Staudenkohl
Blattkohl (Brassica oleracea var. viridis, EPPO-Code: BRSOA), im deutschsprachigen Raum auch als Staudenkohl, Winterkohl oder regional als Braunkohl bekannt, ist eine zweijährige, äußerst frostharte Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Im erwerbsmäßigen Anbau wird sie als einjährige Blattgemüsekultur geführt. Durch ihre hohe Kältetoleranz erstreckt sich die Ernteperiode bis weit in die Wintermonate hinein, was sie zu einer wertvollen Nischenkultur für die Frischmarktversorgung in der kalten Jahreszeit macht.
Die Kultur zeichnet sich durch einen aufrechten Wuchs und fleischige, nicht kopfbildende Blätter aus. Botanisch steht sie den Urformen des Kohls sehr nahe. Für einen erfolgreichen Anbau sind humusreiche, tiefgründige Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung entscheidend. Da Blattkohl hohe Mengen an Stickstoff mobilisieren kann, nimmt er in der Fruchtfolge oft die Stellung einer starken Erstkultur ein, erfordert jedoch aufgrund der Anfälligkeit für bodenbürtige Schaderreger weite Anbaupausen.
Bodenmanagement
Blattkohl stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und die Nährstoffverfügbarkeit, weshalb tiefgründig gelockerte, mittelschwere Lehmböden mit hoher Feldkapazität ideal sind. Ein stabiler pH-Wert im neutralen bis schwach alkalischen Bereich (6,5 bis 7,5) ist zwingend erforderlich, um dem Risiko einer Infektion mit Kohlhernie effektiv entgegenzuwirken. Vor dem Auspflanzen sollte eine organische Grunddüngung, beispielsweise durch gut verrotteten Stallmist oder Kompost, in den Boden eingearbeitet werden. Aufgrund des hohen Stickstoffbedarfs der Kultur (ca. 150 bis 200 kg N/ha) ist eine bedarfsgerechte, auf mehrere Gaben aufgeteilte Kopfdüngung ratsam, um Auswaschungsverluste zu minimieren. Eine gleichmäßige Bodenfeuchte während der Hauptwachstumsphase verhindert das Verholzen der Blattstiele und sichert die Marktqualität.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz im Blattkohlanbau erfordert eine integrierte Strategie, da die Kultur von einer Vielzahl von Schaderregern bedroht wird. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Alternaria brassicae (Raps- und Kohlschwärze) sowie Neopseudocercosporella brassicae (Weißfleckigkeit), welche die Blätter entwerten und eine gezielte Anwendung von zugelassenen Fungiziden erfordern. Unter den tierischen Schädlingen verursachen die Kohlmotte, der Große und Kleine Kohlweißling sowie die Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege) oft erhebliche Fraß- und Saugschäden. Der Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung stellt eine hochwirksame mechanische Barriere dar und reduziert den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln signifikant. Ein konsequentes Monitoring mittels Gelbschalen und regelmäßigen Bestandskontrollen sichert den optimalen Behandlungszeitpunkt bei Überschreiten der Schadschwellen.
Sorten
Winterbor (F1)
Spät (ca. 120–130 Tage nach Pflanzung)Sehr hoch und ertragssicher
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Kohlhernie, Weiße Fliege
Äußerst bewährte F1-Hybride für den maschinellen Erwerbsanbau mit feingekraustem, dunkelgrünem Blatt.
Redbor (F1)
Mittelspät (ca. 110–120 Tage)Hoch
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Kohlhernie, Blattläuse
Attraktive, violett-rote Färbung, die sich nach den ersten Frösten intensiviert; sehr dekorativ für den Frischmarkt.
Halbhoher Grüner Krauser
Mittelfrüh bis spät (gestaffelte Ernte)Mittel bis hoch
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Alternaria-Blattflecken, Kohlhernie
Traditionelle, sehr winterharte Sorte mit guter Standfestigkeit, ideal für den regionalen Anbau und die Direktvermarktung.
Lerchenzungen
SpätMittel
Resistent gegen: Frost, Kälte
Anfällig für: Kohlhernie, Echter Mehltau
Historische norddeutsche Landsorte mit schmalen, stark gekrausten Blättern und hervorragendem, süßlichem Geschmack nach Frosteinwirkung.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflussen Frostereignisse die Qualität und den Erntezeitpunkt von Blattkohl?
Frost regt die Umwandlung von im Blatt gespeicherter Stärke in Zucker an und baut gleichzeitig bittere Geschmacksstoffe ab. Moderne F1-Hybriden besitzen zwar bereits einen höheren Zuckergehalt und können auch ohne Frost geerntet werden, doch traditionelle Sorten gewinnen durch Frost deutlich an Aroma und Zartheit.
Welche Fruchtfolgemaßnahmen sind zur Vermeidung von Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) zwingend einzuhalten?
Da der Erreger der Kohlhernie extrem langlebige Dauersporen im Boden bildet, muss eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu allen anderen Kreuzblütlern (wie Raps, Senf oder anderen Kohlarten) eingehalten werden. Zudem ist die konsequente Bekämpfung von kreuzblütigen Unkräutern als Zwischenwirte unerlässlich.
Ab welchem BBCH-Stadium ist das Risiko für einen Befall mit Alternaria brassicae am höchsten?
Das Risiko steigt signifikant ab der Rosettenbildung (BBCH 30) und während der Hauptwachstumsphase der Blätter (BBCH 40–49). Feucht-warme Witterung begünstigt die Sporenkeimung, weshalb ab diesem Zeitpunkt eine engmaschige Kontrolle der unteren Blattschichten auf dunkle, konzentrische Flecken erfolgen sollte.
Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger bei Blattkohl?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kulturgruppe „Kohlgemüse“ oder direkt nach „Blattkohl“. Sie können die Suche weiter nach Schaderregern wie Alternaria oder Kohlmotte eingrenzen, um aktuelle BVL-Zulassungen, Aufwandmengen und einzuhaltende Wartezeiten einzusehen.
Welche Rolle spielt die Mikronährstoffversorgung, insbesondere mit Bor, bei dieser Kultur?
Blattkohl hat einen im Vergleich zu anderen Kulturen sehr hohen Borbedarf. Ein Mangel äußert sich in hohlen, braun verfärbten Stängeln und vermindertem Wachstum. Eine gezielte Blattdüngung mit Bor im BBCH-Stadium 15 bis 30 beugt diesen physiologischen Störungen auf leichten oder kalkreichen Böden effektiv vor.