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Kultur

Tabak

Nicotiana tabacum
NIOTA

Der Echte Tabak (Nicotiana tabacum, EPPO-Code: `NIOTA`) ist eine anspruchsvolle, einjährige Kultur, die in Mitteleuropa eine lange Tradition besitzt, insbesondere in klimatisch begünstigten Regionen wie der Rheinebene. Als Solanacee stellt die Kultur hohe Ansprüche an die Temperatur, die Wasserversorgung und eine harmonische Nährstoffverfügbarkeit während der relativ kurzen, aber intensiven Vegetationsperiode.

Die pflanzenbauliche Führung erfordert von Betriebsleitern präzises Timing, beginnend bei der geschützten Anzucht der winzigen Samen im Gewächshaus bis hin zur Pflanzung im Freiland nach den letzten Spätfrösten. Die Ernte erfolgt meist blattweise von unten nach oben, gefolgt von einer kontrollierten Trocknung, die maßgeblich die Blattqualität und die chemische Zusammensetzung für die spätere Verwendung bestimmt.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Aussaat unter Glas); Auspflanzung Mitte Mai bis Anfang Juni
Erntefenster
August bis Oktober
Reihenabstand
80–100 cm x 40–50 cm
Typischer Ertrag
20–30 dt/ha (Trockenblatt)
Wärmesumme (GDD)
2200 °Cd
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Tabak benötigt tiefgründige, gut durchlüftete und rasch erwärmbare Böden mit einer stabilen Struktur, um Staunässe konsequent zu vermeiden. Eine sorgfältige Herbstfurche gefolgt von einer feinkrümeligen Saatbettbereitung im Frühjahr ist essenziell für das schnelle Einwurzeln der empfindlichen Jungpflanzen. Die Nährstoffversorgung muss präzise auf den gewünschten Tabaktyp (z. B. Virgin oder Burley) abgestimmt werden; insbesondere eine übermäßige Stickstoffdüngung beeinträchtigt die Blattqualität und verzögert die Ausreife negativ. Kalium hingegen fördert die Glimmfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit der Kultur gegen Trockenstress und sollte bevorzugt in sulfatischer Form verabreicht werden. Regelmäßiges Hacken zwischen den Reihen dient nicht nur der Unkrautregulierung, sondern bricht auch Bodenkrusten auf und fördert die Bodendurchlüftung.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz im Tabakanbau konzentriert sich stark auf die Prävention bodenbürtiger Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum und bodenbürtiger Viren. Eine weite Fruchtfolge von mindestens vier bis fünf Jahren zu anderen Solanaceen oder anfälligen Wirtspflanzen ist zwingend erforderlich, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Gegen pilzliche Erreger wie Botrytis cinerea oder den Tabakblauschimmel müssen Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln oft vorbeugend oder bei ersten Befallssymptomen durchgeführt werden. Die mechanische oder chemische Unkrautbekämpfung im frühen BBCH-Stadium ist entscheidend, da Unkräuter wie Poa annua oder Senecio vulgaris nicht nur als Konkurrenten auftreten, sondern auch als Vektoren für Krankheiten dienen können. Das konsequente Entfernen von Geiztrieben und das Köpfen der Kultur reduzieren zudem das feuchte Mikroklima im Bestand und mindern so den Infektionsdruck im oberen Blattapparat.

Sorten

Virgin D

mittelfrüh

Hoher Ertrag an Qualitätsblättern bei ausgewogener Nährstoffgabe.

Resistent gegen: Tabakmosaikvirus, Thielaviopsis basicola

Anfällig für: Blauschimmel, Sclerotinia sclerotiorum

Klassischer heller Virginia-Tabak für die Heißlufttrocknung (Flue-cured). Zeigt ein stabiles Wachstum und hohe Blattqualitäten unter mitteleuropäischen Bedingungen.

Badischer Geudertheimer

mittelspät

Sehr ertragreich mit schweren, aromatischen Blättern.

Resistent gegen: Wurzelfäule

Anfällig für: Tabakmosaikvirus, Botrytis cinerea

Traditionsreiche, robuste Sorte für die Lufttrocknung (Air-cured). Besonders gut an die klimatischen Bedingungen in Südwestdeutschland angepasst.

Burley Bel

mittelfrüh

Konstant hohe Erträge auch auf leichteren Standorten.

Resistent gegen: Wildfeuer-Bakteriose

Anfällig für: Blauschimmel, Spinnmilben

Typischer Burley-Tabak für die Lufttrocknung. Zeichnet sich durch eine gute Nährstoffeffizienz und rasche Jugendentwicklung aus.

Badischer Burley

mittelfrüh

Gute, homogene Ertragsleistung bei mittlerem Nährstoffbedarf.

Resistent gegen: Tabakmosaikvirus

Anfällig für: Blauschimmel, Rote Spinne

Speziell für deutsche Anbaugebiete selektierte Burley-Sorte mit aufrechtem Wuchs und guter Standfestigkeit.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie wirkt sich das "Köpfen" (Entfernen des Blütenstandes) auf den Ertrag und die Qualität von Nicotiana tabacum aus?

Das Köpfen stoppt das generative Wachstum und lenkt die Assimilate direkt in die Blätter. Dies führt zu einer deutlichen Steigerung des Blattgewichts, erhöht den Nikotingehalt und verbessert die Blattstruktur. Der optimale Zeitpunkt liegt meist zu Beginn der Blüte (BBCH 55–61).

Warum ist die Regulierung von Poa annua im Tabakanbau besonders kritisch?

Einjähriges Rispengras (Poa annua) konkurriert im frühen BBCH-Stadium extrem stark um Nährstoffe und Wasser. Zudem begünstigt ein dichter Gras-Teppich am Boden ein feuchtes Mikroklima, was Infektionen durch Sclerotinia sclerotiorum und Botrytis cinerea im bodennahen Blattbereich massiv fördert.

Welche Rolle spielt das "Geizen" (Entfernen der Achselknospen) im integrierten Anbau?

Nach dem Köpfen treibt die Kultur verstärkt Achselknospen (Geizen) aus. Werden diese nicht mechanisch oder durch zugelassene Wuchshemmer (Pflanzenschutzmittel) unterdrückt, sinkt der Ertrag der Hauptblätter drastisch, da die Pflanze Energie in diese Nebentriebe investiert.

Wie kann das Risiko von Sclerotinia-Stängelfäule im Feld minimiert werden?

Neben einer weiten Fruchtfolge ist die Vermeidung von Staunässe und eine moderate Stickstoffdüngung entscheidend. Zu üppige Bestände trocknen schlechter ab, was dem Pilz Sclerotinia sclerotiorum ideale Infektionsbedingungen bietet. Auch die mechanische Unkrautbekämpfung verbessert die Durchlüftung.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Tabakblauschimmel im Portal?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur "Tabak" (Nicotiana tabacum) und dem Schaderreger "Peronospora hyoscyami" (bzw. Blauschimmel). Achten Sie bei den gelisteten Anwendungen besonders auf die spezifischen BBCH-Stadien und die einzuhaltende Wartezeit (PHI) vor der Ernte.

Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 19 für den Herbizideinsatz?

Bis zum Erreichen des BBCH-Stadiums 19 (Neun oder mehr Laubblätter entfaltet) müssen chemische Unkrautbekämpfungsmaßnahmen weitgehend abgeschlossen sein. Spätere Anwendungen bergen ein hohes Risiko von Phytotoxizität und können Rückstände in den erntereifen Blättern hinterlassen.