Sorghum-Hirse
Sorghum sp. (EPPO-Code: SORSS), im deutschsprachigen Raum meist als Sorghum-Hirse oder einfach Sorghum bezeichnet, gewinnt als trockenheitstolerante C4-Kultur in Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung. Die Kultur zeichnet sich durch eine hervorragende Wassernutzungseffizienz aus und dient primär als ertragreiches Biogassubstrat, hochwertiges Futtermittel (Silage und Korn) sowie in speziellen Nischen als glutenfreie Lebensmitteleisenquelle.
Aufgrund ihres tiefreichenden und intensiv verzweigten Wurzelsystems kann die Kultur auch in ausgeprägten sommerlichen Trockenphasen noch stabile Erträge sichern, bei denen andere Kulturen wie Silomais bereits starke Ertragseinbußen verzeichnen. Die thermophile Natur von Sorghum sp. erfordert jedoch eine sorgfältige Standortwahl und angepasste Aussaatstrategien, da die Keimung erst bei dauerhaften Bodentemperaturen ab 12 °C zuverlässig gelingt.
Bodenmanagement
Für einen erfolgreichen Anbau benötigt die Kultur tiefgründige, gut erwärmbare Böden ohne Verdichtungen, da Staunässe und kalte Bedingungen die Jugendentwicklung massiv hemmen. Eine sorgfältige Saatbettbereitung ist entscheidend, um einen feinkrümeligen und rückverfestigten Horizont für das relativ kleine Saatgut zu schaffen. Da Sorghum in der Jugendphase eine langsame Entwicklung aufweist, solltest du auf eine ausreichende, aber nicht überzogene Stickstoffdüngung achten, die idealerweise organisch oder mineralisch zur Aussaat platziert wird. Eine Unterfußdüngung mit Phosphat (ca. 30–40 kg P2O5/ha) fördert das schnelle Wurzelwachstum und hilft der Kultur, die kritische Jugendphase rascher zu überwinden. Humusreiche Sand- und Lehmböden bieten die besten Voraussetzungen für eine optimale Nährstoffdynamik und Wasserverfügbarkeit.
Schaderreger-Management
In der Praxis stellt die langsame Jugendentwicklung die größte Herausforderung dar, weshalb eine konsequente Unkrautregulierung im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf unerlässlich ist. Besonders schwer bekämpfbare Schaderreger wie die Echte Zaunwinde (Calystegia sepium) können die Kultur schnell überwachsen und müssen frühzeitig mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln kontrolliert werden. Mechanische Maßnahmen wie Hacken sind ab dem 4-Blatt-Stadium (BBCH 14) zwischen den Reihen sehr effektiv und fördern gleichzeitig die Bodenerwärmung und Mineralisation. Krankheiten wie die Helminthosporium-Blattfleckenkrankheit oder Stängelfäule treten meist erst bei feucht-warmer Witterung im Spätsommer auf und lassen sich vor allem durch weite Fruchtfolgen und resistente Sorten vorbeugen. Gegen tierische Schädlinge wie den Maiszünsler oder Drahtwürmer solltest du vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen ergreifen, da direkte chemische Anwendungen oft nur eingeschränkt möglich sind.
Sorten
KWS Freya
Früh bis mittelfrühSehr hoch im Biomasse-Segment
Resistent gegen: Lagerung, Kälte
Anfällig für: Helminthosporium-Blattflecken
Sehr standfeste Silosorte mit hoher Biomasseleistung und gutem TS-Gehalt bei der Ernte.
KWS Tarzan
MittelspätSpitzenerträge im Trockenmasse-Segment
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Spätfrost
Enorm wüchsige Sorte für trockenere Standorte, liefert exzellente Erträge für Biogasanlagen.
RGT Ggant
MittelspätSehr hohes Biomassepotenzial
Resistent gegen: Stängelfäule, Trockenheit
Anfällig für: Frühjahrskälte
Massebetonte Sorte mit sehr hoher Energiekonzentration, ideal als Maissilage-Ergänzung.
Huggo
FrühKonstant hohe Kornerträge
Resistent gegen: Lagerung, Vogelfraß
Anfällig für: Fusarium
Zuverlässig abreifendes Körnersorghum, das sich auch für kühlere Lagen in Deutschland eignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie empfindlich reagiert Sorghum auf Spätfröste und wie verhältst du dich bei Frostschäden?
Sorghum ist als C4-Kultur extrem frostempfindlich. Bereits leichte Minusgrade im Frühjahr können die jungen Blätter schädigen. Wenn der Vegetationspunkt noch unter der Erde liegt (vor BBCH 15), kann sich die Kultur oft regenerieren; bei tieferen Frösten oder bereits geschädigtem Vegetationspunkt musst du jedoch mit einem Totalausfall und einer eventuellen Neuansaat rechnen.
Welche Rolle spielt die Echte Zaunwinde (Calystegia sepium) im Sorghumanbau und wie regulierst du sie?
Die Echte Zaunwinde ist ein extrem konkurrenzstarker Schaderreger, der die langsam wachsenden Sorghum-Pflanzen schnell umschlingt und niederzieht. Da die chemische Auswahl an Pflanzenschutzmitteln in Sorghum begrenzt ist, solltest du Behandlungen im frühen Nachauflauf (BBCH 13 bis 15) mit dafür zugelassenen Herbiziden durchführen und diese idealerweise mit mechanischem Hacken kombinieren.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt für Silosorghum zur Biogasnutzung?
Der optimale Zeitpunkt liegt vor, wenn der Gesamt-Trockensubstanzgehalt (TS-Gehalt) der Kultur zwischen 28 % und 32 % liegt. Dies ist meist im September oder Oktober der Fall. Erntest du zu früh (unter 25 % TS), drohen hohe Sickersaftverluste im Silo; erntest du zu spät, leidet die Verdichtbarkeit des Materials im Silostock, was zu Fehlgärungen führen kann.
Wie unterscheidet sich der Stickstoffbedarf von Sorghum im Vergleich zu Silomais?
Sorghum nutzt Stickstoff aufgrund seines hocheffizienten Wurzelsystems und des C4-Stoffwechsels deutlich effizienter als Silomais. Der Gesamtbedarf liegt je nach Ertragserwartung bei etwa 100 bis 140 kg N/ha (inklusive Nmin). Eine Überdüngung solltest du unbedingt vermeiden, da sie die Standfestigkeit mindert und die Abreife verzögert.
Wie kannst du die langsame Jugendentwicklung der Kultur im Frühjahr überbrücken?
Die wichtigste Maßnahme ist das Abwarten der optimalen Bodentemperatur von mindestens 12 °C in 5–10 cm Tiefe vor der Aussaat. Zudem hilft eine gezielte Unterfußdüngung mit leicht verfügbarem Phosphat direkt neben der Saatreihe, um das frühe Wurzelwachstum anzuregen und den Zeitraum bis zum Reihenschluss zu verkürzen.
Wie finde ich auf farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für Sorghum?
Nutze die Suchfunktion auf unserer Plattform und filtere gezielt nach der Kultur 'Sorghum-Hirse' sowie dem gewünschten Schaderreger (z. B. Echte Zaunwinde). Achte dabei stets auf die aktuellen BVL-Zulassungen, die spezifischen Aufwandmengen und die vorgeschriebenen Wartezeiten für dein jeweiliges BBCH-Stadium.