KARITSU
KARITSU ist ein hochwirksames, spezialisiertes Fungizid von ISK Biosciences Europe N.V., das für den gezielten Schutz von Kartoffeln, Fruchtgemüse (wie Tomaten und Auberginen) sowie verschiedenen Kürbisgewächsen entwickelt wurde. Als Suspensionskonzentrat (SC) formuliert, zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Haftung auf der Blattoberfläche und eine ausgeprägte Regenfestigkeit aus.
Der Schwerpunkt des Wirkungsspektrums liegt auf Oomyceten-Schaderregern. KARITSU bietet einen herausragenden Schutz gegen die Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) in Kartoffeln und Tomaten sowie gegen Falschen Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) in Gurken und anderen Kürbisgewächsen. Auch im Tabakanbau gegen den Blauschimmel (Peronospora tabacina) leistet das Mittel einen wichtigen Beitrag zur Ertragssicherung.
Durch seine protektive Wirkung verhindert das Präparat zuverlässig die Sporenkeimung und das Eindringen des Pilzes in das Pflanzengewebe. Es schützt sowohl die Blattoberfläche als auch den Neuzuwachs und ist somit ein unverzichtbarer Baustein in modernen, integrierten Pflanzenschutzstrategien.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Cyazofamid gehört zur chemischen Gruppe der Cyanoimidazole und ist im FRAC-Code unter der Gruppe 21 (QiI - Quinone inside Inhibitors) klassifiziert. Cyazofamid greift gezielt in die Zellatmung der Schadpilze ein, indem es den Elektronentransport im mitochondrialen Komplex III an der Qi-Stelle blockiert. Dies führt zu einem raschen Erliegen der Energieproduktion (ATP-Synthese) im Erreger. Durch diesen spezifischen biochemischen Mechanismus wirkt Cyazofamid extrem stark auf die Sporenkeimung, die Zoosporenfreisetzung und -mobilität sowie auf das Myzelwachstum der Oomyceten. Da der Wirkstoff vor allem protektiv wirkt, muss die Behandlung vorbeugend vor einer Infektion erfolgen, um das maximale Leistungspotenzial auszuschöpfen.
Resistenzmanagement
Da Cyazofamid als Qi-Inhibitor (FRAC-Gruppe 21) ein mittleres bis hohes Risiko für Resistenzbildungen aufweist, ist ein konsequentes Resistenzmanagement zwingend erforderlich. KARITSU sollte stets im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen eingesetzt werden. Die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison gemäß der BVL-Zulassung darf nicht überschritten werden, um den Selektionsdruck auf die Schaderreger-Populationen so gering wie möglich zu halten.
Mischbarkeit & Tankmischung
KARITSU zeigt eine gute physikalische und biologische Verträglichkeit in Tankmischungen mit gängigen Insektiziden, Blattdüngern und anderen Fungiziden. Bei der Kombination mit formulierten Additiven oder Netzmitteln ist jedoch vorab eine Verträglichkeitsprobe (Mischbecher-Test) ratsam. Für eine optimale Benetzung der Kulturen sollte auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge geachtet werden, insbesondere bei dichtem Laubdach. Die Anwendung sollte vorzugsweise in den kühleren Morgen- oder Abendstunden erfolgen, um eine schnelle Antrocknung des Spritzbelags ohne Verbrennungsrisiko zu gewährleisten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit KARITSU ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen, zu tragen. Zum Schutz von Gewässerorganismen sind die vom BVL vorgegebenen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und die Einhaltung von Abdriftminderungsklassen strikt zu beachten. Das Mittel ist im Allgemeinen als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte direkter Kontakt mit blühenden Kulturen oder Unkräutern während des aktiven Bienenflugs vermieden werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Gurke | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Moschus-Kürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Patisson | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Tomate | Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zucchini | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Kartoffel | Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) | 31–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Aubergine | Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Gurke | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zierpflanzen | Falsche Mehltaupilze (Peronosporaceae) | 11–59 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Tomate | Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) | 21–99 | 0.25 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Riesenkürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zucchini | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Flaschenkürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Tabak | Blauschimmel (Peronospora tabacina) | — | 0.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Garten-Kürbis | Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) | 21–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 3T |
| Zierpflanzen | Falsche Mehltaupilze (Peronosporaceae) | 11–59 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit KARITSU gegen Kraut- und Fäuleerreger?
Die erste Anwendung sollte unbedingt vorbeugend (protektiv) erfolgen, bevor erste Symptome im Feld sichtbar sind. Ideal ist der Einsatz bei einsetzender Infektionsgefahr, die durch Prognosemodelle (wie SIMPHYT für Kartoffeln) oder feucht-warme Witterungsperioden angezeigt wird.
Wie verhält sich KARITSU bei Niederschlägen kurz nach der Spritzung?
Dank der hervorragenden Formulierungseigenschaften haftet der Wirkstoff Cyazofamid extrem schnell auf der Wachsschicht der Blätter. Nach dem Antrocknen des Spritzbelags (in der Regel nach ca. 1 bis 2 Stunden) ist das Produkt hochgradig regenfest, sodass auch nachfolgende Niederschläge die Schutzwirkung nicht beeinträchtigen.
Warum ist der Wirkstoff Cyazofamid besonders wertvoll für den Knollen- und Fruchtschutz?
Cyazofamid besitzt eine stark sporenabtötende (antisporulierende) Wirkung. Indem es die Bildung und Freisetzung von Zoosporen verhindert, wird das Risiko minimiert, dass Sporen vom Laub in den Boden gewaschen werden und dort die Kartoffelknollen infizieren oder auf tiefer hängende Früchte wie Tomaten gelangen.
Kann KARITSU in allen BBCH-Stadien der zugelassenen Kulturen eingesetzt werden?
Ja, die Zulassung erstreckt sich über ein sehr breites Anwendungsfenster (BBCH-Stadium 11 bis 99). Dennoch liegt der Schwerpunkt der Praxisanwendung meist in den Phasen des intensiven Wachstums und der Hauptinfektionszeiträume, um den Neuzuwachs und die reifenden Ernteprodukte optimal zu schützen.
Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Falschen Mehltau?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank auf agronomy.farmable.tech. Wählen Sie die gewünschte Kultur (z. B. Gurke) und den Schaderreger 'Falscher Mehltau' aus, um eine vollständige Liste aller in Deutschland registrierten Alternativpräparate inklusive Wirkstoffklassen anzuzeigen.
Welche Rolle spielt KARITSU im Rahmen des Antiresistenzmanagements?
Da Cyazofamid zur FRAC-Gruppe 21 gehört, bietet es ein hervorragendes Werkzeug zum Wirkstoffwechsel (Rotation) mit Fungiziden aus anderen Gruppen (wie z. B. FRAC 40 oder Multisite-Wirkstoffen). Dies verhindert effektiv, dass Schaderreger wie Phytophthora Resistenzen gegen eine einzelne Wirkstoffklasse entwickeln.