Staudenkohl
Der Blattkohl (Brassica oleracea var. viridis, EPPO-Code: BRSOA), regional auch als Staudenkohl, Braunkohl oder Winterkohl bekannt, ist eine zweijährige, äußerst frostharte Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Im Gegensatz zu Kopfkohlarten bildet diese Kultur keine geschlossenen Köpfe, sondern lockere Blattrosetten oder gestreckte Triebe mit krausen oder glatten Blättern aus. Sie zeichnet sich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit an kühle Klimabedingungen aus und wird in Mitteleuropa traditionell für die späte Herbst- und Winterernte angebaut.
Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung, insbesondere an Stickstoff und Kalium, um die charakteristische Blattmasse zügig aufzubauen. Durch die lange Standzeit im Feld über die Wintermonate hinweg ist ein sorgfältiges Management von Schaderregern und die Auswahl robuster Sorten entscheidend für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau. Blattkohl gilt zudem als wertvoller Bestandteil von Fruchtfolgen zur Auflockerung von Getreide- oder Hackfruchtfolgen, erfordert jedoch aufgrund der Gefahr von bodenbürtigen Krankheiten weite Anbaupausen zu anderen Kreuzblütlern.
Bodenmanagement
Blattkohl gedeiht am besten auf mittelschweren bis schweren, tiefgründigen Böden mit hoher Wasserhaltekapazität und guter Humusversorgung. Da die Kultur ein ausgeprägtes, tiefreichendes Wurzelsystem entwickelt, ist eine tiefgründige Bodenlockerung ohne Verdichtungen im Unterboden essenziell. Vor dem Auspflanzen empfiehlt sich eine organische Grunddüngung mit Stallmist oder Kompost, um die biologische Aktivität des Bodens zu fördern. Ein stabiler pH-Wert im neutralen bis schwach alkalischen Bereich ist zwingend erforderlich, um das Risiko eines Befalls mit Kohlhernie zu minimieren. Während der Hauptwachstumsphase im Spätsommer muss eine gleichmäßige Wasserversorgung sichergestellt werden, da Trockenstress zu vorzeitiger Verholzung der Blätter führt.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz im Blattkohlanbau erfordert eine kontinuierliche Überwachung, da die Kultur über einen langen Zeitraum auf dem Feld steht. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Alternaria brassicae (Raps- und Kohlschwärze) sowie Neopseudocercosporella brassicae (Weißfleckigkeit), die bei feucht-warmer Witterung im Spätsommer die Blattqualität massiv beeinträchtigen können. Gegen tierische Schädlinge wie die Kohlmotte, den Großen Kohlweißling und die Mehlige Kohlblattlaus müssen regelmäßig Kontrollen durchgeführt und bei Überschreitung der Schadschwellen zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Der Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung bietet einen hervorragenden mechanischen Schutz gegen die Eiablage der Kohlfliege und minimiert den Insektizidbedarf. Zudem ist die Einhaltung einer mindestens vier- bis fünfjährigen Anbaupause zu anderen Brassicaceen die wichtigste präventive Maßnahme zur Gesunderhaltung der Kultur.
Sorten
Halbhoher Grüner Krauser
Mittelfrüh bis spätKonstant mittelhohe Erträge bei hoher Frosttoleranz.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Kohlhernie, Mehlige Kohlblattlaus
Altbewährte, sehr frostharte Standardsorte mit stark gekrausten, dunkelgrünen Blättern. Hervorragend für die späte Winterernte geeignet.
Winterbor
SpätSehr hoher, gleichmäßiger Ertrag im professionellen Anbau.
Resistent gegen: Frost, Blattfall
Anfällig für: Kohlhernie, Weißer Rost
Sehr ertragreicher F1-Hybrid mit feingekräuselten, graugrünen Blättern. Zeigt eine hervorragende Standfestigkeit und bricht auch unter Schneelast nicht zusammen.
Lerchenzungen
SpätMäßiger, aber qualitativ hochwertiger Ertrag.
Resistent gegen: Strenge Fröste
Anfällig für: Kohlhernie, Alternaria-Blattfleckenkrankheit
Traditionelle norddeutsche Landsorte mit schmalen, stark gekrausten Blättern und exzellentem, süßlichem Geschmack nach den ersten Frösten.
Redbor
Mittelfrüh bis spätGuter bis sehr guter Ertrag mit hoher Marktwarenquote.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Kohlhernie, Kohlmotte
Attraktive, rot-violette F1-Hybride, deren Färbung sich nach den ersten Frösten intensiviert. Sehr dekorativ und schmackhaft.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kannst du die Ausbreitung von Alternaria brassicae im Bestand effektiv verhindern?
Achte auf eine weite Fruchtfolge und vermeide Staunässe im Feld. Da der Schaderreger auf Pflanzenresten überdauert, solltest du Ernterückstände nach der Ernte tief und sauber einpflügen. Bei feucht-warmer Witterung im Spätsommer ist eine vorbeugende Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln ratsam, bevor die Infektion auf die jüngeren Herzblätter übergreift.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Mehligen Kohlblattlaus?
Besonders kritisch ist die Phase der Blattentwicklung und des Rosettenwachstums (BBCH 15 bis 39). Kontrolliere deine Kultur in dieser Zeit wöchentlich, da sich Kolonien tief in den gekräuselten Blättern festsetzen können. Sobald du die ersten Herde entdeckst, solltest du nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel einsetzen, da spätere Anwendungen die Schädlinge im dichten Laub kaum noch erreichen.
Wie findest du im Farmable-Hub die passenden Pflanzenschutzmittel für Blattkohl?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Blattkohl' (oder der übergeordneten Gruppe der Kohlgemüse) sowie dem spezifischen Schaderreger, wie etwa Alternaria oder Kohlmotte. Achte darauf, dass die Zulassung für das jeweilige BBCH-Stadium und die geplante Anwendung im Freiland gültig ist.
Warum ist die Stickstoffdüngung beim Blattkohl im Spätherbst vorsichtig zu handhaben?
Eine zu späte oder übermäßige Stickstoffgabe führt zu weichem Pflanzengewebe, was die Frosthärte der Kultur drastisch senkt. Zudem erhöht ein mastiger Wuchs die Anfälligkeit für pilzliche Schaderreger wie den Weißen Rost und die Kohlschwärze. Teile die Düngung daher so auf, dass die letzte Gabe spätestens im August erfolgt.
Wie unterscheidest du Schäden durch Neopseudocercosporella brassicae von anderen Blattflecken?
Die Weißfleckigkeit äußert sich durch typische, fast weiße bis hellgraue Flecken mit einem dunklen Rand, oft auf den älteren Blättern. Im Gegensatz zur Kohlschwärze (Alternaria), die konzentrische, dunkle Ringe zeigt, bleibt das Zentrum hier hell. Entferne stark befallene Blätter frühzeitig, um den Infektionsdruck im Winterquartier zu senken.
Welche Wartezeiten musst du bei späten Pflanzenschutzanwendungen im Winter beachten?
Da Blattkohl oft über einen langen Zeitraum hinweg nach Bedarf geerntet wird, musst du die Wartezeit (PHI) der eingesetzten Pflanzenschutzmittel exakt auf deine Erntetermine abstimmen. Bei späten Anwendungen gegen Raupen oder Pilze im Oktober oder November sind Präparate mit kurzen Wartezeiten von wenigen Tagen zu bevorzugen, um die kontinuierliche Vermarktung nicht zu gefährden.