimieren.
Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger in Sorghum?
Nutzen Sie die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtern Sie in der Produktdatenbank nach der Kultur 'Sorghum-Hirse' (oder dem EPPO-Code SORSS). Da die Zulassungssituation in Deutschland dynamisch ist, sollten Sie stets prüfen, ob für die spezifische Indikation (z. B. gegen einkeimblättrige Unkräuter) eine aktuelle Notfallzulassung oder eine Genehmigung für geringfügige Verwendungen vorliegt.